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Die Welt · 1907-06-07 · 23 (7.6.1907) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 23 DIE3§K ELT 15 KULTURBAUERN Von HEINRICH LOEWE Unsere Kolonisation im Lande Israel unterscheidet (!^_sich am wesentlichsten da- ^Br^^^^^^H^k durch von der jüdischen 2j^^H^^|n Kolonisationstätigkeit in an- ^K9Jflfl^^n^H| dern Ländern, daß in Palä- ^B,jfl^^HH^H| stina jüdisches Milieu ^B|^H|^^^^HH geschaffen wird, während die HH^^H^H|^H andern Ländern zerstreute Hflfl^^H^^^fl^f Siedelung die Juden nur j^^H^^H^H^Hf andere, aber nicht- ^Hfl^^H^^^^V jüdische Umwelt führt. Qerade der geringe Umfang des alten Landes Israel trägt dazu bei, daß die jüdischen Dörfer von vornherein in benachbarten Gruppen und niemals wirklich voneinander entfernt liegen, und so sind sogar aus der ungeregelten langsamen Kolonisation bereits einige von den Pfeilern erwachsen, an die sich eine planmäßige Schnellkolonisation anlehnen und stützen kann. Das wesentlichste Moment aber, das dieser nahen Lage bei einander entspringt, ist die Möglichkeit, ein neues wirklich jüdisches Milieu zu schaffen. Ein arabisches Milieu kann hier nicht entstehen, denn es gibt außerhalb des Islams kein arabisches Kulturwesen. Was die Jesuiten in Beirut und die Amerikaner als Konkurrenz dazu züchten, ist eben doch nur christliche Missionstätigkeit, die niemals zu einer arabischen Kultur führen kann. Dazu kommt, daß der einwandernde Jude und zum großen Teile auch der einheimische Jude auf einer viel höhern Stufe der Gesittung und Bildung steht als der landsässige Araber mit Einschluß des Levantiners. Die europäischen Nationen, die sich der in ihren Ländern gegründeten Hilfsorganisationen der Juden bedienen, um auch auf diesem Wege mit der Ausbreitung ihres Sprachbereichs ihren politischen Einfluß auszubreiten, erreichen zwar, was sie wünschen, auf dem von linen eingeschlagenen Wege; jedoch vermögen sie nicht jin wirkliches Volkselement zu schaffen, das ihre Sprache spricht und in dem ihre Kultur Wurzel faßt. So ist Palästina, auch ganz abgesehen von den großen nationalen Erinnerungen der Juden, bei weitem das Land, las am meisten geeignet ist, ein jüdisches Kulturwesen erwachsen zu sehen. Wenn aber die historisch gewordene Kulturgemeinschaft das Wesen der Nation ausmacht, so ist es ein Erfordernis nationaler Gesinnung md starnmestümlichen Bewußtseins, daß die Gemeinschaft der Kultur sich im bewußten Vorwärtsstreben inter Anlehnung an das Historisch-Gewordene äußert. Trotz aller Mißgriffe und trotz aller kleinen und großen Mißerfolge, die wir in der Neubesiedelung Palästinas durch Juden neben dem unleugbaren Erfolge "■Sil verzeichnen haben, steht doch das eine bereits fest, laß selbst in den noch so kleinen Anfängen bereits on den ersten Elementen einer erwachenden und erwachsenden jüdischen Kulturgemeinschaft etwas zu verspüren ist. Wir wollen uns keiner Übertreibung schuldig machen. Wenn wir uns vorstellen wollten, daß in Palästina eine hebräische Literatur sich zu regen beginnt, so würden wir ebenso irren, wie wenn wir dort hebräische Sprachwissenschaft oder beginnende historische Forschung vermuten wollten. Die angebliche Nationalbibliothek ist in Wahrheit fürs erste nichts anderes als eine Privatbibliothek einiger Einflußleute in Jerusalem, soweit man überhaupt auf diese interessante Büchersammlung das Wort Bibliothek anwenden kann. Das Hebräische Gymnasium in Jaffa steckt kaum erst in den Kinderschuhen, ja, ist eigentlich nur als ein Embryo anzusehen. Und doch können wir bereits von einem beginnenden nationalen Kulturmilieu der jungen Judenschaft in Palästina reden, ohne uns der Überhebung schuldig zu machen. Denn was da als junge und lebenskräftige hebräische Sprache gesprochen wird, ist der großartigste Beweis für die aufkeimende Lebenskraft der werdenden hebräischen Nation. Die Fortschritte der jüdischen Siedlung in materieller Hinsicht halten nach keiner Richtung hin stand, wenn man sie an den Fortschritten mißt, die die lebende hebräische Sprache in Palästina gemacht hat. Wer heute Palästina bereist, der kann sich kaum noch ein Bild davon machen, daß vor kaum zehn Jahren die hebräische Sprache in Jerusalem von einer Familie, in Jaffa in einigen Häusern gesprochen und hier wie in Rechöbhöth in der Schule als lebende Sprache unterrichtet wurde. Als in diesem Jahre von dem Einwandererstrom, der aus dem kochenden Rußland Ideen siedender Köpfe mitbrachte, der Versuch gemacht wurde, an Stelle des Hebräischen das Jüdischdeutsche in den Kolonien, in denen sie Arbeit fanden, als Umgangssprache einzuführen, da war der spontane Widerstand, auf den sie stießen, ein so nachdrücklicher und fester, daß sie sich nur unter der Bedingung in den Dörfern der jüdischen Bauernschaft halten konnten, daß sie ihre jüdischdeutsche Muttersprache gegen das Neuhebräische Palästinas eintauschten. Die Kolonisten verstanden und fühlten, daß das Hebräische ihr Lebenselement sei, aus dem heraus gelockt sie aufhören würden, den Grundstock für das werdende jüdische Kulturvolk im Orient zu bilden. Freilich nur in Palästina ist es möglich, daß das Hebräische an die Stelle der jüdischen Volksdialekte tritt, während in allen andern Ländern das Judendeutsch und das Judenspanisch entweder von der Landessprache aufgezehrt wird oder aber seinerseits dem Hebräischen den Garaus macht, wie das mit der hebräischen Publizistik in Rußland bereits geschehen ist. Bei noch so hoher Bewertung der jüdischen Volksdialekte auch in nationaler Beziehung ist doch nur eine hebräisch-sprechende Bevölkernng wirklich imstande, ein jüdisches Kulturmilieu zu schaffen, Und so ist das Hebräische eine notwendige Forderung folgerichtiger nationaler Betrachtungsweise. Wenn es nun die Aufgabe der zionistischen Partei nicht sein^ kann, in Palästina im eigentlichen Sinne Kleinkolonisation zu treiben, vielmehr durch den Erwerb von Konzessionen und durch die ganze Schaffung einer Kreditbasis die Bedingungen der aus Privatinitiative sich aufbauenden Siedlung zu schaffen, so gehört es zur Schaffung dieser Bedingungen, daß die zionistische Partei an der breiten kulturellen Grundlage eines auf Sprache und Kultur sich aufbauenden Hebräertums 4

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