Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 22 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14 DIE^ELT No. 22 Zum nächsten Thema „Der VIII. Kongreß" erstattete Dr. Emil Margulies, Trautenau, das Referat. Unter Kundgebung des Vertrauens zum E. A. C. erklärt der Referent es für unbedingt notwendig, daß die Majorität der Mitglieder des E. A. C. an einem Orte wohne. Einschneidende Organisationsänderungen seien zurzeit nicht zu empfehlen. Insbesondere sei an dem geltenden Schekelsystem festzuhalten, das durch Einführung des obligatorischen Palästinaschekels zu ergänzen wäre. Die Stellung des Zentralorgans „Die Welt" zur Partei sei einer Reform zu unterziehen. Es könne nicht Aufgabe des Kongresses sein, die zionistische Arbeit, auch die in Palästina nicht, in jedem Detail für jeden einzelnen Fall zu bestimmen. Der Kongreß habe unserer Arbeit prinzipiell die Richtung zu weisen, die Entscheidung, inwieweit eine Aktion den vom Kongreß festgesetzten Prinzipien entspricht, müsse der Exkutive überlassen bleiben. Die gegenwärtige Arbeit in Palästina widerspreche nicht dem Geiste des politischen Zionismus; und die Palästinakommission, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, im Lande „Bedingungen", nicht „Dinge" zu schaffen, verdiene für ihre Tätigkeit, welche nur die natürliche Konsequenz des politischen Zionismus darstelle, Anerkennung und Dank. Nach längerer Debatte wurden folgende, vom Referenten vorgeschlagene Resolutionen einhellig angenommen : 1. Die Arbeit in Palästina, insoweit sie von politischen Gesichtspunkten ausgeleitet wird — und nur soweit dies der Fall ist — widerspricht dem Geiste des politischen Zionismus nicht. 2. Den Kongreßdelegierten wird empfohlen, auf dem Kongreß im Sinne dieser Resolution für die Förderung der Palästinaarbeit zu wirken. An den Debatten beteiligten sich die Herren: Gütig, Dr. Hirsch, Dr. Kral, Kobler, Dr. Mahler, Dr. Emil Margulies, Propper, Resek, Frz. Steiner, Dr. Welleminsky u. a. Die zum Punkt „Eventualia" gestellten Anträge, durchswegs untergeordneter Bedeutung, werden abgelehnt bezw. auf den ord. D. T. verschoben. Der bisherige Obmann des D.-K. hat sein Amt zurückgelegt; an seiner Stelle wurde Herr Dr. M. Kohn, Prag, zum Obmann gewählt. Nach einem von Dr. Hirsch, Komotau, gesprochenen Dankwort an das Präsidium wurde die interessante Tagung geschlossen. Am Abend fand der Vortrag des Herrn Dr. Sch. Lewin statt. d-c Amerika Die American Federation hat in diesen- Tagen dem Jewish Colonial Trust 3255.33 Dollars als Gegenwert für verkaufte ca. 13000 Schekel überwiesen. Von diesem Betrag hat die Federation lediglich einen Abzug von -ca. 10°/o gemacht, um damit eine alte Schuld der Federation an den Nationalfonds zu decken. Nachdem diese Schuld nunmehr endgiltig getilgt ist, wird die Federation in Zukunft den Betrag der Schekelsammlung dem A. C. ohne jeden Abzug überweisen. Die obige Summe ist natürlich nur als erste Rate zu betrachten. England Das Exekutivkomitee der English Zionist Federation hat die Kongreßwahlen für England auf Sonntag den 30. Juni festgesetzt und zugleich bestimmt, daß die Wahlprotokolle usw. bis zum 2. Juli im Besitze des Exekutivkomitees sein müssen, andernfalls die Wahlen für ungiltig erklärt werden. Italien Turin. Am 23. d\ M. wurde in unserer Stadt die erste zionistische Versammlung abgehalten. Während die jüdische Nationalidee in die übrigen italienischen Städte schon lange ihren Einzug gehalten hat, stand die Turiner Judenschaft abseits. Nun ist es anders geworden. Einer kleinen Schar begeisterter Jünglinge gelang es, die Hindernisse zu überwinden und eine zionistische Ortsgruppe ins Leben zu rufen. Es galt dabei nicht nur, die Aversion der Gegner zu besiegen, sondern auch mit dem geradezu sprichwörtlichen Indifferentismus der hiesigen jüdischen Bevölkerung aufzuräumen. Nach der Eröffnungsrede des zum Vorsitzenden der Versammlung gewählten Herrn Samuele Valabrega wurden die eingegangenen Beitrittserklärungen vorgelesen. Besondern Beifall erregte das- Schreiben des berühmten Nationalökonomen Achille Loria, Professors der hiesigen Universität, der in warmen Worten seiner Hinneigung zur zionistischen Idee Ausdruck gab. Hierauf ergriff cand. ehem. Roberto Lazzaro Mo de na das Wort und bewies auf Grund der jüdischen Geschichte und der Ereignisse der letzten Jahre die Notwendigkeit des Zionismus. Auf die Verhältnisse hierzulande übergehend, gelang es dem Redner, den Beweis zu liefern, daß die zionistische Idee nicht nur in Osteuropa, sondern auch in Ländern wie Italien vollauf berechtigt sei. Nach der unter allgemeinem Beifall aufgenommenen Tendenzrede, deren Schluß dem Andenken unseres unvergeßlichen Herzl gewidmet war, wurde die Schekelsammlung vorgenommen, die ein schönes Resultat ergab. Der würdige Verlauf der ersten Versammlung ist ein Beleg dafür, daß der Circolo Sionnistico Piemontese dazu berufen ist, das jüdische Leben in Turin wachzurufen und die hiesige Judenschaft zu regenerieren. B. Kroatien-SIavonien Die ersten Wahlen zum Kongresse haben bereits stattgefunden. In Kroatien und Slavonien, wo der Verein „Theodor Herzl", Osiek, die Leitung der Geschäfte versieht, wurden am 23. resp. am 25. ds. Mts. von 456 Schekelzahlern als Delegierte die Herren J. N. Schulhof und Dr. Hugo Spitzer, als Ersatzmänner die Herren Dr. Oskar Kohlbach und Max Kraus gewählt. Verschiedenes Unser zum Reichsratsabgeordneten gewählter Gesinnungsgenossi Dozent Dr. Mahl er ersucht uns um Aufnahme nachstehender Danksagung „Anläßlich meiner Wahl zum Reichsratsabgeordneten sind mir so viele Beglückwünschungen zugegangen, daß ich mich gänzlicl außerstande sehe, sie einzeln zu beantworten. Ich bitte daher allt meine lieben Gesinnungsgenossen, denen ich nicht schriftlich danken kann, auf diesem Wege meinen tiefsten Dank entgegenzunehmen- Mit ganz besonderer Freude habe ich die Telegramme ge lesen, die mir von den zionistischen Mittelschülern aus ganz Öster reich gesandt wurden. Auch diese kann ich leider nur summarisch hier mit dem Ausdruck meines wärmsten Dankes beantworten." 26.|5. 1907. Reichsratsabgeordneter Dr. Arthur Mahl er, Privatdozent an der deutschen Universität in Prag. München. Verbindung im Kartell Zionistischer Verbindungen Jordania. Das neue Semester führte wiederum unseren Reihen eine ansehnliche Zahl junger Kämpfer zu. — Am 11. Mai fand unser Antrittsabend statt, zu dem zahlreiche Begrüßungsschreiben und Telegramme eingelaufen waren. Die Tendenzrede hielt Bbr Peissakowitsch. Ferner sprachen die Vertreter unserer Berliner Kartellverbindung Hasmonaea, des Vereins Jüdischer Studenten, der Vereinigung Jüdischer Akademiker, dei zionistischen Ortsgruppe und des Vereins für Statistik der Juden, die uns die besten Glückwünsche für das kommende Semester darbrachten und die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens aller jüdischen Korporationen Münchens energisch betonten. De Abend nahm einen überaus gelungenen Verlauf. — Die Chargen wählen für das Sommersemester hatten folgendes Ergebnis: jur Georg Gerson, jur. Alfred Wollstein, med. Martin Nathan. Den wissenschaftlichen Unterricht übernahm A.H. Dr. Isack Straus, den Cornmentunterricht Bbr. Simon. Hamburg. Am 26. d. M. beging der Vizepräsident des Deutschen Zentralkomitees Herr Dr. Adler-Lübeck das Fest der silbernen Hochzeit. Dr. Kalmus sprach persönlich die Glückwünschi des Zentralkomitees aus und überreichte das Diplom über die von Zentralkomitee auf Namen des Jubelpaares gespendeten 12 Ölbäume. Von der Gemeinde wurde eine kunstvolle Adresse übergeben, in der u. a. auch die Verdienste des Gefeierten um den Zionismus vermerkt waren. Die Ortsgruppe, die ein Dunam Land stiftete die Esra-Loge U. O. B. B. sowie alle anderen Vereine waren durch Deputationen vertreten. Zahlreiche Nationalfonds-Telegramm l liefen ein. Köln. Die in der Versammlung jüdischer Gemeindemitglieder am 16. Maj gefaßte Resolution hatte folgenden Wortlaut: Die heute abend im Hotel Berlin tagende, zahlreich besuchu Versammlung jüdischer Bürger Kölns erklärt das Verhalten der Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin bei der Suspendierung des Rabbiners Dr. Kohn als ein Zeichen krasser Reaktion und höchster Intoleranz. Die Versammlung spricht Herrn Rabbiner Dr. Kohn für sein mutiges und würdiges Auftreten im Dienste de.- Judentums ihre Anerkennung aus. Bewerbungen um Delegiertenmandate Nachstehende Personen erklären sich bereit, Mandate für den VIII. Zionistenkongreß zu übernehmen: S. Hofmann, Köln, Ritterstraße 6; Referendar Dr. Weil, Köln; Apotheker Main lock, Berlin-Halensee; Ari Marcuse, Berlin, Bärwaldstraße 54.