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Die Welt · 1907-05-31 · 22 (31.5.1907) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. Ii DIE^ er mit einem bedeutenden Teile seines Kapitals daran beteiligt ist, wenn er auf Reingewinn rechnet, der für sein finanzielles Sein oder Nichtsein von Bedeutung ist, für den er also persönlich stark engagiert ist. Dann kann er auch seine Sache der Administration allein nicht überlassen, es sei denn, daß diese aus Personen besteht, die gleich ihm an dem Unternehmen finanziell stark beteiligt sind und von der ganzen Gesellschaft zur Geschäftsführung gewählt oder verpflichtet sind. Aber an solchen Unternehmungen beteiligen sich reiche Leute nicht mit 1000 Mark-Anteilen, für solche Unternehmungen bilden sich Syndikate mit großer kapitalistischer Beteiligung, wo jedes Mitglied einen für ihn bedeutenden Teil seines Vermögens hineinträgt. Dazu gehört viel Vertrauen in die Sache, starker Wille und großer zionistischer Ernst. Da heißt es erkennen: Wollen wir mit dem Zionismus kein Kinderspiel, keine Art Sport treiben, ist er von der weittragendsten Bedeutung für jeden einzelnen von uns sowie für das Gesamtjudentum, haben wir seine volle Tragweite erkannt, alle zu überwindenden Schwierigkeiten und Hindernisse richtig beurteilt, so sollen wir auch alle in Reih und Glied den schweren Kampf austragen, jeder nach seinen vollen Kräften. Das meiste haben noch bis jetzt die armen Arbeiter geleistet. Sie sind die Ersten am Platze. Sie bieten alles, was ihnen zur Verfügung steht, auf: ihre Muskelkraft, ihre Jugend, ihre Gesundheit. Sage man ja nicht, daß sie nichts zu verlieren haben! Sie verlieren wohl kein Geld, keine glänzenden Geschäfte, sie gehen aber zur Arbeit unter den möglichst schlechtesten Bedingungen, wie: kleiner Arbeitslohn, antihygienische Existenz, keine Schutzmaßregeln gegen ungewohnte klimatische Einflüsse, unzählige alltägliche Gefahren für Gesundheit und Leben. Mögen diese jungen Arbeiter aus verschiedenen Gründen auch mit so manchem Fehler behaftet sein, aber zionistischer Emst, zionistische Treue urtd Ergebenheit kann den meisten von ihnen nicht abgesprochen werden. Sie wollen und würden in noch größerer Zahl kommen, wenn ihnen jüdisches Kapital mehr Arbeitsgelegenheit böte. Schon bedeutend scheuer folgt ihnen der kapitalistische Mittelstand, dem es in der Tat schwer ist, hier im Lande Wurzel zu fassen. Denn mit kleinem Kapital, ohne Fachkenntnisse, ohne daß man die Sprache, die lokalen Bedürfnisse und Arbeitsbedingungen kennt, wird der Kampf bedeutend schwieriger und verlangt viel Energie und starken Willen. Aber doch, — auch der Mittelstand kommt allmählich und läßt sich in Palästina nieder, und wenn auch zahlreiche von den Angekommenen schon wieder verreist sind, die Mutigeren, die Treueren sind dennoch im Lande geblieben und haben sich sowohl in Städten wie auf dem Lande festgesetzt, um mit ihrem ganzen Kapital, ohne Reserve, das eine oder das andere Unternehmen zu wagen. Der für den Moment leistungsfähigste ELT Teil der Zionisten, nämlich die Großkapitalisten unter ihnen, fehlen aber hier noch gänzlich. Kein einziger unter ihnen hat bis jetzt gleich den Arbeitern und dein Mittelstande den Beweis geliefert, daß er ein ernstes Vertrauen zur praktischen Palästinaarbeit hat, kein einziger kapitalkräftiger Zionist hat der Organisation und den Mitarbeitern bewiesen, daß ihm wirtschaftliche Eroberungen in Palästina teuer sind, daß er bereit sei, ins Land zu kommen und mit seinem eigenen Vermögen hier schrittweise seine Versuche zu machen, Land zu erwerben, Unternehmungen zu begründen, und so Arbeit zu schaffen und endlich den jüdischen Einfluß zu kräftigen. Und doch sind es gerade viele unter denen, die jetzt an der Spitze der Bewegung stehen, die zu den Reichen unter den Zionisten zählen, und vielleicht folgt schon daraus, daß man sie an die Spitze der Bewegung gestellt hat, daß man von ihnen gerade diesen Teil der Arbeit erwartet. Und man darf sich nicht täuschen: Die Volksbewegung mit Mitteln, wie den bisherigen, zu stärken und auszudehnen wird nur dann möglich sein, wenn eine gesunde wirtschaftliche Basis in Palästina geschaffen ist, an der jüdisches Kapital, jüdischer Geist und jüdische Arbeit ihren starken immer wachsenden Einfluß dem ganzen Volke sowie der politischen Welt demonstriert haben." Der Einwand mancher Kapitalisten, daß man, um in Palästina sicher zu arbeiten, hinter dem Rücken „Kanonenschutz haben müsse", ist fürs erste nicht zionistisch! Er ist aber auch ganz und gar unberechtigt, wie es die ganze Geschichte der Palästinakolonisation seit dem Jahre 1880 beweist. Mögen die zionistischen Kapitalisten hierherkommen, um sich von der Unrichtigkeit dieses Einwandes persönlich zu überzeugen! Aber das geht wieder nicht auf gewöhnliche Touristenweise, im Vergnügungsreisestil, wo man nur kaleidoskopische Bilder von Natur und altertümlichen Sehenswürdigkeiten an sich vorüberziehen läßt, Momentaufnahmen von Kolonien und Schulgruppen geliefert bekommt und im besten Falle einige Unterredungen und die mehr oder minder flüchtigen oder zufälligen Besprechungen mit Bankbeamten und hier ansässigen Zionisten älteren und neueren Datums hat. Die Interessen einer ernsten großangelegten geschäftlichen Tätigkeit verlangen die volle, ungeteilte, ausschließliche Aufmerksamkeit der betreffenden Person, eingehendes Studium, Zeit, Geduld, Ausdauer und festen Willen. Auf diesem Wege können unsere reichen Zionisten und Zionistenführer bahnbrechend wirken und ihre zionistische Lebensanschauung durch die Tat beweisen. Und der Moment verlangt diese Tat, deren sicherer, guter Erfolg auch andern Juden, die noch nicht bei uns stehen, als Beispiel dienen und der so schwer in Gang zu bringenden großen nationalpolitischen Volksbewegung die Wege endlich freilegen wird. o □ □ KONGRESSFRAGEN DD 0 (In dieser Rubrik wollen wir der Diskussion über Fragen, die voraussichtlich den nächsten Kongreß beschäftigen werden, freien Raum geben) Zum achten Kongress In zweieinhalb Monaten wird wiederum ein Kongreß zusammentreten. Diesmal in der weltberühmten Stadt Haag, in der Stadt, der es vielleicht noch beschieden sein wird, ein Strahlungspunkt für das politische Europa zu sein. Für uns von doppelter Bedeutung. Denn in dieser Stadt lebte der größte Denker, der das Judentum hervorgebracht hat, der Mann, dessen revolutionäre Bedeutung für das Judentum selbst noch nicht erkannt worden ist, der vielleicht einmal die Kette des sich fortentwickelnden jüdischen Gedankens eröffnen wird — Baruch Spinoza. Am Pavillon im stillen, vornehmen Haag steht das Standbild des „großen Juden von Holland". . Und vielleicht wird über den Verhandlungen des Kongresses diesmal der Geist des stillen Denkers wehen, in dem die Reden und Taten, die der Reden Ernte sein sollten, über die Stürme und Engherzigkeiten und Kleinlichkeiten des Momentes sich erheben, in die Region der wahren Politik, das heißt der zukunftsbauenden, eintreten werden. Denn auch Politik muß „sub specie aeterni" betrieben werden, wenn sie auf große Ziele ausgeht und eingreifenden Erfolg haben will. In der Reihe der zionistischen Kongresse wird der achte wohl

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