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Die Welt · 1907-06-07 · 23 (7.6.1907) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 23 DIE3^ELT 3 AUS DEN ERSTEN TAGEN DER „WELT" Vor genau zehn Jahren, am 3. Juni 1897, langte ich morgens in Wien an, und schon am selben Vormittag besuchte mich Dr. Herzl im Hotel Ich sollte mit ihm die Freude teilen, zuzusehen, wie die ersten Blätter der zionistischen Zeitung „Die Welt" die Druckpresse verlassen. Meine Frau mußte auch mit, auch sie sollte den feierlichen Augenblick mitgenießen, .. Das erste Blatt kam aus der Presse. Mit einer kaum zu beschreibenden Zärtlichkeit und Vorsicht nahm Herzl das ungefaltete frische Blatt, schrieb mit Bleistift oben auf den Kopf eine kurze Widmung: „Frisch aus der Presse" und überreichte mir feuchten und strahlenden Auges die erste Numtnerder„Welt". Diese feuchten, glänzenden Augen, diesen unvergeßlichen Blick habe ich noch öfters bei Herzl gesehen. So sah er nach Schluß des 1. Kongresses, so als ich zum ersten Male mit ihm rl, die Räume der Jüdischen Kolonialbank betrat und so bei anderen bedeutsamen Gelegenheiten. In diesem Blicke spiegelte sich sein ganzes geniales Wesen ab. Es war der Blick desSiegers, der nach harter Arbeit den Erfolg sah. Herzl hat seine Erfolge nur mit dem Auge, niemals aber mit dem Munde verkündet. Welche große Hoffnungen setzte er auf die „Welt'6! Das erste Instrument in seiner Hand sollte es sein. Der ganzen Welt sollte es den Zionismus verkünden! Welche Anstrengungen und Arbeit ihm die Schaffung der Zeitung verursacht hat, beweisen am besten seine eigenen Aufzeichnungen. Am 13. Mai schreibt Dr. Herzl: J~r fUüd^ ..... Also habe ich mich entschlossen, das Blatt einfach selbst zu schaffen, mit meinem Gelde und meiner Arbeit......Über Nacht fiel mir der Titel des Blattes ein „Die Welt" mit Mögen Dowid, in das Globus hineinzuzeichnen wäre, mit Palästina als Mittelpunkt......Nachmittags waren Kellner, Steiner, Schnirer, Kokesch, Landau bei mir versammelt. Steiner brachte einen reizend entworfenen Titel: „Die?$ Welt" mit, der allgemeinen Beifall fand. Am 26. Mai: . . . Ich schreibe bis zur Erschöpfung, bis zum Zusammenbrechen an der neuen Zeitung. Zwei Abonnenten haben sich gemeldet. Auf viele hundert verteilte Agitationsanzeigender, Welt'sind überhaupt erst 3 briefliche Antworten gekommen. Meine näheren Parteifreunde glauben an den Mißerfolg. Am 2. Juni: Vorgestern und gestern „Die O Welt" aufgebaut. Es war gar nichts da. Heute existiert ein Blatt mit deutlicher Physiognomie. Die Einrichtungsmühe hat mir Spaß gemacht. Am 6. Juni: „Die # Welt" ist erschienen. Ich bin recht sehr erschöpft. Diese Woche von 1897 werde ich mir merken.* Diese wenigen, aus den vielen Aufzeichnungen jener Tage genügen wohl, sich ein Bild davon zu machen, wie Herzl für die „Welt" gearbeitet und was er von ihr erwartet hat. Köln, 3. Juni 1907, DAVID WOLFFSOHN.

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