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Die Welt · 1907-04-19 · 16 (19.4.1907) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
16 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wenn unsere nationalen Institutionen noch mit kleinen Unterstützungen zu Hilfe kommen wollten, könnte man in jede Schule wenigstens einen jüdischen Lehrer hineinbringen. Die palästinensisch - jüdische Bevölkerung, besonders die arabischen und sefardischen Juden, sind mit den „Alliance"-Schulen sehr zufrieden. Ihre Kinder — im Alter von 5—15 Jahren finden dort Gratisaufnahme, oft auch werden die Kinder gespeist und erhalten sogar manchmal Kleidung. Auch die Eltern der ärmsten Kinder bekommen noch manchmal eine Unterstützung, damit sie die Kinder in nicht zu frühem Alter auf Arbeit schicken müssen. Wenn man noch den Schutz dieser Schulen, die sich ja unzweifelhaft als Pflanzstätten des französischen Geistes bewähren, durch die französischen Konsuln in Betracht zieht, wird man leicht begreifen, dal.» die Direktoren dieser Schulen eine große Rolle in der Gemeinde spielen und oft als deren Repräsentanten vor den Behörden erscheinen. In der letzten Zeit begann der „Hilfsverein der Deutschen Juden" mit der „Alliance" auf dem Gebiete der Schuleinrichtung zu konkurrieren. Im Gegensatz zu den „Alliance"-Schulen herrscht liier das Bestreben vor, die deutsche Sprache, den deutschen Geist nach Palästina zu verpflanzen. Inbezug auf die jüdischen Gegenstände ist die Tendenz vorhanden, die Orthodoxie zufriedenzustellen. Aber auch den Anhängern der neuen Lehrmethode, die die hebräische Sprache als Unterrichtssprache benutzen, wird jetzt freie Hand gelassen. Allein unsere nationalen Institutionen, die prinzipiell einen jüdischen und freiheitlichen Geist in den palästinensischen Schulen verbreiten wollen, müssen sich doch vor Augen halten, daß es unzweifelhaft dem Einfluß des jetzigen Administrators der Schulen des Hilfsvereines zuzuschreiben ist, wenn diese Schulen nicht ganz unter dem Einfluß einer starren Orthodoxie stehen, wozu, wie gesagt, eine gewisse Tendenz vorherrscht. Wir haben keinerlei Garantien dafür, daß beim Eintritt eines neuen Administrators die Beziehungen zu der nationalen freisinnigen Partei werden aufrecht erhalten bleiben können. Deswegen führen unsere nationalen Institutionen keine weitsichtige Politik, wenn sie, in Anbetracht ihrer eigenen geringen Mittel, und da sie im Hilfsverein eine bedeutende materielle Kraft erblicken, sich ihm ganz anzuschließen bereit sind und ihm allein die Sorge für die Entwicklung der palästinensischen Schulen übertragen wollen. So sind z. B. hier einige unserer ausschlaggebenden Repräsentanten der Meinung, man solle dem „Hilfsverein" ganz die Frage der Errichtung einer Mittelschule in Palästina überlassen. Das kann gleichbedeutendwerden mit dem Aufgeben des Gedankens der Errichtung eines nationalen Gymnasiums in Palästina, einer Gründung, die soviel Aufsehen in zionistischen Kreisen machte. Kehren wir zurück zur Frage der Errichtung von Schulen für die neuen und neu zu erwartenden Einwanderer. Wie gesagt, die Mehrzahl von ihnen sind russische Juden, die weit größere Ansprüche an die Schulen steilen, als sie die „Alliance"-Schulen überhaupt zu befriedigen in der Lage wären. Das Bedeutendste, was sie von diesen Schulen haben könnten, wäre, dal.» ihre Kinder in ein -zwei Jahren die französische Sprache erlernen können, die allerdings keine unwichtige Rolle in Palästina spielt. Das wäre aber auch alles. Wir müssen uns also sehr ernst mit der Frage befassen, wie die wesentlichsten Ansprüche der Immigranten in Hinsicht auf die Erziehung ihrer Kinder zu befriedigen sind. Die finanziellen Mittel der Zionisten sind zweifellos zu gering, als daß wir daran denken könnten, in jeder Stadt unsere Schule zu gründen, zumal ein Teil unserer Gelder zur Unterhaltung jüdischer Lehrer an den Schulen anderer Gesellschaften verwendet werden muß. Anderseits ist die Zahl der Einwanderer in jeder Stadt zu klein, als daß sie selbst die Schulen unterhalten könnten. Infolgedessen bleibt zunächst nichts übrig: als eine Mittelschule für die Kinder der gebildeteren Schichten mit 2 -3 Ergänzungsschulen als deren Unterbau zu errichten. Obwohl die Errichtung eines jüdischen Gymnasiums sowohl in den zionistischen als auch in den jüdischen Kreisen Palästinas überhaupt längst als eine dringende Notwendigkeit empfunden wird, ist leider nicht abzusehen, wann es den Zionisten gelingen wird, die dazu nötigen bedeutenden Fonds zu finden. Im letzten Jahre gründete hier eine Privatperson eine Schule, deren Programm demjenigen eines Realgymnasiums entspricht. Es wird geplant, in den ersten 5 Klassen nur einen bestimmten aligemeinen Unterricht einzuführen. Die letzten 3 Klassen sollen in zwei Abteilungen zerfallen — in eine Handelsabteilung für diejenigen Schüler, die sich für praktische Tätigkeiten vorbereiten wollen, und eine allgemein wissenschaftliche für solche, die eine Vorbereitung für den höheren Unterricht erhalten wollen. Viele wollten nicht glauben, daß es einer Privatperson gelingen werde, ein solch schweres und verantwortungsvolles Unternehmen durchzuführen. Andere wiederum glaubten nicht an die Möglichkeit, mittels der hebräischen Sprache den Kindern allgemeine Bildung beibringen zu können, ohne daß dabei der Kenntnis einer oder zweier europäischer Sprachen Eintrag geschehe. Trotz aller dieser Bedenken erfreute sie sich von Anfang an eines guten Besuches. Sie zählte schon am Ende des ersten Jahres 45 Schüler und Schülerinnen und konnte in materieller Hinsicht ihre Kosten decken. Jetzt schlössen sich dem Leiter dieser Schule noch zwei junge Zionisten an, die ihre Universitäts- und pädagogische Bildung in Westeuropa erhalten hatten. Außerdem vereinigte sich eine Anzahl von Personen und Eltern zu einer Gruppe, die aus Anteilbeiträgen einen Fonds schaffen wollen, um diese Schule solange zu subventionieren, bis die zionistische Organisation einmal die nötigen Mittel aufgebracht haben wird. Wenn aber unsere Organisation die in sie gesetzten Hoffnungen nicht rechtfertigen wird, will diese Gruppe die Sache in eigene Hände nehmen und eventuell die notwendigen Fonds unter sympatisierenden Freunden der Sache sammeln. Indessen hat die Schule einen weiteren Schritt vorwärts gegemacht, und in den seit Anfang dieses Jahres eingerichteten drei Vorbereitungs- und zwei ersten Klassen können gegen 100 Kinder beiderlei Geschlechts Aufnahme finden. Wir sprachen oben von „Ergänzungsschulen" zu einem Gymnasium. Der Typus solcher Schulen muß erst geschaffen werden. Ich verstehe darunter Bildungsanstalten, wo Kinder im Alter von 11 — 12 Jahren aufgenommen werden sollen, die schon Elementarschulen absolviert haben, um eine Ausbildung, vornehmlich für praktische Fächer, und zwar Feld- und Fabriksarbeit, Handel (Buchhaltung, Korrespondenz) und Handwerk zu erhalten. Um nicht in unklares Projektemachen zu verfallen, will ich darauf hinweisen, was für eine Bedeutung in dieser Hinsicht die bekannte Anstalt „Bezalel" haben kann. Der Initiator dieses Instituts, Professor Schatz, betrachtet als Zweck des „Bezalel": die Verbreitung der Kenntnisse des Kunsthandwerks (der Teppichweberei, der Holzschnitzerei und Steinhauerei, verschiedener Arten von Flechtarbeiten, der Damaszener Feinarbeit, der Kupfergravierung etc.), was im Laufe der Jahre, nach Ansicht von Professor Schatz, Tausende jüdischer Familien wird ernähren können. Zurzeit besitzt der „Bezalel" außer den höheren Klassenabteilungen für die Vervollkommnung in künstlerischen Fächern nur ein Atelier für Teppichweberei, wo ca. 50 Frauen beschäftigt sind. Da die Schüler der höheren Klassen hier fast alle irgendwelche Mittelschulen absolviert haben, könnten sie ein gutes und billiges Lehrpersonal abgeben für neuzugründende Klassen für kleinere Kinder, die sich hier die einfachsten theoretischen und praktischen Kenntnisse aneignen könnten. Diese Klassen wären sehr wichtig, und Professor Schatz würde sicherlich deren Leitung, zumal sie dem Geiste seiner Bestrebungen so sehr entsprechen, gerne übernehmen. Es würde sich für diese Jugendkurse auch Platz genug in dem neuen Gebäude finden, das nach

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