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Die Welt · 1907-05-17 · 20 (17.5.1907) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
20 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 20 DIE ELT Wir haben jetzt so viele Verrechnungsinstitutionen: die Bank, oder eigentlich mehrere Banken, den Nationalfonds, palästinensische Fonde, ein offizielles Journal, einen Verlag, schließlich das Aktionskomitee. Bs fragt sich nun ernstlich, ob wir nicht einen sogenannten Obersten Rechnungschef notwendig haben. Wir erwähnen dies, weil es uns seither Mühe kostet, eine Kontrolle über unsere Verrechnungen zu erhalten, eine Kontrolle, die Post für Post und Rechnungsbelege Stück für Stück überprüft. 2. Die Kontrolle, ob die in den Journalen ausgewiesenen Spenden abgeführt werden, ist sehr schwierig, wenn nicht ganz unmöglich. Wir haben die Journale ersucht, uns Freiexemplare zu verabfolgen. geschieht aber nicht von allen und nicht regelmäßig. Die Bank st auf die Journale, von denen uns bekannt ist, daß sie Spenden ausweisen, abonniert. Die Abfuhren erfolgen aber zum geringsten Teile regelmäßig und auf Basis der betreffenden Journalriummern. ■is wird nichts übrig bleiben, als daß die Nationalfonds-Zentrale auf alle Journale abonniert. Unseres Erachtens sollen die Journale oder Organisationen wenigstens monatlich die ausgewiesenen Spenden auf Basis der irn selben Monate erschienenen Journalnummern abführen. Das wäre dann klipp und klar. Länger als einen Monat sollten die Spenden auch schon deshalb nirgends lagern, weil dem Nationalfonds die Verzinsung entgeht Die Organisationen sollten das Neuauftreten eines Spenden ausweisenden Journals stets der Zentrale mitteilen. Wir wollen hier nur erwähnen, daß von drei Journalen die Abfuhren rückständig sind, darunter von zweien seit mehr als zwei Jahren. 3. Die Perzente, welche von verschiedenen Organisationen für Spenden und Nationalfondsmarken genommen werden, beziffern sich ast durchschnittlich auf 5w/<>, die Bank berechnet 5o;o für gewöhnliche, 212°jo für Goldene Buch-Spenden, die „Welt" 272%. Einige deinere Organisationen nehmen sich vorweg auch mehr als 5°/o; anderseits nehmen wieder andere, darunter welche, die arm wie die Kirchenmäuse sind, aus purstem Ehrgeiz gar keine Perzente. Das Zentralbureau als solches berechnet selbstverständlich keine Perzente. Von den Perzenten allein fristen die Organisationen nicht ihre Existenz. Es kommen noch dazu die Parteisteuer, freiwillige Abgaben und hie und da der Erlös für selbstbeschaffte Telegrammblankette und andere zionistische Materialien. Österreich-Ungarn mit seinen Nebenländern, dessen Verhältnisse wir genau kennen, dürfte im kleinen ein Bild abgeben, wie es in der ganzen zionistischen Welt in manchen Dingen beschaffen ist. Bs bestehen in diesem Reiche 3 Landeszentralen, Österreich und Ungarn; Kroatien, Slavonien, dann Bosnien sind noch nicht organisiert. Österreich hat 7 Distrikte. 2 dieser Distrikte nehmen von allem 5%, 1 nimmt für das Inkasso von Büchsen und Bogen 5°/g, 4 nehmen nichts. Ungarn nimmt für das Inkasso bei Sammelmitteln 5°/o, die südslawischen Länder nehmen nichts. Das Nehmen und das Nichtnehmen von Perzenten steht nicht immer im richtigen Verhältnisse zu den Leistungen, manchmal sogar im umgekehrten. Wir verabfolgen an österreichisch-ungarische Organisationen nur die Perzente für Inkasso bei Sammelmitteln, und zwar nur an jene, die sich wirklich damit befassen und darum ansuchen. Wir, die wir uns mitten in der Agitation befinden, wissen, was für Kosten nicht nur für Bureau, sondern auch für den Agitator erwachsen. Je mehr Mittel, desto mehr kann agitiert werden. Wünschenswert wäre es, daß einheitlich vorgegangen werde und die Mittel zur Agitation überall gleichmäßig verteilt werden. Es wird die Ausgabe etwas vergrößern, wenn man jenen, die bisher nichts beanspruchen, Perzente förmlich aufdrängt, aber es wird das Gute haben, daß mehr agitiert werden wird. Wir glauben ferner, daß möglichst große Perzente von dem Erlöse der Gratulationstelegramme und zionistischen Karten den Organisationen zugewiesen werden sollten. Die Herstellung aller wie immer gearteter Werte soll nur der Nationalfonds-Zentrale zustehen, und zwar die des Papiers mit Wasserdruck und des kommissionell überwachten Druckes. Wir haben solche Werte gesehen, die, auf gewöhnlichem Papier hergestellt, mit der primitivsten Handpresse nachgeahmt werden können. Die Ausgaben für den Nationalfonds sind entschieden beträchtlich. Nach unserem Vorschlage würden sie sich noch etwas erhöhen. Bei den Ausgaben ist schwerlich zu sparen. Unser Bestreben muß dahin gehen, die Einnahmen zu erhöhen und das kann nur einzig durch die Selbstbesteuerung geschehen. Die Administration eines zehnmal so großen Nationalfondserträgnisses wird auch keinen größeren Apparat als den jetzigen benötigen. Unter Selbstbesteuerung kann vorläufig nur eine freiwillige Abgabe verstanden werden. Eine Maßregel, wie sie von einigen kaukasischen Gemeinden vor mehreren Jahren eingeführt wurde — nämlich bestimmte Perzente von der Wohnungsmiete einzuheben — ist vielleicht in einem späteren Zeitpunkte durchführbar, jetzt noch nicht. Vorläufig wäre es genügend, wenn unsere Führer, unsere Delegierten sich an die Spitze dieser unbedingt notwendigen Agitation stellen, unsere so zahlreichen und vornehmen Schriftsteller und Redner ihre Kräfte dafür einsetzen würden, und zwar fortgesetzt, unermüdlich, dann werden wir in einem Jahre anstatt £ 12 000 deren 100 000 aufbringen. Unsere Nachfolger im Amte werden eine Aussaat von Anregungen, ein beträchtliches Sammelmaterial und eine Summe von Erfahrungen, die wir in dem kurzen Zeiträume unseres Amtierens gesammelt, vorfinden. INTERVIEWS MIT MAX NORDAU Max Nordau hat sich in jüngster Zeit mehrfach in Interviews über die gegenwärtige Lage des Zionismus, über die Probleme des nachten Kongresses, die Fragen der Palästinaarbeit, der politischen Betätigung usw. geäußert. Über ein längeres Interview mit Nordau erzählt Rüben Brai 11 in in der Wiener „Neuen Nationalzeitung" folgendes: „Während meines jüngsten Aufenthaltes in Paris habe ich, wie jedesmal, wenn ich in Paris weile, Dr. Nordau besucht. Dann zählen die Stunden, die ich bei ihm zubringe, zu meinen angenehmsten. Nordau versteht es, so interessant zu plaudern, daß er seine Besucher ganz im Bannehält; seine Gedanken sind immer originell und lehrreich, sein Geist kommt nie zur Ruhe und versteht es, die Aufmerksamkeit ununterbrochen zu fesseln. Im Mittelpunkte unseres Gespräches standen wissenschaftliche und künstlerische Fragen. Ich hatte den Eindruck, daß Nordau einer zionistischen Diskussion aus dem Wege ging. Er schien auszuweichen, wenn ich an ihn eine direkte Frage richtete, und statt einer Antwort bekam ich eine Gegenfrage zu hören. Ich interpellierte ihn daher direkt: „Haben Sie mir denn in dieser kritischen Zeit gar nichts über den Zionismus zu sagen? ..." Dr. Nordau erklärte sich dazu bereit. Er lud mich ein, ihn zum Zwecke einer Besprechung demnächst zu besuchen. Ich stellte mich bald ein. Ich fragte viel, sehr viel, und Nordau antwortete. Hier seine Antworten: „Wenn ich das Schicksal meines Volkes betrachte," begann Dr. Nordau seine Ausführungen, „dann wird es mir sehr traurig zumute. Ich zweifle sogar, ob es tausend Zionisten gibt, die den Zionismus richtig verstehen." Und nun wandte sich Nordau sehr scharf gegen jene, die er verdammt, weil sie ihre Kräfte innerpolitischen Fragen zuwenden. „Bisher," meinte er, auf die Helsingforser Zionistenkonferenz anspielend, „waren die Zionisten der ganzen Welt gegenüber Kinder eines Volkes; sie waren ein Volk in der Vergangenheit und Gegenwart, und auch die Ideale der Zukunft waren für sie gemeinsam. Heute aber, da sich die russischen Zionisten entschlossen haben, an der politischen Arbeit innerhalb des russischen Reiches teilzunehmen, ist eine dicke Scheidewand zwischen ihnen und den Zionisten der anderen Länder entstanden. Der Hauptvorzug der zionistischen Idee bestand ja darin, daß wir Juden uns alle in ihr geeinigt fühlten, in ihr sahen wir unsere Gleichheit, unsere Gleichstellung und auch unsere Zukunft. Was die Stellungnahme zu Gegenwartsfragen betrifft, so war ich stets dafür, daß die Zionisten ihre staatsbürgerlichen Rechte verteidigen, als Menschen und als Juden, nicht aber als zionistische Partei, nicht auf Grund eines zionistischen Programms. Gegen die Beteiligung der Zionistenpartei am politischen Leben ihres Landes sprechen noch tausenderlei Gründe. Ich erinnere mich dabei an jenen Bürgermeister, der von Heinrich IV. den Befehl erhalten hatte, auf das Volk zu schießen. Der Bürgermeister entsprach dem Befehle nicht, er

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