Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-04-12 · 15 (12.4.1907) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
15 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316258--49186-3344139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wuchsen, und für Kredite an die Anglo Palestine Company, die von £ 22 564 auf „ 57O01 um" £ 34 437 stiegen und die geplante Erhöhung des Kapitals der A. P. C. durchaus gerechtfertigt erscheinen lassen. Dagegen verminderte sich das so viel angefeindete Wechsel- und Devisenkonto von £ 125 665 auf „ 85 204 um £ 40 461 also etwa ein Drittel. Die übrigen Konti zeigen keine nennenswerten Verschiebungen. Zu bemerken bleibt allerdings, daß die £ 48 100 dej Rediskontierungskontos und ihnen entsprechende «£48 100 des Wechsel- und Devisenkontos keine eigentlichen Geschäfte der Bank, sondern das nach englischer Sitte beiderseitig gebuchte Wechselobligo darstellen, so daß die £ 29 223 Vermehrung des Rediskontierungskontos keine Vermehrung des Bankgeschäftes bedeutet. Daß ein so großer Teil des Wechselportefeuilles zur Rediskontierung kommt, läßt darauf schließen, daß es zum großen Teil aus guten englischen Geschäftswechseln besteht, was sehr erfreulich ist. Ein auffälliger Punkt im Abschluß ist die Bewertung der £ 27 550 englische Konsols. Sie stehen 1905 mit 88"/.., 1906 gemäß dem gewichenen Kurse mit 86% zu Buch: dies würde einen Kursverlust von £ 551 bedeuten. Trotzdem erscheint im Gewinn- und Verlustkonto ein Kursgewinn von £ 354. Da nicht anzunehmen ist, daß die ' Bank in Effekten spekuliert und das Effektenkonto somit keinerlei Veränderungen zeigt, so wäre es sehr interessant zu erfahren, wo diese £ 905 herstammen. Die Gewinne aus Bankgeschäften zeigen folgende Veränderungen: Diskonten Zinsen u. Dividenden Provisionen Summa 1905 £ 6978 £ 5969 £ 954 £ 13 902 1906 __ „ 4648 „ 9022 „ 12 29_ „ J 4 900 -"-~£ ~2330 £ 3053 + £ 275 + £ 998 die den veränderten Anlagen der Bank entsprechen; besonders erfreulich ist das Anwachsen der Provisionen. Daß die noch immer sehr hohen Handlungsunkosten von £ 8373 auf „ 8071 um £ 202 heruntergegangen sind, sei anerkennend bemerkt. Trotzdem ist noch lange kein Grund zum Jubilieren da. Der Bruttogewinn der Bank beträgt immer erst 6,1 "/«, der Nettogewinn gar nur £ 6747, d. i. 2,7 % des Kapitals, so daß das Bankkapital, zum heutigen Kurse in englischen Konsols angelegt und durch eine englische Bank bei verschwindenden Spesen verwaltet, immer noch ein besseres Erträgnis abwerfen würde. Es erscheint daher im Interesse einer gleichmäßigen Dividendenpolitik aufs dringendste geboten, nicht mehr Dividende zu verteilen, als 1906 wirklich verdient worden ist, und den Gewinnvortrag ex 1905 zur Stärkung der Bankposition zu verwenden. 8d Dividende pro Share bedingen eine Ausschüttung von £ 8426; 6d Dividende, wie für das Geschäftsjahr 1904, erfordern nur £ 6319 — also ungefähr das, was verdient worden ist — und lassen £ 2446 für andere Zwecke frei. Gibt die Bank 8d Dividende, so steht sie 1907 unter Umständen vor der Frage, wieder weniger Dividende oder gar keine verteilen zu müssen, während bei der Verwendung der £ 2446 zu Abschreibungen wohl wieder auf 6d pro 1907 gerechnet werden kann. Dazu kommt, daß nicht anzunehmen ist, daß in der zweiten Hälfte 1907 ein gleich hoher Zinsfuß zu erzielen ist, wie im Augenblick, weil eine Abschwächung der Weitkonjunktur und damit ein Flüssigerwerden des Geldmarktes wahrscheinlich ist. Dies muß aber gerade die Erträgnisse unserer Bank mindern, da sie fast ausschließlich mit eigenem Kapital arbeitet, das sie je nach Lage des Geldmarktes verzinst und nicht, wie Banken mit umfangreichen Kreditoren und Depositen, für den Empfang geringerer Debetzinsen sich durch Vergütung geringerer Kreditzinsen entschädigen kann. So erscheint eine Reduktion der vorgeschlagenem Dividende von 8d auf 6d unbedingt geraten. Die dann erübrigten £ 2446 würde ich vorschlagen, wie folgt, abzuschreiben: 1. Mobiliar.......... . 727 . 10 . 10 . 2. Erste Kosten der Filiale . . 178 . 04 . 09 3. Palestine Handelsg. Anteile 500 . 00 . 00 1405 15 . 07 4. Der Anglo Palestine Company von dem Aktivposten „Expedition El Arisch £ 3516 .11 08" laut Bilanz pro 1905 £ 1000 abzukaufen und dieses neugewonnene Aktivum abzuschreiben, in Summa £ 2405 . 15 . 7. Der Rest von £ 41 .4.5 wäre dann auf neue Rechnung vorzutragen. Bedenkt man, daß laut Bilanz der A. P. C. pro 1905 dann immer noch über £ 3500 Aktiva vorhanden sind, die nach deutschen Bilanzbegriffen abgeschrieben werden müssen und zu denen noch pro 1906 die Etablierungskosten für Beirut treten, so wird der Vorschlag auf Ermäßigung der Dividende und Erhöhung der Abschreibungen wohl nur allzu gerechtfertigt erscheinen. Che va piano, va sano; che va sano, va lontano! Dr. Hans Gideon Heymann, Berlin. Vorschläge des böhmischen Distriktskomitees zur Änderung der zionistischen Organisationsform 1. Das zionistische Jahr ist einheitlich für alle Vereine, Föderationen (Landeskomitees, Distrikskomitees) und das Aktionskomitee festzusetzen; es schließt mit dem 31. März. Im Laufe des April sind alle Verrechnungen, speziell die mit dem Aktionskomitee, abzuschließen. 2. Zum Kongreß haben die Föderationen das V/ahlrecht nach Maßgabe der seit dem letzten Kongreß abgelieferten Schekel; bei einem Jahr Zwischenzeit entfällt auf 200 Mark, bezw. 200 Kronen, bezw. 83 Rubel etc. 1 Delegierter, bei 2 Jahren auf 400 Mark, bezw. 400 Kronen etc. Bei starker Steigerung der Schekelzahier kann die Quote vom Aktionskomitee auf 300 Mark etc., auch noch stärker erhöht werden, damit das Maximum von ca. 400 Delegierten nicht überschritten werde. 3. Die bisherige Zwangszuteilung zu einer Föderation hört auf; alle Vereine oder Schekelzahlergruppen, welche mindestens einen Kongreßdelegierten wählen, haben das Recht, eine eigene Föderation zu bilden, welche mit dem Aktionskomitee direkt verkehren. Eventuell können als Minimum statt eines Delegierten 3 angenommen werden. Die Wahlen der Kongreßdelegierten kann dann jede Föderation (L.-K., D.-K. etc.) nach eigenem Ermessen veranstalten. Es ist anzunehmen, daß bei Annahme dieser Vorschläge viele Gruppen von Zionisten, welche jetzt aus persönlichen oder sachlichen Gründen der betreffenden Landesorganisation fernbleiben, nunmehr sich der Gesamtorganisation anschließen werden, da sie eigene Föderationen bilden können. Durch das einheitliche Kassajahr käme ferner Ordnung, durch die strenge Abhängigkeit des Wahlrechtes von den abgelieferten Schekelgeldern kämen genügende Geldmittel in die Zentraiverwaltung. Protesterklärung gegen den Oberrat der Israeliten Badens und gegen die Besprechung der Synodalinterpellation vom 18. März Gegen den Ausspruch des Herrn Geh Oberregierungsrates Dr. Mayer, daß bei den gesetzestreuen Juden Badens „Männer von genügender Vorbildung, sozialer Stellung und verträglicher Gesinnung schwer zu finden seien," protestieren wir aufs energischste und weisen derartige Anwürfe mit Entrüstung zurück. Wir protestieren aufs entschiedenste gegen den Versuch des Oberrats, uns zu Menschen zweiter Gattung zu degradieren; wir protest;eren gegen diesen neuesten Ausfluß des besonderen Wohlwollens für die Orthodoxie, das immer und immer wieder zu betonen der Oberrat für notwendig erachtet. Diese Kampfesweise des Oberrats, den Gegner persönlich zu verkleinern, statt seine Prinzipien und Anschauungen zu würdigen, ist uns nicht neu. Seh n als wir im Jahre 1903 zum ersten Male auf den Plan traten, um gemeinsam unsere heiligsten Interessen zu schützen, um gegen das oberrätliche Reformgebetbuch Front zu machen, das Grundanschauungen und Lehren des Judentums streicht und verleugnet, da wußte der Oberrat in Stadt und Land zu verkünden, daß „wenig bekannte Persönlichkeiten" sich zusammengetan hätten, da wußb der Oberrat die Männer, die mit Mut und Offenheit für ihre Überzeugung eintraten, des „Angriffes auf d:e Landessynagoge und ihre geordneten Behörden" zu bezichtigen. Wir protestieren gegen diese Verkennung unserer reinsten Motive, wir sind empört über diese Verunglimpfung unserer Person und unserer Absichten. Wir haben die Gründe und Ziele unserer Bewegung immer klar und prinzipiell auseinandergesetzt; mögen der Oberrat und seine Freunde die ihrigen, die auf ganz anderen religiösen Voraussetzungen fußen und als Blüte ein Geschlecht der Untreue und des Abfalls vom Glauben der Väter zeitigen müssen, ebenso offen bekennen; mögen sie inhaltsleere Synodaltagungen benutzen, um Klarheit in die Situation zu bringen. Statt dessen brachten die Stunden der Nachmittagssitzung des 18. März stürmische, rein persönliche Angriffe auf den orthodoxen Gegner und seine Organe, was bei vielen — und nicht bei den Schlechtesten — den Eindruck erweckte, als sollte hier mit Rück-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.