Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Zum Schlüsse bespricht der Referent den Anteil, den das Zentralkomitee an der zionistischen Palästinaarbeit genommen i it. In dieser Beziehung habe es sich größtenteils auf die Förderung cos neugegründeten Palästinasyndikats beschränkt. Dje Zeichnungen zugunsten des „Bezalel" waren leider ungenügend. Doch gibt sich i: Belgien immer mehr Interesse für dieses großartige Werk kund, n id es unterliegt keinem Zweifel, daß unter den Ländern, die die Produkte des „Bezalel" — wenn diese erst auf dem Markt kommen — uvorisieren werden, Belgien in einer der ersten Reihen stehen \'ird. Das Zentralkomitee wird dieser Jahreskonferenz einen Vor- :hlag unterbreiten, der die Gründung eines Vereins „Bezalel" in ntwerpen betrifft und Zionisten wie Nichtzionisten umfassen soll. Das Referat des Herrn Horowitz wurde mit allgemeinem; eifall aufgenommen. Es folgte hierauf der Kassenbericht des Herrn 1 . Gretzer, der zu den, den Delegierten vorliegenden Kassenaus- , igen einige erläuternde Bemerkungen machte. Speziell hob er i jrvor, wie durch die Propagandakommission in diesem Jahre -imtliche Ausgaben für die größeren Propagandavorträge gedeckt \ ären. In seinem Expose über den Nationalfonds gab Herr Ose. I ischer eingehend Bericht über den Zuwachs der im letzten ihre eingegangenen Gelder. Dagegen hob er mit Bedauern hervor, (.i(3 die Sammlungen für den Palästina-Verein, Bezalel, den Share-! üb und alle sonstigen finanziellen Jnstitutionen des Zionismus;i uns noch weit im Rückstände sich befinden. Er hofft, daß irch seinen später aufgezeichneten Antrag noch wesentlich bessere ■ rfolge erzielt werden könnten. Indem er alle getreuen Zionisten;r eifrigen Mitarbeit für die im Zionismus bestehenden wichtigen lanziellen Institutionen aufforderte, schloß er seine interessanten usführungen. Es folgt nun die allgemeine Debatte über die \rersen Berichte. Herr Person stellt die Anfrage, warum hier in Antwerpen is System der Sammelbüchsen, das doch überall gute Erfolge ifweist, so schlecht organisiert sei. Herr Ose. Fischer teilt mit, iß eine größere Anzahl Büchsen telegraphisch avisiert sei und in m nächsten Tagen hier zur Verteilung kommen werde. Unter Belgnahme auf die im Kassenbericht angegebenen Ausgaben für die Jatikwah", fragt Dr. Mirkin an, ob es ratsam ist, angesichts jr so bedeutenden Ausgaben die „Hatikwah" fortbestehen zu ssen. Es entspinnt sich darüber eine lebhafte Debatte, in der ieziell Herr Jean Fischer die Gründe anführt, die unbedingt für is Fortbestehen der Zeitung sprechen. Und zwar ist es 1) wegen des größeren Abonnementspreises cht jedem möglich, die „Welt" zu beziehen, und so sind die;ser unserer Monatsschrift über die Bewegung wenigstens einigeraßen unterrichtet, 2) verstehen viele unserer Abonnenten nicht ir Genüge die deutsche Sprache, sind also auf unsere französischen rtikel angewiesen, 3) hat die Erfahrung gelehrt, daß die Verfentlichung der Spendenliste für den Nationalfonds letzterem von oßem Nutzen sei. Durch Abstimmung wird das Weiterbestehen der iatikwah" beschlossen. Herr Bletterm ann wünscht die Gründung nes Palästina-Verein es in Antwerpen und stellt einen diesezüglichen Antrag. Nach einer interessanten Debatte wird die bstimmung darüber verschoben. Antrag R. Cohn, dahingehend, eine allgemeine zionistische ibliothek der verschiedenen Vereine zu gründen, wird behufs ngehender Untersuchung an die Präsidenten der Vereine verwiesen. Antrag Warschawltz, die Nationalbibliothek in Palästina beeffend, wird dahin erledigt, daß man beschließt, eine Kommission i ernennen, die sich speziell mit dieser Frage zu befassen habe. Zwei weitere Anträge: 1. Reisefonds für die Kongreßdelegierten, Schaffung eines gemeinschaftlichen Lokals für sämtliche zioniischen Vereine Antwerpens, werden bis zur nächsten Delegiertenonferenz verschoben. Schließlich werden die Berichte zur Kenntnis genommen und om Landeskomitee für seine Tätigkeit Decharge erteilt. Um l1'.' Uhr nachts schloß die erste Sitzung. II. Sitzung. Dienstag den 29. Januar 1907. Bei Anwesenheit sämtlicher Delegierten wird die Sitzung durch en Präsidenten Herrn Dr. Marco use eröffnet. Auf der Tagesordnung steht ein Antrag des Herrn Oscar Fischer, dahingehend, ine Finanzkommission einzusetzen, die die Interessen der vermiedenen zionistischen finanziellen Institutionen in Belgien wahrunehmen habe. Es schließt sich hieran eine rege und interessante Debatte, an der sich fast alle Delegierten beteiligen. Ohne Einwand vird der Antrag Oscar Fischer mit einem Zusatzantrage des Herrn i. Eckstein in folgender Form angenommen. „Es wird eine Kommission gewählt, bestehend aus 7 Mitgliedern, welcher die Leitung der Sammlungen für den J. N. F. und sämtliche zionistischen Finanzinstitutionen wie auch die Verwaltung des Share-Klubs der B. Z. F. obliegt. Diese Kommission ist berechtigt, Mitglieder zu kooptieren. Der Präsident der Kommission vertritt dieselbe beim Landeskomitee und ist demselben verantwortlich." Für diese Kommission werden gewählt die Herren Oscar Fischer, Salo Fischer, Gottdiener, Daniel Landy, Max Lorie, Max Kannengießer und Frl. Kahan. Der Antrag Blettermann, die Gründung eines besonderen Palästinavereines in Antwerpen betreffend, wird abgelehnt; ebenso dessen Antrags die Zahlung eines Palästinaschekels obligatorisch zu machen; beides mit der Begründung, daß die Lokalverhältnisse es uns sehr erschweren, Beiträge in Form von Steuern zu erheben. Dagegen wird ein Antrag Warschawitz angenommen, eine dreigliedrige Kommission zu ernennen, um für den in Berlin bestehenden Palästina-Pflanzungs-Verein Beiträge und Mitglieder zu sammeln. Die Ernennung dieser Kommission wird dem Landeskomitee überlassen. Ein Antrag Eckstein, die Revision der Federationsstatuten verlangend, wird von Herrn Gretzer unterstützt und im Prinzipe angenommen. Es wird beschlossen, zu diesem Zwecke eine Kommission einzusetzen, bestehend aus je einem Vertreter der föderierten Vereine und einem Mitgliede des Landeskomitees, mit dum Auftrage, der am Ende März d. J. stattfindenden Delegiertenkonferenz den neuen Statuten-Entwurf vorzulegen. Bei der nunmehr vorgenommenen Wahl des Landeskomitees werden die abtretenden Herren Jean Fischer, Henri Gretzer, Dr. L. Herz und M. D. Horowitz mit großer Majorität wiedergewählt. Vor Schluß der Sitzung bringt Herr Warschawitz einen Antrag ein, lautend: „Die Jahreskonferenz beschließt, das engere Aktionskomitee zu ersuchen, dem VIII. Kongreß ein ausgearbeitetes Projekt einer in Palästina zu gründenden Agrarbank vorzulegen." Hen Warschawitz meint, sein Antrag bedürfe keiner besonderen Begründung, und bittet um Annahme desselben ohne weitere Debatte. Herr Gretzer protestiert dagegen und spricht sich gleichzeitig gegen den Antrag aus. Er erinnert daran, daß ein derartiger Antrag schon auf der Jahreskonferenz in Köln eingebracht wurde und daselbst auf heftigen Widerspruch gestoßen sei. Herr Dr. Katzenelensohn, der derzeitige Präsident derJüd. Kolonialbank, habe übrigens erklärt, daß die Gründung einer solchen Bank nach türkischem Gesetze nicht zulässig ist, und darum hätten sich die Antragsteller damals veranlaßt gesehen, ihn zurückzuziehen. Herr Jean Fischer spricht ebenfalls gegen den Antrag Warschawitz. Die Frage der Gründung einer Agrarbank sei jedenfalls noch nicht reiflich studiert, wir wissen nichts über die Nützlichkeit und Möglichkeit der Ausführung eines solchen Projektes; wenn das engere A.-C. die Gründung für nötig erachten sollte, so werde es sicherlich nicht verfehlen, die Initiative dazu zu ergreifen. Herr Rüben Cohn unterstützt die Ausführungen der vorigen Redner. Herr Blettermann unterstützt in wannen Worten den Antrag des Herrn Warschawitz. In ausführlicher Rede sucht er, sich auf seine in Palästina gesammelten Erfahrungen stützend, die Nützlichkeit und Lebensfähigkeit einer Agrarbank zu beweisen. Er führt weiter aus, es wäre Pflicht des Landeskomitees gewesen, der Konferenz einen diesbezüglichen Antrag zu unterbreiten; wenn dies aber nicht geschehen ist und der Antrag von anderer Seite eingebracht wurde, so finde er es sehr bedauerlich, daß er beim Landeskomitee keine Unterstützung finde. Herr Warschawitz führt zur Begründung seines Antrages noch an, daß die Jahreskonferenz der russischen Zionisten in Helsingfors eine im selben Sinne abgefaßte Resolution angenommen habe, und bittet nochmals um Annahme seines Antrages, da er wisse, daß das engere Aktions-Komitee eher geneigt sei, den Wünschen westeuropäischer Zionisten Rechnung zu tragen. Herr Gretzer ergreift nochmals das Wort. Er sagt, die Ausführungen der Herren Warschawitz und Blettermann hätten ihn nicht überzeugt. Wenn ein gleichlautender Antrag in Helsingfors angenommen wurde, so ist in der Sache selbst noch nichts bewiesen. Auch die Erfahrungen des Herrn Blettermann können hier nicht ausschlaggebend sein. Redner erklärt, nicht im Namen des Landeskomitees zu sprechen, aber persönlich müsse er alle auf die Gründung einer Agrarbank hinzielenden Anträge bekämpfen, solange ihm nicht von sachverständiger Seite bewiesen wird: 1. daß die Gründung nützlich und lebensfähig ist, 2. daß die türkischen Bodengesetze eine solche zulassen und 3. daß es keine Bedenken hat, bei dem jetzigen Stand unserer Organisation mit Aktien für ein neues zionistisches Bankinstitut in die Öffentlichkeit zu treten. HerrWarscha-