Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 15 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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\To. 15 DIEEaEELT 21 Unter dem Titel „Selbstwehr" erscheint seit März d. J. in Prag eine „unabhängige jüdische Wochenschrift" unter der Redaktion von Robert Eisler. Die Richtung des Blattes ist gut jüdisch-national und zionsfreundlich. Über das zionistische Vereinsieben in Böhmen wird in den bisher erschienenen Nummern ausführlich berichtet. Die Wiener „Nationalzeitung" hat ihren Besitzer gewechselt und erscheint nunmehr unter dem Titel „Neue Nationalze.it ung" (Redakteur: Dr. S. R. Landau). „Ha-Kol (Kol Jakob)" heißt eine neue hebräische Wochenschrift, die in Warschau unter der Redaktion von J. L. Wolneman erscheint und die Interessen des orthodoxen Judentums vertritt. In dem Programmartikel wird das Erscheinen einer Tagesausgabe des „Ha-Kol" angekündigt, deren erste Nummer am 1.14. April erscheinen soll. Die Wochenausgabe soll daneben bestehen bleiben. Seit dem l.f Januar d. J. erscheint in Budapest die Wochenschrift „Zsidtf Elet" (Jüdisches Leben), Organ der zionistischen Landesorganisation in Ungarn. Das Blatt wird von Prof. Armin Bokor und Dr. Leo Singer vorzüglich redigiert und nimmt den Kampf gegen Unverstand, Indifferentismus ünd Assimilationssucht mit wohltuender Entschiedenheit auf. Hoffentlich gelingt es ihm, das ungarische Judentum wachzurütteln und unseren Bestrebungen in diesem Lande, wo noch so wenig für das zionistische Ideal gewirkt worden ist, neue Freunde zu gewinnen. Ein deutsches Sanatorium in Jerusalem Die „Frankfurter Zeitung" berichtet aus Jerusalem vom L April: Heute nachmittag wurde die feierliche Grundsteinlegung des deutschen Sanatoriums auf dem Öl berge vollzogen. Der Gouverneur von Jerusalem,begleitet von dem militärischen Kommandanten und einer Anzahl anderer Beamten, war in Uniform erschienen. Oberhofprediger D. Dryander-Berlin eröffnete die Feier mit einer Ansprache und verlas ein Telegramm des deutschen Kaisers und der Kaiserin, in welchem das Kaiserpaar den an der Feier .teilnehmenden deutschen und hiesigen Behörden und den erschienenen Vertretern anderer Nationen und Bekenntnisse seinen Gruß entbietet und den Segen Gottes auf das neu zu gründende Werk herabfleht, sowie die Hoffnung ausspricht, daß die Grundsteinlegung glücklich verlaufen und der Bau bald zu glücklichem Abschluß gebracht werden möge. Der deutsche Konsul verlas darauf den Entwurf eines Antworttelegramms, welches dem Kaiser und der Kaiserin den Dank der deutschen Kolonie für die Anteilnahme an dem Gedeihen der Kolonie ausspricht, und ein zweites an den deutschen Botschafter in Konstantinopel, Freiherrn Marschall v. Bieberstein gerichtetes Telegramm, worin dieser ersucht wird, dem Sultan den Dank für die Erlaubnis zur Errichtung des Sanatoriums zu übermitteln. Ein jüdischer Vegetarierbund In Galizien wurde ein Jüdischer Vegetarierverband „Lo Tirzach" für Österreich gegründet, welcher den jüdischen Vegetariern in Österreich — wie er uns mitteilt — Gelegenheit geben will, im jüdisch-nationalen Sinne zu arbeiten. Nähere Auskunft erteilt der Schriftführer des Verbandes: N. J. Quittner in Drohobycz, Galizien. Ha'Olam Inhalt der Nr. 13 von „Ha'Olam": N. Sokolow: Der Becher Elijohus.— Moses Kleinmann: „Und noch sehen sie ihren Irrtum nicht ein." — Ch. Hirschensohn: Uz und Amalek. A. Hermoni: Eine Pessach-Nacht in Palästina. — J. Lubezky: Der Sijum. — Jehuda Steinberg: Ein Ausspruch. - Dr. Ä. Kaminka: Die Teilung des Schilfmeeres (Gedicht). — D. Wolffsohn: Chamischa-Assar Bi-Sch'wat in Palästina. — Nachrichten. Illustrationen: Die Kischinewer Waisenkinder in Betharif. — Hermann Struck: Blick auf Jaffa. ^~ o o o o o o o -- o o o o o ojj AUS DER BEWEGUNG il o o O O O O 0 )) o o o o o o o Zur Konferenz des A.-C. Die Sitzungen des A.-C, des Jewish Colonial Trust und der Anglo Palestine Company werden in der Zeit vom 5. bis 7. Mai im Hotel du Nord, Köln, Frankenplatz 4, abgehalten werden. Amerika Das Exekutivkomitee hat beschlossen, die Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten wiederum in Tanne rsville abzuhalten. Die Konferenz soll Freitag, den 28. Juni beginnen und wird bis zum 3. Juli dauern. Das Sitzungslokal ist das Hotel Fairmount, wo auch die vorjährige Konferenz stattgefunden hat, die bekanntlich einen so ausgezeichneten Verlauf nahm. Vortragstournee Dr. Bloede Herr Dr. Bloede (Nürnberg), über dessen Vortragstournee bereits mehrfach berichtet wurde, hat in der letzten Zeit noch in folgenden Städten gesprochen: in Bremen am 17. März über „Die Entwicklung der Juden zum Zionismus", in Hamburg am 18. März über „Jüdische Kolonial-Politik", in Lübeck am 20. März über „Physische Regeneration der Juden", in Wilhelmshaven am 23. März über „Grundlagen des Zionismus", in Varel am 24. März über „Die soziale Lage der Juden", vormittags in der Synagoge. Am selben Abend in Emden über „Jüdische Tagespolitik". Überall erfolgten Beitritte. In Wilhelmshaven wurde eine Ortsgruppe gegründet, der sofort;20 Mitglieder beitraten, in Bremen wurden 10 neue Schekelzahler gewonnen. Der Erfolg der Versammlungen zeigte sich außer in den positiven Resultaten, in dem überall lebhaft geäußerten Wunsche, recht bald wieder einen zionistischen Redner zu hören. Verschiedenes Teplitz-Schönau. Am 28. Marz d. J. berief der hiesige Verein „Zion" eine Versammlung ein, in der Herr Ernst B ech e r t über die rumänischen Verhältnisse und die Lage der Juden in Rumänien referierte. Mit gründlicher Kenntnis all der Gesetze und Bestimmungen, die unter dem heuchlerischen: Vorwand allgemeiner Giltigkeit den Juden auf den Leib geschrieben und aufgestellt sind, schilderte der Vortragende die grausame Ausnahmestellung unserer rumänischen Brüder; er legte dar, wie diese ihr Blut zwar für das Land, das sie beherbergt, vergießen durften, aber als Fremde der härtesten Grausamkeit der Beamten einerseits, anderseits der Wut des aufgehetzten Pöbels ausgesetzt seien. Als heimatlose Flüchtlinge in der Welt umherirrend, seien sie auf die Almosen glücklicherer Stammesgenossen angewiesen. Doch könne dieses System der Hilfe die Judennot nicht beseitigen; Hilfe'könne nur der Zionismus bringen. — Es wurde zum Schluß eine Resolution angenommen, die gegen die ruchlose Unterdrückung unserer Brüder protestiert und die Notwendigkeit betont, die Judenfrage durch den Zionismus zu lösen. Königsberg. Die „Königsb.-Hartungsche Zeitung" berichtet: In der Zionistischen Vereinigung sprach Dienstag den 26. März in der Bürgerressource der ehemalige russische Dumaabgeordnete Dr. Lewin über; „Die Juden in Rußland und in Amerika". Dr. med. Hoppe eröffnete die sehr stark, zum Teil auch von Nichtjuden besuchte Versammlung mit Worten des Schmerzes und der Empörung über die Judenverfolgungen in Rumänien, an denen die europäischen Staaten mitschuldig seien, da sie nicht auf Erfüllung der Verträge von 1878 gedrungen hätten. Man müsse sich daher an den zweiten Haager Friedenskongreß wenden mit dem Verlangen, daß endlich auch gegen die Juden abgerüstet und ihnen der Friede wiedergegeben würde. Alsdann ergriff Dr. Lewin das Wort zu seinem eineinhalbstündigen Vortrage, der durch seine Lebendigkeit und Gedankenfülle außerordentlich interessant war. Die Lage der Juden in Rußland, so begann der Redner, sei hier in der Nachbarschaft ja genügend bekannt. Äußerlich sei kaum eine besondere Veränderung im alltäglichen Leben der Juden zu bemerken, denn man habe sich, wie an die Bewegung der Erde, schon an den Schaden gewöhnt, daß man ihn nicht mehr spüre. Die Hoffnungen, die man auf die Duma und das verliehene Wahlrecht gesetzt hatte, seien nicht erfüllt worden, denn die jüdischen Minderheiten würden in den 15 Gouvernements, in denen sie ein beschränktes Wohn recht hätten, rnajorisiert und hätten jetzt selbst, die in der Mehrzahl von Juden bewohnte Stadt Wilna verloren. Man habe sogar den Kampf gegen die Juden dazu benutzt, um bei den diesmaligen Wahlen zwischen gauern und Gutsbesitzern eine Brücke zu schlagen, die fester sei, als die Decken im taunschen Palais. Auch die Liberalen