Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 24 (14.6.1907)
- Date
- 1907-06-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316267--49412-3344348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WELT No. 24 noch nicht einmal gegründete Palästina-Industrie-Syndikat „über kurz oder lang versinken wird". Die bisherige Taktik der palästinensischen Autoritäten, alles, was von Europa aus zu Gunsten der Kolonisation Palästinas geplant oder unternommen wird, von vorneherein tot zu kritisieren, wird dazu führen, daß selbst die wenigen Zionisten, denen die Wirtschaft liehe Erschließung Palästinas eine heilige ernste Sache ist, sich schließlich von der aktiven Propaganda gänzlich zurückziehen werden. Hochachtungsvoll 0. W a r b u r g. DER HANDEL PALÄSTINAS IM JAHRE 1906 (Britischer Konsulargericht (mit Anmerkungen von DAVIS TRIETSCH, JAFFA) I. Allgemeiner Bericht des Konsuls Freemann, Jerusalem. Der Gesamtwert der Einfuhr und Ausfuhr von Jaffa, der eigentlich mit dem ganz Palästinas*) identisch ist, **) betrug im Berichtsjahre ca. 23 200 000 Mk., verglichen mit 1905 ein Zuwachs von 6 600 000 Mk. oder 40 °/o. Der Wert der Einfuhr erhöhte sich von 9 280 000 Mk. auf 13 200 000 Mk., und der der Ausfuhr von ca 7 400 000 auf 10 Millionen Mark (einschließlich der Ziffern von Gaza betrugen Import und Export je ca. 14 Millionen). Der Durchschnitt der früheren Jahre betrug in Jaffa für jede der beiden Kategorien ca. 6 Millionen mit einer deutlicheren Aufwärtstendenz bei der Einfuhr als bei der Ausfuhr. Der sehr starke Aufschwung des Jahres 1906 war hauptsächlich durch den Ernteausfall veranlaßt, der (mit Ausnahme der Gerstenernte im Gaza-Distrikt) im ganzen Lande ein durchweg guter war. Die Zunahme der Einfuhr erklärt sich zum großen Teile durch die stets wachsenden Mengen von Einwanderern, Pilgern und Touristen. Der Impo rt. Die Vermehrung der Einfuhr des Jahres 1906 erstreckte sich auf alle Waren, hat sich aber am meisten gezeigt bei Baumwollwaren, Kleineisenwaren, Petroleum, Bauholz und sonstigem Baumaterial. Zucker und Kaffee (deren- Einfuhr jedoch von Jahr zu Jahr großen Schwankungen unterworfen ist) wurden ebenfalls in größeren Quantitäten gekauft als seit lange. Die Zunahme in den allgemeinen Importziffern wäre übrigens wahrscheinlich eine noch weit größere gewesen, wenn nicht die Preise fast aller europäischen Waren und Fabrikate ausnahmsweise hoch gewesen wären. Baumwollwaren. Die größte Zunahme war bei Baumwollwaren zu verzeichnen, deren Importsich in den letzten sieben Jahren im Quantum verdoppelt und dem Werte nach vervierfacht. Die Webstühle der Landesbevölkerung kommen immer mehr außer Gebrauch, und die wollenen Stoffe werden stark verdrängt durch farbige Baumwollflanelette (für Kleider), die von Deutschland und Italien importiert werden. Ein großer Teil (vielleicht 30 °/o) des Baumwoll- und Stückwarenhandels wurde von italienischen Fabrikanten erobert, und zwar einerseits durch Billigkeit der Produktion, und anderseits durch günstige Lieferungsbedingungen. Baum ateri alien. Infolge des Anwachsens der Bevölkerung durch die stetige jüdische Einwanderung aus Rußland und von anderwärts steigt die Einfuhr solcher Baumaterialien wie Eisen- und Stahlstützen für Dächer, Eisenbleche, Dachziegel, Holz und Zement in wesentlichem Maße. Durch die zunehmende Verwendung von Eisen und Dach - *) Hier ist — wie oft in Konsularberichten unter — Palästina nur das Mutessariflik Jerusalem (und zwar die Bezirke Jerusalem, Jaffa, Hebron, Beerseba und Gaza) zu verstehen. Die Unkorrektheit der Bezeichnung wird um so störender, als neuerdings der im Wilayet Beirut gelegene Bezirk von Nazareth in Form einer Enklave offiziell zum sogenannten „Paschalik" Jerusalem gerechnet wird. **) Siehe weiter unten über den direkten Handel Gazas (ca. 4 Millionen Mark). ziegel statt der althergebrachten Kuppelform für Dächer geht eine stetige Veränderung im Stadtbild Jerusalems und anderer Plätze vor sich. Deutsche, französische und belgische Exporteure machen sich diese Entwicklung wohl zu nutze, und auch britische Exporteure und Schiffahrts-Gesellschaften sollten versuchen, solche Frachtsätze zustande zu bringen, wie die zwischen Hamburg oder Antwerpen und Jaffa. Die Zuschüsse, die den deutschen Eisenbahnen und der Deutschen Levante-Linie zur Verfügung stehen, ermöglichen es, daß Waren aus dem Innern Deutschlands hier mit einem ganz geringen Aufschlag auf die Herstellungskosten zum Markte gelangen. Klein eisen waren. Der Import von Kleineisenwaren, der sich lange Zeit hindurch gleich geblieben war, ist in den letzten 10 Jahren zehnfach größer geworden — ein größerer Zuwachs sogar, als man nach der Bevölkerungszunahme und der gesteigerten Bautätigkeit hätte erwarten können. Emaille - Geschirre. Ein wichtiger Handelsartikel sind emaillierte Geschirre (meist geringere Qualität) aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Kessel Teekocher, Pfannen, Teller aller Arten, Eimer etc. finden großen Absatz und werden auch von den Russen und andern Pilgern, die alljährlich zu Tausenden nach Jerusalem kommen, viel gekauft. Sauggas-Motore. Mehrere Sauggas-Anlagen (mit Anthracit - Nuß - Kohlen- Feuerung) sind im letzten Jahre mit gutem Erfolg eingeführt worden." ) Der Hauptvorzug der Sauggas-Motoren gegenüber den Dampfmaschinen liegt in ihrem sparsamen Verbrauch von Feuerung und Wasser, und dies ist ein besonders großer Vorteil gerade in Palästina, wo die meisten Städte bezüglich ihrer Wasserversorgung hauptsächlich auf Regen angewiesen sind. Petroleummotore haben in den letzten Jahren in den 890—900 Orangengärten bei Jaffa die alten Wasserräder für Irrigationszwecke ersetzt, aber wenn der Petroleumpreis auf seiner jetzigen Höhe bleibt, so werden die Sauggas-Motore sie auch auf diesem Gebiete voraussichtlich bald verdrängen. Die neuen Sauggasanlagen in Jerusalem und Jaffa sind meist deutschen Ursprungs, doch liegt das nicht etwa an ihrer Billigkeit, sondern daran, daß deutsche Firmen ihre Maschinen in praktischerer Weise lancieren. Sie engagieren als Agenten Ingenieure, die den Motor aufstellen, für gutes Funktionieren eine einjährige Garantie übernehmen und imstande sind, Reparaturen und Ersatzteile aus eigener Werkstelle zu stellen, wodurch sich der eingeborene und unerfahrene Käufer natürlich viel sicherer fühlt. Englische Firmen, denen an hiesigen Aufträgen liegt, sollten dieselbe Methode anwenden oder wenigstens Fachlente herschicken, um zu untersuchen, was hier verlangt wird und um die Überlegenheit der englischen Fabrikate zu demonstrieren. Unter den bisherigen Umständen können englische Fabrikanten nicht erwarten, regelmäßige Aufträge in diesem speziellen Geschäftszweige zu erziellen, und es wäre ein Fehler, weiter zu versuchen, nur durch allgemeine Kommissions-Agenten oder durch Versand von Katalogen Ordres zu bekommen. *). Die größte dieser für Palästina noch neuen Maschinen (sie hat über 70 Pferdestärken) betreibt in Jerusalem eine jüdische Mühle.