Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316255--49111-3344035- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. Ii NEBELT 17 Das Judentum hat eine Niederlage erlitten, nicht zufällig, sondern kraft einer objektiven Notwendigkeit. Trotzdem ist unsere Wahlarbeit nicht ganz vergebens gewesen und wird für die Zukunft des russischen Judentums von großer Bedeutung sein. Wir treten nicht für den oder jenen Kandidaten ein, sondern für die Verwirklichung bestimmter Prinzipiell und ihrer Einführung in das Bewußtsein der Massen. Diese Prinzipien sind kurz ausgedrückt die folgenden: Wir müssen für uns, soweit dies für ein im Golus lebendes exterritoriales Volk möglich ist, die Bedingungen einer normalen Selbstbetätigung und Unabhängigkeit in allem erkämpfen, was unsere eigenen Interessen anbetrifft. Die Juden dürfen sich nicht.in Gruppen auflösen, ihr Wohlergehen liegt begründet in ihrer Vereinigung und ihrer Organisation. Als Mittel dazu muß in das Bewußtsein des Volkes die Oberzeugung eingepflanzt werden, daß wir in allen uns betreffenden Dingen selbst die höchste Instanz darstellen, das heißt in unseren autonomen Einrichtungen, anfangend von den einzelnen Gemeinden und endend bei den allgemeinen nationalen Versammlungen und Kongressen. Gesinnungsgenossen! Der Mißerfolg, den das ganze russische Judentum erlitten hat, soll uns in unserm Kampfe nicht hindern. Aber indem wir unsern Kampf für die bürgerlichen und nationalen Rechte in Rußland fortsetzen, dürfen wir nicht vergessen, daI3 dies alles nur ein Palliativmittel ist. Das Grundübei ist unsere exterritoriale Lage. Die Zionisten müssen ihre Arbeit energisch nach dem ein für allemal festgesetzten Plane fortsetzen. Wir wenden uns deswegen an alle Gesinnungsgenossen mit der dringenden Aufforderung, eine möglichst energische zionistische Tätigkeit zu entwickeln. Denn je stärker die zionistische Organisation sein wird, desto erfolgreicher wird auch unsere nationalpolitische Tätigkeit hier für die russischen Juden sein. Und nur ein gestärktes Judentum kann uns die Renaissance unseres Volkes bringen. Die russisch=zionistische Organisation an die Duma Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland hat zur Eröffnung der Duma folgendes Telegramm abgesandt: Dem Herrn Vorsitzenden der Gossudarstwennaja Duma! Die Zionistische Organisation in Rußland, %die die Interessen des zu neuem Leben aufstrebenden jüdischen Volkes vertritt, begrüßt mit der Eröffnung der zweiten Gossudarstwennaja Duma die Neuaufrichtung Rußlands auf den Grundlagen der bürgerlichen Freiheit, der nationalen Gleichberechtigung und der sozialen Gerechtigkeit. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland. Der Vorsitzende: Rosenbaum. In Odessa gelang es, nachdem so lange keine legale Gründung möglich war, die Erlaubnis zur Eröffnung eines zionistischen Klubs zu bekommen. Diese Tatsache wurde von den Odessaer Zionisten mit großer Freude begrüßt, und es sind sofort an Spenden und Mitgliederbeiträgen 700 Rubel gesammelt worden. Allseits wird erhofft, daß dieser Klub, dessen Vorsitzender Dr. Sapir ist, sich zu einem Mittelpunkt des geistigen zionistischen Lebens in Odessa entwickeln wird, zumal geplant ist, in seinen Räumen öffentliche Kurse, Vorträge und Vorlesungen über zionistische und jüdische Fragen abzuhalten, eine reichhaltige Bibliothek zu eröffnen usw. Die offizielle Eröffnung des Klubs erfolgt in den Pessachtagen. Ein Vortrag Dr. Franz Oppenheimers in Wien Am 1. März hielt Dr. Oppenheimer auf Einladung des „Jüdischen Kolonisationsvereins" in Wien einen Vortrag über „Siedlungsgenossenschaftliche Kolonisation in Palästina." Der Vortrag war von etwa 500 Personen besucht und wurde mit begeistertem Beifall aufgenommen. Der Rednererörterte zuerst die Notwendigkeit, den jüdischen Proletariermassen des Ostens, die zur Auswanderung gezwungen sind, ein geeignetes Immigrationsgebiet zu schaffen. England und Amerika sperren sich gegen die ostjüdischen Arbeiter, die als Vertreter überholter Wirtschaftsformen, rückständiger Kultur in eine hochentwickelte kapitalistische Gesellschaft kommen, immer mehr ab, während Palästina, ein menschenarmes, für große Besiedlungen durch seine Bodengestaltung und kommerzielle Lage nach jeder Hinsicht geeignetes Land, das ostjüdische Menschen material braucht und genügende Fassungskraft für Einwanderer besitzt, die dort erst ackerbaufähig gemacht, physisch gekräftigt, beruflich erzogen werden sollen. Die Kolonisation Palästinas könne nur durchgeführt werden auf Grundlage der genossenschaftlichen Organisation. Der Vortragende entwickelt nun die Idee einer siedlungsgenossenschaftlichen Organisation, deren Erfolg in Palästina nicht nur zur Lösung der Judenfrage beitragen müsse, sondern auch in der Richtung der allgemeinen Kultur liege. Der zweite Teil des Vortrages beschäftigte sich mit den Einwänden gegen siedlungsgenossenschaftliche Theorien und wiederlegte hauptsächlich die Bedenken, welche wegen des Fehlschlagens der industriellen Genossenschaftsformen auch die landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften für ungeeignet erklären. Im Schlußwortforderte Dr. Oppenheimer alle Organisationen, die sich mit der Kolonisation Palästinas beschäftigen, zum Zusammenschluß und zur gemeinsamen Organisierung praktischer Palästinaarbeiten auf. Der Präsident des Vereines Baurat Stiaßny sprach dem Redner den Dank und die Anerkennung der Versammlung aus. Nach dem Vortrage fand zu Ehren Dr. Oppenheimers ein Bankett statt, an dem auch der gerade in Wien weilende Präsident des A. C. Herr Wolffsohn teilnahm. Chargenwahlen für das Sommersemester Akademische Verbindung „Libanonia", Wien: med. Gustav Jellinek X ing. Rudolf Lindner XX med. vet. Walter Kulka XXX Akademische Verbindung „Kadtmah", Wien: cand. med Felix Deutsch X cand. ing. Ernst Reizes XX stud. ing. Anton Diamant XXX Akademische Verbindung „Unitas", Wien: cand. iur. Bernhard Markus X cand. med. Max Platschek XX cand. med. Moritz Tischler XXX Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar Kochba", Wien: Präses: iur. Moses Stockei, Vizepräses: techn. Hillel Bazar, I. Schriftführer: iur. Wilhelm Schenkel, II. Schriftführer: iur. Mendel Schmorak, Kassier: techn. Josef Franzos. Jüd. akad. Verbindung „Maccabaea", Wien: J. U. C. Karl Stiaßny, X (XXX), Ing. Viktor Popper, XX. Ing. Moritz Freundlich, XXX. Brünn. Jüd.-akad. Verbindung „Veritas": Hermann Zeisel, Präses; Emil Grätzer, Vizepräses.; Oskar Wolf, Schriftführer. Brünn. Jüdisch-akad. Lese- und Redehalle: Präses: ing. Arthur Buch walder; Vizepräses: ing. Paul Brammer; I. Schriftführer: ehem. Paul Dub; II. Schriftführer: ing. Louis Schuster; I. Kassier: ing. Otto Klein; II. Kassier: ing. Sigm. Haas; Bibliothekar: ehem. Rieh. Bardach; Zeitungswart: ing. Arthur Stekelmacher. Graz. (Verein „Zion".) Ergebnis der Chargen wählen: Obmann: Julius Grüner; I. Obmannstellvertreter: Gustav Mamlok; II. Obmannstellvertreter: Oskar Freudmann; Schriftführer: jur. Ludwig Fuchs; I. Schriftführerstellvertreter: jur. Emil Strauß; II. Schriftführerstellvertreter: Karl Schwarz; Kassier: cand. ing. Gustav Hirschhorn; I. Kassierstellvertreter: Karl Preis; II. Kassierstellvertreter: Alexander Braun. Verschiedenes Berlin. (Kartell zionistischer Verbindungen.) Unsere österreichischen zionistischen Kommilitonen, die im kommenden Semester an einer deutschen Hochschule zu studieren beabsichtigen, bitten wir um freundliche Angabe ihrer Adressen, damit wir mit ihnen in Fühlung treten können. Gleichzeitig werden die Herren, denen in den letzten Tagen unser Rundschreiben zugegangen ist, um gefl. Beachtung bezw. baldige Erledigung desselben gebeten. Die Präsidialverbindung im K. Z. V. „Hasmonaea" Berlin, I. A.: cand. jur. Hermann Schmul, Berlin N. W., Lübecker Str. 47 II. Berlin. Reger Teilnahme erfreute sich die gestrige iMitgliederversammlung der hiesigen Misrachi-Gruppe, zu der sich auch der bekannte Historiker W. Jawitz eingefunden hatte. Herr Hermann Struck machte verschiedene Vorschläge für die Tätigkeit des Vereins, woran sich eine lebhafte Aussprache der Mitglieder anschloß. Es wurde u. a. beschlossen, eine Rundfrage über das Thema „Zionismus und gesetzestreues Judentum" an namhafte gesetzestreue Persönlichkeiten zu richten.