Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 23 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 23 DJEE^E LT 33 dazu ausnutzte, um in dem verödeten Palästina seine Stammes- ^enosssen wieder ansiedeln zu dürfen? Schweifte selbst der Blick des getauften Disraeli nicht immer wieder zur alten Heimat seines Volkes zurück? Ja mehr noch: haben nicht gerade die größten jüdischen National-Philanthropen, Baron Edmund Rothschild und Baron -iirsch, von einem richtigen, reallolitischen Sinn geleitet, einen Standpunkt ingenommen, der dem der Zerstreuungspolitiker direkt entgegengesetzt ist? Hatten hre groß angelegten Hilfswerke nicht den Zweck, die Juden dauernd anzusiedeln,;nd zwar in geschlossenen Massen, wie es •iir Charakter als Volk verlangt? Woran lachten diese zwei großen Juden im letzen Grunde? Doch an nichts anderes, :As an einen modernen Auszug der Juden aus den Ländern der Sklaverei. „AI Chet" (Zu unserer Kunstbeilage) Ein Mann aus dem Volke, Kleinkrämer, ielleicht gar Schneider, dickhäutig, tölpelhaft, Wissens- und gefühlsarm, ein Markt- Mensch (Adam min haschuk) — in seinem ' eten ganz aufgelöst, ganz durchflutet und irchgeistigt —, das ist die Hauptgestalt c if dem Pilichowski/schen „AI chet". Der Kopf ist so groß, daß er schier den -ahmen zersetzt; das Gesicht ist von ner so gewaltigen Innerlichkeit in der! albgebückten Haltung, mit der kraftvollen HERMANN STRUCK JUDE MIT PELZMÜTZE Nackenbiegung, mit dem grauenvollen Ernst der Stirnfurchen und mit diesem Blick einer bis zur höchsten Spannung gesteigerten Zerknirschtheit, die auch in der stark geballten, sich an die Brust schlagenden Faust ihren Ausdruck findet, daß man kaum die Augen davon abreissen kann, und hat man das Bild gesehen, so sitzt es einem tief im Gedächtnis — unvergeßlich. Es ist nicht salbungsvolle Andacht mit Weihrauch und Geklingel. Nichts nach außen — alles nach innen gekehrt. Der Betende sieht den Priester nicht; er braucht ihn auch gar nicht. Es ist auch eigentlich kein Gemeindebeten. „AI chet schechatassi" — für die Sünde, die ich gesündigt habe. Er beichtet vor sich, vor dem Gott der in seinem Herzen lebt und richtet. Und dieser Gott ist stark und zornig, wie er — gegen sich selbst. Eigentlich keine Beichte und kein Bußgebet — Selbstzüchtigung ist es, streng, trotzig — eine überwältigende Äußerung intimer Persönlichkeit. Dieses Bild — eigentlich eine Studie zu einem größeren Werke — wurde in Wiesbaden ausgestellt. Viele Juden gingen vorbei; ein Christ, ein Maler, erstand es. Wann wird die jüdische Kunst ihr Heim im jüdischen Hause haben? Eine Frage, die wir so oft stellen, wenn wir unsere schönsten, tiefstjüdischen Werke in die Museen oder zu den Nichtjuden wandern sehen. Wir möchten den Juden, die allem Fremden nachlaufen und keinen Blick haben für das jüdische Große und Schöne, zurufen: „AI chet schechatassi". :<SQS O5OSO505O5 Oi^050505'050iO^Ö5 'd wei liebe Hände gaben mir den Segen, So oft die Sabbatstunde bräutlich kam Und träger Tage Schwermut von uns nahm* Zwei liebe Hände gaben mir den Segen, Die nächtens arbeitsmüd und schwer vom Plagen Auf unsrer Ahnen lichten Büchern lagen* wei liebe Augen haben mir gelächelt» Und Lenzestrieb quoll stark in mir empor Und lockte wirre Maienwunder vor* Zwei liebe Augen haben mir gelächelt* Die schwarz umrandet von des Schicksals Wettern, Die Tröstung suchten in den heiligen Lettern* Seelenfeier B erhn ISO ISO UP ISO ISOISOISO l<0_ ISO ISO1SDISD ISO ISO ISO ISO Und meine Wange küßten mir zwei Lippen Im Morgengrau und wenn der Tag verblich Und scheu der Abend an mein Lager schlich» Und meine Wangen küßten mir zwei Lippen, Die nur von Beterworten überquollen Und küssend schwelgten auf geweihten Rollen* Nun sind sie still* so Hand und Aug' und Lippen ♦ ♦ LTnd ihre Seelen zogen ernst und rein In meiner Träume keusche Inbrunst ein* Nun sind sie still* so Hand und Aug' und Lippen * * Und sprechen laut in mir den Ahnensegen* Und Heimatsonne glänzt auf nächtigen Wegen* Theodor Zlocisti