Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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14 DIE^ELT No. 11 auftragte nun zwar die Provinz-Gouverneure, eine Statistik über die Zahl der Juden, und die Art ihrer Beschäftigung zusammenzustellen, aber über diese statistischen Vorarbeiten ging seine Tätigkeit nicht hinaus. Als zuBeginn dieses Jahres die Abteilung des Senats für Bürgerrechte eine Reihe von Gesetzesprojekten zu der für Ende März bevorstehenden Session des neuen Landtags vorbereitete, erwartete man allgemein auch die Vorbereitung eines Projektes, betreffend die jüdischen Rechte. Da aber auch diesmal nichts geschah, wurden abermals und in wieder gesteigertem Umfange Volksversammlungen veranstaltet, in denen der Judenemanzipation freundliche Resolutionen angenommen wurden. Diese Resolutionen, fast überall dieselben, lauten ungefähr folgendermaßen: „Die allgemeine Volksversammlung (in irgendeiner Stadt, an irgendeinem Tage; drückt ihre Entrüstung einer Regierung aus, die das Land durch judenfeindliche und die Juden unterdrückende Verordnungen mit Schmach bedeckt hat. Da Schweden, von dem Finnland das die Lage der Juden betreffende Reglement aus dem-Jahre 1872, das jeder Humanität spottet, übernommen hat, längst gleich dem übrigen Europa sein Verhalten den Juden gegenüber geändert hat und sie mit dem gleichen Maße von Gerechtigkeit behandelt wie seine anderen Bürger, betrachtet es die allgemeine Volksversammlung als unbedingt notwendig, unverzüglich die gesetzliche Stellung der Juden in Finnland zu ändern und so einen Schandfleck vom Namen des finnischen Volkes wegzuwaschen. Demgemäß ersucht die Volksversammlung den Senat, ein entsprechendes Gesetzesprojekt auszuarbeiten, damit die zukünftige Session des Landtages zugleich mit den andern Fragen auch die uns kompromittierende schändliche Judenfräge endgültig lösen könne." Trotz des in diesen Resolutionen klär ausgesprochenen Willens des Volkes ist noch immer von einer entsprechenden Tätigkeit des Senates nichts zu bemerken..... Indessen sind die Wahlen schon sehr nahe. Keine der sich an den Wahlen beteiligenden Parteien berührt mit irgendeinem Worte in ihrem Prog-ammc die Judenfrage, da ihr Verhalten in dieser Frage selbstverständlich ist. Die beiden bedeutendsten Parteien in Finnland, die der Konstitutionalisten und der Sozialdemokraten, sind unbedingt für die Gleichberechtigung der Juden. Nur die Altfinnen haben sich einige Male in ihrem Zentralorgan „Rusi Suometar" gegen die Juden geäußert. Das hat jedoch keinen großen praktischen Wert, da die beiden oben 'erwähnten Parteien im Landtag eine überwiegende Mehrheit repräsentieren werden. Es ist demnach zu erwarten, daß eine dieser Parteien, von ihrem Rechte der gesetzgeberischen Initiative Gebrauch machend, ein -Projekt über die Gleichberechtigung der Juden einbringen wird, das hoffentlich auch angenommen werden wird. o O O^jj ooooooojj AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o I o o o o o o o I Mania Grünzweig i Die Präsidentin des zionistischen Frauen- und Mädchenvereins von Antwerpen, die Gattin unseres verehrten Gesinnungsgenossen Herrn Heinrich Grünau-Grünzweig, Mitgliedes des großen A. C, Frau Mania Grünzweig, starb nach längerem schmerzvollem Leiden in der Nacht von Freitag auf Samstag den 2. März d. J. im 33. Lebensjahre. Unsern geschätzten Gesinnungsgenossen traf dieser harte Schlag, nachdem er erst vorigen Monat seine geliebte Mutter durch den Tod verloren hatte. Frau Mania Grünzweig war die Verkörperung eines der erlesensten jüdischen Frauentypen. Wem es vergönnt war, auch nur ganz flüchtig ihre Bekanntschaft zu machen, dem wird sie ewig unvergeßlich bleiben. Die liebevollste Gattin und Mutter, die pflichtgetreuste Hausfrau, die selbstloseste Freundin, die begeistertste Mitkämpferin für alles Ideale, für alles Schöne, für Recht und Freiheit, das alles war diese feingebildete, wahrhaft jüdische Frau. Unermüdlich war sie für die zionistische Bewegung tätig. Die Sache unseres leidenden Volkes war ihr eine Herzensangelegenheit; und mit ihrem leidenden Herzen, mit ihrem klaren Verstand folgte sie jeder Phase in der Bewegung, war sie immer dabei, wo es galt, etwas für die Bewegung zu tun. Der Zionistische Frauen- und Mädchen-Verein Antwerpens, dessen Präsidentin sie bis zum Tode blieb, ist ihr Werk. Und wenn es heute in Belgien eine stattliche Anzahl Frauen und Mädchen gibt, deren Herzen für unsere heilige Sache entbrennen, dann ist das größtenteils dem voranleuchtenden Beispiel dieser Frau zu danken. Den Teilnehmern an der jüngsten Jahreskonferenz in Köln ist ihr feines, anmutendes Wesen, mit dem sie aller Herzen gewann, noch in frischer Erinnerung. Ihr kurzes, durch seelische Schönheit verklärtes, sonniges Dasein war ein Volleben, wie es nur wenigen Naturen eigen ist. Sie war eine Escheth Chail, — ein Heldenweib, eine-Musterfrau im Volke Israel, der nachzustreben die andern Frauen, die sie gekannt, die mit ihr gearbeitet haben, sich bemühen werden. Unsenn Freunde Herrn Heinrich Grünau - Grünzweig unser tiefstes Beileid! Sitzung des Engeren Aktions-Komitees Das Engere Aktionskomitee wird Montag den 18- März zu einer Sitzung zusammentreten. Abgesehen von den Mitgliedern des E. A. C. dürften aus diesem Anlasse auch mehrere andere zionistische Funktionäre in Köln eintreffen. Von der Reise des Präsidenten des A. C, Herrn Wolffsöhn Der Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Herr David Wolffsohn, ist von seiner viermonatigen Reisenach Köln zurückgekehrt und hat seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Er hatte bekanntlich einige Zeit in Südafrika geweilt, wo ihm die jüdischen Gemeinden, Verbände, Unterrichts- und Wohlfahrtsanstalten und insbesondere die Leitung und die lokalen Organisationen der Zionisten aller Orten einen festlichen Empfang bereiteten. Der südafrikanische Aufenthalt des Herrn Wolffsohn war, abgesehen von den Massenversammlungen, BegrüI3ungskundgebungen und sonstigen Veranstaltungen, dem vielfachen Gedankenaustausch und den mancherlei Anregungen, die er im Gefolge hatte, ein .folgenreiches Ereignis für die Anfachung, Belebung und Vertiefung der zionistischen Propaganda in Südafrika, das hoffentlich noch lange fruchtbringend nachwirken wird. Von Südafrika reiste Herr Wolffsohn nach Palästina und verweilte da fünf Wochen. Er besuchte die jüdischen Gemeinden in den verschiedenen Städten, durchkreuzte das ganze Land, besichtigte die alten und neugegründeten Kolonien, namentlich die vom Nationalfonds erworbenen Ländereien, und war überall bestrebt, den Stand der Dinge aus eigener Wahrnehmung kennen zu lernen, Nachdem er Judäa bereist hatte, wandte er sich nach Galiläa und nahm seinen Weg durch Syrien, Damaskus und Beirut, deren jüdische Gemeinden und Institutionen er besuchte, sodann über Kleinasien nach Konstaritinopel. Der Anglo Palestine Bank und ihren Zweiganstalten wandte Herr Wolffsohn sein besonderes Augenmerk zu und nahm die Gelegenheit wahr, die verschiedenen Vorschläge, betreffend den Ausbau dieser Bankinstitute, einer genauen Prüfung zu unterziehen. Der Besuch des Herrn Wolffsohn in Palästina hat viel dazu beigetragen, die Informations- und Vorbereitungsarbeiten in Palästina zu fördern. Die nähere Beobachtung der neueren Versuche und Anstrengungen auf dem Gebiete des Acker- und Weinbaues und der In-