Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 17 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316260--49229-3344184- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DFEffi ELT No. 17 DIE GESCHICHTE DER JÜDISCHEN SIEDELUNG IN JAFFA Von S. SMELANSKV (Aus dem Hebräischen) (Schluß.) Das erste jüdische Wohnviertel, das in Jaffa gegründet wurde, war „N'weh Zedek", das im Jahre 1887 durch eine Gesellschaft von Handwerkern und Kaufleuten erbaut ward, wobei jedes Mitglied eine bestimmte Summe jährlich als Abschlagszahlung entrichtete. Bevor dieses Viertel aufgebaut war, gab es wenig Häuser, die in jüdischem Besitz waren. Die meisten Juden wohnten in arabischen Miethäusern. Erst als „N'weh Zedek" gebaut wurde, erwarb eine Anzahl von Familien eigene Häuser in derSiadt; die allermeisten Familien blieben aber weiter in arabischen Häusern Erster jüdischer Kindergarten in Jaffa, Dezember 1906. wohnen. In den Tagen der großen Immigration, als das Bedürfnis nach mehr Wohnungen entstand, begannen die Juden, auch in dem Stadtteile, der später „N'weh Schalom" genannt wurde, Wohnhäuser zu errichten, und die jüdischen Häuser konzentrierten sich allmählich an gewissen Punkten von „N'weh Schalom". Noch jetzt werden die neuen jüdischen Häuser an verschiedenen Punkten zwischen „N'weh Schalom" unä „N'weh Zedek" erbaut. Auch neue Wohnviertel kamen hinzu, wie „Achwa", „Sukath Schalom", „J'pheh Noph", Jemenitenviertel etc., allein diese werden gemeiniglich nicht mit diesen Namen bezeichnet. Die Häuser in der Nachbarschaft von „N'weh Zedek" führen den Namen dieses Stadtviertels, ebenso wie die Häuser in der Nähe von „N'weh Schalom" nach diesem Stadtteil benannt werden. Seitdem mehrt sich die Zahl der jüdischen Hausbesitzer von Jahr zu Jahr; so groß sie aber jetzt auch schon ist, wohnen noch immer -s der Juden bei Arabern und Christen zur Miete. Vor ungefähr drei Jahrzehnten stand noch die Stadtmauer, die das alte Jaffa umgab; alle Wohnhäuser befanden sich innerhalb der Stadtmauer, ebenso die Läden und der Basar. Als jedoch die Bevölkerung zunahm, insbesondere zur Zeit der ersten Pioniere, wurde es den Bewohnern innerhalb der Umfassungsmauern zu enge, und sie begannen, Häuser und Läden außerhalb der Mauer zu erbauen. Am Ende der „Jerusalemer Straße" wurde eine lange Reihe von Ladenlokalitäten errichtet, und diese waren nach kurzer Zeit sämtlich vermietet. Hierdurch wurde ein christlicher Bürger von Jaffa einige Jahre später veranlaßt, bei dem mohammedanischen Friedhof eine geschlossene Reihe neuer Läden zu erbauen, denen er später einen Oberbau hinzufügte. Auch die Läden samt den oberen Gemächern waren alsbald besetzt, und zwar ließen sich hier viele jüdische Handwerker und Kaufleute nieder. Alle diese Neubauten hatten jedoch dem Bedürfnis nach geeigneten Ladenlokalitäten nicht genügt, und dies bewog die Verwaltung des griechischorthodoxen Klosters, ein größeres, an den Marktplatz grenzendes Terrain anzukaufen und darauf große Laden räume (ungefähr 200) zu erbauen, die gleichfalls sehr bald vermietet waren. Die Nachfrage nach Läden hörte indessen noch immer nicht auf und führte zu neuen Ladenbauten in der an den mohammedanischen Friedhof stoßenden Straße; die meisten Mieter waren auch diesmal Juden. Die von alters her beim Eingange des Friedhofes befindlichen baufälligen Geschäftslokale wurden niedergerissen und an ihrer Stelle geräumige Neubauten aufgeführt. So wurde der Friedhof immer mehr von neuen Läden umrahmt, und diese erstreckten sich stellenweise sogar ins Innere des Friedhofs. Auch im südlichen Teile Jaffas, in der Nähe des französischen Hospitals, entstand ein LadenvierteL Insgesamt wurden in der Nähe des Marktplatzes allein 400 Geschäftslokale und Werkstätten im Laufe von 25 Jahren erbaut. 130 davon (also fast ein Drittel) sind an Juden vermietet. Leider haben sich Juden an den ßauunternehmungen fast gar nicht beteiligt, und es sind überwiegendenteils Christen, denen die Miete der neuerbauten Lokalitäten zugute kommt. Bloß in N'weh Schalom, wo überhaupt ein großer Teil der Gebäude in jüdischem Besitz ist, gehören auch 5 e der Läden jüdischen Bürgern; diese Lokalitäten haben jedoch, weil sie sich fern vom Zentrum der Stadt befinden, einen geringeren Wert als selbst die kleinsten Läden in der innern Stadt. Im Jahre 1891, als der Schreiber dieser Zeilen nach Jaffa kam, konnte man weite Flächen ganz unbebaut sehen, insbesondere da, wo sich heute N'weh Schalom ausdehnt. Das rapide Wachstum der Stadt ist wirklich staunenswert. Von NVeh Zedek bis zu den ersten Ansätzen von N'weh Schalom erstreckte sich noch vor zwei Jahrzehnten eine förmliche Sandwüste, und es war ein Wagnis (besonders da Oberfälle vorgekommen waren), zur Nachtzeit diesen Weg zu passieren. Seither sind die Gebäude beider Stadtteile immer näher aneinander gerückt, so daß ein neues, vollständig ausgebautes Viertel die Verbindung zwischen den beiden Vorstädten herstellt. Vor 15 Jahren belief sich die Anzahl sämtlicher jüdischen und arabischen Läden in N'weh Schalom kaum auf zehn; heute gibt es daselbst ca. 80 jüdische und 25 arabische Geschäftsräume und Werkstätten, abgesehen von 18 arabischen Läden in den an N.-Sch. angrenzenden Stadtteilen. Wie im vorhergehenden dargelegt ist, haben sich die Juden in N.-Z. früher ansässig gemacht als in N.-Sch.; überhaupt ist N.-Z. eine rein jüdische Ansiedelung. Da es aber vom Zentrum der Stadt zu weit entfernt ist, konnte sich der. Handel daselbst nicht so gut entwickeln wie in N.-Sch., das im Laufe der Zeit mit der Stadt verwachsen ist. Wer sich von der Entwicklung und dem Wachstum Jaffas durch den Augenschein überzeugen will, der halte sich stets nördlich. Vormals war das nördliche Gebiet von Jaffa vollständig wüst, da der Küstensand die ganze Bodenfläche bedeckte und sie zu