Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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14 DIES^i LT No. 21 wollen, haben Sie denn damals nicht selbst der Bewegung, sogar in einer leitenden Stellung, angehört? Und da ist keiner, der nicht sagte, daß Ihre „jugendliche" Arbeit durchaus den Stempel der Tätigkeit des „erfahrenen Mannes" getragen hat, — den Ihr Organisationsentwurf leider in dem herangezogenen Punkte vermissen läßt. Täuschen wir uns doch nicht: Wir sind doch kein moderner Staat! Wer der Jugend das Wahlrecht nimmt, gleichviel ob das aktive oder das passive, der wird dem Zionismus die Jugend nehmen. Und ich fürchte sehr, daß die dann herrschenden „erfahrenen Männer" allein recht wenig mit dem' Zionismus werden anfangen können. „Der Kongreß" — heißt es weiter — „entscheidet über die wichtigsten politischen Fragen, wie über finanziell bedeutungsvolle Interessen". Nun, die politischen Fragen, über die der Kongreß zu entscheiden hat — sind wohl recht gezählt. Und daß die bisher zu entscheidenden politischen Fragen nicht zum Vorteile der Bewegung erledigt worden sind, — und zwar durch die Schuld der Jugend — das werden Sie doch wohl nicht im Ernste behaupten, Herr Dr. Hantke. Sechs Kongresse fanden unter Herzl statt, und da hatte bekanntlich weder das Alter noch die Jugend in spezifisch-politischen Dingen zu entscheiden, und der VII. hat sicher nicht bewiesen, daß die Jugend gerade Fehler gemacht hat. Und die „finanziell bedeutungsvollen Interessen". Wollen wir doch lieber kein solches Gerede machen von unsern finanziell bedeutungsvollen Interessen! Das Wenige, das wir haben, sollten wir still bescheiden verwalten und nicht so sehr groß davon reden. Unsere Klauseln und Bestimmungen — keine Bank von 200 Milionen ist so ängstlich, hat so viele Statuten, macht so viel Aufhebens davon. Merkt denn Herr Dr. Hantke nicht, wie kleinlich wir allmählich mit unserem Stolz und unserer Ängstlichkeit wegen der paar Millionen werden? Und trotzdem sollen wir die Jugend davon fernhalten! Wer verkauft denn die Shares? Wer sammelt denn für den Nationalfonds? Wer agitiert denn für dertSchekel? Ist es denn nicht immer und immer wieder die Jugend, die noch nicht angesteckt ist von der „Erfahrung" der gereiften Männer, die den Skeptizismus der „Dreißigjährigen" noch nicht kennt? Und noch eines: Hat denn bisher die Jugend wirklich an der Verwaltung unserer finanziellen Institutionen Anteil gehabt? Ist es die Schuld der Jugend, daß unsere Bank keine größeren Dividenden gezahlt hat? Glauben Sie mir, Herr Dr. Hantke, es gibt genug Leute unter uns, die der Meinung sind, daß ein bischen Durchdringen mit jugendlichen Elementen unseren Finanzeinrichtungen gar nicht schaden könnte. Und übrigens — Herr Dr. Hantke weiß sicher, daß es sehr tüchtige Prokuristen erster Bankhäuser gibt, die noch nicht die „Altersgrenze" erreicht haben. Nein, Herr.Dr. Hantke, dieser Vorschlag — beinahe hätte ich geschrieben Anschlag — wird hoffentlich nicht durchgehen. Es ist aber bedauerlich genug, daß er überhaupt gemacht werden konnte. Wenn wir aber nun schon mal um die Verwaltung unserer iPinanzinstitutionen Sorge haben wollen, dann sorgen wir doch eiidlich dafür, daß das Schachtelsystem aufhört, das heute bei uns gang und gäbe ist und in die Verwaltungskörper aller unserer Einrichtungen immer wieder dieselben Leute dirigiert und so mit Gewalt frisches Blut von ihnen ferne hält. Ob es nun das Direktorium der Kolonialbank oder das der Anglo-Palestine Ccmpany oder jetzt neuerdings das des Jüdischen Nationalfonds ist, immer sind es dieselben Namen, die uns begegnen. Ich bin nicht Kaufmann genug, um festzustellen, ob dieses kaufmännischen Grundsätzen entspricht. Man sagt mir — und dieses leuchtet mir ein —, daß im Gegenteil neue, geeignete Kräfte heranzuziehen, System jedes gut geleiteten kaufmännischen Betriebes sei, sowohl um sich neue Arbeiter und neue Gedanken nutzbar zu machen, als auch um die Kontrolle und. die Aufsicht dadurch zu vergrößern, daß eben so und so viel mehr Augen zusehen, als wenn es sich immer um dieselben Personen handelt. Warum ist dies bei uns, nicht der Fall? Und man kann nicht eben sagen, daß wir nur diese Bankleute hätten und sie benutzen müßten, denn die wirklichen Bankleute, die im Direktorium des Jewish Colonial Trust, dem der A.P.C. und dem des N. F. sitzen, sind leicht zu zählen. Und dann die Kontrolle! Erst die Veröffentlichung des A.-C, die aus laqter Angst, die Statuten könnten verletzt werden, ohne Bedenken selbst die Statuten außer Acht ließ. Dann diese Bestimmung Dr. Hantkes. Es ist ja vielleicht ganz richtig, daß der bisherige Modus der Prüfung der Wahlergebnisse nicht der beste war. Also suchen wir einen anderen, besseren. Aber machen wir doch nicht soviel Aufhebens davon! Jeder Unbefangene muß ja annehmen; daß die zionistischen Wähler direkt eine Bande von Betrügern sind. Die Wahlen werden ebensogut gemacht wie die Wahlen anderswo. Und wenn mal ein Irrtum vorkommt, der passiert wohl auch einmal in höheren zionistischen Institutionen, als in der Wählerversammlung. Und wenn mal nicht statutengerecht gehandelt wird, das kommt schon mal vor, dann wehren wir uns eben dagegen. Aber deshalb so große Worte machen, Bestimmungen aushecken und Bekanntmachungen — ja wir haben doch wahrlich besseres zu tun. Fürchten Sie denn nicht, hochverehrter Herr Doktor, daß diese ganze Art schließlich dazu führen kann, gerade Stänkern Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Talente im Protestieren und Entdecken von Wahlunregelmäßigkeiten zu geben und anständigen Menschen die Lust an der Wahl zu verekeln? Aber wie es auch sei: Schaffen Sie ein Organisationsstatut, bauen Sie den Schekel aus, sorgen Sie für richtige Wahlen, nur erwarten Sie davon allein nicht das Heil. Hüten wir uns vor dem Geiste der Engherzigkeit, vor diesem Geiste der Kleinlichkeit, der unsern Zionismus herabziehen will, nicht zu einer philanthropischen Unternehmung, wohl aber zum Sklaven unserer Einrichtungen, zum Knechte unserer Finan^institute, zur Puppe unseres Organisationsinstitutes. Wir haben eine höhere Aufgabe zu erfüllen! Mit Zionsgruß L. M.—n. (Berlin-Charlottenburg). □O o'TVST^^: .-----jj o o \: KORRESPONDENZEN □AD Q ToU\U (Diese Rubrik, für die die Redaktion nicht die Verantwortung trägt, ist, wie wir wiederholt bemerken, Zuschriften aus dem Leserkreise und freiem Meinungsaustausch offen.) An die Redaktion der „Welt" in Köln. Hochgeehrte Redaktion! Sie haben in der letzten Nummer der „Welt" einige Interviews wiedergegeben, die in der jüngsten Zeit in den jüdischen Blättern erschienen sind. Gestatten Sie mir, im Hinblick auf diese Veröffentlichungen meine wiederholte Erklärung zu erneuern, daß ich für alle mir von anderen zugeschriebenen Äußerungen jede Verantwortlichkeit auf das entschiedenste ablehne. In Unterredungen, die nachzuprüfen ich keine Gelegenheit gehabt, erkenne ich weder meine Ausdrucksweise noch selbst meinen Gedankengang wieder. Sie wimmeln von Mißverständnissen und subjektiven Auffassungen meines Gesprächspartners. Ich stehe nur für das ein, was ich selbst schreibe und unterzeichne. Um die gefällige Veröffentlichung dieser Zeilen bittend, bin ich Hochachtungsvoll und ergebenst Paris, 19. Mai 1907. Dr. Max Nordau. Eine kleine Bitte! Alltäglich, ja fast stündlich und von jedermann werden eine Menge Dinge weggeworfen und verkommen, die dem einzelnen völlig wertlos sind, die jedoch gesammelt nutzbringend gemacht werden können. Zusammengetan — von vielen — bilden diese Dinge Werte, die zu vergeuden sündhaft erscheinen muß. Und so lassen die verschiedensten Institutionen von ihren Freunden solche Gegenstände sammein und lassen dadurch ihren Zwecken ganz hübsche Summen zufließen. Für unsere Zwecke, für den Nationalfonds, sind so auch schon seit Jahren abgestempelte Briefmarken gesammelt worden, und wir finden in neuerer Zeit in den Spendenausweisen der „Welt" wohl in jeder Nummer bald kleinere, bald größere Summen ausgewiesen, die die Nationalfonds-Verwaltung für ihr übersandte Briefmarken eingenommen hat. Die deutsche Landsmannschaft ist schon seit mehr als zwei Jahren weiter gegangen und hat die deutschen Zionisten und Zionistinnen auch zur Sammlung von anderen sonst wertlosen Dingen angehalten. Das sogenannte „Silberpapier", auch „Stanniolpapier" genannt, in das Schokolade eingehüllt ist, und das reine Zinnfolie darstellt, dann die Stanniolkapseln der Weinflaschen und die Stannioltuben von Salben und Farben, und schließlich die Spitzen, die von