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Die Welt · 1907-05-03 · 18 (3.5.1907) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
18 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 18 DIE 3^EE LT 11 fähig, daß man beinahe an den Witz erinnert wird, der Nikolaus I. von Rußland 2iijeschrieben wird, der einmal gesagt haben soll, daß, wenn es ein Gesetz gäbe, daß nur jüdische Ammen in Petersburg wohnen dürften, sämtliche Juden Ammen würden. Und bei dieser ungeheuren Arbeitskraft eine merkwürdige, durch nichts zu rechtfertigende Indolenz, sobald es sich um eigene, nationaljüdische Interessen handelt. Ich habe nicht den Ehrgeiz, offene Türen einzurennen und die alte Klage zum so und sovielten Male vorzubringen. Aber wenn Nationaljuden, die sich dessen rühmen, diese sträfliche Indolenz überwunden zu haben, die darauf pochen, ihr Geschick selbst in die Hand genommen zu haben, einer der wichtigsten Fragen des Volksdaseins, der der Sprache und der Kultur, so wenig Interesse zuwenden, sie einigen Studenten überlassen, so muß man sich fragen, ob nicht diese Indolenz vielleicht eine chronische, unausrottbare geworden sei. Der VII. Kongreß hat der „Iwriah" Pate gestanden. Die „Iwriah" ist ein großer, umfassender Plan, eine jüdische „Matica", eine Nationalakadeniie und eine „Revival"-Bewegung im Keime zugleich. Das rapide, unaufhaltsame Sinken des Interesses am hebräischen Schrifttum hat mehr denn je die Notwendigkeit dieser Organisation bewiesen. Ratlos stehen jetzt alle ernsten, nationalgesinnten Juden und fragen sich, ob es denn wirklich mit der hebräischen Sprache zu Ende sei, ob das Volk denn wirklich nichts mehr von ihr wissen wolle. Rataber auch tatlos. Es wird beinahe nichts unternommen, um das weitere Sinken einzudämmen, um das Interesse wieder zu erwecken. Und wer weiß, ob nicht der Verlust ein unwiederbringlicher ist. Ich glaube nicht, daß der hebräische Sprachverein, die „Iwriah", diesem Übel abhelfen könnte. Die Wurzeln liegen tiefer. Aber eine Tat ist es jedenfalls; es wird hier jedenfalls gewollt. Und die national gesinnte Judenschaft steht abseits und schaut mit verschränkten Armen zu? Ein großes Volk ringt, — und die Stätte, wo seine Sprache gezüchtet, am Leben erhalten, zur Nationalsprache gemacht werden soll, ist nicht zugleich das Zentrum des jüdischen Lebens, ist nicht der Fokus aller nationalen Bestrebungen, sondern ein armes Studentenzimmer in Bern? Solch ein Paradoxon ist sogar für uns zu viel! A. . Cor. . . [□O °JL£Jj]i DTD^ oO/ KORRESPONDENZEN ^Bfi rfüio Das Zentralbureau für jüd. Auswanderungsangelegenheiten sendet uns folgende Zuschrift: Berlin, 29. April 1907. Von einer „Auskunftsstelle für jüdische Auswanderer nach Südamerika und den Südstaaten der Union" Berlin N. W., Unter den Linden 53, unterzeichnet A. Meyerowitz, erhalten wir soeben ein Zirkular, worin von einem Briefe Kenntnis gegeben wird, den ein Rabbiner „Dr. Hoffmann" namens der „Union Israelita Argentina" an den Norddeutschen Lloyd gerichtet hat. In diesem Briefe wird von der Errichtung eines israelitischen Einwanderungs-, Auskunfts¬ und Arbeitsnachweisbureau „Kosmos Calle Caugallo 2560" in Buenos Ayres Mitteilung gemacht, dem der genannte Rabbiner Dr. Hoffmann vorsteht. Im Interesse der Sicherheit und unbedingt notwendiger Zuverlässigkeit solcher Bureaus erlauben wir uns, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß uns bekannt ist, daß ein aus Ungarn stammender A. Hoffmann, der sich vor einigen Jahren in Straßburg i. E., in Basel, Zürich, Luzern etc. herumtrieb und eine Menge Schwindeleien beging, sich jetzt in Buenos Ayres als „Rabbiner Dr. Hoff mann" aufhält. Vermutlich ist er mit dem Schreiber des obigen Briefes identisch. Es wäre sehr bedenklich, das Schicksal unserer jüdischen Emigranten einem solchen Manne zu vertrauen. Auf Grund dieses Briefes wandte sich das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten telegraphisch an die Direktion der ICA in Buenos Ayres, um über die Zuverlässigkeit des „Dr." Hoff mann Erkundigungen einzuziehen. Die telegraphische Antwort lautet, daß Dr. Hoffmann nicht empfohlen werden kann und die Union Israelita Argentina, auf die er sich beruft, ohne jede Bedeutung ist. Dies sei im Interesse der jüdischen Auswanderer einstweilen mitgeteilt. In vorzüglicher Hochachtung Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, Berlin, Lützowstraße 8. Abänderungen unseres Organisationsstatuts (Zur Tagung des großen A.-C.) Daß unser Statut einer Abänderung dringend bedürftig ist, ist allgemein anerkannt. Ich will im nachfolgenden versuchen, ein Fazit aus bisherigen Vorschlägen, unveröffentlichten und in der „Welt" publizierten, zu ziehen und das mir wertvoll und durchführbar Erscheinende zu formulieren. § 1—3 bleiben unverändert. § 4. Die zionistische Organisation gliedert sich in Schekelzahler, Vereine, Landesorganisationen und Föderationen, Delegiertentage der Landesorganisationen und Föderationen, großes A.-C, engeres A.-C. und Kongreß. § 5. Soweit die Gesetze eines Landes es gestatten, haben die zionistischen Vereine sich zu einer Landesorganisation zusammenzuschließen. Neben diesen können sich Föde- § 6. § 7, 5? 8- § 9. § 10. § 11. §12. §13. § 14. § 15 § 17. § 18. § 19. § 20. §21. $ 22. $23. rationen von nicht der Landesorganisation Zugehörenden bilden, wenn deren Zahl nicht zu gering zu eigner Arbeit ist. Die Entscheidung darüber wie auch die Aufsicht über die Landesorganisationen und Föderationen steht dem A.-C.-Mitglied bezw. der Gesamtheit der A.-C.¬ Mitglieder des Landes zu. Gegen die Entscheidung der A.-C.-Mitglieder des Landes in Organisationsfragen steht der betreffenden Organisation die Berufung an das engere A.-C. zu. Der Verkehr der Vereine mit dem engeren A.-C. geschieht nur im Wege der Landesorganisationen und Föderationen, abgesehen von der Abschrift der Schekelzahlerliste, die jeder Verein alljährlich an das Bureau der Gesamtorganisation (Zentralbureau) einzusenden hat. Unverändert. Unverändert, nur in Absatz o hinter die Worte „Feststellung des Programms" einzuschieben: „und des Budgets". Unverändert. An den Verhandlungen des Kongresses können nur die von den Schekelzahlern gewählten Delegierten und die Mitglieder des Aktionskomitees der eben abgelaufenen Verwaltungsperiode teilnehmen. Unverändert. Zwei volle Hundertschaften von Schekelzahlern bilden eine Wahlgruppe. Die Einteilung der Wahlgruppen wird nach hierzu von dem engeren A.-C. eigens einzuholender Ermächtigung, die abhängig ist von der richtigen und rechtzeitigen Ablieferung sämtlicher eingegangenen Schekelgelder für das laufende und für das vorangegangene Jahr, von den Landesorganisationen und Föderationen vorgenommen. Sie erfolgt nach dem Durchschnitt der Schekelzahleranzahl im laufenden und dem vorangegangenen Jahre. Unverändert, nur jedesmal hinter die Worte „und Landesorganisationen" einzufügen „und (oder) Föderationen", und § 16. Unverändert. Jede Landesorganisation und jede Föderation führt..... (im übrigen unverändert). Wenigstens drei Wochen vor jedem Kongresse soll dessen Tagesordnung den Landesorganisationen und Föderationen zugeschickt werden, welche dann sofort die Tagesordnung in die Sprache des Landes übersetzen und den; Vereinen, die ihnen unterstehen, bekannt zu geben haben. Unverändert. Alljährlich hat in sämtlichen Landesorganisationen und Föderationen ein Delegiertentag, der von deren Obmännern einzuberufen ist, stattzufinden. Unverändert, nur im letzten Satz hinter „Landsmannschaften" für die Worte „und Distrikte" zusetzen: „und Föderationen". Unverändert. Unverändert, nur die Klammern um das Wort „Föderationen"

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