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Die Welt · 1907-04-12 · 15 (12.4.1907) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
15 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
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sind, veranstaltet haben, erwähnen sehr wenig Diesbezügliches. Die wichtigste, jene des ehemaligen Direktors der Nationalbank, Nenitzescu, förderte grauenhafte Zustände zutage. „Zinsen von 1 Frcs. für 20 per Monat, das ist 60 %, sind bereits als väterlich zu betrachten," sagt Herr Nenitzescu. „120 % finden wir in allen Bezirken längs der Donau von Turnu Severin bis Galatzi. Im Dorre Kleanova (Distrikt Mehedintzi) zahlen die Bauern 20 Cts. per Tag für 20 Frcs., d. i. 73 Frcs. per Jahr für 20 oder 365 "o. Im allgemeinen ist ein'Zinsfuß von 250 bis 500 0 o gang und gäbe." Und nach den angeführten Tatsachen sind die Wucherer zum allergrößten Teil Rumänen. Bleibt nur die restliche, auf die Landgemeinden verteilte jüdische Bevölkerung, auf die man die Schuld des Bauernelends wälzen könnte. Wie sieht nun diese Bevölkerung aus? Kein Mensch hat sich näher um sie gekümmert. Aber wer sie je in den elenden Wohnungen eines moldauischen Fleckens gesehen hat, der wird ihre materielle Lage nicht um vieles besser finden als jene der Bauern. Sie haben vielleicht etwas mehr von den Abfällen der Kultur genossen, führen schon dank ihrer Religion eine hygienischere Lebensweise, — aber das Elend ist auch unter ihnen groß und wird noch gesteigert durch die Unsicherheit der Existenz, die Unsicherheit des folgenden Tages, die Unsicherheit des Wohnungsrechtes, welche ihre Wurzeln in administrativer Willkür und in gesetzlichen Vorschriften haben, auch in den ewigen Hetzereien, welche sich ganz besonders gegen diese der Gefahr viel ausgesetzteren Armen richten. Sofern sie nicht kleine Beamte sind, hat der größere Teil der Juden auf dem Lande kleine Geschäfte, in denen sie Artikel der Manufaktur-, Mercerie- und Kolonialbranche feilbieten. In diesen kleinen Geschäften, die zumeist an eine nnhygienische Wohnung anstoßen, befindet sich gewöhnlich ein Warenvorrat von wenigen Tausend oder gar Hundert Francs. Auf diesen Vorrat schulden die Krämer zumeist mehr, als er wert ist. Gar oft müssen sie den Bauern Kredit gewähren, und der Bauer ist nicht immer ein guter Zahler. Er kann überhaupt nicht zahlen, wenn eine Mißernte eintritt. Der Jude steht dann vor dem Fallissement. Zumeist gleicht er sich mit den Kreditoren, die sein ganzes Elend kennen, aus. Überhaupt hängt gerade dieser Teil der jüdischen Bevölkerung ganz von der Bauernschaft ab. Bei ihr trifft direkt und ganz der alte Spruch zu: Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt. Nebst diesen Kleinhändlern wohnen noch auf dem Lande kleine Handwerker: Schneider, Kürschner, Schuster, Klempner usw. Für elende Löhne versehen sie die Bauern mit den wenigen primitiven Erzeugnissen des Handwerks, die sie brauchen, und sowohl sie wie "auch die jüdischen Händler erfüllen-eine notwendige soziale Funktion, indem sie zur Verfügung der Bauern das ganze Jahr hindurch Gegenstände halten, ohne welche ihr Zustand ein noch bedauerlicherer wäre. Gegen diese arme, irn Elend dahinlebende jüdische Bevölkerung hat sich die antisemitische Hetze gewendet. Selbst wenn die jüdischen Pächter so ausbeuterisch gewesen wären, daß sie unter allen Gutsbesitzern und Pächtern eifte'grausame Ausnahme gebildet hätten, — wo ist die•'GerechtigT^itV^as Menschlichkeitsgefühl derjenigen, die, da sie die Großen und Reichen nicht fassen können, eine arme Bevölkerung noch mehr verarmen wollen, die unschuldige Menschen die Schuld anderer büßen lassen? Aber stärker als alle Theorie, mächtiger als Vorurteil und Aberglaube ist die Macht der Ereignisse. Und aus dem frevlen Spiel der Antisemiten ist ein nationales Unglück erstanden, dessen Größe man nur abmessen kann, wenn man bedenkt, daß man zum Schlüsse in ausschließlich rumänischen Gegenden, wo keine Spur eines jüdischen Pächters vorhanden ist, zur Kanone Zuflucht nehmen mußte, um die bedrohte Staatsordnung wieder herstellen zu können. So bezahlten für die Hetzereien gewissenloser oder gedankenloser Menschen mit Leben und Habe in erster Reihe die irregeführten Bauern und die ärmste jüdische Bevölkerung der Landgemeinden, deren höchster Wunsch, ja deren höchstes Interesse es ist, daß es den Bauern wohlergehe, damit aus deren Überflusse auch für sie sich ein besseres Dasein ergebe. Hoffen wir aber, daß aus den jetzigen Ereignissen, wie sie trauriger gar nicht gedacht werden können, sich jene Lehren ergeben werden, die allein dieses Land vor neuen Erschütterungen bewahren können: die Lösung der Bauernfrage muß ernstlich in Angriff genommen werden; das System ist aufzugeben, wonach die gesamte jüdische Bevölkerung ganz ungerechterweise als ein dem Lande feindliches Element behandelt wird, — und demgemäß nicht immer an Gesetze gegen die Juden, sondern auch an solche für sie zu denken. Dann wird Rumänien, welches, was man auch sagen und was auch geschehen mag, ein Land ist, welches alle Vorbedingungen für eine glänzende Zukunft besitzt, — dieser Zukunft ganz gewiß und ohne Erschütterungen entgegengehen.*' RB [□Po ^Qo C ü O O jj fr —' --- ^Oo KORRESPONDENZEN G^gy ~tT^ÜO (Diese Rubrik, für die die Redaktion nicht die Verantwortung trägt, ist, wie wir wiederholt bemerken, Zuschriften aus dem Leserkreise und freiem Meinungsaustausch offen.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Bekanntlich hat sich die Notwendigkeit ergeben, für die Bezalelschule in Jerusalem ein eigenes Haus zu errichten. Die vorhandenen Mittel sind jedoch so bescheiden, daß an einen Monumentalbau, wie er des „Bezalel" allein würdig wäre, nicht gedacht werden kann. Wenn wir aber den „Bezalel" wirklich zum sprechenden Beweis unserer Liebe zu Zion gestalten wollen, so muß sich ein jeder von uns eine separate freiwillige Steuer, etwa unter dem Namen „Le- Bedek Habajith" auferlegen. Das Andenken der Stifter nennenswerter Beträge sollte im Bezalelgebäude durch eine Gedenktafel erhalten bleiben. Ferner gestatte ich mir, nachstehenden Vorschlag in Erwägung zu bringen:' Der „Bezalel" soll eine Anzahl Bons (Gutscheine), fortlaufend numeriert, in der Höhe von Frcs. 5, 10, 25 u. 100 herausgeben. Die Besitzer eines oder mehrerer Bons sollen berechtigt sein, einen den gleichen Wert repräsentierenden, vom „Bezalel" erzeugten Gegenstand unentgeltlich zu erhalten. Der Bezalel müf3te ein Verzeichnis seiner Fabrikate (Preisliste) zu diesem Zwecke herausgeben, unter denen die Bonbesitzer ihre Wahl treffen könnten. Da der „Bezalel" aber außerstande wäre, die Tilgung der ganzen Summe auf einmal vorzunehmen, so würde das Los diejenigen Nummern der Bons, die im laufenden Jahre auf den Gegenwert Anspruch hätten, bestimmen. Auf diese Weise würde der Bezalel ein zinsfreies Kapital auf längere Zeit haben und zugleich entsprechenden Absatz für seine Produkte finden. Hannover. D. Bravmann. Zum Abschluß der Kolonialbank für 1906 Der in der vorletzten Nummer der „Welt" veröffentlichte Abschluß der Jüdischen Kolonialbank für das Geschäftsjahr 1906 weist gegenüber dem Geschäftsjahr 1905 wesentliche Fortschritte auf, die zwar noch lange nicht befriedigen können, aber doch zeigen, daß sich das Direktorium auf dem richtigen Wege befindet. Es betrug die Summe einer Bilanzseite: Ende 1905 £ 375 086 Ende 1906 „ 429808 + £ 54 722 Hierzu trugen bei ein Anwachsen der Aufnahme täglicher Gelder gegen Lombardvorschüsse von £ 20 125 auf „ 39 000 um ~~£ 18875 von Wechseln von £ 18 877 auf „ 48 100 um 29 223 von £ 43 118 auf „ 51 406 ürn £ 8 288 Die vermehrten Mittel der Bank wurden verwandt für Lombardvorschüsse (Kontango, Effektenreportierungi, die von £ 10 029 auf „ 70 418 um £ 60 389

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