Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 DIE^EELT 17 künftige politische Entwicklung zu einer Entmischung der Rassen und zu einer Sammlung der Völker hindrängt, so wird auch Juda einst seine zerstreuten Kinder aus der Fremde zusammenrufen und einen neuen nationalen Staat erleben." Die Elektrizität in Damaskus Damaskus, 7. Febr. Heute fand in Gegenwart des Generalgouverneurs von Syrien, Schukry Pascha, die feierliche Eröffnung des elektrischen Straßenbahn- und Beleuchtungsnetzes von Damaskus statt. Damaskus ist somit die erste Stadt in der Türkei, die über eine elektrische Straßenbahn- und Beleuchtungsanlage verfügt. Die Straßenbahn verbindet zunächst die beiden Vororte Salahiye und Meidan mit der Stadt, die ganze Strecke ist 54-00 Meter lang. Für später sind Erweiterungen nach andern Stadtteilen vorgesehen. Während der Nacht wird die Stadt von zunächst 1000 Bogen- und Glühlampen erleuchtet. Von 6 bis 7 Uhr, während des Abendgebets, wird die große Moschee von verschiedenen Bogen- und einer großen Anzahl Glühlampen malerisch beleuchtet. Die Konzession zu diesem Unternehmen wurde der Societe Anonyme Imperiale Ottomane de Tranrways et d'Eclairage Electriques in Damaskus, einer Gründung der Societe Generale de Cliemins de fer Economiques in Brüssel erteilt, die unter schwierigen Umständen in verhältnismäßig kurzer Zeit die auf der Höhe der Zeit stehenden Anlagen geschaffen hat. In dem 40 km von Damaskus entfernten El Tequieh ist eine Kraftstation angelegt, worin der Wasserfall des ßarada, der auch Damaskus durchfließt und dieser Stadt das Trinkwasser liefert, insofern nutzbar gemacht wird, als er Wasserturbinen von vorläufig 1000 eff. PK treibt, die durch Drehstrom-Dynamomaschineti elektrische Kraft erzeugen. Sie wird durch Transformatoren in Hochspannung umgewandelt und durch Freileitung in die Unterstation Damaskus geschickt. Hier wird die Hochspannung wiederum durch Transformatoren zu der Spannung von 3X550 Volt gedrosselt. Die Elektrizität treibt drei Drehstrom-Gleichstrom-Umformer, die 2X550 Volt Spannung abgeben. Mit der Lieferung und Montage der wichtigsten Teile der Gesamtanlage wurde eine bekannte Berliner Elektrizitätsfirma betraut, welche diese Arbeiten zur vollen Zufriedenheit der Unternehmung ausführte. Mit der Einführung elektrischer Betriebsanlagen in der Türkei ist ein weiterer Schritt im fortschrittlichen Sinne getan worden. Daß gerade das alte Damaskus die erste Stadt im türkischen Reiche ist, die eine elektrische Betriebsanlage hat, ist eben dem Umstände zu verdanken, daß eine billige Wasserkraft in der Nähe ist, die man dazu verwenden konnte. Die staatliche Kommission aus Konstantinopel, bestehend aus den Herren Hulussy Bey und Ferid Bey, hat in den letzten Tagen im Namen der osmanischen Regierung die Anlagen geprüft und die Erlaubnis zum Betrieb erteilt. Bei der heutigen Feier waren außer den schon genannten Persönlichkeiten die Spitzen der militärischen und Zivilbehörden des Wilajets Damaskus, sowie die angesehensten Beamten und Mitglieder der Munizipalität eingeladen. Eingeleitet wurde die Feier durch eine Ansprache des Generalsekretärs der Gesellschaft, der zum Schlüsse seiner Rede ein Hoch auf den Sultan ausbrachte. Hierauf sprach der Mufti ein Weihegebet, wonach zehn Hammel geschlachtet wurden, deren Fleisch unter den Armen der Stadt zur Verteilung gelangte. Sodann wurde die Nationalhymne und die Braban<;onne (die belgische Hymne) intoniert, während das Militär das Gewehr präsentierte. Der Wali, die Eingeladenen und die Musik bestiegen dann die drei ersten Motorwagen mit ihren Beiwagen, um die erste Fahrt durch die Stadt zu machen. Zum Schlüsse wurde auch das Personal der Gesellschaft bewirtet. Abends war die Stadt zum ersten Male festlich durch die elektrischen Lampen erleuchtet, auch die große Moschee und verschiedene elektrische Transparente verherrlichten den Sultan. Eine Entscheidung zugunsten der Sabbatruhe Wir lesen im Mainzer „Israelit": Ein bedeutsames und sehr erfreuliches Urteil wurde dieser Tage von einem französischen Gerichte gefällt. Vor dem Pariser Polizeigericht hatte sich ein jüdischer Partiewaienhändler wegen Übertretung des neuen Gesetzes über die Sonntagsruhe zu verantworten. Das Geschäft des Händlers befindet sich gegenüber dem Marktplatz St. Pierre. Die Märkte werden dort jeden Donnerstag und Sonntag abgehalten, weshalb der Mann sein Geschäft auch nur an diesen beiden Tagen offenhält. Er hatte für den Sonntag bei der Behörde um eine Erlaubnis nachgesucht, die ihm jedoch verweigert ward. Da er dennoch seine Gehilfen am Sonntag arbeiten ließ, wurde Anklage gegen ihn erhoben. Das Gericht, unter Vorsitz des Herrn Amiaud, sprach jedoch den Angeklagten frei, weil er seine Angestellten nur an sechs Tagen der Woche beschäftigte und damit dem Geiste des Gesetzes Rechnunggetragen sei. Diese Entscheidung, die von einer freien, hochentwickelten Rechtsauffassung zeugt, wie man sie gerade bei französischen Richtern öfter findet, ist um so wichtiger, als vor einiger Zeit mehrere Gesuche jüdischer Firmen gerade wie im vorliegenden Fall von der Departementsbehörde zurückgewiesen wurden. Der Judenfriedhof zu Newport Von H. W. Longfellow.i) Wie sonderbar! Die Juden, die hier schlafen Hart an der schönen Meerstadt Straßenrand, Sie ruhen still am nimmer stillen Hafen, Und ringsum tost der Lärm am lauten Strand. Im Hauch des Südwinds neigen alle Bäume Ihr Laubgezelt, bedeckt von Staub und Ruß, Ob dieser schlurnmerstill gewordnen Räume Geheimnisvollem Todes-Exodus. Manch einen Leichenstein umzieht des Alters Schatten, Schräg deckt das Mal ein Grab, das schon verfällt, Und mahnt an der Gesetze heilige Platten, Die Moses einst am Bergesfuß zerschellt. Der Namen Töne selbst erklingen eigen: Aus fremden Zungen, Landen, nah und weit, Schlingt sich um Alvar und River im Reigen Jakob und Abraham aus grauer Zeit. „Gott sei gepriesen, der den Tod geschaffen!" Sie klagten's dumpf: denn Frieden bringt das Grab; —- Doch sie vertrauten ihren Glaubenswaffen: „Weil Er uns auch ein ewig Leben gab!" Geschlossen ist das Tor der Synagoge, Kein Psalmenchor, der je die Ruhe brach; Kein Rabbi liest im alten Dekaloge Die Worte hehr die ein Prophet einst sprach. Dahin die Lebenden . . . Nicht so die Toten! Sie blieben uns, weil hier geheime Hand In reicher Fülle frischer Frühlingsboten Erinnerungskränze um die Gräber wand. Wie kamen sie hieher? War's Haß der Christen, Blindwütend grollende Unduldsamkeit, Die sie davon trieb über Meereswüsten, Hagars und Ismaels der Menschenheit? Gepfercht in düster-winkligen Gebäuden, In Judenstraß' und Ghetto, Schmutz und Kot, Geduldig trugen sie der Prüfung Leiden, Voll Qual das Dasein und den -- Feuertod. Ihr Lebelang stillt' ungesäuert Brot nur, Der Furcht und der Verbannung herbes Kraut, Des wunden Herzens bittre Hungersnot nur, Den Durst hat Marahs Tränenflut betaut. Anathema maranatha! Dies Schreien Von Haus zu Haus, von Ort zu Ort ertönt', An jedem Stadttor galt's den Mordecheien, Von Christen angespie'n, verflucht, verhöhnt. Wohin auf Erden sie ihr Schritt getragen, Es gingen Stolz und Demut Hand in Hand, Wenngleich wie Sand getreten und geschlagen, Sie blieben fest gleich einer starren Wand. Vor ihrem Geiste schwebten die Gestalten Von Patriarchen und Propheten, hehr; Sie sah'n das hohe Erbe ihrer Alten Sich spiegeln in der Zukunft Zeitenmeer. Mit hinter sich gewandtem Auge blättern Sie in dem mystisch-dunkeln Buch der Lebensfahrt Zurück nach vorn, wie ihre Bibellettern — Sie, deren Sein zur Todessage ward. Was einst gewesen, sank für immer nieder, In Wehen kreißt die Welt in ihrem Lauf, Gebiert nur Neues immer, bringt nichts wieder — Versunkene Völker wachen nimmer auf! Übersetzt von Faul T au s i g i Wien). 1) Am ii7. Februar waren es 100 Jahre, daß Henry Wadsworth Longfellow, der berühmteste Dichter Amerikas, geboren wurde. Sein Indianerepos „Hia\vathau, die in vollendeten Hexametern geschriebene ,.Werbung des etiles Standish", sein Drama „Der spanische Student" sowie seine Balladen zählen zu den Perlen englischer Dichtkunst. Er starb 18S2. Das obige Gedicht ist im Versmaß des Originals übersetzt und schildert den Judenfriedhnf von Newport ''der Hauptstadt des amerikanischen Staates Rhode Island). Die resiernierten Sclilul.sver.se allein klin.oen uns heute anachronistisch.