Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 23 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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34 DIE3§KELT No. 23 o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG oooooool xSN. /V/ looooooo Aufruf des innerösterreichischen Distriktkomitees Juden, Volksgenossen! Festliche Tage sind es, die wir österreichischen Zionisten eben begehen. Wir, die wir bisher fern von der Tagespolitik stetig und zielbewußt an der Vertiefung des nationalen Gedankens .und an der Aufrichtung unseres Volkszentrums in Palästina gearbeitet haben, wir haben im gegebenen Moment dem jüdischen Volke in Österreich eine würdige nationale Vertretung geschaffen und damit der jüdischen Renaissancebewegung eine Tribüne erobert, von welcher aus ihre Vorkämpfer sich Gehör und Ansehen erwerben werden. Die zionistische Organisation ist gewiß keine innerpolitische Partei und soll keine werden. Aber, es war eine historische Notwendigkeit für uns Zionisten, im Momente, wo es möglich war, die assimilatorische Politik der Juden in Österreich für immer zunichte zu machen und durch eine national-jüdische zu ersetzen, all unsere Kraft dafür einzusetzen. Der große Erfolg unserer guten Sache erfüllt uns mit freudiger Genugtuung! In dieser gehobenen Stimmung wenden sich unsere Gedanken und unsere Kräfte mit verdoppelter Macht der unmittelbaren Arbeit für unsere große Lebensaufgabe zu: Der Schaffung einer jüdischen Volksheimat auf jüdischem Boden. Mit jedem Fußbreit Bodens, den wir hierzulande gewinnen, mit jeder Hebung unserer nationalen Stellung in dem Staate, in welchem wir leben, wird die Erreichung dieses großen Zieles zu einer immer dringenderen Notwendigkeit. Denn das von uns aufgerüttelte und organisierte Volk muß, je mehr sein nationales Empfinden wieder erwacht und sein Selbstbewußtsein wächst, mit immer größerer Macht dem nationalen Kraftzentrum zustreben, dessen Energien in alle versprengte Glieder des Volkes ausstrahlen sollen. Immer mehr muß es nach einer jüdischen Volkspolitik verlangen, welche nicht innerhalb der Grenzen eines Landes die Judenfrage lösen zu können vermeint, sondern unserer Solidarität mit all unseren Brüdern auf der ganzen Erde Rechnung trägt, einer Politik, welche nicht allein der Not des Tages zu steuern, sondern auch die Zukunft des Volkes zu sichern, ihm eine nationale Vollexistenz zu ermöglichen sucht. So wird die Erreichung unseres Zieles, die Schaffung eines jüdischen Volkszentrums auf dem alten Heimatbodeu zu einer Lebensnotwendigkeit ebenso für die Wiederauferstandenen, als für die noch in dumpfem Elend schmachtenden Volksteile. Juden Österreichs! Dem Willen folge die Tat! Am 14. August 1907, wird in Haag, dem Orte der internationalen Friedenskonferenzen, zum achtenmale das jüdische Weltparlament — der Zionistenkongreß tagen. Wieder werden sich Hunderte von jüdischen Männern aus allen Erdteilen, gewählt und getragen durch das Vertrauen von Hunderttausenden, zusammenfinden und ein Abbild geben der festen Einigkeit aller aufwärts- und vorwärtsstrebenden Volksteile, trotz aller Unterschiede des Denkens, des Fühlens, des Glaubens und der Bedingungen, unter welchen sie leben. Der Kongreß wird der Welt verkünden, wie weit schon unser Werk im Werden ist, und wird die Grundsätze festlegen, nach welchen auf den mit unendlicher Mühe errichteten Grundmauern weitergebaut werden soll. Welcher aufrechte Jude wollte in diesem Volksrat nicht mitsprechen, welcher moderne, nationalbewußte Jude wird sich der Verantwortung entziehen, die ihm im heutigen für die Lage der Juden der ganzen Erde so wichtigen Augenblick seine Überzeugung auferlegte? Im Namen des jüdischen Volkes treten wir vor jeden Juden mit der Frage: Willst du die nationale Wiedergeburt deines Volkes auf dem uralten Heimatboden? Willst du mithelfen, daß die schon heute in Palästina urwüchsig und bodenständig entstehende neujüdische Kultur sich entwickle und aufblühe? Willst du, daß dem jüdischen Massenelend dauernd gesteuert, den vor Not und Tod fliehenden Brüdern eine Heinistätte, dem ganzen Volke eine Zuflucht und ein fester Rückhalt geschaffen werde? Willst du, daß das jüdische Volk durch eine gewaltige Gesamtanstrengung sich die Achtung aller Nationen erzwinge und den jüdischen Namen wieder zu Ehren bringe? Kein anständiger Jude darf sich der Beantwortung dieser Fragen entziehen! Es gibt für einen Juden kein „Sichherumdrücken" um den Zionismus! Wer uns aber antwortet: „ich will" — der zahle den Schekel, unsere neue Volkssteuer, und erwerbe damit das Wahlrecht in das jüdische Parlament! Jeder einzelne von Euch, Gesinnungsgenossen, hat mit dieser Frage an die Juden seines Kreises heranzutreten — jeder Einzelne hat in diesem Sinne ein Schekelsanimler zu sein. Jeder Einzelne trägt die Verantwortung vor dem ganzen Volke, ob er diese Pflicht getan! Bedeutungsvoll ist der Augenblick, in dem wir an Euch appellieren! Die Augen der ganzen Welt sind heute auf die österreichischen Zionisten gerichtet. Wir sind hinausgetreten in das volle Licht der Weltbühne, — seht zu, daß wir uns nicht nur groß, sondern auch zahlreich repräsentieren! Das innerösterreichische Distriktskomitee. Mitteilung des A.=C. An die Federationen. Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Wir erlauben uns, Sie hierdurch nochmals mit besonderem Nachdrucke auf die Anordnung des Großen Aktions-Komitees aufmerksam zu machen, wonach die Wahlen zum VIII. Kongreß so vorzunehmen sind, daß die Wahlprotokolle und Schekelgelder bis spätestens vier Wochen vor dem Kongresse in unserm Besitze sind. Der ursprünglich festgesetzte Wahltermin ist durch diese Anordnung nur deshalb hinausgeschoben worden, weil die abnormen Verhältnisse in verschiedenen Ländern den betreffenden Landsmannschaften die Vornahme der Wahlen an dem früheren Termine sehr erschwert haben würden. Um so strenger müssen wir jetzt darauf bedacht sein, daß diese Anordnung auf das Allergenaueste eingehalten wird. Wahlen, für die die Wahlprotokolle und die Schekelgelder nicht bis spätestens zum 14. Juli bei uns eingetroffen sind, v/erden unter keinen Umständen anerkannt werden. Die Vorarbeiten für den Kongreß im Haag sind von uns in Angriff genommen worden. Wir sind zurzeit damit beschäftigt, mit Hilfe unserer holländischen Freunde alle Anordnungen zu treffen, damit die erforderlichen Säle, Wohnungsgelegenheiten, Beamte usw. den Teilnehmern des Kongresses nach Möglichkeit zur Verfügung stehen. Näheres darüber werden wir demnächst bekannt geben. Es ist vorgesehen, daß auf dem Kongresse spezielle Berichte über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern erstattet werden. Diese Berichte werden um so mehr Bedeutung haben, als der diesmalige Kongreßort die Möglichkeit bieten wird, ein Bild der Lage der Juden in der ganzen Welt vor einem besonders hervorragenden Forum zu geben. Wir ersuchen daher die Federationen höflichst, uns einen zusammengedrängten, authentischen Bericht über die Situation der Juden in ihrem Lande schnellstmöglich einzusenden. Gleichzeitig mit dem Berichte über die Lage der Juden wollen Sie uns auch eine ausführliche Mitteilung über den Stand der zionistischen Bewegung in ihrem Lande und die Tätigkeit ihrer