Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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dustrie war wichtig für die Entscheidung über mancherlei Fragen praktischer Art. Insbesondere interessierten Herrn Wolffsohn die in iiingsterZeit unternommenen verschiedenartigen Boden-Ameliorations- und technischen Verlesserungsversuche, von denen er bei emsiger und rationellan-Fortführung sehr gute Ergebnisse erhofft. An den meisten Orten wareiiierfreuIicherFortschrittwahrzunehnien. In vielen Kolonien niacht sich der kräftige Pulsschlag eines neuen Lebens bemerkbar. Viele Anfänge lassen trotz der naturgemäßen Schwierigkeiten die Keime künftiger Ersprießlichkeit erkennen. Die Brstarkung des nationalen Geistes, die großen Fortschritte und die ungeahnte Ausbreitung der , lebenden hebräischen Konversationssprache in Palästina liegen klar und. glanzvoll zutage. In allen diesen Merkmaien der jüdischen Renaissance sah Herr Wolffsohn die Gewähr des Wachstums und der besseren Zukunft unserer hebräischen Kultur. Auf seiner Reise besuchte Herr Wolffsohn auch zahlreiche jüdische Schulanstalten, unterhielt sich eingehend mit den Zöglingen und hatte reichlich Gelegenheit, den erfreulichen Stand des Erziehungs- und Unterrichtswesens kennen zu lernen, Öie bedeutsamste Erscheinung, die Herr Wolffsohn während seiner Reise iri Palästina wahrzunehmen Gelegenheit hatte, war die Entwicklung der „Anglo Palestine Company". Diese Bankanstalt in Jaffa und ihre Töchteranstalten haben nach seiner Überzeugung eine neue Epoche in der Geschichte der palästinensischen Kolonien eingeleitet. Sie haben die wirtschaftliche Position der Kolonisten vielfach gestärkt und den praktischen Unternehmungsgeist unter ihnen erweckt. Nicht bloß diejenigen Personen, die sich im zionistischen Lager befinden, sondern auch ganz abseits stehende Kreise stimmen darin überein, daß die Anglo Palestine Company schon jetzt Außerordentliches geleistet und manches zuwege gebracht hat. was den philanthropischen Institutionen trotz ihrer Geldmacht bisher nicht geglückt ist, vor allem dadurch, daß dank ihr der kaufmännischwirtschaftliche Geist einkehrte. Über die Frage der Begründung neuer Filialen hat Herr Wolffsohn an Ort und Stelle zweckdienliche Erhebungen angestellt. Während seiner Anwesenheit in Palästina war es Herrn Wolffsohn auch vergönnt, die ersteh Bäume des Nationalfonds anpflanzen zu können, ein erhebender Moment in der Geschichte unserer Bewegung. Auch den „Bezalel" hat der Präsident des A.C. eingehend besichtigt und stimmt mit allen, die Gelegenheit hatten, das junge Institut kennen zu lernen, darin überein, daß hier in kurzer Zeit sehr Verheißungsvolles geleistet wurde. Es wäre noch ein Wort über die vielen Begrüßungsfeiern, Empfänge, Reden, Adressen usw. zu sagen. Sie waren weit mehr als bloße dekorative Schaustellungen. Sie zeigten, daß der Wiederburtsgedanke in den letzten Jahren in allen Kreisen des Volkes an Ausdehnung und Vertiefung gewonnen und daß sich auch das Verhältnis der anderen Parteien zu unseren Bestrebungen sichtlich gebessert hat. Die reale Arbeit, die verheißungsvollen industriellen Anfänge und vor allen'Dingen der Segen, den die Zweiganstalten der Anglo Palestine Company der heimischen Bevölkerung bringen, haben den Palästi nage danken dem Volke näher gebracht, und es steht zu hoffen, daß sich im Laufe der Jahre Hand in Hand mit der natürlichen Entwickelung dieser Institute der Kreis unserer Mitarbeiter und Mitstrebenden in Palästina selbst erweitern wird. Von Palästina reiste Herr Wolffsohn nach Konstantinopel und nahm daselbst einige Wochen Aufenthalt. Er wandte auch hier allen denjenigen Momenten, die für unsere Bewegung von Belang sind, sein besonderes Augenmerk zu. Die vielen Materialien, die Herr Wolffsohn in Palästina inbezug auf die notwendigen praktischen Unternehmungen und erforderlichen Maßnahmen gesammelt hat, wird er dem Aktionskomitee vorlegen. Zionistische Wahlkandidaturen in Osterreich Die Konferenz der galizischen Vertrauensmänner hat am 3. März endgültig folgende Kandidaten aufgestellt: Lemberg (III. Bezirk): Rabb. Dr. M. Brau de, Brody: Ad. Stand,Tarn opol: Dr. I.Schal it (Wien), Drohobyez-Turka-Skole-Bolechow: Advokat Dr. Gerson Zipper (Lemberg), IColomea: Rabbiner Dr. OsiasThon (Krakau), Stryj-Kalusz: Advokat Dr. Abraham Salz iTarnovvi, Bursztyn: Dr. David Malz, Buczacz: Rabbiner Schmelkes (Przemysl), Brzezany: Dr. S. Rappaport. Außerdem hat die jüdische Nationalpartei Kandidaten aufgestellt: in Wien-Leopoldstadt I Dr. Isidor Schalit und in Czernowitz Dr. Benno Straucher. Zur II. Gesellschaftsreise des Wiener Zionistischen Zentralvereins in Palästina Wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, stellen sich die Teilnehmerpreise für die II. Gesellschaftsreise nach Palästina, wie folgt: Reise nach Palästina (ausschließlich Route Damaskus - Chaifa) II. Klasse 950 Kronen, III. Klasse 700 Kronen. Ab Konstantinopel : II. Klasse 700 Kronen, III, Klasse 500 Kronen. Preisausschreiben des Kartells Zionistischer Verbindungen Seit einer Reihe von Semestern bemühen sich die im Kartell Zionistischer Verbindungen vereinigten Korporationen um die Propagierung des Zionismus unter den jüdischen Akademikern, Trotz mancher Hindernisse ist es uns gelungen, durch öffentliche Versammlungen wie durch interne Einzelarbeit unsere Idee erfolgreich zu vertreten und ihr neue Anhänger unter der heranwachsenden Generation zu gewinnen. Noch bleibt aber vieles zu tun übrig. Noch gibt es Hunderte von jüdischen Studenten, die vom Zionismus nichts wissen; denn die mündliche Agitation erreicht sie nicht, und es fehlt an einer Schrift, die insbesondere dem jüdischen Studenten in Deutschland Interesse für die nationaljüdische Bewegung abgewinnen könnte. Daher hat das Kartell Zionistischer Verbindungen beschlossen, einen Preis von Mk. 50. - auszusetzen für die beste Agitationsbroschüre über das Thema: „Der jüdische Student und die nationaljüdische Bewegung4'. Als Preisrichter fungieren die Herren: Rechtsanwalt Dr. Hantke, Rechtsanwalt Dr. Pinkus und Dr. med. Zwirn, sämtlich in Berlin. Die Broschüre muß besonders die deutschen Verhältnisse berücksichtigen, in deutscher Sprache geschrieben sein und darf zwei Druckbogen 8° nicht übersteigen. Die Manuskripte sind an der Spitze mit einem Kennwort zu versehen und bis zum 15. Juli 1907 an den Vorsitzenden des Preisrichterkollegiums, Herrn Rechtsanwalt Dr. Hantke, Berlin, Kaiser Wilhelmstr. 3, einzusenden. Der Sendung ist ein verschlossenes Kouvert beizufügen, das das Kennwort des Verfassers trägt und seinen Namen nebst Adresse enthält. Das Resultat des Preisausschreibens wird bis zum 1. September 1907 bekannt gegeben werden. Alle Rechte an der preisgekrönten Schrift gehen an das Kartell Zionistischer Verbindungen über. Die 1. t. im K. Z. V. präsidierende Verbindung Hasmonaea. Rußland Zirkular 5 des Zentralkomitees der zionistischen Organisation in Rußland Die Wahlkampagne ist zu Ende. Die Zeit ist gekommen, die Folgerungen zu ziehen und sich klar zu werden über diejenigen Momente, die eine spezielle Bedeutung für die Juden überhaupt und für die Zionisten im besondern besitzen. Wir müssen die Ursache der überraschenden Tatsache erkennen: des Durchfalls aller für die Duma aufgestellten jüdischen Kandidaten ohne Unterschied der Partei -und" der Bewegung. Eines ist klar: Nicht die eine oder andere jüdische Partei, nicht die eine oder andere Richtung im Judentum, sondern das ganze Judentum hat bei den letzten Wahlen einen erschreckenden Mißerfolg erlitten. Die Zionisten haben aktiven Anteil an der zu Ende gegangenen Wahlkampagne genommen nicht wegen ihrer Parteiinteressen, sondern im Interesse der wesentlichen und unaufschiebbaren Forderungen des ganzen jüdischen Volkes. Wir strebten damit an, das Selbstbewußtsein der breiten jüdischen Massen zu erwecken und zu heben, indem wir sie über diejenigen Bedingungen aufklärten, unter denen das jüdische Volk Rußlands am besten seine materiellen und geistigen Bedürfnisse wird befriedigen können. Wir bemühten uns,