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Die Welt · 1907-03-08 · 10 (8.3.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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14 DIEE^ELT No. 10 □ □ REVUE DER PRESSE Von der Einwanderung nach Texas „The Jewish Hope", das vortrefflich redigierte Organ unserer Gesinnungsgenossen in Texas, widmet dem neuesten Siedelungsproiekte der „Ito", dessen Einzelheiten unsern Lesern bekannt sind, eine längere kritische Betrachtung, die uirtsömehr Beachtung verdient, als sie sich auf eine genaue Und Unmittelbare Kenntnis der Lebens* Und Wirtschaftsverhältnisse in Texas stützt. Unser Bruderblatt führt u. a. folgendes aus: „In unsenn Süden ist man bereits vor einiger Zeit dem Schritte zuvorgekommen, den die Ito jetzt unternommen hat. So hat z. B. voriges .Jahr die üroßloge der B'nai B'rith eine Agrtkulturgesellschaft mit dem Zwecke gegründet; jüdische. Feldbäuniederlassungen in diesem Laiidgebiete zu stiften, Die Gesellschaft geht derzeit damit um, ein Kapital in der Höhe von hunderttausend Dollar für iure Ziele aufzubringen. Nachdem wir dies zum Beweise dessen vorausgeschickt haben, daß die südländische Jüdenheit bereit ist, eine rationelle Immigration in diese Gegend zu fördern, nehmen wir uns die Freiheit, einige ernste Einwände gegen die Pläne der ito vorzubringen. Diese tragen die Merkzeichen alier der Grundfehler an sich, welche die Verkehrten Methoden clcir philanthropischen Judeiiheit stets gekennzeichnet haben: sie,.beschränken sich auf halbe Maßnahmen und ver¬ Vehlen den Kernpunkt. Die Fürsorge für Arbeitsgelegenheit wird 'dem blinden Ungefähr überlassen; wir kennen auch den Charakter der Arbeitsvermittlungsbureaus zu gut, als daß wir ihren zweifelhaften Versprechungen irgend welches Vertrauen entgegenbrächten. In seiner gegenwärtigen Gestalt ist der Plan nichts anderes als eine vielfach vergrößerte Reproduktion des Industrial Reinoval Office in New-York (einer Iröüuition, die die Ablenkung des großen jüdischen Em^iantenstroines von New-York nach den industriezentrer, des Westens bezweckt. — Anm. der RedJ. Man sagt uns, daß eine Million Dollar aufgebracht werden soll» ur/i diese neue Emigration zu finanzieren. Nun soll nicht öin Gent davon zum Ankauf von Ländereien und landwirtschaftlichen Geräten verwendet werden. Darin liegt der Kardinalfehler des ganzen Planes. Wie wir die Bedingungen des Staates Texas urld des Südens kennen, können wir bestimmt erklären, daß hier die besten Möglichkeiten für die Immigranten vorhanden sind, und daß ein großangelegtes agrikulturelles Projekt durch seine Verwirklichung weit mehr Segen stiften würde, äls die Unterstützung eines neuen großen Ghettos im Süden, worauf das ito-Projekt letzten Endes hinausläuft. Die Zukunft des Südens und seine hauptsächliche Prosperität beruht auf seiner landwirtschaftlichen Entvvickelung, und ein Immigrationsplan, der diesen Faktor außer acht läßt, ist überhaupt kein Plan. Es werden alljährlich im Durchschnitt 5000 neue Anwesen in Texas begründet, und es vergehen kaum einige Jahre, so finden wir dieselben kräftig aufgeblüht und im besten Gedeihen. Landwirtschaftliche Investitionen erweisen sich hier immerfort höchst lohnend. Der Wert des Bodens erhöht sich schon durch einige Spatenstiche. Und die Aussichten des Landbaues scheinen sich mit der Zeit noch verbessern zu wollen. Anderseits bietet ja 'der Süden auch für industrielle Unternehmungen gute Bedingungen, allein hierzu ist schon viel mehr, ja sehr viel Kapital erforderlich. . . Es wäre eine dankbare Aufgabe für Großindustrielle des Ostens, hier größere Industrie-Etablissements zu errichten und tausenden jüdischen Arbeiterhänden Beschäftigung zu geben. . . Allein wir möchten hierzulande nicht die Mißgriffe des Nordens wiederholt wissen und neue Ghetti im Süden entstehen sehen. Das bloße Bestreben der „dispersion" kann dieser Gefahr nicht vorbeugen, da die Gewohnheiten und Lebensbedingungen des* jüdischen lndustrieproletariats alle derartigen Bestrebungen zuschanden machen. Hingegen würde eine weise Fürsorge für die landwirtschaftliche Ansiedelung einer größeren Anzahl jüdischer Einwanderer sowie die Schaffung lohnender Arbeitsgelegenheiten für diejenigen Elemente, die zur Landwirtschaft untauglich sind, die Entwicklung einer musterhaften Gemeinschaft ermöglichen." „...... . _ In dem soeben er- Zur national»iudischen Frage in Rußland , , Ä schienen en ersten Hefte der neuen Folge des „Haschiloach" bespricht Dr. Josef Klausner an leitender Stelle die gegenwärtige Situation der russischen Juden und unternimmt den Versuch, die Richtlinien einer — wie er glaubt -- einzig möglichen Realpolitik der jüdischen Gesamtheit in Rußland abzustecken. Im folgenden geben wir einen Teil seiner Ausführungen wieder: Dr. Klausiiet geht von der Prämisse aus, daß ein Volk, dessen Lage von der aller übrigen Völker Rußlands grundverschieden ist, auch eine anders geartete Losung seiner Lebensfragen suchen müsse. Es habe sien die Notwendigkeit ergeben, einen ganz neuen Weg einzuschlagen. „Ulid dieser neue Weg resultiert notwendig nicht etwa aus einem nationalen Chauvinismus, sondern aus der Natur unserer Lage inmitten der Völker. Da wir alle, d. h. die gesamte Jiideiiheit mit ihren Revolutionären und Reaktionären, mit ihrer Bourgeoisie und mit ihrem Prole^ tariat. allseits von Feinden umgeben sind, müssen Wiruns in allen Angelegenheiten der jädisch.eii Gesamtheit noleris voleriä in eine Schiachtreihe stellen. Uns liegt nicht ob, „Haild m Hand zu gehen mit den progressiven Elementen," wir dürfen nicht in den Reihen irgendwelcher allgemeinen Partei mitkämpfen (es sei denn vorübergehend zu einem bestimmten Zweck), sondern wir sind es uns schuldig, gewissermaßen einen Jüdischen Block" zu. schaffen, der ausschließlich die jüdischen Interessen zu verteidigen hätte. Die, speziellen jüdischen Interessen aber sinu Zü^chst die politische1 Und bürgerliche Gleichberechtigung littet u.!C A^QJke,lu}\]^ dischen Nationalität. Der jüdische Bioc* Patte?aruf einzutreten, daß man uns mindestens auf dem Papier gi^IC.nes Recht mit älled übrigen Bewohnern Rußlands zugestehe, und zugleich, daß die jüdische Nation überall dä, wo die verschiedenen Völkerschaften in Rede stehen, ihnen nicht als eitle blot.i religiöse Gemeinschaft subsumiert, sondern als ein besonderer Volksstamm mitgezählt werde." Werde die letztgenannte Forderung erreicht, so entstehe von selbst die Möglichkeit, unsere nationalen Angelegenheiten Iii einer unseren Bedürfnissen entsprechenden Weise zu regeln. Daraus folge eine freie und von der aller übrigen Völker verschiedene Organisation des1 gatizeu Umfanges unseres Gemeinde-, Kultus** Wöhltätigkeits- (Wohlfahrts- und Bildungs-J und nationalen Schulwesens. Mehr zu erlangen, sei für ein Volk Ohrte historisches Territorium unmöglich. Alles Gerede über „Autonomie", „kulturelle Selbstverwaltung"; ..Sejm" und dergleichen sei nichts Weltef äls ein schöner f räum. Hingegeil könnten und müßten die Juden Rüblands für ihre nationalen Zwecke diejenigen allgemeinen politischen und sozialen Reformen nutzbar machen, äfl denen alle Reichsbewohner teilhaben; und da wäre es nun die Aufgäbe des zu schaffenden jüdischen Blocks, dahin zu wirken, daß die Juden von den wohltätigen Folgen der gedachten Reformen nicht ausgeschlossen blieben. Vorzugsweise müßten die Juden wenn erst die „Ausnahmezustände" aufgehoben sind — ausgedehnten Gebrauch machen von der Vereinsfreiheit zum Zwecke des Zusammenschlusses und der- Organisation der jüdischen Gemeinschaft ini russischen Reiche, Was die lokalen Autonomien den territorialen Völkern, das müssen die allgemeinen jüdischen Organisationen den Juden sein. Dr. Klausner denki sich vier solche allgemeinjüdische Organisationen: 1. Einen Verband aller jüdischen Gemeinden Rußlands nach Art des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" oder' dei „Oesterr.-Isr. Union". Die Jahresversammlung der Vorstelle! aller Gemeinden und der Leitung des Gemeindebundes würde die Stelle des von den Sejmisten geforderten „allgemeiner russisch-jüdischen Kongresses" vertreten, mit dem Unterschiede daß sie nur moralische und keine offiziellen Vollmachten" besäße Letzteres sei für ein nicht-territoriales Volk ein Ding def Un möglichkeit. 2. Einen Verband für die Angelegenheitei der jüdischen Schulen in Rußland nach dem Vorbild1 der böhmischen „Matica" oder der „Macierz Polska", dessen Zweck es wäre, jüdisch - nationale Schulen in Rußland zu be gründen und zu unterhalten. Diesem Verbände könnte eii „Bund der jüdischen Lehrer" angegliedert werden, der für du materiellen und ideellen Bedürfnisse der Lehrer und Melamdin zu sorgen und Programm entwürfe für die Chadarim und natio nalen Schulen aller Kategorien auszuarbeiten hätte. 3. Einen Verband der hebräischen Sprach- und Literaturun< der jüdischen Geschichtsvereine nach Art des deutsche!

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