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Die Welt · 1907-05-17 · 20 (17.5.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
20 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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14 DIE3$[ELT No. 20 (fl o o o o aoc □Oo ooo KORRESPONDENZEN ^QB ooooGD An die nationaljüdische Studentenschaft Österreichs Brüder! Gesinnungsgenossen! Wir entnehmen aus den Zeitungen, daß ihr eine energische Agitation eingeleitet habt, um durchzusetzen, daß an allen österreichischen Hochschulen den jüdischen Studenten ihr gewährleistetes Recht tatsächlich gewahrt werde, sich in den Hochschulpapieren als Juden erklären zu dürfen (und sich nicht zu irgend einer beliebigen Nationalität zuzählen lassen zu müssen, wie das bisher der Fall war). Und da wir in dieser eurer Agitation einen Protest erblicken gegen eine der schwersten unter den nationalen Demütigungen, die auf uns lasten, und zugleich einen Kampf für die offizielle Anerkennung unserer Nationalität und unserer nationalen Gleichberechtigung, — senden wir euch, geschätzte Gesinnungsgenossen, den Ausdruck unserer innigsten Anteilnahme und den Wunsch baldigsten Erfolges eurer Aktion. Wir sind tief überzeugt, daß der Kampf für unsere nationalen Rechte im Golus unbedingt zum Streben nach Befreiung vom Golus führen wird und zur Wiedergeburt unseres Volkslebens auf Grundlage wirklicher Vollberechtigung — was nur möglich sein wird auf dem Boden unserer Heimat: in Palästina. Die zionstisch~akademische Fraktion an der Odessaer Universität Der Abschluß für 1906 der Anglo Palestine Company Trotz der Mahnung Kanns, über unsere Banken nicht zu reden und nicht zu schreiben, scheint es doch offensichtlich, daß je mehr unsere Gesinnungsgenossen von unseren Instituten wissen, sie desto mehr für sie arbeiten werden und selbst der erleuchtetsten Bankdirektion kann manchesmal eine freimütige Kritik dienlich sein, wenn sie ihr auch stets lästig erscheinen wird. Die Geschäfte der A. P. C. weisen für das Jahr 1906 in allen Teilen einen erfreulichen Aufschwung auf. Es betrugen von den Aktiven in £: Weeh- Kasse seikonto Lom- 1 Debi- Ä toren Eff<*- | Land- So i konto Summe einer Seite dos Hauptbuchs 1906 1905 13 795 80 860 8 171 \ 24 646 1 69 685 20 922 47 973 4 405 21 838 22 233 8 203 7 089 217 343 119 269 -!; 1906 + 5 624 +56214 +21712+16517 — 395 + 1 114 + 98 074 von den Passiven in £: Akzeptenkonto i Depositen auf feste Tomnno Kreditoren in laufender Rechnung: Diverse Kreditoren »Salrto-d uthabon des Jewish Col. Trust 1906 1905 i 5 484 i 1 253! 38 507 16 369 61 332 28 517 21 652 4015 49 449 29 529 + 1906 +4231 +22 138 +32 815 + 17 637 + 19 920 Diese ganz außerordentliche Zunahme des Geschäftes beweist, daß die Gründung der A. P. C. nicht nur eine geschäftlich richtige Maßregel gewesen ist, sondern auch einem dringenden Bedürfnis Palästinas entspricht, die dort tot ruhenden Kapitalien wirtschaftlich nutzbar zu machen und sie den arbeitsfreudigen Elementen des Landes in Form von Kredit zuzuführen. Während die Geschäfte des Jewish Colonial Trust sich auf dem ungünstigen Boden Londons nur langsam entwickeln, braucht die A. P. C. die Geschäfte nicht aufzusuchen, die ihr aus den wirtschaftlichen Bedürfnissen des jungen Koloniallandes von selbst zufließen. Hat sie doch — ganz abgesehen von dem Guthaben des J. C. T. — mit £ 121 489 mehr als doppelt soviel Kreditoren, wie der J. C. T. mit nur £ 51 407, und die Höhe dieser der Bank zur Verfügung gestellten fremden Gelder ist es ja, die in letzter Linie über ihre Existenzfähigkeit entscheidet und sie für die A. P. C. aufs deutlichste bejaht hat. Daß demgegenüber die Gewinne noch nicht befriedigen können, darf Verwunderung nicht erregen, solange die Bank noch jährlich neue große Filialen eröffnet und sich als Ganzes im Entwicklungsstadium befindet. Nachem sich in Jaffa, Jesusalem und Beyruth die Filialen in erfreulicher Entwicklung befinden, sind die Hauptausgaben getan und die Agenturen in den Landstädten werden keine großen Gründungsausfälle mehr verursachen. Wissen doch auch die großen europäischen Banken von den Erträgnissen neu begründeter Filialen und Depositenkassen in den ersten Jahren manch trauriges Lied zu singen. Um die bestehenden und noch zu gründenden Filialen in Palästina aber auf ganz sichere Basis zu stellen, erscheint es notwendig, daß sie an allen Orten auf eigenem Grund und Boden in eigenen Häusern wohnen, schon allein wegen der fortwährenden Preissteigerung der Terrains grade in den palästinensischen Städten. Die Canadian Bank of Commerce, die 1906 die Zahl ihrer Niederlassungen von 130 auf 166 vermehrte und sogar die Angestellten der Filialen durchweg in diesen Häusern einlogiert, wollte die so entstandenen außerordentlich hohen Etablierungskosten nicht selbst tragen und schuf zum Landerwerb und Häuserbaii die Dominion Realty Co. Ltd. als Tochtergesellschaft; diese gibt zur Kapitalbeschaffung Obligationen aus, die aus den von der Bank an die Tochtergesellschaft gezahlten Mieten innerhalb von 15 Jahren zurückgezahlt werden, so daß dann die Bank Boden und Häuser schuldenfrei zur Verfügung hat. Ganz analog sollte die A. P. C. vorgehen; nur braucht sie keine Tochtergesellschaft zu gründen, sondern könnte dem Nationalfonds Kauf des Bodens und Bau der Häuser übertragen, der von ihr Miete und Amortisation erhält und ihr die Häuser nach einer Reihe von Jahren schuldenfrei überläßt. Diese Aufgabe liegt auch durchaus im Sinne des Referats von Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer über die Tätigkeit des Nationalfonds in Palästina. Nur ein wunder Punkt zeigt sich in dem Abschluß der A. P. C. — das ist das Verhältnis zum J. C. T. Bisher hatte die A. P. C. ' ein autorisiertes Kapital von £ 50 000, davon waren £ 39 364 fast durchweg durch den J. C. T. gezeichnet. Auf der andern Seite besitzt aber die A. P. C. £ 20 595 J. C. T.-Aktien, die sie offenbar als Gegenwert gegen eigene Aktien erhalten hat; d. h. die A. P. C. verfügt überhaupt nur über ein eigenes Kapital von £ 39 364 — „ 20 595 £ 18 767, auf das sie ja dann immerhin 3V*% verdient hat. Dieses Besitzes bedarf sie nicht etwa, um Aktien derJ. CT. verkaufen zu können; denn dazu bedarf sie einmal nicht eines so großen Besitzes und zweitens überhaupt keines Besitzes an J. C. T. Shares; denn sie kann sie als Kommjssionslager halten, genau so, wie es die deutschen Bankiers mit den Pfandbriefen der Hypothekenbanken machen. Was nutzt also die beschlossene Kapitalserhöhung auf £ 100 000, wenn davon nur £ 30 000 emittiert werden sollen und sonst alles beim Alten bleibt? Dann hätte die A. P. C. reichlich £ 48 769 Kapital, was bei dem Umfang ihrer Geschäfte nicht genügend ist. Es ist daher von dem J. C. T. unbedingt zu verlangen, daß er anläßlich der Kapitalserhöhung der A. P. C. auch die £ 20 595 seiner Shares wieder zurücknimmt, genau so, wie er das wertlose El Arisch-Konto zurückgenommen hat, und daß er dafür die Schuld, die die A. P. C. bei ihm kontrahiert hat, vermindert. Dann haben wir bis auf höchstens £ 1000 Mobiliar und Etablierungskosten, die in wenigen Jahren abgeschrieben sein können, saubere Verhältnisse bei der A. P. C, die ihr, wenn nicht besondere Zwischenfälle eintreten, schon für 1907 eine Dividende von 3-4 °/o gestatten dürften. Der J. C. T. seinerseits müßte dann versuchen, so schnell wie möglich die £ 20 595 Shares zu placieren. Sehr auffällig ist es aber, daß die £ 3 500 des wertlosen El Arisch-Konto in der Bilanz des J. C. T. überhaupt nicht figurieren. Offenbar stecken sie mit unter den diversen Debitoren. Mit ihnen erheben sich aber die herunterzuschreibenden Posten an Mobiliar, Etablierungskosten und Palästina-Handelsgesellschaftsanteilen auf £ 5000, d.h. auf 100000Mk., und es erscheint mehr als bedenklich, für 1906 pro Share des J. C. T. eine höhere Dividende als 6d zu verteilen. Mit vorzüglicher Hochachtung! Dr. H. G. Heymann.

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