Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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hat. vKeine der drei Judenvertreibungen von 1241, 1349 und 1614 ist küf seine Veranlassung oder nur mit seiner stillschweigenden Duldung geschehen. Die Verweisung der Juden in eine besondere Gasse im Jahre 1640 ist nicht sein Werk, sondern auf wiederholte kaiserliche Befehle und auf eine Bulle des Papstes Pius II. hin geschehen. Der Rat duldete in der Herbstmesse 1603 die Zusammenkunft der vornehmsten Juden aus dem Reich und den Abschluß einer- Konföderation, worüber es nachträglich in den Jahren 1606 bis 1609 im Auftrag des Kaisers zu einer großen Untersuchung kam. Die Juden waren sich dieses Schutzes sehr wohl bewußt und rechneten sich mit Stolz zur hiesigen Gemeinde, welche als die erste und vornehmste in ganz Deutschland galt. Frankfurt wird bei den Verhandlungen wegen der Judenkonföderation von 1603 wiederholt',,die Hauptstadt in Israel" und „Neu-Jerusalem" genannt. {Mögen auch die Gründe, welche den Frankfurter Rat zu seiner Haltung gegen die Judenschaft veranlaßt haben, nicht frei von Eigennutz gewesen sein, die ehrende Tatsache bleibt bestehen, daß er sie stets gegen Fanatismus und Ausbeutung zu schützen und ihnen eitf gesichertes Dasein zu bieten gesucht hat. - - Ha'olam Inhalt der Nr. 11 von „Ha'olam": Ben Hagolah: Unser alter "Feind. :—«- Dante Lattes: Der freie Gedanke in Israel und seine Literatur (III). — Nachman Z'wi Gezow: Die Juden zur Zeit des Talmud (Schluß). — ChemdaBen-Jehuda: Goldbergwerke. — M. Robinsohn: Reb Nochumtsche. — J. Kühn: Eine religiöse Anfrage. — Sapir: Der Kadisch. — D. Frisch mann: Briefe, die Literatur betreffend. — A. M. Birnbaum: Gesang und Musik bei den „Zaddikim" in Polen (VI). — Federstriche. — Nachrichten. Zidowska Smotra Von der ausgezeichnet redigierten und prächtig ausgestatteten Monatsschrift unserer kroatischen Gesinnungsgenossen „Zidowska Smotra" (Redakteur: Alexander Licht) liegt uns das inhaltsreiche Februar-Märzheft vor, das sich speziell als Palästinaheft bezeichnet. Es enthält in seinem kroatischen Teil einen schwungvollen Artikel über „Palästina", die Übersetzung des Warburg'schen Referats über die Zukunft Palästinas (mit Illustrationen), den „Jüdischen Mai" von Morris Rosenfeld, übersetzt von Alexander Licht, einen Abschnitt aus Herzls „Altneuland", einen instruktiven Aufsatz des Redakteurs über die wirtschaftliche und technische Erschließung Palästinas und einen Artikel über die Rechtsverhältnisse in Palästina. In seinem deutschen Teile schreibt Otto Kraus über „Die Judenfrage im Sabor" (dem kroatischen Landtage), A. L. über „Serben und Juden". Außerdem bringt das Heft (in beiden Sprachen) interessante Nachrichten aus unserer Bewegung und dem jüdischen Leben in den südslavischen Ländern, eine Bücher- und Zeitschriftenschau, Statistisches über die Lage der Juden in Kroatien und Slavonien etc. — Wir beglückwünschen unsere südslavischen Gesinnungsgenossen zu ihrem vortrefflichen Organ, das hoffentlich auch in seinen künftigen Nummern sich auf gleicher Höhe erhalten wird. E oooooooo s^. NACHRICHTEN o o oooooool) 0 Pogrom in Elisabetgrad Am 13. März, während des Begräbnisses des getöteten Führers Jer Kampf Organisation des „Verbandes des russischen Volkes", brachen die erwarteten Unruhen aus. Auf dem Rückwege vom eichen begängnisse begannen die Mitglieder des „Verbandes des ussischen Volkes" die auf den Straßen befindlichen Juden zu schlagen und die jüdischen Häuser und Läden zu plündern. Ein ■n provokatorischer Absicht von einem Hooligan abgefeuerter Schuß ief eine,,;starke Schießerei hervor. Viele Juden wurden schwer /erwundet. In der Preobraschenskajastraße töteten die Hooligans .inen Juden Namens Finkel. Dabei wurde auch ein kleines jüdisches Mädchen tötlich verletzt. Der ganzen jüdischen Bevölkerung der >tadt bemächtigte sich ein panischer Schrecken. Das Militär hat lie Ruhe wiederhergestellt, die Stimmung unter der Bevölkerung st atjer noch immer sehr unruhig. (^Der Rabbiner Temkin sandte ein Telegramm an Stolypin md'an den Deputierten Pergament. In Beantwortung dieses Telegramms erklärte Pergament, daß der Premier ihm persönlich erspr'Ö.chen habe, alle Mittel zur Abwehr von antisemitischen Ausbreitungen zu unternehmen. Die Vertretung der jüdischen Interessen in der T\; Reichsduma Nach den ^Mitteilungen einiger jüdischen Zeitungen befaßt sich -in gewisser Kreis der polnischen Juden, welche keinen eigenen Vertreter in der Duma besitzen, mit der Ausarbeitung eines Memoials, das dem Deputierten des Gouvernements Petersburg, W. M. Hessen, überreicht werden soll. In dem Memorial, für welches :ahlreiclie Unterschriften gesammelt werden, wird Hessen ersucht, üe Vertretung der Interessen der polnischen Juden in der Duma ai übernehmen. Die Hauptforderungen des Memorials sind folgende:!. Die Juden erklären die Autonomie Polens für durchaus notwendig, aber im Falle ihrer Realisierung verlangen sie die Gewährung üer .Rechte einer Minderheit. 2. Wenn die Duma die Frage der \Torraalr,uhe behandeln wird, darf nicht vergessen werden, daß die luden iifc,j]t gezwungen werden können, zwei Tage wöchentlich zu eierii oder den Sabbat zu entweihen. 3. Wenn im Königreiche ^oleri die polnische Schule eingeführt werden wird, sollen die Juden Jas Recht und die Möglichkeit haben, ihre Kinder in jüdischen Schulen zu-erziehen. Dank den Henkern von Siedice Die „Rjetsch" ist in der Lage, einen Ukas zu veröffentlichen, der am 20. Februar 1907 an die Militärabteilungen des Warschauer Bezirk es, .verschickt wurde und folgendes besagt: „iArh 26. August vorigen Jahres wurde um 91/* Uhr gegen den Posteni/der bei der Hauptwache in der Stadt Siedice Wache hielt, plötzlich von unbekannten Missetätern Feuer eröffnet. Das Feuer wurde auch gegen die aus der Hauptwache herbeigeeilte Patrouille gerichtet, wobei einem Soldaten der Hut durchschossen wurde; bei einem zweiten hat eine Kugel das Gewehr getroffen und ihm leicht einen Finger verletzt. Die Patrouille ihrerseits erwiderte das Feuer, indem sie es gegen die Bodenwohnungen der Nachbarhäuser richtete. Gleichzeitig wurde eine andere Patrouille, die sich im Hofe der Polizeiverwaltung befand, beschossen, und auch in den andern Stadtteilen wurden Schüsse hörbar. Die durch das Signal „Alarm" konzentrierte Garnison der Stadt Siedice, im ganzen 12 Abteilungen, unter der Führung des Obersten Fichanowsky, machte sich an die Durchsuchung der Häuser und der Gärten, aus denen die Schüsse ertönten, indem sie die Revolverschüsse durch Schnellfeuer zu unterdrücken suchte. Diese Haussuchungen führten aber bei der Unerfahrenheit des Militärs und der Unebenheit des Terrains zu keinerlei befriedigenden Ergebnissen, während die Schüsse aus den obern Stockwerken und hinter den Zäunen her fortdauerten und unter den Soldaten große Erregung hervorriefen. In der Nacht vom 27. August kam die Reservebatterie der 48. Artilleriebrigade in Siedice an und in der folgenden Nacht das 195er Dudner Regiment. Auf dem Wege vom Bahnhof zum Zentrum der Stadt wurde das Militär durch unaufhörliche Revolverschüsse aus den Häusern und Gärten attackiert. Da das Beschießen der oberen Stockwerke der steinernen Häuser resultatlos blieb und das unaufhörliche Dienstleisten der Soldaten sie äußerst ermüdete, wurde am Morgen des 28. August befohlen, die Häuser, woher - eine besonders starke Schießerei ertönte, mit Granaten zu beschießen, wobei die notwendigen Maßnahmen getroffen wurden, um Feuersbrünste und zu viele Menschenopfer zu vermeiden. Das hat seine Wirkung nicht verfehlt und die Aufrührer stellten ihre Schießerei ein. Indem ich die Tätigkeit des Militärs bei der Unterdrückung dieses revolutionären Aufruhrs voll anerkennen will, muß ich feststellen, daß es während einer gefährlichen und äußerst ermüdenden Dienstzeit von 30 Stunden im Sinne seiner Militärpflicht und seines Eides handelte. Es kamen zwar einzelne Ausschreitungen der Soldaten vor, wofür die Schuldigen ihrer Strafe nicht entgingen. Die schnelle Unterdrückung des Aufruhrs aber, der sich zu einer Gefahr für das ganze Gebiet entwickeln konnte, muß ich der Standhaftigkeit aller aktiven Abteilungen zuschreiben und der besonderen Energie und Geistesgegenwart ihrer Anführer der Obersten Tichanowsky und Wolschinsky. Daher mein herzlicher Dank allen mutigen Soldaten und ihren Oberkommandierenden und den anderen Offizieren. Hingegen kann ich dem gewesenen Generalgouverneur von Siedice, dem Generalmajor Engelke, mein Befremden über sein