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Die Welt · 1907-03-29 · 13 (29.3.1907) · page 23

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 23)
Language
German
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No. 13 DIE3KELT- 25 Hannover, welcher auch des so früh dahingeschiedenen Artur Schwabe ehrend gedachte, sowie Willkommen seitens des Herrn Fischbein für die Bremer Gesinnungsgenossen fand Bureauwahl statt. I. Vorsitzender: Gustav Schwabe-Varel i. Gr., II. Vorsitzender: J. Schnelling-Hannover, Schriftführer: Benensohn und Meyer, Beisitzer: van Cleef und Dr. Landau. Dr. Kalmus referierte kurz über die innere Lage des Zionismus. Dr. Halpern beleuchtete in der ihm eigenen scharfen Weise die inneren Verhältnisse Palästinas. Nach diesen beiden Referaten Diskussion. Es sprachen die Herren Samitowsky, Fischbein, Goldschmidt u. a. Hierauf folgten die für diese Tagung wichtigsten Referate: Propaganda und Agitation im Distrikt, Referent Ludwig Meyer-Hannover; dazu: Frauenbewegung und Frauenarbeit, Ref. Frl. Neu mann-Hannover, und endlich Organisation, Ref. G. Schwabe-Varel. Naturgemäß waren diese Referate auch diejenigen, weiche die längste Diskussion hervorriefen. Sämtliche Redner betonten, daß unsere Bewegung eine solche des jüdischen Volkes sei und die Hauptsache, die Erreichung unseres Zieles, nur durch das Volk, nicht aber durch eine bestimmte Klasse im Volk geschehen könne. Es beteiligten sich insbesondere Frl. Änne Berliner, die den Emanzipations - Standpunkt verfocht, stud. Benensohn, Schwabe, Samitowsky, Dr. Landau, Dr. Kalmus, Ingenieur Seelenfried. Die hierzu eingebrachten Anträge sollen den Gruppen zur Besprechung überwiesen werden. Referat Schnelling, betreffend Neuorganisation des Nationalfonds, wurde aufgeschoben, da die Zeit zu weit vorgeschritten war. — Nach Dankesworten des Herrn Fischbein und Verlesung der Nationaltelegramme von Lemaan Zion in Emden, Zionistische Ortsgruppe in Lübeck und Zentral-Büro in Berlin wurde die Tagung um 5 Uhr geschlossen. Nationaltelegramme gingen ab an unseren Präsidenten Herrn D. Wolffsohn, Herrn R. A. Gronemann u. a. m. — Abends um 9 Uhr fand Volksversammlung im Gewerbehause statt, wo Herr Dr. Bloede aus Nürnberg sprach. - Die Tagung wird für die Verbände und Gruppen eine anregende und hoffentlich fruchtbringende sein. England und die Zionisten Unter der Aufschrift „England und die Zionisten" veröffentlicht das „Leipziger Tageblatt" nachstehenden Artikel, den wir hier reproduzieren, ohne für die Richtigkeit der darin angeführten Tatsachen irgendwie die Verantwortung übernehmen zu wollen. „Die englische Regierung gibt durch ein Zirkular ihren zahlreichen Agenten in der Levante, in Syrien und Palästina ausführliche Instruktionen, die Juden nach Möglichkeit zu protegieren und die lokalen Autoritäten nachdrücklich fühlen zu lassen, daß die britische Regierung an dem Wohlergehen der jüdischen ßevölkerung im Orient ein großes und geschichtlich wohl begründetes Interesse nimmt. England datiert sein Recht auf das Protektorat über die jüdische Bevölkerung im Orient aus der Zeit des Lord Palmerston, der sich als Minister des Auswärtigen überall einmischte und dadurch vielfache Unzufriedenheit erweckte. Er erhielt den Spitznamen Lord Firebrand (Feuerbrand) zur Charakterisierung seiner gefährlichen Machenschaften. Palmerston sicherte jenes Vorrecht Großbritannien als Resultat seiner Vermittlung zugunsten der Juden in der Damaskusaffäre. Er erwirkte damals von dem Sultan die Anerkennung des Rechtes Englands, über die Erfüllung der Zugeständnisse jener Irade zu wachen, die der Sultan zum Schutz der nichtmohammedanischen Bevölkerung erließ. Dieser Erlaß garantierte der Bevölkerung religiöse Freiheit schaffte die bürgerliche und gerichtliche Autorität der muselmanischen Kirchen ab, verkündete die Gleichheit aller Glaubensbekenntnisse und Nationalitäten, beseitigte die Verfolgung und Bestrafung religiös Bekehrter, gewährte Nichtmohammedanern Zutritt zu den öffentlichen Ämtern und ordnete ihre Repräsentation im Staatsrat an. Ferner erlaubte er Fremden den Erwerb von Landbesitz, bestimmte die Einrichtung öffentlicher Schulen, die formelle Ausarbeitung der Gesetze, die Reform des Geldsystems und der Polizei und schlug die Einführung von anderen öffentlichen Verbesserungen vor. Diese Irade hat angeblich nur, weil England darauf bestand, die Juden ausdrücklich mit eingeschlossen. Palmerston schlug damals sogar vor, noch einen Schritt weiter zu gehen und die Frage zu überlegen, ob man die Juden in Syrien, Palästina und dem Orient nicht in derselben Weise unter englischen Schutz nehmen solle, wie die Römisch- Katholischen unter der Vormundschaft Frankreichs stehen. Mit Rücksicht auf die enorme Vermehrung der jüdischen Bevölkerung Palästinas seit der Aufhebung des Verbots der jüdischen Niederlassung in diesem Teil des türkischen Reiches eröffnet das jetzt aus der Rumpelkammer englischer Diplomatie hervorgeholte und frischgetünchte „Recht" uns liebliche Aussichten. Das englische Protektorat findet natürlich freudigste Zustimmung in maßgebenden alljüdischen Kreisen. Die Wiederaufrichtung Palästinas durch die Juden unter zionistischen Auspizien, die jetzt von England gefördert doppelt schnell fortschreitet, gibt dem Recht, das Lord Palmerston für England mit Beschlag belegte, eine ungeahnte Wichtigkeit. Es hat eine viel größere, unmittelbarer fühlbare praktische Bedeutung als das Protektorat Frankreichs über die römisch-katholischen Christen; England fürchtet, daß Deutschland infolge des Streites zwischen der Republik und dem Vatikan die Erbschaft des wertvollen französischen Protektorates antreten wird, und sucht in der Vormundschaft über die Juden eine Verstärkung seines Einflusses und Handhaben zu beliebiger Einmischung in Palästina und Syrien. Deutschlands und Rußlands Fußfassen im Heiligen Land — Rußland hat in der Nähe Jerusalems einen Gebäudekomplex erbaut, der eine Stadt mit Kathedrale und Klöstern umfaßt und mehr die Bezeichnung Festung verdient - läßt Englands Eifersucht nicht ruhen. Die große, schnell anwachsende jüdische Bevölkerung Palästinas bringt einen neuen, England höchst angenehmen Zug in die Lage der Dinge. England zeigt seine Freundschaft für die Juden bei jeder Gelegenheit. Die Zionisten haben durch die Einrichtung der Jüdischen Kolonialbank in London, die von der englischen Regierung mit besonderen Privilegien ausgestattet ist, und auch auf andere Weise die Überzeugung gestärkt, daß sie mit der Zustimmung und Unterstützung der britischen Regierung handeln — und vice versa. Die Zionisten bereiten das Feld für King Edwards Pläne in Palästina. Das ganze, weite Gebiet, das zwischen dem Mittelmeer und Ägypten im Westen und Indien im Osten liegt, wird von den drei Mächten mit äußerster Eifersucht betrachtet und sicher in nicht sehr entfernter Zukunft eine wichtige, vielleicht sogar eine entscheidende Rolle in dem Spiel der Reiche beanspruchen, so daß möglicherweise Lord Feuerbrand noch einmal seinem Spitznamen Ehre macht. Die Londoner „Jevvish World" träumt im Verein mit der englischen Regierung schon von einem selbstständigen jüdischen Staat Palästina unter britischer Oberherrschaft. Hinter diesen Plänen stehen nicht nur die Juden Englands, sondern die sich als ein Volk gleichen Stammes fühlenden Juden der ganzen Welt, gewiß eine respektable Macht der Intelligenz und des Kapitals. Unsere Diplomatie in Konstantinopel wird auf diese neuen englischen Quertreibereien gegen die Bagdadbahn wie immer erst dann aufmerksam werden, wenn es zu spät ist und sie, vor vollendeten Tatsachen stehend, sich erstaunt die Augen reibt." Eine Sammlung jüdischer Biographien Unter dem Titel „Kämpfende Geister im Judentum" erscheint jetzt im Verlage von Louis Lamm, Berlin C 2, aus der Feder des Dr. Simon Bernfeld eine Sammlung von Biographien bedeutender und wegen ihrer Erlebnisse auch merkwürdiger jüdischer Männer aus den letzten drei Jahrhunderten (Leon Modena, Mose Hann Luzzatto, Salomo Mainion und Samuel David Luzzatto). Einen breiten Raum in diesem Buch nimmt die Lebensbeschreibung Salomo Maimons ein, dieses genialen Mannes, dessen Schicksal sich so merkwürdig gestaltet hat. Er wird hier zum ersten Male ohne Voreingenommenheit und gerecht behandelt. Eine ausführlichere Besprechung soll noch nach Erscheinen dieses Buches erfolgen. Gegen die jüdische Universitätsjugend in Rußland Die „Rjetsch" teilt mit, daß der Professorenrat der Kiewer Universität eine Verwarnung seitens der Administration erhielt, wonach im Falle von Unruhen die Universität mit den schwersten Repressalien bedroht wird. Besonders schwere Strafen sollen aber die jüdischen Studenten treffen. Ha'Olam Inhalt der Nr. 12 von Ha'Olam: A. Lud wi pol: Poale-Zion in Palästina. — E. B en - J e h ud a: Der Nikanorstag. — A. H e rmoni: Abend-Eindrücke. — Eljahu Lewin: Die böse Folge einer guten Tat. — S. Schneor: Hexameter. — J. Goldmann: Die neuzeitliche Judenansiedelung in Palästina. — A. S. Herschberg: Von Jerusalem nach Sichern. — J. Lubezky: Eine alte Melodie. — N. S.: Federstriche. — Nachrichten.

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