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Die Welt · 1907-06-14 · 24 (14.6.1907) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Vor allem ist es Pflicht jedes Gesinnungsgenossen, die Separat-Ausgabe zu bestellen. Aber auch in den uns sonst fernstehenden jüdischen Kreisen möge eine intensive Propaganda für eine Verbreitung der Kongreßausgabe eingeleitet werden. Der Preis dieser Ausgabe wurde diesmal so mäßig angesetzt, daß es jedem möglich sein wird, ein Abonnement für die Separat-Ausgabe aufzugeben. Die regelmäßigen, ebenso alle neueintretenden Abonnenten der „Welt" erhalten die Separat-Ausgabe vollständig kostenlos zugesandt. Die Federationen, Vereine und Vertrauensmänner in allen Ländern, die irgendeine größere Aktion zur Verbreitung der Separat-Ausgabe unternehmen wollen, bitten wir, sich mit uns unverzüglich in Verbindung zu setzen. Abonnementseinladungen und sonstige Drucksachen stellen wir auf Wunsch gerne kostenlos zur Verfügung. Adressen, an die von hier aus Aufforderungen zum Abonnement verschickt werden sollen, erbitten wir umgehend. Die Separat-Ausgabe wird insgesamt fünf Nummern umfassen. Es kostet das Abonnement für diese fünf Nummern für Deutschland . . . . . Mark 1.70 Oesterreich-Ungarn , . Kronen 2.— Rußland......Rubel 0.80 Qroßbritanien . , k . sh. 2/9 Holland......Hfl. 1.— Vereinigte Staaten . . Doli. 0.45 Alle übrigen Länder . Francs 2.— Abonnements werden nur gegen Voreinsendung des Betrages entgegengenommen. Briefmarken aller Länder nehmen wir in Zahlung. Organisationen, die mindestens 20 Exemplare abonnieren, erhalten 25°/o Rabatt. — Expedition „Die Welt". Offener Brief an Dr. Leo Kohan Berlin, den 4. Juni 1907. ierrn Dr. Leo Kohan Jaffa. Sehr geehrter Herr Doktor! Mit Ihrem Artikel „Über Kapitalanlagen in Palästina" können vir uns zu unserrn Bedauern nicht einverstanden erklären und niissen dies auch öffentlich aussprechen, da die darin enthaltenen Behauptungen, wenn man ihnen nicht widerspricht, imstande sein könnten, die mühselige Arbeit unserer Kommission im Interesse Palästinas im Keime zu ersticken, ohne etwas Besseres an ihre Stelle zu setzen. Sie nennen zwar nicht das Kind bei seinem Namen, Sie haben .iber doch wohl nur das Palästina-Industrie-Syndikat zum Treffpunkt Ihrer Ausführungen wählen können, denn dieses Syndikat ist vorläufig leider das erste und einzige Unternehmen, das dazu Destimmt ist, das Kapital der Diaspora in Form von zu gründenden Gesellschaften für Palästina zu gewinnen. Mit welchem Recht Sie aber schon im voraus solchen Unternehmungen Fiasko prophezeien, verstehen wir nicht, denn die geschäftliche Praxis bestätigt Ihre Ansicht nicht. Wäre es wirklich so, wie Sie behaupten, daß nur diejenigen Unternehmungen prosperieren können, die von ihren Eigentümern elbst geleitet werden, so würden die großen Industriestaaten nie iie Höhe erreicht haben, auf der sie heute stehen. In der Tat werden nämlich die großen Aktiengesellschaften meistenteils nicht von ihren Besitzern, sondern von bezahlten Beamten oder, um einen in Palästina besonders geläufigen Ausdruck zu gebrauchen, von Administratoren geleitet. Die Eigentümer selbst üben gewöhnlich mit Hilfe des Aufsichtsats nur die Kontrolle aus. Ihnen als ehemaligem Südrussen dürfte sicherlich bekannt sein, laß zum Beispiel die großen belgischen Maschinenfabriken im jouvernement Ekaterinoslaw nicht von ihren belgischen Besitzern, sondern von bezahlten Beamten geleitet werden. In den Geschäftsberichten dieser Fabriken wird nie erzählt, daß die geographische Entfernung ihrer Aktionäre die Ursache der Verluste oder der gelingen Dividenden ist. Dabei wird wohl in manchen Berichten der belgischen oder auch anderen Fabriken gestanden haben, daß der Krieg, die Revolution, die häufigen Streiks oder gar die Konkurrenz die Ursache der Verluste oder des geringen Gewinnes sind. Ist man aber gegen Krieg, Revolution, Streik oder eine sonstige force majeure geschützt, wenn man sein Unternehmen selbst leitet? Und findet man denn nicht sehr oft, daß der bezahlte Leiter eines Geschäftes viel tüchtiger ist als sein Eigentümer? Gewiß gibt es auch Direktoren, die ihrer Sache nicht gewachsen sind, aber man findet auch viele Eigentümer, die schlechte Geschäftsführer sind. Wir würden die Übersiedelung europäischer und englischer Kapitalisten sicherlich mit Freude begrüßen, aber vorläufig ist es nur ein frommer Wunsch und wir fürchten, daß es leider noch lange nur ein Wunsch bleiben wird. Kann man etwa verlangen, daß die wenigen Kapitalisten, die, nebenbei bemerkt, auch für die Leitung der Bewegung in Europa unentbehrlich sind, ihre Geschäfte liquidieren und schon jetzt nach Palästina übersiedeln sollen? Oder meinen Sie vielleicht gar, daß schon die Zeit gekommen ist, den Schwerpunkt des Zionismus nach Jaffa zu verlegen? Und glauben Sie wirklich, daß die wenigen zionistischen Rentiers, die sich von ihrer Arbeit zurückgezogen haben, jetzt nach Palästina auswandern sollen, um unter viel schwierigem Verhältnissen als in Europa das Geschäftsleben dort von neuem zu beginnen. Wer mit den Verhältnissen in unserer Bewegung nicht vertraut ist, muß beim Lesen Ihres Artikels denken, daß es sehr viele reiche Leute unter den Zionisten gibt; aber in der Tat sind deren Reihen so dünn gesät, daß ein jeder Schekelzahler sie täglich beim Namen nennt. Würden Sie übrigens wissen, wie schwer es ist, selbst unter den reichen Zionisten nur tausend Mark für ein palästinensisches Unternehmen zu bekommen, so würden Sie Ihre Forderungen an die „zionistischen Großkapitalisten" wahrscheinlich etwas herabgemindert haben. Außerdem möchten wir noch bei dieser Gelegenheit bemerken, daß es schon jetzt wünschenswert ist, Unternehmungen in Palästina ins Leben zu rufen, die viel größere Kapitalien erfordern, als sie die „großkapitalistischen Zionistenführer" vermutlich insgesamt besitzen, und diese Unternehmungen werden daher selbst gegen den Willen unserer palästinensischen Freunde in Form von Aktiengesellschaften mit besoldeten Direktoren und Beamten gegründet werden. Wie Sie sehen, verehrter Herr Doktor, teilen wir Ihre Anschauungen nicht. Nur in einem Punkte geben wir Ihnen recht. Auch wir halten den zionistischen Touristenverkehr für verfrüht; denn wenn ein begeisterter Zionist heute auf einige Wochen nach Palästina kommt, so hört er von den palästinensischen „Autoritäten" nichts anderes, als daß die landwirtschaftliche Versuchstation, deren Notwendigkeit sie nicht erfassen können, unnötig ist, oder daß das

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