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Die Welt · 1907-06-07 · 23 (7.6.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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In Zukunft wird also der Meinungskampf innerhalb des Zionismus sich hauptsächlich darum drehen, wie weit in jedem gegebenen Moment und an jedem gegebenen Ort der Vormarsch auf dem einen oder dem andern der drei Hauptwege vor sich gehen soll, wobei naturgemäß die innerpolitischen Fragen den einzelnen Landsmannschaften so weit überlassen werden müssen, als sie nicht mit Zielen und jeweiligen Erfordernissen unserer allgemeinen Politik in Kollision geraten. Es wird eine unserer Hauptaufgaben sein, die Organisation derart zu gestalten, daß die Vertreter der verschiedenen Richtungen sämtlich zu ihrem Rechte kommen, ohne daß . sie, wie es bisher stets der Fall war, das Gefühl haben, daß die Vertreter der andern Richtungen ihren Bestrebungen Steine in den Weg legen. Die Anhänger der Großpolitik beklagen sich, daß durch die wirtschaftlichen und kulturellen Detailarbeiten der große Zug, die Zielstrebigkeit der Bewegung verloren geht; durch die wirtschaftlichen Angelegenheiten werde die Bewegung mit einem toten Gewicht belastet, das der erfolgreichen politischen Arbeit sehr hinderlich sei und dem politischen Vormarsch jeden Elan nehme. Die Wirtschaftler beschweren sich hingegen, daß durch die Lauheit und den Kritizismus der Politiker den einzelnen wirtschaftlichen Unternehmungen gegenüber die Propaganda für derartige Unternehmungen äußerst erschwert werde, da jeder Außenstehende natürlich skeptisch /werden müßte, wenn er sehe, daß die Zionisten selbst, die doch am meisten an der Entwicklung Palästinas interessiert seien, sich vielfach nicht nur nicht an den Einzelunternehmungen in Palästina beteiligen, sondern sogar teilweise dieselben bekämpfen oder ihnen wenigstens interesselos gegenüberstehen. Die kulturelle Richtung wiederum klagt über die Indifferenz der leitenden Kräfte des Zionismus ihren Zielen gegenüber; weder würden die kulturellen Arbeiten der Diaspora noch die in Palästina energisch von der Zentralleitung unterstützt, so daß beiderseits der Zionismus im Verhältnis zu den übrigen jüdischen Organisationen immer mehr in das Hintertreffen gerate. Auch die wenigen bisher vom Zionismus begründeten Institutionen tragen das Zeichen dieses inneren Kampfes bisher noch an sich, und es ist sogar wahrscheinlich, daß, wenn diese Unstimmigkeiten die Entfaltung der Institutionen nicht beeinträchtigten, sie eine weit schnellere Entwicklung aufweisen würden, als es tatsächlich der Fall ist. Der Jewish Colonial Trust, die zionistische Bank, ist ursprünglich geschaffen worden als ein rein politisches Instrument, und nur dem beständigen Drängen der Wirtschaftler ist es zuzuschreiben, daß sie die ihr ursprünglich vorgezeichnete Bahn insofern verlassen hat, als sie ein Tochterunternehmen in Palästina ins Leben gerufen hat. Auch das Tochterunternehmen, die Anglo Palestine Co., hat sich in der ersten Zeit etwas mit Politik befaßt, ist aber, durch die Verhältnisse gezwungen, immer mehr in das wirtschaftliche Fahrwasser gelangt, so daß sie sich jetzt bezüglich ihrer Arbeitsweise kaum mehr von den andern Banken im Orient unterscheidet. Der Nationalfonds war gleichfalls ursprünglich als ein rein politischer Fonds für bestimmte Zwecke gedacht, und nicht ohne Mühe gelang es den Wirtschaftlern, einerseits Dr. Herzls Zustimmung zu erhalten, daß Mittel desselben auch für einige vorbereitende Aufgaben, — Versuchsstation, Lehrfarm und Genossenschaftliches Gut — bereitgestellt wurden, anderseits, daß Teile desselben schon jetzt zum Landankauf in Pialästina verwendet wurden. Auch hier wäre mit der Zeit wohl der Übergang zur wirtschaftlichen Verwendung ein vollständiger geworden, wenn nicht infolge der Furcht vor Inanspruchnahme des Fonds zu außerhalb des Zionismus liegenden Zwecken demselben jetzt ein Statut gegeben wrorden wäre, das auf absehbare Zeit eine Verwendung zum direkten Landankauf in Palästina außerordentlich erschwert und auf dem flachen Lande vielfach fast unmöglich macht. Nur die rechtzeitig eingeführte Ölbaurnspende, die vermutlich von dem Nationalfonds gänzlich abgetrennt werden wird, da sie sich den Statuten desselben kaum wird unterordnen lassen, dient direkt wirtschaftlichen Zwecken, und es läßt sich unschwer voraussehen, daß ihr grade aus diesem Gründe schon in kurzer Zeit eine bisher ungeahnte kräftige Entwicklung bevorstehen wird. Die übrigen neueren landwirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina sind mehr oder weniger privater Natur, teils reine Erwerbsgesellschaften (Izhar), teils gemeinnützige Gesellschaften auf geschäftlicher Basis (AgLidath Netaim, Menucha Wenachla, Geniah, Palästina-Agrikultur-Gesellschaft), teils sogar rein philanthropische Institutionen (Palästina-Pflanzungs-Verein). Sie stehen sämtlich nur sehr indirekt mit der zionistischen Bewegung im Zusammenhang, nur die Geulah hat ein größeres Darlehen seitens zionistischer Fonds erhalten. Unabhängig von der zionistischen Bewegung sind auch die kommerziellen Unternehmungen (Palästina-Handelsgesellschaft, die Weinvertriebsgesellschaften etc.), sowie die industriellen Gesellschaften (Athid, Hermon, die Weinkellereien, die Jaffaer Maschinenfabrik etc.); nur die Anglo Palestine Co. macht eine Ausnahme. Die kulturellen Institutionen in Palästina haben nur insofern direkt Beziehungen zu der zionistischen Bewegung, als einige derselben, wie das hebräische Gymnasium in Jaffa, die Kunstgewerbeschule in Jerusalem, die National-Bibliothek, mit kleinenSummen vom Aktionskomitee subventioniert werden. Schon diese kleinen Subventionen werden bei den beschränkten und selbst für die notwendigsten Aufgaben nicht genügenden Mitteln des Aktionskomitees nur mit Mühe aufgebracht, und es ist gänzlich ausgeschlossen, daß, wenn nicht besondere Fonds hierfür geschaffen werden, diese an sich ja eminent wichtigen Institutionen in Zukunft in wesentlich stärkerem Maße seitens der zionistischen Bewegung unterstützt werden. Nur durch Bodenkauf und Errichtung der Gebäude vermag der Nationalfonds derartige Institute zu unterstützen, was ja auch für den Bezalel und die Versuchsstation schon geschehen ist. Aus dem Gesagten geht also klar und deutlich hervor, daß die zionistische Bewegung trotz aller gegenteiligen Versicherungen und Klagen der Nurpolitiker eine politische Bewegung geblieben ist, und es ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß sie in Zukunft ihren politischen Grundcharakter verliert, selbst wenn die Wirtschaftspartei auf dem nächsten Kongreß eine noch größere Majorität erlangen wird als vorher. Auch die Wirtschaftler können das Zurückdrängen der politischen Bestrebungen nicht wünschen, schon aus dem Grunde, weil es nicht möglich ist, wirtschaftliche Angelegenheiten vor dem Forum der ganzen Welt zu erledigen oder auch nur im einzelnen zu besprechen.

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