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Die Welt · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 16 — - -DIE] Professoren auf Herz und Nieren prüfen, ob sie nicht verkappte Zionisten sind. Und sind sie es, so soll man von ihnen verlangen, daß sie sich von ihren Überzeugungen lossagen oder — gehen. Ist das nicht tolerant? Ist das nicht logisch? Es wird wie etwas Selbstverständliches hingestellt, Herr Dr. Kohler hält dem Zionismus eine launige Sündenrechnung vor. Der Zionismus ist die Verneinung des Ideals, der Propheten, der Geschichte, des Fortschritts, eine Verneinung und Zerstörung Amerikas und der Welt. Man kann das als eine Ansicht des Herrn Dr. Köhler gelten lassen. Der gute Herr Doktor hat konfessionelle Beklemmungen. Er hat Angst fürs Judentum. Vor dem Zionismus und noch jetzt außerhalb des Zionismus steht das Judentum bombenfest: das Judentum vom Yankee-Reform- Pfaffen-Gesichtspunkte. Aber was hilft's, wenn der zufriedene Herr Rektor sich selbst 'mit seinem Jubel über die reformatorisch auswattierten konfessionellen Puppen betrügt? Vermag er darüber hinwegzutäuschen, daß sich anstatt des „Judentums" ein gespreiztes, inhaltleeres Phrasengetrornmel breit gemacht hat? Man kann doch erst auf das Postament des jüdischen Nationalruhmes gehoben werden, wenn gezeigt wird, was man geleistet hat. Sind außer den englischen Phrasen und dekorativen Kultus-Augenblickseffekten irgendwelche positive Leistungen aufzuweisen? Ein Am-Haareztum, ein halb-ignorantes Predigergeschlecht, eine Reformmache . . . Ja, man fühlte' es selbst und begann zögernd den nationaljüdischen Aufgaben der Zeit zuzuhören und der modernen Strömung der jüdischen Renaissance Zugeständnisse zu machen. Es geht ein Sehnen und Recken durch den jüdischen Volkskörper, sich von Grund aus neu zu gestalten. Das rein-amerikanische „Judentum" war schon ganz blutleer, da kamen fremde Juden und hauchten etwas neues Leben hinein: Jewish Encyclopedia, das New Yorker Rabbinerseminar — sind allgemein-jüdische Schöpfungen, und die Jewish Publication Society veröffentlicht die Werke fremder Juden. . . Nun kam der Zionismus. Der erwärmende und belebende Saft des jüdischen Volksbewußtseins beginnt mehr und mehr 'den kulturellen Grund und Boden des Judentums zu durchtränken: die rituelle Reform und die phrasenhaft aufgeblasene „amerikanische" Richtung können darauf nicht mehr gedeihen und keine neuen Wurzeln schlagen. Inde ira! Aber die amerikanisch-assimilatorische Inquisition wird doch mit ihrem „Ein Hirt und eine Herde"-Ideal des Cincinnatier Rabbinerseminars und mit der Absetzung der zionistischen Professoren nur das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigt, erreichen. ^ELT 9 Ein Philanthrop. Man könnte sich an dem wohltönenden Namen berauschen: Montefiore Bienenstock — vom Komitee der United Hebrew Charities. Und der andere trägt den bescheidenen Namen: Worona, Moische Worona aus Uman, Rußland. Die Geschichte spielt in St. Louis, Amerika. Moische Worona lebt seit einigen Jahren in St. Louis, wo er sich als Schuhmacher kümmerlich ernährte, ohne die United Hebrew Charities zu belästigen. In Uman hinterließ er eine Frau und vier Kinder. Er sandte ihnen so viel, als er verdiente; daß man, wenn man physisch schwer arbeitet, sich gut nähren muß, — das hatte Moische Worona ganz vergessen. Und die Folgen dieser Gedächtnisschwäche ließen nicht lange auf sich warten. Moische Worona erkrankte und wurde ins Krankenhaus gebracht Er befand sich dort einige Zeit und wurde als Rekonvaleszent entlassen. Da begann seine Bekanntschaft mit den United Hebrew Charities und mit Herrn Montefiore Bienenstock. Er bat um eine Unterstützung, die ihm ermöglichen würde, eine neue Werkstätte zu errichten, aber dieses unerhörte Ansinnen wurde abgelehnt. Er irrte herum wie eine verlorene Seele. Nun hing er an den Rockschößen des edlen Herrn Montefiore Bienenstock als schwere Last. Nachdem Worona sich lange genug durchgebettelt und durchgehungert hatte, bekam er Mahlzeitszettel für die Armenküche. Aber die Zeit verging, die Mahlzeiten waren aufgezehrt, und Worona blieb ganz mittellos. Er fand einen Kompagnon der sich bereit erklärte, mit ihm ein neues Geschäft zu unternehmen, aber unter der Bedingung, daß Worona eine kleine Geldsumme für den Geschäftsbetrieb deponiere. Worona faßte dann in seiner Verzweiflung den unglückseligen Entschluß, die nötige Geldunterstützung von Herrn Montefiore Bienenstock durch Zudringlichkeit zu erzwingen. Und hier beginnt die Polizeichronik, die wir einem amerikanischjüdischen Blatte entnehmen : Ein schwächlicher Mann von kleiner Gestalt und verhungertem Aussehen wurde auf die Polizei gebracht. Es hatte sich herausgestellt, daß er im Hause des Herrn Montefiore Bienenstock sich frech benommen hatte; er erklärte, sich nicht von der Stelle rühren zu wollen, wenn er die Unterstützung nicht bekommen werde. Herr Montefiore Bienenstock wurde wütend und versuchte Worona zur Tür hinauszuwerfen, und da der Mann Widerstand leistete, schlug Herr M. B. auf ihn ein, bis der kranke Mann schluchzend zusammengebrochen war und die derbe Kraft des Philanthropen ihn scheltend und polternd aus dem Zimmer warf. Mit zarter Rücksichtnahme auf die Krankheit des Armen sprach ihn die Polizei frei. N. S. DIE GESCHICHTE DER JÜDISCHEN SIEDELUNG IN JAFFA Von S. SMELANSKY (Aus dem Hebräischen *) Zur Zeit, als das jüdische Volk seine Urheimat bewohnte, nahm die jüdische Einwohnerschaft von Jaffa im palästinensischen Judentum eine hervorragende Stelle ein. Insbesondere besitzen wir detaillierte Nachrichten über die Juden in Jaffa zur Zeit des zweiten Tempels, in den Tagen Juda Makkabis hatte die Judenschaft Jaffas viel von den dort ansässigen Hellenen zu leiden-, bis Juda die ihnen widerfahrene Unbill rächte. (I. B. Makk.) Josephus Flavius (Jüdischer Krieg, 1,15) berichtet, daß die Stadt Joppe dem Herodes, als er aus Rom zurückkehrte, um gegen Jerusalem zu Felde zu ziehen, den Weg versperrte, „denn deren Bewohner waren ihm stets feindlich gesinnt gewesen, er konnte also nicht gegen Jerusalem ziehen und eine befestigte Stadt hinter sich lassen, die voll Feinde war ...; allein die Juden, die in Joppe wohnten, zogen bewaffnet aus der Stadt, setzten dem Feldherrn Silo nach und brachten seinem Heere eine große Niederlage bei." Aus diesem *) Der vorstellende Aufsatz bildet das 1. Kapitel einer größeren, in der literarisch-wissenschaftlichen Sammelschrift „Ha-Omer" (Heft 1, Jaffa, S'chwat 5667) «■•rschienenen Arbeit des Verfassers über „Die jüdische Siedelung in Jaffa", Faktum ist zu ersehen, daß es damals in Jaffa eine große jüdische Niederlassung gab, die stark genug war, einem feindlichen Heere kämpfend entgegenzutreten. Auf die große Anzahl der jüdischen Bewohnerschaft läßt auch die Erzählung Josephus (ibid., 11,18) schließen, wonach Cestius in Jaffa 8400 Juden niedermetzelte. Einige Jahre später „sammelten sich die Juden, die durch die Römer aus ihren Städten vertrieben worden waren, bauten die Stadt Joppe von neuem auf und machten sie zur Feste, um sich vor dem Feind zu bergen. Da aber die Römer die Stadt belagerten, konnten sie ihren Lebensunterhalt nicht finden und trieben sich in zahlreichen Piratenschiffen auf dem Meere umher, um die Schiffe ihrer Feinde zu plündern ... Vespasian sandte alsbald ein großes Heer gegen Joppe, dessen jüdische Bewohner auf die Schiffe flüchteten. Am Morgen brach jedoch ein gewaltiger Sturm auf dem Meere aus, und der Nordwind schleuderte die Fahrzeuge gegen die Felswände im Hafen. Die Schiffe zerschellten und deren Insassen wurden an den Felskanten zerschmettert, so daß das Meer rotgefärbt war von dem Blute der Juden . , . Das ganze Gestade 2

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