Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 22 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mo. 22 ' DI^3S Indem der Kongreß die Prinzipien für die Tätigkeit festsetzen vird, muß er sich die Anpassung unserer Zentralinstitute und :>cekutivorgane an den Arbeitsplan angelegen sein lassen. Man mß solche Personen mit der Leitung unserer Organisation betrauen, iie fähig sind, den einmal ausgearbeiteten Plan zu verwirklichen. Der Kongreß muß ein bestimmtes Budget festsetzen, d. h. er iiuß unseren Exekutivorganen die Mittel geben, daß sie tatsächlich unktionieren können. Ohne Geld bleiben alle unsere Pläne, alle nsere Beschlüsse leere Worte. Das sind die Hauptaufgaben, die der achte Kongreß zu lösen hat. Entsprechend diesen Hauptaufgaben ist auch das Programm es Kongresses entworfen worden. Zuerst die Eröffnungsrede des orsitzenden und der Bericht des Aktionskomitees. Die Diskussion ierüber wird uns die Möglichkeit geben, die erwünschten Veresserungen und Vervollkommnungen unserer Zentralinstitutionell »wie unserer Gesamtorganisation anzuregen. Zweifellos gibt es i ehler, nicht nur in unseren Exekutivorganen, sondern auch innerhalb er einzelnen Teile der Organisation, die durch die inneren Krisen, e die Juden verschiedener Länder durchzumachen haben, bedingt iid. Es ist daher sehr zweckentsprechend, daß an den Bericht <es Aktionskomitees sich Referate über die Lage der Juden in den 1?rschiedenen Ländern anschließen werden, wobei der Einfluß c:r äußeren Geschehnisse auf den Zustand und die Entwicklung s Zionismus in den verschiedenen Ländern geprüft werden soll. Nur nach dieser Vorbereitungstätigkeit wird man an den Plan i!serer Palästinaarbeiten herantreten können. Dieser Frage wird i n spezielles Referat über Palästina und über die Tätigkeit unserer i nanzinsütute gewidmet sein. Es ist empfehlenswert, die Tätigkeit der Jüdischen! olonialbank und der Anglo-Palestine-Company aufmerkmer zu untersuchen, von denen letztere sich mit jedem Tage : ehr zu einem bedeutenden Faktor im ökonomischen Leben i üästinas entwickelt. Es wird notwendig sein, die allgemeine i-chtung der Bankpolitik zu untersuchen: ob die Arbeit der i ink ausschließlich auf Palästina und die Nachbarländer be- : hränkt bleiben soll, oder ob vielleicht im Interesse der Popularität; serer Nationalbank die Ausbreitung ihres Einflusses auf diejenigen i inder wünschenswert ist, wo die größten jüdischen Massen i nzentriert sind. Es wird ferner notwendig sein, die Maßnahmen erwägen, die die Verbreitung der Aktien beider Banken sichern llen, damit deren Geldmittel auf die ursprünglich geplante Höhe i bracht werden. Eine besondere Beachtung verdient die Tätigkeitsrichtung des / itionalfonds, der zum ersten Male als legale Institution in die! scheinung tritt, wobei hauptsächlich vollkommenere Methoden t r Vergrößerung seiner Mittel und der bestmöglichen Ausnützung i r schon vorhandenen Kapitalien zu erforschen und festzulegen v d. Und auch hier erhebt sich eine Streitfrage: Ob der Nationalt ids sofort den Landankauf in Angriff nehmen soll, (was eigentlii auf den letzten zwei Kongressen schon beschlossen worden i-< \ oder ob er es nicht tun darf in Anbetracht des Umstandes, ci i der Bodenerwerb durch den Nationalfonds nicht mit den notv udigen rechtlichen Garantien eingeleitet werden kann. Im An- : <luß daran wird die Frage zu lösen sein, was mit den durch den N tionalfonds angekauften Landstücken zu geschehen hat. Weiter v d die Frage der Errichtung eines Instituts für die verschiedenen I rmen des Agrarkredits zu untersuchen sein. Es handelt sich i: nun, ob man einen Teil des Vermögens des Nationalfonds für i nothekenkredit verwenden soll, selbstverständlich unter der Be- 0 giing, daß jedes Risiko ausgeschlossen ist, — denn der - lionalfonds ist vor allem ein Volksfonds, der keiner Gefährdung v>- crworfen werden darf. Im Anschluß an den Bericht der Palästinakommission wird ii Kongreß den ganzen Komplex der sogenannten Kolonisations- L-en zu untersuchen haben. Es wird die wichtige Frage zu beworten sein, ob es eine Möglichkeit gibt, in der nächsten Zukunft t Massenkolonisation in Palästina zu etablieren und in welchen 1 inen sie sich zu bewegen hätte; ob auf der Grundlage einer in istriellen oder einer agrikultureilen, einer städtischen oder einer!; iiichen Ansiedlung, ob auf dem Wege der Errichtung von!; nzungen intensiver Kultur oder Anlagen von Einzelfarmen oder 1 .lieh mittels kooperativer Assoziationen. Darüber aber steht die Kardinalfrage: Solch weite nationale Aufgaben können nur unter Zufluß der nötigen (l idmittel in entsprechender Höhe verwirklicht werden. Infolge- £ELT — — 5 dessen muß der Kongreß Mittel zu finden suchen, wie man jüdisches und allgemeines Kapital anziehen soll, ob durch die Erweiterung unserer Banken oder durch die Schaffung von Institutionen, in denen sich auf natürliche Weise das Volksvermögen ansammelt. Die Beratung aller dieser Fragen muß schon deswegen erfolgen, um wenigstens allgemeine Direktiven auszuarbeiten und Kommissionen zur weiteren Durcharbeitung der angenommenen Vorschläge wählen zu können. Endlich wird die Frage der Organisation und unserer Exekutivbehörden aufgeworfen werden. Was die Organisation betrifft, so wird man, abgesehen von der Herstellung eines innigeren Zusammenhanges der einzelnen Teile, Mittel suchen müssen, die ihr normales und stetiges Funktionieren garantieren sollen. Es wird notwendig sein, unseren Exekutivorganen bestimmte Einnahmen zu garantieren. Es wird der Vorschlag gemacht werden, daß der volle Schekelbetrag den Exekutivorganen überwiesen wird. Die Landsmannschaften werden demnach für sich selbst auf dem Wege der Besteuerung die Deckung ihrer Ausgaben zu besorgen haben. Was die Zusammensetzung unserer Exekutivorgane anbetrifft, so hat bekanntlich der 7. Kongreß den Status des engeren Aktionskomitees wesentlich umgeformt. Dieses höchste leitende Organ unserer Bewegung und aller unserer Institutionen besteht aus 7 Mitgliedern, die in fünf Staaten wohnen. Es wird sich voraussichtlich die Notwendigkeit ergeben, dieses Institut zu reformieren, um es den neuen Aufgaben der zionistischen Tätigkeit anzupassen. Gesinnungsgenossen! Aus alledem folgt, daß der achte Kongreß weder Demonstrationen noch glänzenden Reden gewidmet sein wird, sondern der praktischen Arbeit. Eine Demonstration wird der Kongreß selbst sein: Nach der schweren Krisis, die durch das Ugandaprojekt und den Territorialismus hervorgerufen worden war, wird der achte Kongreß, zahlreich beschickt, in seiner Arbeitsamkeit den besten Beweis für die Lebendigkeit der palästinensischen Idee und des politischen Zionismus liefern. Und je besser der nächste Kongreß zusammengesetzt sein, je mehr Aufmerksamkeit er den Fragen der praktischen Politik widmen wird, desto mehr wird der Zionismus sich den Augen der nicht-zionistischen Judenheit und der äußeren Welt als eine wirkliche Volksbewegung repräsentieren. Die russischen Zionisten dürfen nicht vergessen, daß der Erfolg des achten Kongresses zu einem großen Teile von ihnen abhängt. Sie müssen der ganzen Welt beweisen, daß der Zionismus lebendig und stark ist, trotz aller Stürme, die über uns hereingebrochen sind, trotz der schweren Leiden, die uns in Rußland heimgesucht haben. Wenn die russische Delegation zahlreich und gut organisiert sein wird, wird sie einen bestimmenden Einfluß auf den Gang der ganzen Kongreßarbeit ausüben können. Aber auch aus anderen Gründen ist es notwendig, daß in Haag eine zahlreiche Delegation der Zionisten aus Rußland erscheinen soll: Vor dem Kongreß wird eine Konferenz der russischen Zionisten stattfinden. Sie wird alle Fragen unseres inneren Lebens zu prüfen haben, die einer unverzüglichen Beantwortung harren. Vor allem wird sie demnach bestimmte Beschlüsse zu allen inneren Fragen der zionistischen Organisation Rußlands fassen müssen — inbezug auf das Institut der Bevollmächtigten, die Obereinstimmung des Zentralkomitees mit dem Institute des großen Aktionskomitees, die Stärkung und die normale Stellung der Parteipresse, die Entwicklung und die Verbesserung der mündlichen Agitation, die Schaffung einer Abteilung der Palästinakommission in Rußland usw. Sie wird auch die Fragen unserer Beziehungen zu den verschiedenen Parteien und Organisationen innerhalb und außerhalb des Judentums lösen müssen. Diejenigen, die mit den Beschlüssen der früheren Konferenzen unzufrieden sind, werden Gelegenheit haben, ihre Kritik und ihre Vorschläge vorzubringen. Sie wird auch die spruchreife Frage von der Reorganisation unseres jüdischen Gemeindelebens und der Gemeindeinstitutionen zu behandeln haben. Endlich wird die Konferenz alle Kongreßfragen einer Vorberatung unterwerfen müssen. (Den Schluß des Zirkulars bildet ein Aufruf betreffend die Schekelzahlurig, die Anführung der Wahlmodalitäten entsprechend den Vorschriften des Aktionskomitees und ein wanner Appell an die russisch-zionistische Organisation und die Kongreßdelegierten, in würdiger Weise für den achten Kongreß zu rüsten.)