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Die Welt · 1907-03-29 · 13 (29.3.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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unseres Volkes mit der Regelmäßigkeit eines Naturgesetzes, eines scheinbaren Unterganges und Sich-Vergessens hervor. Dies ist die fortlaufende Geschichte des jüdischen Volkes, eines Volkes, das nicht den anderen gleich, einer Historie, die nicht den anderen gleich ist. Denn die Tatsache begegnet uns sehr häufig in der Geschichte der Menschheit, daf3 ein Volk im eigenen Lande und mit eigener Kultur von einem anderen mächtigeren Volke besiegt und seiner freien Selbständigkeit beraubt wird. Viele Völker sind daran völlig zu Grunde gegangen; andere dagegen haben es vermocht, sich aufzuraffen; aber daß ein Volk einen Exodus wiederholentlich durchführen soll — ist unerhört in der ganzen Geschichte des Menschengeschlechts. Diese Kraft liegt in dem Lebendigsein des jüdischen Volkes in allen Lebensverhältnissen. Das Sich-Eins-Fühlen mit den Vorfahren hat die Erlösung aus Ägypten ermöglicht; dieses Bewußtsein ermöglicht auch jetzt die Fortdauer und die Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Dieser Gedanke ist treffend bereits in der großen Rede Mosis im Deutoronomium mit den Worten angedeutet: „Oder hat Gott je versucht, ein Volk sich zu nehmen aus der Mitte eines anderen Volkes?" Ja, es war ein Volk in der Mitte eines anderen Volkes, und nur so war es erlösungsfähig. Nicht ein „Status in statu" können und sollen wir sein. So parodiert nur der Haß unsere Aufgaben, und darin entlädt sich ein Geist der Entfremdung und der Feindseligkeit, aber unser Volkstum müssen wir bewahren — und die Feste sind für uns die Momente, in denen wir durch ein inneres Schauen alles national Erlebte zusammendrängen und das Nächste wie das. Fernste noch einmal erleben. Und die Ideen der Feste müssen in der gesamten Gestaltung des Volkslebens sichtbar werden, sie müssen das Abbild von tatsächlichen Bestrebungen sein. Leider waltet eine innere Gesetzlichkeit in den verschlungensten Wegen und Wandlungen des jüdischen Volkes: Mizraim und die Erlösung. An Analogien für das erstere fehlt es leider nicht. Ein Volk soll nicht nach der Minderheit, sondern nach der Mehrheit beurteilt werden — und die Mehrheit des jüdischen Volkes lebt auch jetzt in Mizraim „wegen der Kürze des Odems und der schweren Arbeit". Leben unsere Brüder in Rumänien — um nur von den allerletzten Ereignissen zu sprechen — sicherer und würdiger, als unsere Vorfahren in Ägypten? Ist für sie nicht ein Auszug und eine Rückkehr in das Land der Väter ebenso ersehnt? Und warum soll dieses Wunder nicht wieder geschehen? Konnten wir als Sklavenhaufen, als ein unter dem Joch der drückendsten Frone seufzender Stamm, ohne Heimat, ohne Ordnung, fast noch ohne Geschichte, uns befreien — warum sollen die Unterdrückten, die jetzt schon eine 4000-jährige Geschichte hinter sich haben, es nicht vermögen? Wo ist Moses? Wo ist der Genius des alten Volkes? Schwach regt er sich in den Tiefen Mizrainis, er verliert sich in krankhaften, hochgespannten Stimmungen, in unvermitteltem Umschlagen aus Augenblicken gewaltsamer Anstrengungen und lärmender Begeisterung in müde Gemütsstille. „Die Kürze des Odems!" Aber der Erlösungsgedanke reift heran. Der Pessach- Mizraim, wenn wir ihn wirklich und innig feiern, muß zu dem „Pessach-L'Assid" (Fessach der Zukunft) führen. N. S. Nachrichten aus Palästina Von den Anstalten des Hilfsvereins in Palästina Das- Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem hat die ersten Absolventen, 5 an der Zahl, Mitte März entlassen. Die jungen Leute sind in der Lage, unmittelbar ihre Tätigkeit als Lehrer aufzunehmen; sie finden Anstellung an oder Lämelschule und der Mädchenschule des Hilfsvereins in Jerusalem, wie an der Knabenschule des Hilfsvereins in Jaffa. Es ist jetzt ein Kindergarten in Beirut eröffnet worden, zu dessen Begründung der Hilfsverein der Deutschen Juden in seiner Sitzung vom 25. November 1906 Mittel zur Verfügung gestellt hatte. Zur Verwaltung des Kindergartens hat sich ein Komitee von 7 angesehenen Einwohnern der Stadt gebildet, an dessen Spitze der Vorsteher der jüdischen Gemeindein Beirut, Herr Anzarut, steht. Die Leiterin der Anstalt, neben der noch eine Gehilfin wirkt, ist eine Palästinenserin, die als Kindergärtnerin in der Schweiz tätig gewesen ist. Sie hat auch eine gute Ausbildung in der hebräischen Sprache genossen. Die neueröffnete Anstalt, die bereits 65 Zöglinge zählt, erfreut sich, wie man dem Hilfsverein der Deutschen Juden aus Beirut und Jerusalem schreibt, lebhafter Sympathien in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung. Das Kaiserlich Deutsche Postamt in Jaffa versandte Ende Februar (1907) folgendes Zirkular: Bei Bestellung von Waren, die von Deutschland in Postpaketen- - 5 kg — hierher versandt werden sollen, empfiehlt es sich, die Lieferer ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß sie auf der Begleitadresse als Leitweg stets „via Passau-Triest" oder „via Dresde n-Tr i est" (je nach Lage des Versandortes. — Red.) vorschreiben; an Porto sind in jedem Falle nur 1 Mk. 40 Pfg. (oder 7 Piaster für die Postpakete nach Deutschland) zu zahlen. Die Beförderungsdauer beträgt auf diesen Wegen — und zwar sowohl von als nach Deutschland — nur 12—20 Tage, über Harnburg dagegen mindestens 5 Wochen. Dieser letztere Weg kommt nur in Betracht für Pakete über 5 kg, wenn deren Inhalt unteilbar ist und sich nicht in Postpaketen bis 5 kg unterbringen läßt. Immobilienbesitz von Ausländern in der Türkei Wir lesen in der „Frkft. Ztg." folgende Korrespondenz: Konsularberichten, die in Konstantinopel eingelangt sind, ist zu entnehmen, daß bei den Behörden in gewissen Gebieten, wie in Jerusalem, Jaffa, Beirut etc., das Bestreben zutage tritt, die Interessen der Ausländer bezüglich ihres Rechts auf Erwerbung von Immobilien in der Türkei zu verletzen. Dieses Recht ist den Ausländern durch das Gesetz vom 13. Sefer 1284 (16. Juni 1867) und durch das ihm angeschlossene Protokoll für das ganze türkische Reich, mit Ausnahme des Vilajets Hedschas, verliehen worden. Die erwähnten Bestrebungen sind eine Folge von Weisungen aus Konstantinopel, welche die Behörden anweisen, keine Übertragungen von unbeweglichen Gütern auf den Namen von Ausländern vorzunehmen, bevor sie darüber nicht nach Konstantinopel berichtet haben, um eine besondere Irade zu erwirken. Diese Formalität, welche dem erwähnten Gesetze widerspricht und die von den Ausländern erlangten Rechte verkürzt, bildet den Gegenstand von Beschwerden, die aus verschiedenen Provinzen eingelangt sind. Infolgedessen haben die Botschafter der Größmächte beschlossen, bei der Pforte einzuschreiten und zu verlangen, daß das erwähnte Gesetz und das angeschlossene Protokoll genau eingehalten werden. Sie werden der Pforte einzeln ihre Protestnoten überreichen. Die Katasterbeamten verweigern auch die Zulassung der Abtretung von Immobilien, die sich im Besitz eines Ausländers befinden,, an Ausländer anderer Nationalität, was gleichfalls gegen das Gesetz verstößt. Inbezug auf diesen Punkt haben die Botschaften beieits Schritte bei der türkischen Regierung unternommen. Das Mitglied des A.-C, Herr J. L. Goldberg (Wilna), ist nach Palästina abgereist.

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