Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No. 9 ■DIE ^ELT- IT Ist es recht, daß wir Juden in blinder Nachahmung der Römer unser eigenes Land, das Land unserer Hoffnung, unser Judenländ, noch immer nach dem erbfeindlichen Volke der Pelischtim benennen? Ist es recht, daß Erez Jisroel in unserem Munde immer zu „Palästina", zum „Lande der Philister" wird? Was sagt uns denn dieser Name? Geben wir doch unserem Lande den Namen zurück, dessen unsere Zunge sich Limmer hätte entwöhnen sollen! 4 Der Juden Land soll: Judenland, Judäa heißen! Wenn wir alle darin einig sind, wird es ein leichtes sein, den Philisternamen abzuschaffen und dem alten Judennamen wieder zu seinem Rechte zu verhelfen. Ich weiß wohl, daß wir schon den hebräischen Namen Erez Jisroel haben; dieser Name hat sich aber nur im hebräischen Sprachgebrauch behaupten können und läßt sich, da er aus zwei Worten besteht, nicht nach Analogie der anderen Ländernamen umbilden. Ich weiß auch wohl, daß der Name Judäa schon bestanden hat und sich auf einen Teil des Landes bezog; dies wird aber kein Hindernis sein, jetzt, nach zweitausend Jahren, den Begriff über das ganze Land auszudehnen. -Die Ausschaltung des Wortes Palästina aus unserer Terminologie wird gewiß nicht in einem Tage vor sich gehen, und die Einführung des altneuen Namens Judäa ebensowenig. Aber wenn wir nur alle von dem Unrechte, das wir seit Jahrhunderten unserem Lande zugefügt haben, überzeugt sind, wird es doch möglich sein. S. Hoofien. * Gehet hin und tuet desgleichen! Unter diesem Titel brachte „Die Welt" in Nr. 6 d. J. einen Artikel von Dibarti, der es wohl wert ist, daß man auf ihn zurückkommt. Der Artikelschreiber findet, daß unsere wohlhabenden Gesinnungsgenossen von der deutschen Sozialdemokratie Opferfreudigkeit lernen sollten. Es scheint mir jedoch, daß der g. Artikelschreiber die Frage zu oberflächlich behandelt hat. Namentlich geht er den Ursachen nicht auf den Grund, weshalb viele unserer Parteigänger es an Opferfreudigkeit fehlen lassen. — Dibarti ist erst nach 10 Jahren zionistischer Tätigkeit zur Erkenntnis gelangt, daß o o o o o o o oooooooj England Die Engiish Zionist Federation erläßt folgenden Aufruf: An die Zionisten des Vereinigten Königsreichs! Ein neuer Geist ist in unserer Mitte lebendig geworden. Auf der Grundlage der Erfahrungen der letzten Jahre haben die Zionisten beschlossen, nunmehr mit aller Kraft nationale, praktische Arbeit in Palästina zu unternehmen. Das soll kein Verlassen der politischen Tätigkeit bedeuten, die von unserm großen unvergeßlichen Führer Dr. Herzl eingeleitet worden ist; es soll vielmehr die politische Arbeit gestützt und ergänzt werden durch praktische Tätigkeit im Heiligen Lande. Nicht auf der Grundlage von Wohltätigkeitsarbeit, nicht zu dem Zwecke, einige wenige und weitverstreute Kolonien und industrielle Unternehmungen einzurichten, nicht durch gewagte Experimente, wobei wir Gefahr laufen, unsere kleinen Fonds zu verlieren, die unerläßlich sind zur Fortführung unseres Werkes auf einer großen Basis, nicht um einigen Personen hier und dort zu helfen, aber in der Absicht und zu dem Zwecke, die große nationale Sehnsucht zu verwirklichen, aus Palästina eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für unser Volk zu machen. Noch stehen wir verhältnismäßig erst am Beginne des großen Werkes der Regeneration. Der nationale Sinn muß erzogen, die Kenntnis der realen Möglichkeit des Zionismus muß der Masse des Volkes zugänglich gemacht werden, die Größe der uns bevorstehenden Arbeit muß klargelegt und die Aufopferung, die diese Bewegung von jedermann verlangt, wenn wir zum Ziele gelangen wollen, muß zum Ausdruck gebracht werden. Wir müssen die Kräfte kennen lernen, über die wir verfügen, die Mittel, die wir besitzen, das Land, das unser Ziel ist, und die Elemente, mit denen man in unseren Reihen zu wenig Opfer bringt Wir haben dies schon, längst vorausgesehen, haben es auch wiederholt ausgesprochen -- doch hat man uns als Störenfriede verschrieen. In welcher Weise ist denn die Agitation für den Zionismus jahrelang betrieben worden? Von realer Arbeit in Palästina wollte man nichts wissen; dies sah man als Ketzerei an. Von gründlicher, geduldiger Kulturarbeit wollte man erst recht nichts hören; dies galt bei uns als „Golustätigkeit". Man ging einfach zu beliebigen Juden hin und sagte ihnen: „Zahlet den Schekel! Dann seid ihr Zionisten. Für das übrige lasset die Führer sorgen". Die schweizerischen Gesinnungsgenossen z. B. erhoben — erheben vielleicht noch jetzt — den Schekel durch Postmandat von Juden, die nicht einmal das A-B-C des Zionismus kannten. Haben nun die Sozialdemokraten in Deutschland ebenfalls in dieser Weise ihre Ideale propagiert? Bei ihnen hieß es niemals: „Zahle Parteisteuer — und du bist ein Sozialdemokrat". Nein! Erst lernte der „Genosse" den Sozialismus verstehen — dann erhob man die Parteisteuer von ihm. Dabei muß man sich vor Augen halten, daß der Proletarier, der Fabrikarbeiter, den Sozialismus eher zu fühlen befähigt ist, als irgend ein reicher halbassimilierter Jude den Zionismus. Und dennoch leistete die deutsche Sozialdemokratie ein gewaltiges Stück Arbeit, bis sie ihre Scharen organisierte. Bei uns hingegen begnügte man sich oft mit der Parole: „Gib jährlich einen Schekel — gleich einer Mark — und Du bist ein organisierter Zionist". — Man hat es den Leuten sehr wohlfeil gemacht. Jetzt aber will man Rekriminationen erheben?! Wenn es heute Viele gibt (mehr als Sie glauben, Herr Dibarti!), die dem Zionismus große und schwere Opfer bringen, (nicht alle Opfer können buchhalterisch ausgewiesen werden), so ist dies der Stärke und Erhabenheit des zionistischen Ideals zu verdanken, keinesfalls aber unserer lauen, oberflächlichen Agitation. „Gehet hin und tuet desgleichen!" — rufe auch ich mit Dibarti aus. Allein ich spreche nicht vom Gelde. Gehet hin und lernet von den Sozialdemokraten, wie man eine Idee propagiert, wie man eine Partei organisiert. Und dann —- tuet desgleichen! Das Geld — mehr Geld, als ihr euch träumen lasset - wird von selbst kommen. London. Dr. Ch. Wortsmann. (f o o o o o o 0^1 liooooooo wir zu arbeiten haben. „Zusammenschluß und Verinnerlichung" muß das Motto unserer Politik sein. Die Arbeit bei verschiedenen Vereinigungen muß in ein einheitliches System gebracht werden und jedermann, der von sich sagt, daß er ein Zionist ist, muß aufgefordert werden, seiner Schuldigkeit gegen die Bewegung nachzukommen und seine materiellen Verpflichtungen für unsere Sache zu erfüllen. Zunächst und zu allermeist müssen unsere bestehenden Institutionen gestärkt und ausgebaut werden, der Verkauf unserer Bankaktien muß ausgedehnt und der Nationalfonds muß vergrößert werden. Gemäß den Beschlüssen der jüngsten Konferenz in Birmingham wird jeder Zweig der zionistischen Tätigkeit die gebührende Beachtung finden. Organisation, Propaganda, Palästinaarbeit, Finanzen und Presse werden verschiedenen Subkomitees unterstellt werden. Unsere Aufgabe ist es, unser Volk in jeder Weise, moralisch, körperlich und politisch, auf die Zeit vorzubereiten, da unsere Hoffnungen verwirklicht werden, damit wir nicht ungeriistet angetroffen werden, und damit wir nicht irgendeine Gelegenheit haben vorübergehen lassen. Wir werden uns bemühen, zu erlangen und zu pflegen eine bessere Kenntnis des Heiligen Landes, seiner Hülfsquellen, seiner Möglichkeiten und seiner Aussichten dadurch, daß wir Schulen und Erforschungsanstalten in Palästina errichten, und dadurch, daß wir Hand in Hand gehen mit den andern zionistischen Körperschaften, die Arbeit in Palästina unternehmen. Wir werden uns bestreben, eine geschlossene Einheit mit den andern zionistischen Körperschaften des Kontinents zu bilden und die Beziehungen mit den englischsprechenden Federatioiien in den Vereinigten Staaten, Kanada und Südafrika enger?u gestalten. Die Zeit der Arbeit hat begonnen, und wenn gleich die Arbeit mühsam sein und nur langsam von statten gehen wird, so AUS DER BEWEGUNG