Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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außerordentlich viel Weizen, der auch exportiert wird. Das Gebiet von Gilead ist nicht weniger fruchtbar, fließen doch 11 nie versiegende Bäche, die fischreich sind. Das Gebiet hat prächtige Waldungen, immer grünende Wiesen; es ist ein Paradies für die Beduinen, die immer für ihre Tiere das Futter finden, auch im regenlosen Hochsommer. Es waren prächtige Landschaftsbilder, die der Vortragende uns vorführte, in jedem die Sehnsucht erweckend, das Land mit eigenen Augen zu schauen. Er kam zum Schlüsse betreff der Zukunft Palästinas zu folgendem Resultate: Das Land ist fruchtbar und kann noch viele Hunderttausende ernähren. Es braucht fleißige Hände, Umsicht, Einigkeit. Auf die Frage, wer Palästina in der Gegenwart besiedeln solle, antwortet Furrer: Israel. Wenn es Geduld hat und für die Zukunft vorbaut, wird das dritte und vierte Geschlecht eine Heimat haben. Doch Geduld ist dringend nötig. Große Zwecke verlangen große Mittel. Die Brüder in der Ferne sollen dazu beitragen helfen, daß die Ansiedler vorwärts kommen. So war es auch z. Z. Esras und Nehemias. Dann wird das Land auf friedliche Weise erobert werden. Nicht alle Israeliten werden nach Palästina zurückkehren wollen, aber die Idee, ein Vaterland zu besitzen, ist ein erhebendes Gefühl. Die zionistische Idee ist keine Utopie, sondern sie kann realisiert werden, und mit dem Wunsche, daß die Bewegung vollen Erfolg erziele, schließt Professor Furrer seinen mit nicht endenwollendem Beifall aufgenommenen Vortrag. Breslau. Vor kurzem hielt Dr. Ch. Obstler vom Rabbinerseminar in Breslau im „Deutschen Hause" einen Vortrag über: „Die kulturellen Momente in der zionistischen Bewegung der Gegenwart". Oswiecim. Vor einiger Zeit wurden die Neuwahlen im Verein „Zion" durchgeführt. Folgende Herren wurden gewählt: Bernhard Pilser, Präsident, Leon Schimmel, Vize-Präsident, Hermann Weinheber, I. Sekretär, S. L. Wulkan, II. Sekretär, Josef Hu ttre r, Kassierer. Ausschußmitglieder: Viktor Leibler, Moritz Better, Pinkus Fe iiier, Emil Goldstein, Isral Propper, Hermann Zierer und Bernhard Kriser. Kontrollkommission: Adolf Haber, Josef Wulkan und L. Biebelmanfi. Schiedsrichter: Salamon Frischer, Josef Hoff mann und Josef Gossner. —- Am 2. März haben wir ein Purimkränzchen veranstaltet, welches einen Reingewinn von 90 Kronen ergab und wobei außerdem Schekoliin und Parteisteuer erhoben wurde. Auch gingen 5 Kronen für das D. K. in Krakau zu Agitationszwecken ein. München. Der „Verein Jüdischer Studenten" vollendete mit seinem Schlußkommers am 26. Februar sein 14. Semester. Mit Genugtuung kann er auf seine Erfolge in dieser verhältnismäßig so kurzen Zeit blicken. Getreu den Anforderungen des Bundes Jüdischer Corporationen (B. J. C), getreu den Zielen, die er sich selbst gesteckt, hat der Verein Jüdischer Studenten mit unermüdlichem Eifer dahin gestrebt, seine bewußt-jüdischen Tendenzen auch in nichtakademischen Kreisen zu verbreiten, den Kampf gegen Assimilation und Indifferentismus auch in die Bürgerschaft hineinzutragen. Der Erfolg übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Mit Genugtuung sehen wir auf die vergangenen Semester zurück, mit freudigem Schaffeuseifer den kommenden entgegen. - Auskunftsstelle und Briefablage bei Henry Unna, Altona (Elbe), Gr. Bergstraße 147. Prag. (Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kochba".) Die am 4. März 1. Js. abgehaltene 29. Generalversammlung hatte folgendes Ergebnis: Es wurden gewählt: Obmann: cand. phil. Leo Eisner; Obnmnnstellvertreter: phil. Viktor Kellner; 1. Schriftführer: jur. Friedrich Steiner; IL Schriftführer: cand. ing. Oskar Bergmann; Bibliothekar: stud. ehem. Emerich Hofmann; Kassierer: ing. Ernst Löwy; Zeitungsverweser: stud. techn. Viktor Pollak; In den Ersatzausschuß: jur. Fritz Knöpfmacher; med. Oskar Stein; ehem. Erwin S c h w a r z k o p f. Prag. (Jüdische akad.-techn. Verbindung „Barissia".) Bericht über die Tätigkeit des zionistischen Seminars unserer Verbindung im Winterseinester 1906 7: Außer zwanglosen Debatten über zionistische Tagesfragen und die Parteipresse fanden regelmäßig Vorträge mit anschließenden Diskussionen statt. Vorträge hielten die Verbindungsmitglieder: 1. Ingen. Frankel: „Die ökonomischen und politischen Verhältnisse in Israel und Juda vor der babylonischen Gefangenschaft", 2. phil. Fischel: „Die jüdische Moderne" (nach M. Acher), 3. med. Fischer: „Vorläufer des Zionismus" (I. Teil), 4. med. Kohner: „Strömungen im Zionismus", 5. ing. c. Katz: „Der Chassidismus", 6. phil. Wittmann: „Kulturfragen im Zionismus", 7. ing. c. Sztencel: „Achad Ha'am" (I. Teil), 8. ing. c. Messing: „Vorläufer des Zionismus" (II. Teil), 9. A. H. Dozent Dr. Mahler: „Die Kunst des Orients und ihr Einfluß auf die Antike". Chargenwahlen für das Sommerseinester 1907: Cand. phil. M. Fischel X, Cand. ing. O. Steiner XX, stud. med. W. Kohner XXX. Mähr.-Weißkirchen. Am 28. Februar fand eine von den zionistischen Obergyinnasiasten in den Saallokalitäten des Herrn Weißbrot veranstaltetes Purimkränzchen statt, das zahlreich besucht war und durch gelungene humoristische Vorträge und Aufführung komischer Szenen in den Pausen den Teilnehmern einen überaus heitern Abend bereitete. Bielitz. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Emunah".) Ergebnis der Chargenwahlen: Präses: cand. ehem. Ludwig Tram er, Vizepräses: cand. ing. Arnold Zitrin, Schriftführer: stud. jur. ArUir Felsen. Köln. Am Mittwoch sprach in der hiesigen Ortsgruppe Herr Julius Berg er über die jüngsten Verhandlungen der Kölner Gemeinderepräsentanz. Die Versammlung, zu der auch mehrere Mitglieder der Repräsentanz und des Gemeindevorstandes erschienen waren, nahm einen sehr anregenden Verlauf. ooooooooooooooo t?~ NOTIZEN ooooooooooo 3> Ein teutonisches Urteil über Berthold Auerbach Man schreibt uns: Aus Anlaß des 25. Todestages Berthold Auerbachs dürfte es nicht uninteressant sein, ein recht charakteristisches Urteil aus den sechziger Jahren zu vernehmen, das ein teutonischer Kritiker über Auerbach und seine Schwarzwälder Dorfgeschichten fällte. Das Urteil lautet: „Man hat viel Geschrei gemacht mit den Schwarzwälder Geschichten von Auerbach. Es wäre nicht notwendig gewesen. Auerbach ist kein Schwarzwälder, er ist ein Jude. Ein Jude wird nämlich niemals ein Schwarzwälder, selbst wenn seine Vorfahren gleich nach der Zerstörung Jerusalems an den Feldberg oder nach Todtnau gezogen und sich niedergelassen hätten. Ebendeshalb mag Auerbach immerhin äußere Vorkommnisse aus dem Schwarzwald beschreiben; wenn er aber von dem Denken und Fühlen des Schwarzwälders reden will, so muß er dieses aus seiner Phantasie nehmen, welche aber keine schwarzwälder Natur, sondern die eines jüdischen Literaten hat. Man hat, so will es mir scheinen. Auerbach besonders da viel gepriesen, wo man bloß unterhaltende Lektüre wollte und die Romanliebeleien im schwarzwälder Bauernvolk neu und pikant fand; auch mag mancher Posaunenbläser des Literaturmarktes den Meister Auerbach deshalb gepriesen haben, weil er das Verdienst hat, kein Christ zu sein. Die Zuchthausgeschichten, (gemeint ist das Buch: Zuchthausgeschichten. Von einem ehemaligen Züchtling. Mit einem Vorwort von Dr. Alban Stolz, Professor an der Universität zu Freiburg. Münster 1853) welche hier vorliegen, halteich besser als Auerbachs Dorfgeschichten." — So weit die teutonische Kritik. Börne hat recht: Wir werden es ihnen nie recht machen, einerlei, ob wir getauft sind oder nicht, ob wir in unsern Werken auf das Judentum anspielen oder nicht. . . Seit dem Literaturdespoten Wolfgang Menzel bis auf den Heinefresser Adolf Bartels blieb die teutonische Kritik wesentlich unverändert. Ludwig Woltmann — gestorben Der vor einigen Tagen beim Baden im Mittelländischen Meere ertrunkene hervorragende Anthropologe Dr. Ludwig Woltmann, der Herausgeber der „Anthropologisch-Politischen Revue" schreibt in seinem Buche „Politische Anthropologie" (Eisenach 1903): „Die Judenfrage ist eine anthropologische Frage. Ein großer Teil der Judenschaft bleibt daher dem Ideal einer nationalen Wiedergeburt treu. Der Zionismus zieht immer weitere Kreise und wird zu einem geistigen Faktor, der die nationalistischen Bestrebungen, die in allen Völkern gegenwärtig erwachen, wirksam unterstützt. Wie die