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Die Welt · 1907-05-24 · 21 (24.5.1907) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 21 DIE^ELT > 9 nach inneren, im Wesen der Sache begründeten Momenten verlangt und auch verträgt. Aufgabe dieser meiner Ausführungen in ihrem weiteren Verlaufe wird es sein, zu zeigen, in welcher Richtung diese Verbesserung zu suchen und wie sie praktisch zu verwirklichen sein wird. Soviel kann aber schon hier konstatiert werden, daß sie keineswegs in der Rückkehr zur früheren Ordnung gefunden werden kann. Gilt schon, für die gegenwärtige Organisation der zionistischen Arbeit in Österreich, daß sie einen entschiedenen Fortschritt gegen früher bedeutet, weil sie das Schicksal dieser Arbeit unabhängig macht von der Arbeitslust und dem Pflichtgefühl einiger Personen, die von einem Parteitag zum anderen vollkommen souverän in ihren Handlungen sind und daher auch einmal zwei Jahre hindurch in absoluter Untätigkeit verharren können — so müssen wir von dem in unserer Verfassung zum Ausdruck gekommenen Prinzip der Selbstbestimmung der Distrikte konstatieren^ daß es sich vollkommen bewährt. Gerade die Erfahrungen der letzten 2 Jahre haben uns die Überzeugung beigebracht, daß wir an dieses Prinzip nicht rühren lassen dürfen. Nur diesem Umstand haben wir es zu danken, daß unsere böhmische Distriktorganisation nicht in nichtzionistische Experimente hineingerissen wurde, die nach den hier herrschenden und nicht durch Laune einzelner zu beeinflussenden Verhältnissen dem Zionismus hätten schweren Schaden zufügen müssen, sondern daß sie unbeirrt und konsequent auf dem Boden des Baseler Programms ihre Kräfte ausschließlich der Vertiefung und Verbreitung der zionistischen Idee widmen konnte. Der föderative Gedanke hat sich also vollständig bewährt. Hoffnungen und Wünsche nach einer Wiederherstellung des Landeskomitees mit seiner früheren Einfluß- und Machtsphäre haben in den wirklichen Verhältnissen keine Begründung. Sie beruhen entweder auf Unkenntnis der realen Tatsachen oder sind ein ungenauer und unrichtiger Ausdruck wirklich vorhandener Tendenzen. Eine Berechtigung haben zentralistische Tendenzen nur insoweit, als sie eine andere Organisation der Arbeitsteilung — als sinngemäße Konsequenz dessen, was bereits geschaffen wurde — verlangen. Irgend ein Grund, das Prinzip zu verlassen, von dem sich der IV. Parteitag in der Frage der Organisation hat leiten lassen, liegt nicht vor. Und ein solcher Versuch müßte auf den schärfsten Widerstand stoßen. Wir wollen das föderative Prinzip nicht preisgeben. Wir müssen den Gedanken vielmehr erst zu Ende denken und auf diesem Wege zu einer von allem Doktrinarismus freien, den realen Verhältnissen sich anpassenden, entwicklungsfähigen Gestaltung unserer Organisation zu gelangen suchen. In Konsequenz dieses Gedankens obliegt es uns in erster Linie, clie unnützen und überflüssigen, oft sogar schädlichen Überreste der alten Verfassung entschlossen über Bord zu werfen— Wir müssen das Landeskomitee in seiner heutigen Gestalt gänzlich beseitigen. Das Landeskomitee hat in unserer Verfassung keinen Raum. Iis ist unnütz und überflüssig, denn es leistet keine Arbeit; und es kann schädlich sein, weil es in seiner Tätigkeit keiner wirksamen Kontrolle unterliegt. In der Zusammensetzung des Landeskomitees liegt bereits ein Fehler, der eine erfolgreiche Tätigkeit unmöglich nacht. Es vereinigt nicht die besten'Männer der Organisation, sondern es besteht, da seine Mitglieder .an einem Orte wohnen ■■missen, wir aber nicht wie andere Parteien die Mittel haben, die fähigsten Kräfte an einem Orte zu vereinigen, oft und zum großen Teil aus Personen, die mühsam ohne strenge Prüfung der Qualifikation zusammengesucht werden, und die der Parteitag wählt, obwohl der allergrößte Teil der Delegierten nicht einmal den Namen lerer kennt, die nun als oberste Behörde in der österr. Landsmannschaft schalten sollen. Jedenfalls ist diese so kraß geschilderte Situation durchaus im Bereich der Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit. ::ine solche Institution kann unmöglich lebensfähig sein, Und der Parteitag wird zur Gesundung unserer Verhältnisse viel getan haben, venn er das Landeskomitee abschaffen wird. Damit soll nun nicht gesagt werden, daß wir in Österreich jetzt >tatt einer Federation deren 7 oder mit den Poale Zion 8 haben sollen. Das ist nach den Kongreßstatuteri unzulässig, dann aber auch aus sachlichen Gründen keineswegs zu empfehlen. Föderalismus darf nicht mit Partikularismus verwechselt werden. Wir brauchen auch aus Grünien der Zweckmäßigkeit neben dem Parteitag eine Institution, welche die organische Einheit der österreichischen Landsmannschaft in zweckentsprechender Form und im Einklang mit der Autonomie der Distrikte verkörpert. Eine Zentralinstanz, die eine Zusammenfassung der Teile zu einer höheren Einheit bedeutet, in welcher alle Richtungen und Parteien, in welcher alle Gegenden vertreten, und in der die wirklich prominenten Persönlichkeiten ihren Sitz haben sollen. Als Muster schwebt mir hier das Zentralkomitee der deutschen Landsmannschaft vor. Mein Vorschlag ginge dahin, ein Zentralkomitee nach dem Muster des deutschen zu schaffen, das zu bestehen hätte aus dem Präsidenten des letzten Parteitages, sämtlichen österreichischen A.-C.-Mitgliedern und den vom Plenum des Parteitags zu wählenden Mitgliedern. Der Parteitag wählt auf Vorschlag der Delegierten der einzelnen Distrikte, ohne an diesen Vorschlag gebunden zu sein. Eine ähnliche Institution wie dieses Zentralkomitee werden soll, besitzen wir heute bereits in der Landeskonferenz. Aber diese besteht aus jeweils dazu bestimmten Delegierten der Distriktskomitees — und gerade auf diese Unterscheidung des vorgeschlagenen Zentralkomitees von der Landeskonferenz lege ich aus prinzipiellen und praktischen Gründen besonderes Gewicht. Der letzteren fehlt das Moment der Stetigkeit, auf das umsomehr Nachdruck zu legen ist, als ja die neue Institution die einzige ganz österreichische Einheitsinstitution sein wird. Diese neue Einrichtung, ihrer Bestimmung nach die oberste Instanz, muß sich in das Bewußtsein der Gg. einleben können; sie muß durch ihre Mitglieder wirklich die Meinung der Partei repräsentieren und gewissermaßen den letzten Parteitag fortsetzen; und sie soll nicht bloß nach den Statuten sondern auch in ihrer Zusammensetzung und durch ihre Mitglieder wirklich die Führung der Partei sein. Diesen Anforderungen aber kann die Landeskonferenz als eine flüchtige, nicht für die Dauer geschaffene, sondern nur jeweils für den Augenblick zusammenberufene, aus stets wechselnden Personen bestehende Körperschaft nicht entsprechen. Soviel hier von der Organisation der Gewalten. Der zweite Teil meiner Ausführungen soll der Frage der Organisation der Arbeit gewidmet sein. Ich habe bereits oben festgestellt, daß m. E. die Organisation der zionistischen Arbeit, die Arbeitsteilung, einer Revision bedarf. Infolge der letztgeschaffenen Ordnung, besonders aber infolge des absoluten Versagens des L. C, waren die Distriktsorgane genötigt, nicht nur die speziellen Distriktsangelegenheiten, sondern auch solche, welche die gesamte österreichische Organisation angingen, selbständig zu erledigen, wobei jeder Distrikt die ganze Arbeit für sich von neuem leisten mußte, ohne etwa von schon geleisteten Vorarbeiten anderer Distrikte profitieren zu können. Die Folge davon war einerseits eine überflüssige Arbeits- und Kraftverschwendung, anderseits eine weitgehende Zersplitterung der Kräfte und Mittel, und als Konsequenz dieser Umstände eine Minderung der Intensität der mit ungenügenden Kräften ohne Einheitlichkeit geleisteten Arbeit. Durch den Wegfall des Landeskomitees tritt diese Frage in ein akutes Stadium. Denn das L. C. ist auch heute zum Teil Gesamtexekutive oder soll es wenigstens sein. Insbesondere hat es den gesamten Verkehr mit dem Ä. C. zu besorgen und sollte einen engen Zusammenhang und stete Fühlung zwischen der obersten Leitung und der Federation bewirken. Und wir können dem A. C. nicht zumuten, daß es nunmehr statt mit einer Stelle mit deren 7 oder 8 verkehren und damit jene Arbeit leisten soll, die Sache des L. C, bezw. jedenfalls eines Organes der Landsmannschaft sein müßte. Schließlich wird sich infolge der ÜbersiedelungdesNationalfondsbureaus von Wien nach Köln die Notwendigkeit ergeben, auch hierfür in Gestalt eines Nationalfondsbureau für Österreich Ersatz zu schaffen. Es sind also Gründe mannigfacher Art, die dafür sprechen, gewisse Arbeiten für mehrere Distrikte zsammenzulegen und an einer Stelle zu konzentrieren. Ich erblicke hierin keine Einschränkung der Autonomie der Distrikte. Von ihren Rechten soll ihnen nichts genommen werden, sondern nur von den Pflichten, jene, die zu bewältigen ihre Kräfte nicht ausreichen können, und die zu leisten sie, solange wir a« dem Prinzip einer österr. Federation festhalten, nicht berufen sind. Wir müssen eine Arbeitsteilung in dem Sinne vornehmen, daß jene Arbeit, die eine individualisierende Auffassung an die speziellen Landesverhältnisse und Interessen nicht erfordert, die ohne Beeinträchtigung der Wirkung gemeinsam für größere Gebiete geleistet werden kann, und die an Intensität nur gewinnt, in je größerem Maßstabe und mit je größeren Mitteln und je einheitlicher sie unternommen wird, im Interesse der Arbeitsökonomie an einer Stelle für alle geleistet werden, während alles übrige auch weiterhin den Distriktsorganisationen zu verbleiben hätte. Ein solches Arbeitsbureau hätte nichts anderes zu tun, als wirklich Arbeit zu leisten: nüchterne, sachliche Arbeit, zionistische Arbeit: außer der Vermittlung des Verkehrs mit dem A. C, der Verwaltung des Nationalfonds in Österreich, alle propagandistischen Arbeiten vorbereitender Art: Beschaffung von Agitationsmaterial jeglicher Art, Herausgabe von Flugblättern und Broschüren im Einvernehmen mit den Distrikten, Vermittlung von Vorträgen und Vortragszyklen, Instruierung und Unterstützung der Vereine bei Veranstaltungen und das Zugänglichmachen von Anregungen und Gedanken auf dem Gebiete der Propaganda usw. Für arbeitsfreudige Zionisten, 2

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