Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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no. 13 - die: nicht lange. „Warum sitzen wir da, als ob wir stumm geworden wären?*' wendet sich AwigaTl an uns. „Lieber soll einer unserer Gäste aus seinem Leben oder von seiner Meerfahrt etwas erzählen." Alle schweigen. AwigaTl beginnt, ein arabisches Lied zu summen, wahrscheinlich, um ihre Verlegenheit zu verbergen. Einer von uns eilt ihr zu Hilfe. „Wir müssen doch unsere Gäste unterhalten und nicht umgekehrt," sagt dieser. £elt — 7 „Salonion!" wenden sich viele von uns an einen Jüngling „erzähle doch bitte von „jenen Tagen". Salomon läßt sich nicht viel bitten und beginnt bald: „Es war vor ungefähr zehn Jahren. Ich mochte damals sieben Jahre alt sein. Keines der Häuser, die wir jetzt im Tale und auf den Hügeln sehen, war damals erbaut. Das einzige Haus war die gemeinsame Küche aller in der Kolonie Arbeitenden (die jetzige Synagoge). Alle Ackerbauer unserer Kolonie wohnten damals Vorstellende Reproduktion führt uns das Beamten- und Arbeiter-Personal der Stein'schen Maschinenfabrik in Jaffa vor. Außerdem vorn links Herr Stein, in der Mitte Herr Wolf fsöhn, neben ihm rechts Herr Lewonlin, welch letztere vor kurzem die Fabrik besichtigten. in kleinen Hütten aus Stein oder Lehm, die uns von den Arabern, den frühern Besitzern des Bodens, überlassen worden waren. Die Reste davon seht ihr noch jetzt auf den Hügeln, nahe dem Brunnen. Wir lebten damals einfach wie die Fellachen. Lange Wochen hindurch genossen wir keine Fleischspeisen, und unsere Nahrung bestand nur in Gemüse und Suppen. Aber dennoch herrschte in diesen Hütten ein Gefühl des Glückes, das jetzt kaum in den geräumigen, schönen Steinhäusern zu finden ist. Eine völlige Einigkeit herrschte unter den Kolonisten, und es gab nicht, wie heute, feindliche Gruppen unter ihnen. Wenn abends nach einem Tage voller Entbehrungen und Mühen sich alle in der Küche zusammenfanden, so hallte sie wieder von den Klängen fröhlicher Lieder und heiterer Gespräche. Bis Mitternacht blieben wir beisammen und ermunterten uns gegenseitig, die kommenden schönen Zeiten, die uns Glück und Erfüllung unserer Wünsche bringen mußten, erträumend und herbeisehnend. Man sprach auch viel über die Beduinen, die uns dann und wann überfielen. Die Jugend — und wer nannte sich damals nicht „jung"? — bildete eine „Armee" mit einem Befehlshaber an der Spitze. Es gab auch noch einen Unterfeldherrn, der über zehn „Soldaten" zu gebieten hatte, und diese Organisation war dazu bestimmt, die drohenden Oberfälle abzuschlagen. Bei allen Zusammenstößen fügte man sich ohne Murren den erwählten Vorgesetzten. Schöne Tage waren es, meine Freunde, aber sie sind vorüber.... Pessach rückte heran. Es war der erste, den unsere Familie in Palästina feierte. Unsere ganze Kolonie war mit dem Pflanzen von Bäumen beschäftigt. Alles, was ihr jetzt dort-vor euch seht: die Ölbäume, die uns Schatten spenden, jene Mandeln mit ihrem süßen, betäubenden Duft, den Wein, der dort auf den Bergen aus- 2*