Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Bonyhäd (Ungarn). Der neubegründete zionistische Mädchen-5 verein „Jehudith" hielt am 3. d. M. seinen ersten mit Vorträgen! verbundenen „Handarbeiten-Nachmittag" ab. Bei diesem Anlasse schilderte Lehrerin Celia Spitz das Wirken der hervorragenden jüdischen Frauen der Vergangenheit und kam besonders eingehend' auf Judith zu sprechen. Frl. Esther Kohn rezitierte den „Jüdischen Mai" von Morris Rosenfeld in ungarischer Obersetzung. Zum Schlüsse las Frl. Katharina Hermann aus dem Wochenabschnittevor. Wien. (Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl".) Im abgelaufenen Semester wurden im zionistischen Seminar 43 Vorträge abgehalten, die folgende Disziplinen behandelten: Zionismus 5 mal, Palästinakunde 11 mal, jüdische Literatur 9mal, hebräische Literatur 9 mal, jüdische Literatur in deutscher Sprache 1 mal, jüdische Geschichte 8mal. Die Vereinsbibliothek wuchs in diesem Semester um ca. 100 Bände und zählt gegenwärtig an 700 Bände meist jüdischen Inhaltes. Im Verein lagen 20 jüdische Zeitungen auf. — Nach außen betätigte sich der Verein weniger. Es wurde eine Rosenfeldfeier veranstaltet, die in der Presse glänzend besprochen wurde und einen Reinertrag von 420 K. zu Gunsten des Dichters brachte. Einzelne Mitglieder waren im jüdischen Bildungsverein tätig, einige hielten Vorträge unter den Mittelschülern. Außerdem wurde die Redaktion und Administration der Monatsschrift „Unsere Hoffnung" ganz von Vereinsmitgliedern besorgt. Für den Nationalfonds war Selbstbesteuerung eingeführt, und außerdem konnten durch Sammlungen ca. 100 K. abgeliefert werden. — Das Resultat der Ausschußwahlen für das Sommersemester: exp. Artur Holzer, Präses; tech. Artur Felix, Vizepräses; phil. Emil Pollitzer, Schriftführer; exp. Adolf Beer, Kassier; med. Hugo Eben, Bibliothekar. Wien. (Verein jüdischer, jugendlicher Arbeiter Wiens.) Bei der am 10. ds. Mts. im Kongreßlokal, II. Türkenstraße 9 abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Mitglieder in den Ausschuß gewählt: 1. Obmann: Klinenberger; 2. Obmann: Fränkel; 1. Schriftführer: Kuschnier; 2. Schriftführer: Moses; Kassier: Körner; Bibliothekar: Brecher; Kassarevisoren: Körpner und Tortschiner. — Jeden Sonntag Vorträge und Diskussionsabende. — Rechtsschutz für Lehrlinge. — Bibliothek. K o 1 i n. Hier fand am 9. März eine Versammlung statt, in der Herr Baurat Marmorek über,,die Juden und ihre Politik" sprach. Berlin. Sonntag, den 17. März 1907, fand zum Besten der Ferien-Kolonien für jüdische Kinder im Feen-Palast ein großes öffentliches Schauturnen des Jüdischen Turnvereins „Bar Kochba" vor einem etwa 3000 köpf igen Publikum statt. 200 Turner und Turnerinnen aus sämtlichen Abteilungen des Vereins zeigten in den vorgeführten Frei- und Stab Übungen, Pyramiden, Geräteturnen und Reigen ein hohes Maass von Disziplin und Exaktheit. Von Einzelleistungen sind die Reckübungen;}:.der Musterriege besonders rühmend hervorzeheben. Herr Dr. Franz Oppenheimer fand in seiner Ansprache treffende Worte für das Wirken des Vereins, die jüdische Jugend durch körperliche Betätigung zu Kraft und Mut, zu Schönheit und Glück zu führen. Rundschreiben des Zentralkomitees der russischzionistischen Organisation In Anbetracht dessen, da(3 die für Chanukkah angesetzten Schekeltage wegen der zu jener Zeit notwendigen Wahlkampagne nicht gut ausgenutzt werden konnten, schlägt das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation den Schekelzahlern und den Vereinen vor, ergänzende Schekeltage während der Chol-Hamoedtage von Pessach abzuhalten. Das Zentralkomitee ist überzeugt, daß alle unsere Gesinnungsgenossen ohne Ausnahme es begreifen werden,- daß es äußerst notwendig ist, wegen des in diesem Jahre stattfindenden zionistischen Kongresses an den erwähnten Tagen die Organisation der Schekelsammlungen zu betreiben. ooooooooooooooo C NOTIZEN 3 o o o o o ooooooooooooooo o Ein Verein für jüdische Statistik in Holland In jüdisch-wissenschaftlichen Kreisen der Niederlande geht man mit dem Plane um, einen „Verein für Statistik und Demographie der Juden in Holland" zu gründen. Dieser Verein soll ganz im Sinne des „Vereins für Statistik der Juden" in Berlin und mit ihm zusammen arbeiten. Die Anreger dieser Idee haben an eine Anzahl jüdischer und nichtjüdischer Männer der Wissenschaft ein Rundschreiben geschickt, worin sie darauf hinweisen, wie sehr die Statistik und Demographie der jüdischen Rasse nicht nur für diejenigen, die eine Lösung der Judenfrage suchen, sondern auch vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus interessant seien. In dem Rundschreiben sind weiter die nach deutschem Muster unterschiedenen Arbeitszweige genannt, welche die Tätigkeit des Vereins umfassen soll. Bei genügender Beteiligung wird in kurzem die Gründungsversammlung stattfinden. Eine deutsch-jüdische Palästinareise Zu dem Zwecke, den deutschen Juden eine möglichst billige und bequeme Gelegenheit zu einer Palästinareise zu bieten, hat sich ein provisorisches Komitee zur Realisierung einer Palästinareise gebildet, das die Vorarbeiten dieses Projektes übernommen hat und die Anmeldung zu der Reise, welche gleich nach den jüdischen Feiertagen im Oktober angetreten werden soll, entgegennimmt. Um die sehr umfangreichen Vorarbeiten im Interesse der Teilnehmer möglichst gründlich erledigen und die Zahl der Mitreisenden zeitig übersehen zu können, wird Herr Dr. Arthur Kahn in Charlottenburg, Englische Straße 30, als Vorsitzender des provisorischen Komitees, bereits jetzt Anmeldungen entgegennehmen, bez. Auskunft erteilen. Es sind Vorrichtungen getroffen, daß auch Damen an dieser Exkursion teilnehmen können. Aus der Geschichte der Frankfurter Juden In der Einleitung einer demnächst erscheinenden Schrift „Stammbuch der Frankfurter Juden" von Rechtsanwalt Dr. Alexander Dietz schildert der Verfasser die Lage der Frankfurter Juden im Mittelalter und ihre Lebensverhältnisse. An der Hand eines Feuilletons der „Frankfurter Zeitung" geben wir hier aus den Mitteilungen des Verfassers einzelnes im Wortlaut wieder: Wie jedes Ding in der Welt zwei Seiten hat, so zeitigte, auch die Abgeschlossenheit der Juden für sie manches Gute. Während sie es in den übrigen deutschen Städten nur schwer zu einen- Gemeindeleben gebracht haben, konnten sie bei dem entgegenkommenden Verhalten des Frankfurter Rates ihr Streben, miteinander zu leben, hier voll befriedigen und sich eine eigenartige Welt schaffen, in welcher sie sich glücklich gefühlt haben. Die Juden schaft bildete eine in ihren Mauern geschützte, einheitliche Sonder gemeinde mit eigener Verfassung, eigenem Recht und, was das wichtigste für sie war, mit unbeschränkter Religionsausübung Wenngleich die Juden sicherlich durch innere und äußere Umstände in erster Linie auf das Geld- und Pfandleihgeschäft angewieserwaren, so habe ich eine Reihe von Beweisen in den Händen, dal sie bereits am Ende des Mittelalters, wo es die Verhältnisse nu< irgend gestatteten, sich auch an dem Warenhandel beteiligt um versucht haben, sich Gewerben zu widmen. So finden wir in de: Zeit von 1490 bis" 1530 hier einen Schwarzfärber, einen Glaser, einen Zeugmacher und einen Goldschmied. Bei einer im Jahre 149: zu Münster abgehaltenen jüdischen Hochzeit befanden sich unte; den Gästen ein Schwertfeger, ein Würfelmacher und drei Mühlen macher.' Seitdem die Judengasse am Wollgraben steht, hat es ir ihr Altkleiderhändler gegeben. Salmann Sack von Nürnberg besaf. um 1500 eine Kupferhandlung, und Beer Buchsbaum vereinigte sich etwa 1520 mit zwei andern Juden zum Betrieb einer großen Tuch handlung. Mit der zunehmenden Zahl und Sicherheit der Gemeinde hielt die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ihre Mitglieder gleichen Schritt. Eine herrschende Kaste, ein jüdische: Patriziat, kam auf, welches die ganze Gemeindeverwaltung beherrschte, Ich denke hierbei namentlich an die Familie Kann, gegen derer Übermacht sich zwei regelrechte Aufstände gerichtet haben. Eine Reihe von reichen Familien gab es, welche gut ausgestattete Häuser mit zahlreicher Dienerschaft, Köchin, Haushälterin, Kinderfrau. Diener, Hauslehrer, Knechten und Mägden bewohnten. Wenn man auf die Intoleranz und den religiösen Fanatismus früherer Zeitei gebührende Rücksicht nimmt und das harte Verhalten der übrigen Reichsstädte, wie Köln, Nürnberg, Ulm, gegenüber der Judenfrage in Betracht zieht, wird man dem Frankfurter Rat die Anerkennung zollen müssen, daß er seine Juden gerecht und men chlich behandelt