Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 23 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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No. 23 D1E2qKELT Schlemiel I. von Samrny 6ronemann, Berlin. 27 Des Schlemiel ben Zuri Sdiadday Codesart hat uns berichtet Der Herr Kriminalrcif Hitzig, Welcher vormals 3fzig hiess. — Heinridi Heine, dem Herr Hiizig nur gezwungen — widerwillig Die Geschichte anvertraute, (liest nur nach im Romanzerof) Brannte darauf, etwas näher Die Affäre zu erkunden. Kürzlich ist es ihm gelungen, Bis Herr Hitzig ihn besuchte. 3n der nacht des ersten niaien Strömten diesmal Diele Gäste, — Aus eiysium und Gehinnom 3n das schöne Achilleion. Wollten noch einmal im Parke Heinrich Heine gern begrüben, Denn von seinem bald'gen Auszug munkelt man schon allerhand. 3a, man sagt, der neue Hauswirt Wolle baldigst schon ihm künd'gen, Zwar er schätze seine Werke Und zumal die horeley. — 3st er auch ein grofjer Sänger, 3a, ein wahrer Dichterheros, — Hudi Achilleus war verwundbar, Schwache Stunden hat selbst Bonn. cin'ge Verse Heinrich Heines, Die mißfielen allerhöchstens, Und ob der Achillesferse niufj er fort aus Achilleion. Doch zurück zu unserm Chema, Zu dem Urahn der Schlemiele, — Jenem Ahnherrn Heinrich Heines, Also sprach der Kriminalrat: 31s in den Gefilden IHoabs Schon seit längerer Zeit verweilten, Wie die Bibel uns berichtet, Die zwölf Stämme Israels, Da begann, erst ganz allmählich, Für die 3uden ein vergnügtes Schlemmerleben. Ganz vergessen Schien Amaleks Kampfesruf. i + Lfcvv * ■:->^::. ■<4UÄ*W' ■■ .■ ■ . ..... l'«A«4r*MT«i - " . . , \«L<V v^j^*V'" ' \ . -X _ T -u ' il^j \ a»^ , /^^^" ,*»JSSC " ■:r7r /w Denn die braven Hloabifer Waren liberale heute; Waren nidit Antisemiten Wie Amaleks böser Stamm. Ihre üöchter luden lächelnd Zu dem zwar nicht koschern niahle Sfene Fremden, und sie kamen Und sie afjen und vergaßen Gänzlich ihres altgewohnten Schalet, — ihrer Götterspeise; Sie verlobten sich mit Cöchtern Illoabs, — oder vice versa. Kurz, es stand im höchsten Flore Da die Assimilation. Und es herrschte eitel Freude Bei den Kindern Israel. Der Schlemiel ben Zuri Schadday Wirkte damals auch im Amte: Bei der Jüdischen Gemeinde Stand er da in höhn und Brot. A s ein Prediger und hehrer, (Was man heute nennt Rabbiner,) War er voll der ideale, £in Schlemiel war er, ein echten Eines Cages traf nun dieser, Der ein Jüngling noch an 9ahren, Einen mann, der grofjes Ansehn Bei den moabitern hatte. Ob er selbst kein moabiter, Galt er ihnen als Prophet, Und auch in der Süden Lager War seinname wohlbekannt. Balak hatte ihn berufen, Als zuerst im fand die Kunde Eingetroffen von der Süden Anmarsch in das nioabland. Damals sollte er die menge Gegen diese fremden heute Hetzen, sollte scharf sie machen, Sollte sie zum Kampf begeistern, - Sollte jene hehre pred'gen, Die Amalek hat ersonnen, Doch er kam nicht nadi dem Auftrag Und hat Balak sehr enttäuscht. Denn er lobte 3acobs Söhne, — Pries den Frieden ihrer Zelte, — Sprach ganz wie ein Liberaler Friede-, salbungs», phrasenvoll. Dieser wohlerfahrene Weise - Bileam, so war sein Harne — War inzwischen nun befördert Zu dem heiter einer Schule. Und in diese Schule gingen Rieht nur moabif sehe Knaben, — Auch die Juden schickten gerne 3n die Schule ihre Kinder. 3m Gespräch hat der Prophet nun Weisheitsvoll geoffenbaret Die methode, die er einschlägt, Was die Süden anbelangt. „Lieber junger Freund!" so sprach er „3ch war einst in frühern fahren Auch ein Anhänger Amaleks, Recht und schlecht Antisemit, Und ich folgte mit Vergnügen Balaks ehrenvollem Rufe, — Sattelte mir einen esel, Ritt von dannen wohlgemut, meine Rede überlegend, Die, von Hafj und Wut geschüret mir die menge reizen sollte, Kam idi so in einen Hohlweg. Plöfclich stockte da mein Reittier, — Zornig stieg ich ihm die Sporen 3n die Weichen, schwang die Gerte, - hieg es fühlen meine Faust. ■f*