Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 23 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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28 ■ Doch vergebens; störrig blieb es, — Und es rührt' sich nicht vom Fle&e, — Alfen Schlägen, aller Folter Bot geduldig es den Rücken« Und mit Riesenkraft ertrug es, — Was ich auch an Qualen aussann« Keinen Fufjbreit wich der Esel, Und erschöpft blieb ich besiegt. Fluchend warf ich midi zu Boden, Fluchend diesem bösen Schicksal, Das entgegen mir getreten, — Und dodi war's mein guter Engel!— Wieder ging ich an die Arbeit, [Reinen Esel zu belehren; Diesmal doch versucht' ich's anders, — Rieht mit Sporen und mit Schlägen, Freundlich kraut' ich ihm den Racken Hinter seinen langen Ohren, — Streichelf ihn und gab ihm schmeichelnd hiebesnamen, Koseworte, — Rannt' ihn meinen braven Esel, Und versprach ihm volle Krippen, — Sprach auch von der ehrenvollen niission, die ihm beschieden, Der Rlission, auf seinem Rüdken mich Jetzt meines Wegs zu tragen* fleh, es war ein grofjer Esel mit so schönem breitem Rücken* Und sieh da, — das Rlittel wirkte, — Gr begann den Fufj zu setzen, Und behaglich ritt ich weiter, Wieder meiner Rede denkend, — Da begann es mir zu dämmern, Wie so töricht doch flmalek, Der mit Schlägen und mit Qualen 3acobs Samen will verderben* Die Riethode, die soeben So erfolgreich sich erwiesen, Sollte brauchbar sich auch zeigen Künftig noch bei andern Eseln. mt$ßLT 3st mit Schlägen und mit Qualen Israel nicht zu bezwingen, — Allgewaltig ist's im Dulden! — Zwingen wir's mit Schmeichelein, Und so trat ich dann vor Balak, — Und so Welt ich meine Reden, — Bin seit jener Zeit geworden Ganz und gar Philosemif! Die Riethode / sie bewährte Prächtig sich von Cag zu Cag, — Und wir führen sacht am Zaume Unser liebes Eselein* 3mmer mehr vergessen jene Guten Esel ihre Stärke, — Ist die Krippe nur gefüllet, Craben sie, wohin man will* Zwar nicht alle! Ein'ge haben Gar nichts von 'nem Esel an sich, — Und das macht mir vielen Kummer, — Kostet oft mir nachts den Schlaf* Doch mit weiser Pädagogik Werden wir's schon überwinden, Und zum Glück find' ich Verständnis fluch bei vielen ihres Stammes. Viele Rlänner grofjen Anselms 3n dem hager Israels Zeigen sich als wackre Esel! Dieses ist mein schönster höhn, Dodi vor allem ist mir wichtig, Daf$ die hehrer Israels mich nach Kräften unterstützen Bei dem Unterrichte auch. Dafj die Kinder früh schon lernen, 3hre Störrigkeit zu lassen, — Damit sie dereinst vergnüglich Cragen unser Sattelzeug! Audi von ühnen," also schlofj er „Herr Schlemiel ben Zuri Schadday, Hoff ich, dafj Sie unterstützen mich bei meinem schweren Werk/' No. 23 Craurig endet die Geschichte, Denn Schlemiel ben Zuri Schadday War mit nidifen überzeuget, Hat zum Esel kein Calent. Und er eilt zurück ins [xager, — Voller Schreck, von Zorn durchbebt, Denn die Augen hat geöffnet 5hm der alte Bileam* Künden wird er's, — er wird retten Seiner Brüder teure Scharen, — Roch sind sie nicht ganz vereseit Roch ist menschlich ihr Empfinden, Gibt es doch gar viel Vereine Für des Judentums Anfressen, - Hört man doch noch allerorten, Rühmen jüd'sche ideale. 5a, vor allem lebt ja Pinchas, — 3ener glaubensstarke 3ude, — Der, mit Waffen wohl versehen, Huf des hagers Warte stehet, Aber Pinchas, ach, der brave, Hat, wie viele seiner Brüder, Eine böse Augenkrankeit Aus Ägypten mitgenommen. Wie er höret von Gefahren, Die den Süden wieder drohen, — Greift er rasch nach seiner hanze, Schleudert blind sie, doch mit Rlacht. Wen er trifft, nicht kann er's sehen, — Wo der Feind, er weift es nicht. Die vier Ellen der Halacha Überblickt der Arme kaum. Und die hanze trifft den edlen Herrn Schlemiel ben Zuri Schadday Und durchbohrt den Armen jählings Und erstickt den Hilferuf. „Dieses, lieber Heinrich Heine," Schlofj Herr Kriminalrat Hitzig, „3sf des ersten der Schlemiele Höchsfwahrhaftige Geschichte."