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Die Welt · 1907-04-26 · 17 (26.4.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Angriffe gegen das Judentum, seine Religion und Schriftum, sind heute vorüber. Heute bedarf es positiver Arbeit und moderner Menschen. Heute steht in erster Reihe das jüdische Volk, seine Entwicklung und die Vorbereitung seine'r Zukunft. Darum ist es im Grunde auch uns Unpolitischen nicht gleichgiltig, wer das jüdische Volk im Reichsrat repräsentiert. Sie aber, sehr geehrter Herr Doktor, haben die Ablehnung der jüdischen nationalen Politik aus zionistischen Gründen mit Ihrer Unterstützung des Herrn Dr. J. S. Bloch verbunden, so daß man glauben müßte, Sie hielten es für eine Konsequenz des Zionismus, Herrn Dr. Bloch zu wählen. Gegen diese Kompromitierung des Zionismus müssen wir nachdrücklichst protestieren. Den Juden von gestern mag Ihr Schützling der typische Vertreter gewesen sein. Der Vertreter unserer Generation, der von heute und der von morgen, ist er nicht. Von dem Geiste, der uns beseelt, von unserem Wollen und Streben, unserer Hoffnung und unserer Zuversicht und von unserer Art, die Dinge zu sehen, weiß er nichts, und freud- und verständnislos steht er uns gegenüber. Und nun kommen plötzlich Sie, den wir zwar für einen alten Zionisten, aber einen jungen Juden gehalten, und unterstützen die Kandidatur des Dr. Bloch aus angeblich zionistischen Gründen? Ich verkenne durchaus nicht, daß die Tatsache der mehrfachen jüdischen Kandidaturen in diesem Wahlkreise eine bedauerliche Erscheinung ist. Ich verkenne nicht, daß infolgedessen die Gefahr des Verlustes dieses jüdischen Wahlkreises für die Juden besteht, und daß gerade uns Zionisten, besonders uns auf dem Lande, dieserhalb Vorwürfe nicht erspart bleiben würden. Man kann aus diesen Gründen privat seinen Einfluß geltend zu machen suchen — aus diesen Gründen, sehr geehrter Herr Doktor, und nicht aus denen, die Sie für die Person des Herrn Dr.J.S.Bloch anführen — immer aber wird die Form und die Gelegenheit Ihrer Stellungnahme mißbilligt werden müssen. Darum, wenn Sie heute in dem Organ des Herrn Dr. Bloch Partei nehmen für ihn und gegen Dr. Schalit, dann stellen Sie uns vor die Wahl, Sie nicht zu verstehen oder mißzuverstehen. Ich empfehle mich Ihnen, sehr geehrter Herr Doktor, mit hochachtungsvollem Zionsgruß Trautenau i. B., April 1907. Dr. Emil Margulies. Zum Abschluß der Kolonialbank pro 1906 Es kann nicht bestritten werden, daß die jüngst publizierte Bilanz pro 1906 eine Besserung gegenüber derjenigen von 1905 aufweist — ebenso* wie es einen bedeutenden Fortschritt bedeutet, daß die Direktion für 1906 eine Dividende von 3l> °o ausschütten will, während 1905 die Aktionäre leer ausgingen. Wenn aber das Ergebnis nicht im Verhältnis zum Vorjahre, sondern absolut betrachtet wird, ist es weit entfernt, zu befriedigen. Ein Nettoertrag von 2-,:$% (Bruttogewinn 6°o, Regie 3,2" ..) wird selbst bescheidene Anprüche kaum befriedigen. Nun betrachten wir die einzelnen Posten der Bilanz. Bei unverändertem Eigenkapital und unveränderten Kreditoren — es muß allerdings wundern, daß nach einer siebenjährigen Tätigkeit die Kreditoren kaum £ 20,000.—.— betragen — wurden die Aktiven um zirka £ 50,000.—.— erhöht, indem die nötigen Mittel durch größere Rediskontierung (+ £ 29,213.5.11) und durch Aufnahme täglicher Lombardvorschüsse (-f £ 18,874.2.1) geborgt wurden. Ob der passive Lombard £ 39,000.—.— zum Zwecke der Reportierung von Effekten — das noch weiter unten besprochen wird — bankmäßig ist, .bleibe dahingestellt. Die Aktiven der Bank setzen sich folgendermaßen zusammen: Kassa und bei Lloydsbank £ 12,691,15.11; dieser Barbestand ist angesichts des üblichen passiven Lombards entschieden zu hoch; der Zinsverlust beträgt hierbei einige Hundert Pfund pro anno. Das Wechsel- und Devisenkonto-ist zwar von £ 125,665.13.6 auf £ 85,204.5.9 zurückgegangen, da hiervon aber nur £ 48,100.7.— zur Rediskontierung geeignet waren, ist wohl die Annahme berechtigt, daß sich noch gegen £ 30,000.—.— russischer Diskonten im Portefeuille befinden. Es muß daher auf den vorjährigen Direktionsbericht hingewiesen werden; derselbe lautete: „Wir waren irn Herbste (1905) infolge der beklagenswerten Ereignisse in Rußland gezwungen, unsere russischen Geschäfte zunächst wesentlich einzuschränken, alsdann fast gänzlich einzustellen". Und im Bericht vom März 1907 heist es: „Unser russisches Diskontogeschäft haben wir im letzten Jahre wesentlich eingeschränkt, und wir können mit Genugtuung konstatieren, daß sich das zu diesem Zwecke erforderliche Inkasso glatt und ohne Schwierigkeiten abgewickelt hat". Ja, welcher Art waren denn die in Rußland gewährten Kredite, daß solche während eines Zeitraumes von l1-'« Jahren nicht gänzlich abgewickelt werden konnten? Ferner heißt es im jüngsten Bericht weiter: „Auch sonst sind wir von Verlusten fast gänzlich verschont geblieben". Wie ist aber mit dieser Erklärung der Rückgang des Reservefonds IV — für zweifelhafte Debitoren — von £ 2,082.7.6 (Ende 1905) auf £ 54.15.3 (Ende 1906) in Einklang zu bringen? Die Lornbardvorschüsse figurieren mit einem Betrag von £ 70,418.18.1, sind also im Jahre 1906 um £ 60,389.17.5 gestiegen. Hierzu bemerkt der Bericht: „Einen großen Teil unserer Mittel haben wir dem hiesiegen Kontangogeschäft zugewandt und dabei lohnende Sätze erzielt." Nun ist das Lombardgeschäft — wobei das Darlehen auf Effekten bloß etwa 2 a des Wertes beträgt — von dem Kontangogeschäft (Report) genau zu unterscheiden. Denn bei der Reportierung von Effekten erreicht nämlich das Darlehen — zumeist auf Spekulationspapieren — in der Regel den vollen Wert des Pfandes und ist deshalb auch als ein gewagtes und unter Umständen gefährliches Geschäft zu bezeichnen. Die Höhe dieses Postens steht in krassem Mißverhältnis zum eigenen Kapital. Nun zur Dividendenpolitik. Herr Dr. Hans Gideon Heymann, „Welt" Nr. 15, meint, daß für 1906 nur6d Dividende „ungefähr das, was (für 1906) verdient worden ist", gezahlt werde. Ja, warum sollen denn die Aktionäre für den Dividenden entgang pro 1905 nicht wenigstens durch 2 d entschädigt werden? Traurig wäre es allerdings, wenn durch Verteilung des vollen zur Verfügung stehenden Gewinnes die Bank nächstes Jahr „wieder weniger Dividende oder gar keine" verteilen müßte. Und dies, trotzdem „sich das Direktorium auf dem richtigen Wege befindet?" Freilich sollte nach mehrjähriger Geschäftstätigkeit der richtige Weg bereits gefunden sein, leider ist dies noch keineswegs der Fall. Ebensowenig wie früher ein großer Teil der Mittel im russischen Diskontgeschäft investiert werden sollte, dürfen jetzt solche Summen im Kontangogeschäft Verwendung finden. Dieser Fehler kann sich einmal bitter rächen. Die nächste Generalversammlung wird sich überhaupt mit der prinzipiellen Frage zu befassen haben, ob unser Institut lediglich zur Vermögensverwaltung bestehen oder Handelsgeschäfte betreiben soll. 18. April 1907. Adolf Spira, Krakau. Berlin, den 19. April 1907. Hochgeehrte Redaktion! Zur Ergänzung meiner Ausführungen in Nr. 14 der „Welt" über den Status des Jewish Colonial Trust, mochte hervorheben, daß die Bilanz für das erste Quartal 1907 den Wunsch, die Dividende pro 1906 nicht über 6 d pro Share zu erhöhen, durchaus rechtfertigt. Die Einnahmen betragen...........£ 3594.—. 4.—.3 die Ausgaben „............, 1650.—.17.—.5 der Gewinn mithin............. £ 1943.—. 6.—.8 und auf das ganze Jahr berechnet £ 1112. Selbst wenn der Gewinn der künftigen Quartale trotz des niedrigeren Zinsfußes der gleiche bleiben sollte und die Ausgaben nicht vielleicht durch Beträge, die erst am Jahresschluß verrechnet werden, vermehrt werden, reicht der Gewinn von £ 7772 für 1907 in keiner Weise zur Ausschüttung von 8 d aus, die £ 8426 erfordern. Dabei sind irgendwelche Rückstellungen oder Abschreibungen noch nicht in Betracht gezogen. Die Bank ist also nicht in der Lage für 1907 mehr als 6d Dividende zu geben. Es ist nicht angebracht 1906 8 d zu verteilen und falsche Hoffnungen zu erwecken, um im nächsten Jahre wieder auf 6 d oder weniger herunterzugehen; denn Stabilität in guten und in schlechten Jahren ist das Haupterfordernis für eine Bankdividende. Schwankende Dividenden erwecken den Anschein, als beruhten die Erträgnisse einer Bank auf riskanten Spekulationen und nicht auf dem regulären Bankgeschäfte, und gerade diesen Anschein muß unsere Bank vermeiden und kann es auch bei der anerkannten Solidität ihrer Geschäftsgebarung. Zu wünschen wäre ferner, daß der Status in den Quartalsbilanzen in der gleichen Weise veröffentlicht wird, wie in den Jahresbilanzen, um die Übersicht zu erleichtern. Die Zusammenwerfung der Lombardvorschüsse mit den Kreditoren, die Zusammenfassung der Kredite an Korrespondenten Loro, an Diverse und an die Anglo Palestine Cpy. in einem Posten, macht jeden Vergleich mit der Jahresbilanz unmöglich. Gerade bei dem engen Verhältnis, das zwischen J. C. T. und A. P. C. besteht, ist es für die Aktionäre wie für die Gesamtheit der Zionisten wichtig, zu wissen, ein wie großer Teil der Mittel der Kolonialbank im palästinensischen Geschäft investiert ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. H. G. Hey mann, Berlin.

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