Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 13 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE ELT No. 13 Wir verzeihen dir, daß du uns nicht vernehmen ließest das Gebet der Felder, der Wälder und der Berge, die in Farbenpracht erstrahlen, das Qebet des Tales Saron und des hohen Libanon! Du, unsere Hagadah! Du hast uns nicht geführt durch Abgründe von Wanderungen in das Land der Blumen und der Gesänge, kein Heroenlied hast du uns angestimmt. Du lehrtest uns sitzen, einen Augenblick^ sitzen nach der Weise der Freiheit, — aber zu gehen nach der Weise der Freiheit hast du uns nicht gelehrt, Du, unsere Hagadah! Du konntest nicht anders sein, als du bist. Eine wunde Taube. . . . Wir, die Jungen und Kräftigen, die wir hinausziehen auf das Schlachtfeld der Zukunft, gehen an dir vorbei, Kampfgeriistete, und wir neigen vor dir unsere Fahnen. Hagadah, du unsere Hagadah! Die Pfleglinge des Altersversorgungsheims in Jerusalem UNSER SCHIFF Von MORRIS ROSENFELD Viele Schiffe gehen unter Und erneichen nie ihr Ziel, Unser Schiff geht stolz und sicher, Trotzt der Fluten wildem Spiel, Lacht des Sturms, der mitternächtig Oft um seine Masten pfiff, — Unser Schiff ist fest und ewig, Unser Schiff, das starke Schiff. O, wohl über alle Meere Hat's in voller Fahrt gesetzt, Obers rote, übers tote, — Auf dem stillen fährt es jetzt; W7ohl kein Strudel, wohl kein Wirbel, Der's nicht feindlich schon ergriff, — Wohlbehalten fährt es weiter, Unser Schiff, das alte Schiff. Nicht ein Kriegsschiff ist es, Brüder, Nicht ein Panzerschiff, o nein! Doch im größten Schlachtenfeuer Kann es frei und sicher sein Ohne Kugeln und Granaten, Ohne scharfer Schwerter Schliff, — Unser Schiff ist ein und einzig, Unser Schiff, das stille Schiff. Unser Schiff kann ohne Zagen Der Gefahr entgegengehn, Denn gar tüchtig und erfahren Ist sein alter Kapitän. O, er kennt wohl jeden Abgrund, Jeden Schlund und jedes Riff, Er ist Herr auf allen Meeren, Kapitän auf unserm Schiff. Und nicht lange mehr wird's währen, Und er lenkt das Schiff zum Strand, - Das viel hundert, hundert Jahre Nicht gesehn das Heimatland. Aber jetzt, aus Sturm zum Frieden Steuert es ein starker Griff, — Endlich, endlich wird es ruhen. Unser altes Wanderschiff.