Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 20 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Es verbleiben demnach für Administration und sonstige Auslagen.........• .... £ 1630. 7. 9 Eingegangen sind in den neun Monaten......, 9019.10.11 Die Administration ist teuer. Verteuert ist sie auch teilweise durch die Zerstreuung unseres Volkes über fünf Weltteile, durch Funktionieren der drei Zentralen: Aktionskomitee, Bank und Nationalfonds an drei verschiedenen Orten. Die Ausgaben repartieren sich: 1. auf Kosten für Propaganda mit den Landesorganisationen von fünf Weltteilen und mit verschiedenen Faktoren der nicht organisierten Länder, 2. Beschaffung und Verteilung der Sammelmittel und Agitationsschriften, 3. Bedienung des Goldenen Buches. ad 1. Die Propaganda wurde früher vom Aktionskomitee und vom Nationalfondskommissär besorgt. Vom Aktionskomitee von Schekelgeldern, vom Nationalfondskommissär aus eigenen Mitteln. Auf Schwierigkeiten stießen wir anfangs bei Einführung der Nationalfondsbüchsen und bei der Selbstbesteuerung. Es gab Organisationen, die da meinten, der Sammelbüchsen bedienen sich in ihren Ländern bloß die Bettler, und heute sind dieselben Organisationen bei Placierung derselben eifrig tätig. Die Selbstbesteuerung fand viele Zweifler und Gegner, und heute bürgert sich dieselbe allmählich in den meisten Ländern ein. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich bei einem österreichischen Distrikte, der sich — in Nationalfondsangelegenheiten — nicht dem Lande unterordnete. Wir haben diesen Zustand vorgefunden und leider trotz aller Bemühungen nicht zu beheben vermocht. Die führenden Männer dieses Distriktes sind durchaus warme und brave Zionisten, der Distrikt leistet Erhebliches, aber sie wollen reichsunmittelbar sein. Wir wollen hoffen, daß, was uns nicht gelungen ist, unsern Nachfolgern gelingen wird. Diesem Beispiele folgt bereits eine andere Gruppe, und es würden noch andere folgen, wenn das kürzlich in einem ernsten Blatte verlautbarte Projekt akzeptiert würde. Wir hätten dann anstatt 25 geschlossener Landsmannschaften deren viele auseinander organisierte, was den ganzen Apparat nicht wenig schwerfällig machen müßte. ad 2. Die Beschaffung des Sammelmaterials ist eine Investition. Ein Sammelbogen kostet samt Porto etwa 7 Heller und bringt jährlich durchschnittlich ca. K. 5.—. Die Büchse kostet K. 1.40, samt Porto K. 1.60, und bringt durchschnittlich ca. K. 4.—. Agitationsschriften. Deren Mangel bildet einen wunden Punkt unserer Bewegung. Wir könnten Hunderttausende von jeder guten Broschüre in den Hauptsprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Hebräisch, Jargon, Spaniolisch und Arabisch brauchen. Wir sollten es da anderen Parteien, beispielsweise der Bibelgesellschaft, nachmachen können. Aber die Herstellung und Versendung von so vielen Broschüren in so viel Idiomen kostet Geld, viel Geld. Wir haben kürzlich die Nationalfondsbroschüre und ein Flugblatt in Deutsch herstellen lassen; wir haben deren Obersetzung in Englisch, Hebräisch, Jargon und Spaniolisch vorbereitet und Schritte gemacht, auch eine arabische Obersetzung zu erhalten. Die Herstellung dieser Broschüren ist notwendig, nicht zum geringsten jene für Arabisch und Spaniolisch, weil wir nur mit diesem den Orient erobern können. Schließlich bringt jede Agitation Zinsen und Zinseszinsen. Eine kleine Agitation im vorigen Frühjahre betreffs Selbstbesteuerung hat für Österreich etwa K. 100.— gekostet und im ersten Monate schon K. 1000.— eingetragen. ad 3. Das Goldene Buch kostet per Eintragung: Das Diplomblankett......... . . . K. 0.54 Die Rolle zum Versenden.........„0.10 Kalligraph für das Diplom.........„ 0.70 Kalligraph für das Goldene Buch selbst . . . „ 0.70 Das Porto................„ 0.45 zusammen . . . K. 2.49 und noch eine Kleinigkeit für Bureauarbeiten und für Feststellung des Textes. Beim Goldenen Buch haben wir als Erbschaft vom Kongreßbureau übernommen: Die Ausfertigung von 600 rückständigen Diplomen, 1700 Nachtragungen ins Goldene Buch selbst und die Rektifizierung einer im allgemeinen und besonders, was den hebräischen Text anbelangt, sehr mangelhaften Strazza. Im Monate November und Dezember 1905 haben wir vollauf zu tun gehabt, um die Rückstände aufzuarbeiten, vorerst unsere Schuldigkeit an Diplomen festzustellen und die Strazza umzuarbeiten und zu vervollständigen. Im Monate Februar 1906 waren wir im Laufenden mit der Expedition der Diplome, im Monate März 1907 mit den Nachtragungen ins Goldene Buch selbst. Die kalligraphischen Arbeiten im November 1906 haben beispielsweise allein über K. 300.— gekostet. Einnahmen: Bei der letzten Konferenz wurde auch viel über die Einnahmen des Nationalfonds-Bureaus gesprochen. Solche hat das Bureau überhaupt nicht. Die winzigen Beträge für verabfolgte Broschüren und hier und da für Portorückersätze verdienen nicht ernstlich die Bezeichnung Einnahmen. Selbst der Erlös aus der Philatelie ist keine Einnahme, weil, was erzielt, augenblicklich beim Nationalfonds verbucht wird. Die zufällig beim Zentralbureau eingehenden und in der „Welt4, veröffentlichten Spenden sind keine Einnahmen des Bureaus, sondern des Nationalfonds. Über sie kann nur widmungsgemäß verfügt werden. Eingänge für den Nationalfonds bei uns erfolgen teile aus Bequemlichkeit der Spender, teils aus Anhänglichkeit an das offizielle Journal, wo selbe zur Kontrolle für die Spender im Detail und übersichtlich veröffentlicht werden. Die im offiziellen Journale jetzt zur Veröffentlichung gelangenden Spenden sind nicht so reichlich wie in den Jahren 1903—1904 das ist begreiflich. Im Anfange war nur die „Welt". Dieser gingen alle Spenden von Kamschatka bis zum Kap der guten Hoffnung zu. Die Spendenausweise waren daher reichlicher. Dann erschienen nach und nach so viele Spenden entgegennehmende Parteiorgane und schließlich unsere Bank, welche — und das mit Recht — alle großen Brocken absorbiert. Die Ausweise der Eingänge der „Welt" wurden daher immer magerer, einigermaßen zum Nachteile des offiziellen Journals, weil ein Parteiorgan dadurch an Attraktionskraft einbüßt. Die Eingänge bei den Journalen sind nur Verdienste der Nationalfondskommissäre aller Grade, deshalb sollte nur die Nationalfondskommission die Perzente beziehen. An den Administrations-Auslagen partizipieren: Das Zentralbureau des Jüdischen Nationalfonds für Bureaukosten (inbegriffen £ 22 für Broschüren und £ 74.12.9 für Goldene Buch- Eintragungen, dann für aus den Jahren 1903 und 1904 den Kalligraphen geschuldete £ 44.4.10), für Verwaltung des Landes Österreich- Ungarn, Kroatien-Slawonien und Bosnien, dann für Bedienung der „Weit".....................£ 575.—.- die Bank an Provision..............„ 363. 4.- der Sollicitor................ . . „ 150.—- die „Welt" für Perzente und andere Leistungen . . . ,, 138.13.- die Mutual Alliance-New-Vork an Perzenten.....„ 71.15. 8 Deutschland an Perzenten.............„ 61.14. 5 Rußland an Perzenten...............„ 44. 9. 1 das Zentralbureau in Cöln für Auslagen vom 1. Mai 1905 bis 10. Juni 1906 ...............„ 23.10. 7 Südafrika an Perzenten . . ............„ 10.11. 9 der „Wschod" an Perzenten............„ 7.14. t Belgien an Perzenten...............„ 3.14.— der „Jewish Express" an Perzenten.........„ 1.13.- Rumänien an Perzenten..............„ 19. 7 Amerika an Perzenten...............„ 12.? Schließlich diverse von den berufenen Faktoren angegewiesene^ und von der Bank ausgezahlte, nicht wiederkehrende, sondern in diesem Zeiträume eingetretene Verpflichtungen...........„ 246.14. 2 Von letzterem Betrage wollen wir bloß die größeren Posten detaillieren, und zwar: Reisespesen zu Konferenzen............£ 74.13.! Drucksachen für Legalisierung des Nationalfonds . . . „ 40.—.- Schreibspesen für Legalisierung...........„ 11. 6. r Rückzahlung einer Nationalfondsspende.......„ 40.—.— Irrtümlich zweimal in Empfang genommene.....„ 19. 9. 2 der Versuchsstation zu viel kreditiert........„ 7. 3. 7 Die letzten drei Posten sind eigentlich keine Ausgaben, sondern Rückzahlungen und sollten beim Eingang abgeschrieben sein. Ob die Auslagen des Nationalfonds-Bureaus und seine Leistungen, den Auslagen und Leistungen anderer Institutionen gegenübergestellt, verhältnismäßig groß oder klein sind, müssen andere Faktoren be urteilen. Wir haben viel für Propaganda getan, alle Rückstände aufgearbeitetund die Kosten bestritten, Broschürenund Klischees beschaff' und beispielsweise in Österreich-Ungarn allein durch fortgesetztem Agitieren die Eingänge um 75% gehoben. Organisation: 1. Wir kommen nun zu einigen Fragen der Oi ganisation, insofern diese den Nationalfonds tangieren. Das Verhältnis der Nationalfonds-Zentrale und jenes unsere! Bank zum Nationalfonds wird von wenigen Organisationen richtig aufgefaßt. Die Nationalfonds-Zentrale ist zweifellos der Repräsentant des Nationalfonds, die Bank ist die Depotstelle. Die wenigsten Organisationen avisieren an die Zentrale die bei der Bank gemachten Einzahlungen. Die Zentrale erfährt die Einzahlungen zumeist erst aus den Bankausweisen. Dies ist kein kaufmännisch richtiger Vorgang.