Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 9 DIE^ELT 9 i: e Fragen der Propaganda referierte. Er warf einen kurzen Rück-! ick auf die ersten Anfänge der zionistischen Agitation in Texas,; i denen der Besuch des Sekretärs der Federation, Mr. J. de iaas, den Anstoß gab, und schilderte die Fortschritte in der ( rganisation und Agitation seit der ersten Jahrenversammlung. In I eaumont, dem Wohnorte des Präsidenten Friedlander gründete J eser einen blühenden Verein unter den Namen „Bnai Zion Society". Die nächste Gründung wardie der „Agudath Zion" in! \rler. Ich hatte diese Stadt zweimal besucht und daselbst zwei ' olksversammlungen — die eine in der Synagoge —- abgehalten. I.s ist mir gelungen, die Juden dieser Stadt für unsere Idee zu entflammen, und ich hoffe, daß ihr Enthusiasmus rege bleiben und l ite Früchte tragen wird. In Galveston wurde die „Young i-'eople's Zionist Association" gegründet, die eine lebhafte Tätigkeit itfaltet. Schon früher bestand in dieser Stadt ein zionistischer Bürgerorein. Ein zweiter zionistischer Verein wurde auch in Fort Worth i ich meinem und Dr. Friedlanders Besuch insLeben gerufen. Der ältere erein ist bekanntlich einer der arbeitseifrigsten in unserer Landesrganisation. Der zionistische Frauenverein inWaco, der zu unserer 1 mutigen Versammlung zwei Delegierte entsandt hat, ist ebenfalls t ne Gründung des letzten Jahres. Durch die Mitwirkung des gern rten Rabbiners Lublin in Austin ist es Dr. Burg und mir eri öglicht worden, in der Hauptstadt einen der vielversprechendsten ereine zu organisieren, der auch insofern von großer Bedeutung i r unsere Sache ist, als er zumeist Anhänger der Reformrichtung i mfaßt und geeignet ist, uns in diesem Lager weitere Gefolgschaft y.\ erwerben. Ferner gibt es daselbst eine Universität mit vielen i dischen Studierenden, von denen wir einen großen Teil für unsere I ee zu gewinnen hoffen, wie es ja bekannt ist, daß die jüdischen ' udenten der Harward- und Columbia-Universität sich in großer Anzahl unseren Bestrebungen angeschlossen und eigene Studenten- \ Dreine begründet haben. Einen bedeutenden Zuwachs an Mitgliedern l wartet der Referent auch von der Immigration nach Texas, die i juerdings größere Dimensionen anzunehmen beginnt. Die Proi igandakommission hat auch Anstalten getroffen, in Corsicana i nd Greenville, wo es einige gute Zionisten gibt, Vereine zu -ganisieren. Wir hoffen, über den guten Erfolg dieser Bemühungen t tr nächsten Jahresversammlung Bericht erstatten 7ji können. Die bereits bestehenden Vereine habe ich mit Ausnahme von zweien : imtlich besucht und überall Agitationsversammlungen abgehalten, ( e größtenteils von Erfolg begleitet waren. Unsere Kommission; at einige tausend Flugschriften verschiedener Art in vielen Städten erbreitet. Redner unterbreitet zum Schlüsse der Konvention eine : eihe von Beschlußanträgen, deren erster die materielle Sicher-;ellung der „Jewish Hope" betrifft und die übrigen sich auf die usgestaltung der Vereinstätigkeit beziehen und insbesondere auf tensivere kulturelle Arbeit hinzielen. Das Mass-Meeting. Am Abend des ersten Sitzungstages fand eine zionistische ' assenversammlung statt, die einen erhebenden Verlauf nahm, zunächst wurde eine religiöse Gedenkfeier zu Ehren der Opfer der : ingsten Pogrome in Rußland abgehalten; dann hielten die hervorigendsten zionistischen Redner von Texas Vorträge. Der erste edner war Rabbiner Dr. N. Lublin. Er sprach über den Urming und die Entwicklung des Zionismus und appellierte an das flichtbewußtsein und das Solidaritätsgefühl der amerikanischen aden, die ihnen gebieten, einen aktiven Anteil an den zionistischen estrebungen zu nehmen. Dr. S. Burg (San Antonio) behandelte Die Hauptzüge der zionistischen Bewegung", wies auf die bereits zielten Erfolge hin und schloß daraus auf die guten Zukunftsissichten der Bewegung, die jedoch die- Vereinigung aller Kräfte es Judentums erfordere. Dr. S. Margolis (Dallas) gab eine bersicht über die Geschichte des Zionismus von seinen ersten nfängen bis auf unsere Zeit. Er betonte die Vereinbarkeit des ionismus mit der modernen wissenschaftlichen Weltanschauung, as Thema, welches der nächstfolgende Redner, L. A. Freed San Antonio), wählte, war „Der Jude als Patriot". Er wies die ächerlichkeit des noch immer beliebten antizionistischen Arguments, onach Zionismus und Vaterlandsliebe einander ausschlössen, über- .mgend nach. Dr. J. Friedlander (Waco\ der Präsident der exas Zionist Association knüpfte, ergänzend an die Ausführungen r Vorredner an und besprach einige aktuelle Fragen der Bewe- -ing. Mit der Absingung der „Hatikwah" endete die Versammlung, der bis zum Schlüsse eine begeisterte Stimmung herschte. Zweiter Verhandlun.gstag. In der Montag - Vormittagssitzung sprach die Delegierte Irs. Free man über „Die jüdische Frau in der zionistischen Beegung". Beginnend mit der Frau in der jüdischen Geschichte, ies sie im einzelnen nach, wie die Jüdin an allen großen Volksewegungen in hervorragender Weise Anteil genommen habe und ing sodann auf die Rolle der jüdischen Frau in der zionistischen Bejvegung über. Nicht allein im Kreise der Familie habe die Frau für den Zionismus gewirkt, sondern auch in den verschiedenen Frauenvereinigungen und in der großen Öffentlichkeit. Auch in der Zukunft könne die Bewegung die wertvolle Mitarbeit der Frauen ni6ht entbehren; deswegen sei eine Organisation der zionistischen Flauen von größter Notwendigkeit. — Die zweite weibliche Delegierte, Miß Li bby Levy, führte uns „Den Juden als Landmann" in einem geschichtlichen Rückblicke vor und wies auf den Segen hin, den der Zionismus dadurch stiften werde, daß er uns wieder einen jüdischen Bauernstand geben wird. Hierauf erstattete Prof. C. Pessels (San Antonio) sein Referat über die Resolutionen. Die eine derselben rief große Erregung ufCd eine stürmische Debatte hervor, an der sich nahezu sämtliche Delegierten beteiligten. Es handelte sich um den Antrag, die Konferenz möchte es als wünschenswert bezeichnen, daß die zionistische Organisation die territorialistischen Bestrebungen unterstütze und ihr Programm in diesem Sinne erweitere. Begründet wurde diese Resolution von ihren Wortführern durch den Hinweis auf die Notwendigkeit einer unmittelbaren Hilfe für die Opfer der Pogrome und einer Zentralisierung der Emigration. Ein autonomes jüdisches Gemeinwesen, wie das von der Ito geplante, würde die allgemeine Lage des Volkes verbessern und in ihrem Endresultate eine Stärkung des palästinensischen Zionismus herbeiführen. Demgegenüber machten die Gegner der Resolution geltend, daß die Ablenkung des Volkes von der Zentralidee einer nationalen Heimstätte im Lande der Väter notwendig zur Folge hätte, daß weite Volkskreise alle Hoffnung auf die Wiederaufrichtung der Nation verlören, und dadurch nicht allein eine heillose Zersplitterung der Volkskräfte entstände, sondern unabsehbare nationale Katastrophen heraufbeschworen würden. — Die Debatte wurde durch die Worte Prof. Pessels geschlossen, der mit Genugtuung konstatierte, daß die unwandelbare Treue zum Zionismus, auch in dieser leidenschaftlich erregten Diskussion wieder zum unverkennbaren Ausdruck gelangt sei und es sich gezeigt habe, daß die eingebrachte Resolution lediglich den Zweck hatte, auf die Notwendigkeit einer sofortigen Hilfsaktion hinzuweisen. Die Resolution wurde mit Stimmenmehrheit verworfen. In der Nachmittagssitzung unterbreitete die Kommission für die Angelegenheit der „Jewish Hope" ihre Vorschläge, betreffend die materielle Sicherstellung des Blattes. Nach einer längeren Debatte wurde beschlossen, zu diesem Zwecke Subskriptionen zu veranstalten und ein „Komitee zur Erhaltung der Jewish Hope" zu bilden, dem Mitglieder sämtlicher Vereine angehören sollen. Es wurden sogleich aus der Mitte der Versammlung über 100 Doli, für den Fonds der „Jewish Hope" gezeichnet. Nun wurde die Fortsetzung des Berichtes über die Resolutionen vorgenommen. Folgende Resolution wurde mit stürmischer Begeisterung angenommen: „Wir bekunden nochmals unsere Anhänglichkeit und unerschütterliche Treue zur Zentralidee des Zionismus, wie sie im Baseler Programm ausgesprochen ist, nämlich, daß die einzig mögliche Lösung der Judenfrage in der Schaffung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens in Palästina besteht." -- Es folgten Resolutionen verschiedenen Inhalts, die u. a. die Begrüßung Dr. Sch. Lewins, die Förderung des „Bezalei", den Ausdruck der Sympathie für die innerpolitische Tätigkeit der Gesinnungsgenossen in Rußland, Danksagungen usw. zum Gegenstande hatten. Auch eine von Mr. Rubin aus Waco eingebrachte Resolution, betreffend die Begrüßung der „Waco Colonist Association", welche jüdische Farmer in Texas ansiedeln will, wurde genehmigt. Schließlich wurde ein Antrag des Mr. N. Sadowsky, dahingehend, daß die „Texas Zionist Association1' für die Förderung des hebräischen Unterrichts an den jüdischen Schulen von Texas mit allem Nachdruck tätig sein und sich bestreben möge, hebräische Sprachvereine ins Leben zu rufen, mit großer Begeisterung zum Beschlüsse erhoben. Die Wahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Dr. S. Burg (San Antonio), Präsident; J. N. Mehl (Fort Worth) 1. Vizepräsident; Max Flax mann (Houston}, 2. Vizepräsident: L. A. Freed (San Antonio), Sekretär; N. Goldstein (Dallas), Schatzmeister. Exekutivkomitee: H. Groß mann (Houston); L. F. Schaublum (Fort Worth); Rabbi Margolis (Dallas); H. 0. Gordon (Beaumont); Sam Green bürg (Waco); Rabbi Lublin (Austin j; Jakob Label (Terrel); Rabbi Smolensky i'Tylen, Dr. A. A. Brown (San Antonio). Auf Antrag des Mr. Phil. Gfjldstein wurde die Stadt Da 11 as als nächster Versammlungsort der Texas Zionist Association bestimmt. Am Abend des zweiten Verhandlungstages veranstaltete die „Ahavath Zion Association" den Delegierten zu Ehren ein Bankett, bei dem zahlreiche begeisternde Trinksprüche ausgebracht wurden. Dr. S. Burg, der neue Präsident, sprach über den erblindeten Dichter Morris Rosenfeld, zu dessen Gunsten hierauf eine größere Summe gezeichnet wurde. Es wurden auch zionistische Gedichte von Morris Rosenfeld vorgetragen.