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Die Welt · 1907-05-10 · 19 (10.5.1907) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
19 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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jedoch, daß die augenblickliche Situation in verschiedenen Ländern, insbesondere in Rußland, Österreich und Rumänien, unbedingt einen späteren Wahltermin erfordere. Auch wurden statutarische Bedenken geäußert, ob es nach der etwas unklaren Fassung des gegenwärtigen Organisationsstatuts zulässig sei, den Landsmannschaften das Recht, die Wahlen bis spätestens vier Wochen vor dem Kongreß durchzuführen, zu nehmen. In Berücksichtigung dieser beiden Momente faßte das Große A. C. einstimmig den Beschluß: Die Wahlen zum VIII. Kongreß sind von den Landsmannschaften in der Art durchzuführen, daß die Wahlprotokolle und die Schekelgelder spätestens vier Wochen vor dem Kongresse beim Zionistischen Zentralbureau in Köln eingeliefert sein müssen. Bei dieser Gelegenheit wurde aber auch der Wunsch geäußert, daß die Bestimmungen unserer Organisationsstatute über die Kongreßwahlen dahin geändert werden mögen, daß eine längere als die bisher vorgesehene Zeit zur Prüfung der Wahlergebnisse und zur Abrechnung der Schekel zur Verfügung stehe. Den nächsten Gegenstand der Verhandlung bildete die Festsetzung der Tagesordnung des Kongresses. Zu diesem Punkte wurde eine Anzahl Anregungen gegeben, die insbesondere darin gipfelten, daß den Ausschüssen mehr Zeit zur Beratung gegeben werde und daß die Referenten Gelegenheit hätten, sich zunächst mit den betreffenden Fachausschüssen zu verständigen. Die Tagesordnung des Kongresses wurde in großen Umrissen, wie folgt, festgesetzt: 1. Tag: Eröffnungsrede des Präsidenten, Bericht des A. C, Generaldebatte, Wahl der Ausschüsse. 2. Tag: Vorträge über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern, Sitzungen der Ausschüsse. 3. Tag: Referat über Palästina. Berichte der verschiedenen Ausschüsse. Spezialdebatten. Die folgenden Tage sind für die Fortsetzung der Debatten, die Generalversammlung der Bank und die Sitzungen der anderen Institutionen unserer Organisation bestimmt. Dabei ist eine genügende Ruhepause vorgesehen. Über Form und Inhalt der zu erstattenden Referate entspann sich eine längere Aussprache. Man einigte sich schließlich darauf, dem engeren Aktionskomitee-Vollmacht zu erteilen, selbst die detaillierten Anordnungen bezüglich der Referate zu treffen. Nach einer Unterbrechung, die durch Sitzungen der Boards des Jewish Colonial Trust, der Anglo Palestine Company und die konstituierende Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Le Jisroel), Limited ausgefüllt war, wurde die Beratung des A. C. abends um 61/» Uhr wieder aufgenommen und bis gegen 11 Uhr nachts fortgesetzt. Gegenstand der Besprechung bildete die allgemeine Lage des Zionismus, die Tätigkeit des A. C. und des Zionistischen Zentralbureaus. Es war eine äußerst anregende und lebhafte Diskussion, an der j; sich fast alle Anwesenden beteiligten. Eine Reihe von Rednern behandelte eingehend das politische Problem und forderte einen weiteren Ausbau und eine intensive Verstärkung der politischen Aktion. Es stellte sich bei dieser Gelegenheit in Hinsicht auf das positiv zu Schaffende heraus, daß eigentlich keine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die gebotenen Maßnahmen bestehen, was von mehreren Seiten mit Genugtuung konstatiert \^urde. Die Debatte griff sodann über zum Verhältnis der Leitung zu den Landsmannschaften (und ümgekehrt), das von mehreren Rednern einer eingehenden Kritik' unterzogen wurde. Man vermisse öfters — nach der Ansicht einiger — einen innigeren Zusammenhang zwischen manchen Aktionen der Landsmannschaften und der Leitung. Über die Abgrenzung der Kompetenzen, welche Angelegenheiten von den Landsmannschaften selbstständig durchzuführen seien und für welche anderseits die Richtlinien von der Zentralleitung vorzuzeichnen seien, gab es eine längere Debatte, die auch das Gebiet der Organisation berührte. Im Laufe der Diskussion wurden auch die Fragen der Verwaltung der Parteipresse und des Zentralbureaus einer eingehenden Krilik unterzogen. In Hinsicht auf die Presse wurden einerseits betreffs des informativen Teils, anderseits bezüglich des Erscheinungstermines Reformen gewünscht und auch die Frage erörtert, welche Haltung das offizielle Organ bei spezifischen Angelegenheiten der Landsmannschaften einzunehmen hätte. In Rücksicht auf die Finanzierung des A. C. wurde mehrfach die Aufstellung eines festen Budgets von der nächsten Kongreßperiode ab gefordert. Von anderer Seite wieder wurde darauf hingewiesen, daß bei der schwankenden Höhe der Einnahmen und bei der Unmöglichkeit, gewisse Ausgaben vorauszusehen, eine absolute Budgetierung fast undurchführbar sei. Als Resümee ergab sich der allgemeine Wunsch, in die finanziellen Verhältnisse ein solches System der Stetigkeit zu bringen, daß eine gewisse Vorausfixierung des Etats möglich gemacht wird. Der nächste Kongreß wird die organisatorischen Grundlagen dazu schaffen müssen. In einer abschließenden Rede gab der Präsident Aufklärungen über die bisherigen politischen Unternehmungen des Engeren A. C. und die zukünftigen Aussichten. In Hinsicht auf die Verwaltungsfragen betonte er die Schwierigkeiten, die aus der räumlichen Entfernung der Mitglieder des Engeren A. C. erwüchsen, und stellte fest, daß in finanzieller Beziehung das jetzige Zentralbureau wesentlich billiger arbeite als das frühere. Speziell aber führte er Klage darüber, daß durch den oft geringfügigen und schleppenden Eingang der Schekelgelder die Arbeiten der Zentralleitung erschwert würden und daß hier unbedingt eine durchgreifende Reform einzusetzen habe. Alle Projekte, die im Laufe der Debatte vorgelegt wurden, wurden teils dem E. A. C, teils den zuständigen Kommissionen zur Überprüfung und eventuellen Vorlage an den Kongreß übergeben. Der dritte Tag wurde zunächst ausgefüllt mit einer Reihe von Sitzungen der Finanzinstitute. Hierauf begann um 12 Uhr die Debatte über den Jüdischen Nationalfonds. Die zurücktretende Verwaltung des bisherigen Zentralbureaus des Jüdischen Nationalfonds in Wien erstattete einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung und Verwaltung des Nationalfonds und die gesammelten Erfahrungen und gab auf Grund ihrer Beobachtungen schätzenswerte Winke für die zukünftige Ausgestaltung. Herr Kremenezky ergänzte diesen Bericht durch eine Reihe persönlicher Beobachtungen und Anregungen. Er wies insbesondere auf die Bedeutung der Einzelinitiative bei der Propaganda,- speziell der Selbstbesteurung, hin. Herrn Kremenezky wurde der besondere Dank für seine langjährige hingebungsvolle Arbeit ausgesprochen.

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