Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 20 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 20 DIE^ELT 13 2. meine zionistische Agitation bei Gelegenheit meiner Gedenkrede auf Theodor Herzl, 3. meine Affäre mit dem Direktor des Mommsengymnasiums. Sämtliche drei Fälle wurden von Herrn Syndikus Lilienthal teils entstellt, teils geradezu den wahren Tatsachen zuwiderlaufend dargestellt. Ich habe inbezug auf die Darstellung des Herrn Syndikus Lilienthal folgende Erklärungen abzugeben: 4 1. Ich habe am Falkrealgymnasium nicht angeblich zum Mißfallen des Direktors die jüdischen Schüler gegen die christlichen Schüler aufgehetzt, sondern ich habe gegen den in beteiligten Kreisen allgemein bekannten Antisemitismus am Falkrealgymnasium energisch und mit Erfolg Front gemacht. 2. Ich habe nicht in öffentlicher Versammlung für den Zionismus agitiert, sondern ebenso wie vor 3 Jahren mein Kollege Dr. Eschelbacher in einer ernsten und würdigen Gedenkfeier, Theodor Herzl, den von aller Welt anerkannten jüdischen Politiker, als Menschen und Dichter gefeiert. 3.' Unter den unzähligen Entstellungen und falschen Tatsachen des dritten Falles, ist vor allem von Herrn Jacoby der von ihm nach meinem Berichte gebrauchte Ausspruch geleugnet worden: „Sie sind bei uns in Lohn und Brot, Sie haben unsere Anschauungen zu vertreten". Ich erkläre hiermit vor aller Öffentlichkeit mit dem Hinweis auf die Makellosigkeit meiner Vergangenheit, und im vollen Bewußtsein der Verantwortlichkeit, die ich auf mich lade, erkläre ich: Herr Julius Jacoby hat durch den Mund des Herrn Syndikus Lilienthal am Sonntag den 5. Mai 1907 im Sitzungssaal der Repräsentanz die Unwahrheit gesagt. Ich werde auf sämtliche, mir zum Vorwurf gemachten Fälle eingehend zurückkommen. Berlin, den 6. Mai 1907. Rabbiner Dr. Emil Cohn. Soweit die Parteien. Eine ausführliche kritische Behandlung der Angelegenheit behalten wir uns vor. Das 25 jährige Jubiläum der Kolonie Rischon-Lezion An unsere Brüder allerorten! Wir geben hiermit bekannt, daß das 25jährige Jubelfest der Begründung von Rischon-Lezion nahe bevorsteht. Am 15. Ab d. J. werden fünfundzwanzig Jahre verstrichen sein, seitdem wir unsere Zelte an der Spitze des Berges, der sich dem Orte Ein Hakore* (Richter 15, 19) gegenüber erhebt, aufgeschlagen und den Grundstein zur ersten palästinensischen Kolonie gelegt haben. Dieser Tag wird, dessen sind wir gewiß, allen Freunden Palästinas und unseres Volkstumes ein hoher Festtag sein. Denn nicht in ein Land, aus dessen Boden kostbare Erze zu fördern wären, sind wir dazumal gezogen, auch nicht in ein entwickeltes Landwirtschafts- und Industriegebiet, das dem neuen Gemeinwesen, welches zu begründen wir uns anschickten, in irgend etwas zum Muster hätte dienen können. Vielmehr war das Land der Väter, wohin uns unsere Sehnsucht führte, noch seit den Tagen der Vorzeit, seitdem wir ins Exil gezogen waren, völlig verödet und verwahrlost. Die armseligen Bewohner seiner Städte und Dörfer konnten uns in keiner Weise als Wegweiser, als Vorbilder dienen. Dennoch hielten wir treu zum Lande der Väter und wandten unsere beste Kraft daran, die wüsten Stätten aufzurichten, neues Leben in die geheiligten Ruinen zu pflanzen, um durch diese unsere Pionierarbeit die Wunden zu heilen, die das Golus unserem Körper und Geist zugefügt hatte; um unseren Brüdern, die gleich uns der unfruchtbaren und aufreibenden Golusbeschäftigung, der Kramerei und Maklerei in allen Spielarten, überdrüssig geworden waren, die Bahn für ein neues, gesundes Leben, das des Ackerbaues, zu ebnen; um die hehre Sprache der-Väter im Munde unserer Kinder neuaufleben zu sehen, kurz, um die Möglichkeit anzubahnen, unseren siechen Volkskörper und unsere wunde Volksseele im Lande der Väter der Gesundung entgegenzuführen . . . Mit diesen idealen Gesinnungen und Vorsätzen ausgerüstet, aber ohne jede Kenntnis der Landesverhältnisse, siedelten wir uns in der Wüste Jehuda an und widmeten unsere Kräfte der landwirtschaftlichen Arbeit. Wir gründeten Rischon-Lezion, die erste jüdische Bauernansiedlung in Palästina seit 18 Jahrhunderten. Gar vieles haben wir erlebt: Freude und Kummer, Erfolge und Mißerfolge, vorübergehende Freiheit und dauernde Knechtschaft! Unzählige Fehlgriffe haben wir bei der Bestellung unseres Sandbodens begangen, — gleichwohl verzagten wir niemals, bewahrten unserm Erdreich die Treue, rafften uns nach jedem mißglückten Unternehmen zu neuen Versuchen auf, arbeiteten unverdrossen weiter, und ertrotzten gleichsam unserem Händewerk das Gelingen. War unser Boden für den Getreideanbau untauglich, so ließen wir uns durch die völlig fruchtlosen Bemühungen vieler Jahre nicht entmutigen, sondern setzten unsere Anstrengungen in anderer Richtung fort, pflanzten Weingärten an den Berghängen, Fruchtbäume in der Niederung, und empfanden nach so vielen Enttäuschungen doppelt die Freude am Gedeihen unseres Schaffens. Nun haben wir seit Jahrzehnten schon der Rebenkultur und der Weinbereitung eine Stätte in Judäa bereitet und unseren Erzeugnissen allüberall den besten Ruf erworben. Brüder! Ihr sehet wohl, daß wir es an keiner Anstrengung fehlen ließen und unseres Strebens Ziel auch erreicht haben. Unser Gemeinwesen haben wir auf den besten Grundlagen der Selbstverwaltung aufgerichtet, in unseren Schulen, im Munde unserer Kleinen und Jünglinge, ist die hebräische Sprache wiedergeboren worden, unsere Lehre und Überlieferung bildet das Fundament unseres Lebens. Freilich konnte das großartige Beginnen der Wiedergeburt unseres Volkes auf dem Väterboden nicht in einem so kurzen Zeitraum und nicht von einem im Golus großgewordenen Geschlechte zu Ende geführt werden. Immerhin sind wir für die Mühsal von 25 Jahren reichlich entlohnt durch die ermutigenden Lehren und Erfahrungen, die wir während dieser Zeit gewonnen haben. Es ist uns klar geworden, daß das Land unserer Väter noch immer ein gesegneter Boden ist und bei angemessener Pflege und ausdauernder Arbeit die Anstrengungen des Landmannes in reichem Maße belohnt; daß unsere Volksgenossen — allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz — sich wohl für die Landwirtschaft, insbesondere aber für die Bebauung unseres Landes eignen; daß das Klima von Palästina ein heilsames ist und selbst Sumpfgegenden sich in durchaus gesunde Stätten umwandeln lassen; daß es nur im Schöße des palästinensischen Mutterbodens möglich ist, unsere alte Sprache neuzubeleben; endlich, daß die Einrichtung unseres Gemeindelebens auf Grund der Selbstverwaltung, ohne jede Vormundschaft, sich aufs beste bewährt und es sich also auch hier erwiesen hat, daß unser Volk, wie alle anderen zivilisierten Völker, befähigt ist, seine öffentlichen Angelegenheiten selber zu versehen. Für die Zukunft geloben wir, standhaft auf unserem Posten auszuharren und immer aufwärts zu streben, dem Hochziele entgegen, das wir uns von Anbeginn gesteckt haben. Wir werden uns zur Genüge belohnt wissen, wenn ihr, jüdische Brüder in allen Ländern, an unseren Schicksalen teilnehmen und das Jubelfest, das wir zu begehen uns anschicken, mitfeiern werdet. Möge der Gott unserer Väter uns auch fürderhin nicht verlassen! Für den Ausschuß zur Feier des 25. Jahrestages der Begründung von Rischon-Lezion: Die Mitbegründer der Kolonie: Ahron Mordechei Fr ei mann, Vorsitzender; Wolf Abramowitsch; Rüben Judelewitsch. Für den Vorstand der Kolonie: Jakob Kohner, Vorsteher.