Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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10 DIElMELT Wie sehr auch das gesellige Element durch den „Bezalel" gepflegt wird, das haben wir anläßlich des sehr freundlichen Empfanges, der mir und meiner Frau am ersten Abend zuteil wurde, vollauf zu würdigen Gelegenheit gehabt. Chorgesang, Musik, Deklamation und kleine Unterhaltungskühste, die der Festabend bot, bewiesen uns, daß die Devise: „Ernst das Streben, heiter die Kunst!" hier wohl verstanden und gepflegt wird. No. 13 Noch erst eine Grundmauer ist heute der „Bezalel". Aber, wie gesagt, eine kräftige Grundmauer, die sich hoffentlich zu einem schönen und starken Gebäude aus wachsen wird. Viel Geduld und Liebe wird wrohi noch für eine geraume Zeit in Jerusalem notwendig sein, — aber auch eine stete und ausgiebige Förderung der edlen Bestrebungen des „Bezalel" durch die Juden aller Länder. Möge es an beiden nicht fehlen! qp r2)?*2^ □»□ ÖO Qfi □BD OB □OD □ □ □s DO Haifa und der Karmel Awodim hojinu" Von JOSA WILL (Wien) —---Und wir sind Sklaven---- Komm, erhebe dich! Vom halbgenoss'nen Mahl steh' auf — Blick' nicht zurück zur reichgefüllten Schüssel, Daraus die würzig-süße Speise lockt! Sieh her: das Tischtuch ist nur halb entfaltet, Zur Hälfte nur gedeckt des Festes Tafel, Auf daß des Elends wir nie ganz vergessen, Nie allzusehr uns freuen, ällzusicher Zum leck'ren Mahl des Lebens niedersitzen — Denn schon saust drohend durch die Luft die Peitsche Des Treibers, die empor uns wieder jagt--— „Wir waren Sklaven" — Sklaven sind wir. Ewig Ist des Genusses Tisch nur halb gedeckt--- Und wir sind Sklaven! Nicht fülle den Becher, Reiß' nicht so schnell ihn an die durst'gen Lippen! Denn trinken darfst du nicht! Du darfst nur nippen Laß nicht die Augen lustbegehrend gleißen, Deck' mit den Lidern sie, den müden, heißen. Streck' nicht die Arme sehnend nach dem Glücke, Streck' sie nicht nach des Lebens Freuden aus: Denn aller Lust, nach der die Hand sich reckt, Ist doch für dich der Tisch nur halb gedeckt! Und kaum, daß du begonnen zu genießen, Heißt es schon wieder: „Büßen sollst du! büßen!fi4 „Wir waren Sklaven." Sklaven sind wir. Immer Ist uns des Lebens Tisch nur halb gedeckt.