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Die Welt · 1907-03-01 · 9 (1.3.1907) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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müssen wir sie mit Begeisterung und hoffnungsfroh angreifen, wir wollen sie auf einer gesunden Grundlage aufbauen, so daß jeder Schritt vorwärts einen wirklichen Fortschritt bedeuten wird, von dem wir niemals mehr zurückkommen werden. Der Zionismus muß die führende Kraft und das treibende Ideal unseres Volkes werden. Und wir vertrauen der eifrigen Mitarbeit, dem unablässig wachsenden Enthusiasmus und dem Gefühle der Verantwortlichkeit der Zionisten des Vereinigten Königreiches, daß die Arbeit, die uns anvertraut ist, zu einem guten Ende geführt werde. Und wir sind von vornherein überzeugt, daß die Eintracht, die den Anfang unserer Arbeit in diesem Lande gekennzeichnet hat, immerwährend unter uns herrschen wird, daß gemeinsames Vertrauen unsere Kräfte stärken wird, so daß es uns gelingen möge, mit jedem Tage der Regeneration unseres Volkes, der Rettung unserer Brüder und der Wiederansiedlung Israels im Lande unserer Väter näher zu kommen. gez.: Sir Francis A. Montefiore, Ehrenpräsident, M. Gast er, Präsident, L. J. Greenberg, J. Moser, Charles Dreyfuß, Mitglieder des Aktionskomitees, J. Cowen, Ch. Weitzmann, Vizepräsidenten, Percy P. Baker, Hon. Secretary. Konferenz des Exekutivkomitees der amerikanischen Zionisten Das E.-C. der Federation of American Zionists tagte am 14. Januar in New York. Anwesend waren: Dr. Harry Friedenwald (Vorsitzender), die Herren Abel, Lipsky, Liebermann, Lubarsky, Livingston, Margolis, Phillips, Prensky, Rosowsky, Dr. Friedländer, Dr. Radin, Prof. Gottheil und der Sekretär. Dieser lenkte die Aufmerksamkeit der Versammlung auf dieTatsache, daß die Vorträge des Gg. Dr. Seh. Lewin auf die außerhalb der zionistischen Bewegung stehenden amerikanisch-jüdischen Kreise einen tiefen Eindruck gemacht hätten, und daß es geboten wäre, die auf diese Weise erweckten Gefühle in praktischer Art für die Zwecke unserer Organisation zu verwerten. Er schlug vor, einen bezahlten Agitationsredner für Greater New York zu engagieren, der seine ganze Kraft und Zeit in den Dienst der zionistischen Propaganda stellen sollte. Zur Untersuchung dieser Frage wurde eine Kommission eingesetzt. Der Anregung, für die Wahlkampagne der Zionisten in Rußland eine finanzielle Aktion in Amerika einzuleiten, konnte zum größten Bedauern der Versammlung mit Rücksicht darauf, daß es für eine derartige Aktion bereits zu spät war, keine Folge gegeben werden. Der Sekretär beantragte, die Federation möchte für die Gründung nationaler Schulen in Palästina in weiten Kreisen des amerikanischen Judentums Propaganda machen und etwas Praktisches in dieser Hinsicht leisten, damit der Besuch Dr. Lewins zumindest dieses positive Ergebnis hätte. Die Versammlung stimmte den Ausführungen des Sekretärs zu und betraute einen Ausschuß mit dem Entwurf der näheren Modalitäten. Dr. Lev enberg aus Cleveland hatte beantragt, die verschiedenen jüdischen Organisationen des Landes für die unter zionistischer Ägide in Palästina begründeten Erziehungsanstalten zu interessieren. - - Dr. L. N. Dembitz aus Louisville hatte einen Plan eingesandt in Betreff des Imports und Absatzes von Palästina-Ethrogim. Beide Anträge wurden der Palästinakommission zur Beachtung empfohlen. Es wurde ferner ein Beschluß gefaßt, den „Bezalel" nach Kräften zu fördern und auch in nichtzionistischen Kreisen diese Institution zu propagieren. Die „Yiddisch"-Sektion des Publikationskomitees berichtete, das sich die zweite Auflage des „Pinkas" unter der Presse befinde. Die englische Sektion hatte einen Aufsatz von Col. Conder über Palästina und Dr. Schloessinger's Artikel im ..Jewish Comment" über ^Zionismus und Reformjudentum" in Druck gelegt und verbreitet. Der im „American Hebrew" erschienene Aufsatz von Prof. Schechter über den Zionismus wird in Broschürenform herausgegeben werden. Das Komitee für die Angelegenheiten der Jüdischen Kolonialbank berichtete, daß es unter den gegenwärtigen Umständen keine besonderen Schwierigkeiten darböte, die für die Eröffnung einer amerikanischen Filiale der Kolonialbank erforderliche Summe von 49 000 Doli, aufzubringen. Das Komitee verhandelt derzeit mit einem Rechtsanwalt in Betreff der juridischen Voraussetzungen der Begründung einer Bankfiliale. Aus dem Berichte des Schatzmeisters geht hervor, daß die Aktiva der Federation 800 Doli, betragen. Dr. Radin bat, ihn von dem Amte des Nationalfondskommissärs zu entheben, da er beruflich zu sehr in Anspruch genommen sei. Die Demission wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen und Mr. Elias Margolis zum Nationalfondskommissar gewählt. Folgende Ausschüsse wurden auf Grund der eingebrachten Anträge und Resolutionen gewählt: Komitee für die Frage der englischen und jüdischen Agitationsredner: Dr. Magnes, A. Lubarsky, A. H. Fromenson. Komitee für Studentenvereine: Prof. R. Gottheil, Dr. J. Friedländer. Organisationskomitee: Mr. Abel, Dr. Magnes. Konventionskomitee: D. H. Liebermann, S. Abel, A. H. Fromenson. Komitee zur Untersuchung der von Dr. Lev in angeregten palästinensischen Schulpläne: Dr. Friedenwald, Dr. Magnes. Komitee zur Propagierung des „Bezalel": E. W. Lewin-Epstein, Dr. Friedenwald, Dr. Magnes. Vorlesung jüdischer Schriftsteller in Wien zugunsten des zionistischen Waisenhauses Am 10. Febr. d. J. fand im Bösendorfer-Saal vor quantitativ und qualitativ hervorragendem Publikum eine Vorlesung jüdischer Schriftsteller statt. Vier der hervorragendsten deutsch-jüdischen Schriftsteiler stellten sich zugunsten der Waisen der in Rußland Gemordeten dem I. Zionistischen Frauen-Verein, von dem die hochherzige Veranstaltung ausging, zur Verfügung. An dem ausgezeichnet vorbereiteten Abend las als erster Jakob Wassermann seine bekannte, feindurchdachte Studie „Das Los der Juden". Nach Wassermann las Richard Beer-Hoff mann, der seine tiefe jüdische Seite schon vor Jahren durch sein Drama „Der Graf von Charolais" offenbart hat, tiefempfundene Gedichte von so warmem echtem Klange, daß keiner sich dem mächtigen Eindruck entziehen konnte. Insbesondere sei des innigen, weichgestimmten „Schlaf, mein Kind!" gedacht. Ein überaus packendes psychologisches Bild entwarf Felix Saiten in seiner Skizze „Der Ernst des Lebens", die die Zuhörer bis ans Ende in vollster Spannung hielt. Nicht nur die inhaltlich und stilistisch fein gearbeite Skizze, auch der äußerst sympathische Vortrag entfesselte Stürme des Beifalls, den auch die erstgedachten Schriftsteller wie auch der folgende Autor Schnitzler in überaus reicher Weise ernteten. Arthur Schnitzler las seine wohlbekannte Militärskizze „Leutnant Gustl" in so meisterhafter Weise vor, daß dieser tragikomische Ausschnitt aus dem Leben des Helden vortrefflich zur Geltung kam. Nebst den Schriftstellern, die sich im Bewußtsein, eine zionistische, eine jüdische und menschliche Sache zu fördern, dem I. Zion. Frauen-Verein freudig zur Verfügung stellten, haben sich um das Gelingen des Abends* der überaus glänzend verlief, unter vielen anderen durch unermüdliche Tätigkeit ganz besonders hervorgetan: die Präsidentin Frau Dr. Sidonie Kahn, Frau Dr. Fränkl, Frau Bela Fränkl, Frau Baurat Marmorek, Frau Strompf. Es war ein Abend erlesensten literarischen Genusses, den uns der I. Zion. Frauen-Verein bot. Am Kontinent ist es das erste Mal, daß eine Veranstaltung zu gunsten des zionistischen Waisenhauses in Palästina inauguriert wurde. Sie soll und kann allen zionistischen Vereinen, insbesondere allen Frauenvereinen, die solche Veranstaltungen monopolisieren könnten, ein Ansporn sein, desgleichen zu tun,— sei es nun für die Waisen, für den Nationalfonds oder andere zionistische Zwecke. Vivant sequentes! Das sehr beträchtliche Reinerträgnis von 2500 Kronen wurde der Jüdischen Kolonialbank für den gedachten Zweck zugeführt. T. Eine Kundgebung der jüdisch=nationalen Studentenschaft für die verhafteten ruthenischen Studenten DerSeniorenkonvent der akademischen Verbindungen „Kadimah", „Ivria", „Maccabäa" und „Unitas" hat folgende Resolution einstimmig angenommen: „Seit langem schon verfolgt die jüdisch-nationale Studenten^ schaft den Kampf, den die ruthenische Minorität um ihre nationale Gleichberechtigung gegen eine rücksichtslose Majorität führt, mit ebenso großer Sympathie als Interesse. Um so tiefer ergreift es uns, die wir selbst eine unterdrückte Minorität sind, wenn wir das aller Humanität hohnsprechende Vorgehen der Behörden gegen jenes Häuflein Studenten sehen, die zwar in überwallender Leidenschaft, aber in ehrlicher nationaler Überzeugung sich zu einem Vorgehen hinreißen ließen, das gewiß durch die Unerbittlichkeit der Majorität noch entschuldbarer wird.

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