Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316251--49049-3343970
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Sohn, den ich hatte, 16 Jahre war er alt und ein tüchtiger junger Mensch, starb im verflossenen Jahre nach einer Krankheit von nur sechs Monaten. Zwei Schwäger hatte ich, die mich unterstützten. Der eine starb vor einem halben Jahre, der andere, ein Maler, fiel von einem Gerüste und brach ein Bein. Und ich habe das Gefühl, daß das Unglück in meiner Familie niemals aufhören wird." Im weiteren Verlaufe des Gesprächs bat Morris Rosenfeld den Berichterstatter, ihm das Gedicht „Der blinde Bettler" zu rezitieren, das dieser auf der demnächst in St. Louis stattfindenden Rosenfeldveranstaltung vorzutragen beabsichtigte. Als der Vortragende an die Worte kam „Der Alte, der da zitternd steht in Frost und Wind, Er war nicht immer krank und schwach und blind" - brach der unglückliche Dichter laut aufschluchzend zusammen. Albert Wolf — gestorben In Dresden verschied am 15. Februar d. J.Herr Albert Wolf. Er war ein Sammler jüdischer Kunstgegenstände, jüdischer Münzen, Urkunden, Autographen und seltener jüdischer Bücher. Seine Sammlung hat einen ungeheuren Wert. Was für die Kulturgeschichte der Juden irgendwie von Bedeutung ist, kaufte Wolf, dessen Villa fast gefüllt ist mit seinen Schätzen. Vergeblich versuchte ein bekannter Gelehrter aus Amerika, diese Sachen für einen hohen Preis zu erwerben. Der Verstorbene schenkte die ganze Sammlung auf Veranlassung des Buchhändlers Louis Lamm in Berlin der Jüdischen Gemeinde in Berlin, die nunmehr Besitzerin der Wolfschen Kostbarkeiten wird. Vermutlich wird hierdurch der Grundstock zu einem Jüdischen Museum in Berlin gelegt. Albert Wolf war auch literarisch tätig. Seine musterhaften Abhandlungen über jüdische Künstler, jüdische Münzen usw. finden sich in den angesehensten Zeitschriften. Dieser kenntnisreiche Mann, der von einer geradezu rührenden Einfachheit und Bescheidenheit war und dabei doch ein vornehmes Wesen hatte, war auch ein warmer Freund des modernen jüdischen Schrifttums und hat insbesondere den künstlerischen Editionen des Jüdischen Verlags stets ein besonderes Interesse entgegengebracht. Soeben erschien Heft 1 des „Haschiloach" (Redakteur: Ch. N. Bialik) Inhalt: Dr. Josef Klausner: Der richtige Weg. — Dr.M. J. Berdyczewski: Die Legende einer Toten (Skizze). — BarTobia: Im Anfange unserer neueren Literatur. Jakob Kohan: Wenn der Sturm sich legt . . . (Gedicht). A. M. Boruchow: Die Wiedergeburt des Nationalismus. — Dr. S. Benifeld: Der jüdische Hellenismus in der vormakkabäischen Zeit. -— Jakob Rabbinowitz: In Palästina (Reiseeindrücke). Salomon Epstein: Zweierlei Judentum. - Jehuda Steinberg: Zwischen den Toten und den Lebenden (Notizen). ----- Ch. N. Bialik: Unsere junge Dichtung. - Jakob Pichmann: Am Ufer des Prut (Gedicht). — R.: S. J. Abramowicz (Zu seinem Doppeljubiläum). Hamaschkif: Jüdische Rundschau (XIV). Reb Korow: Gedanken und Taten (XXV). Bezugsbedingungen: Jährlich 6 Rubel, halbjährlich 3 Rubel und dementsprechend in nichtrussischer Währung. Vierteljährliche Abonnements werden nicht angenommen. Das Abonnement beginnt im Januar oder Juli. Adresse der Redaktion: „Haschiloach", Odessa. Adresse der Geschäftsstelle: M. M. Ussischkin, Odessa, Chersonskaja46. „Haolam" Nr. 5 und 6 Inhalt von Nr. 5: Dr. L. Grünhut: Zur Biographie des R. Moses Ibn Alaschkar. - A. S. Herschberg: Von Hebron nach Beth- Gubrin und Gaza (III). — A. Kischitzky: Wegen des „Maskir". Gamma: Beim Anblick eines Bildes. — M. Robinsohn: Im Auditorium. - A. N. Birnbaum: Gesang und Musik bei den „Zaddikim" in Polen (IV). A. L. Liboschitzky: Der ewige Traum (Gedicht). - Bar Tobia: Einige Kapitel aus der Soziologie. — H. Zlatopolsky: Fragmente. - M. Henisch: Konferenz der hebräischen Lehrer in Österreich. — Hakeni: Die Rabbinerverbände in Mähren und Böhmen. — Federstriche. — Inserate. Inhalt von Nr. b: Kaleb ben Jephune: Die polnischen Juden und die Dumawahlen. Dr. S. A. Poznanski: Die Schriften des R. Jehuda Arjeh von Modena. — Dr. L. Grünhut: Zur Biographie des R. Moses Ibn Alaschkar (Fortsetzung). J. Steinberg: Im Gasthof. — S. Schneor: Hexameter. ■—- Bar Tobia: Einige Kapitel aus der Soziologie (II). — H. Zlatopolski: Fragmente (II). A. S. Herschberg: Von Hebron nach Beth-Gubrin und Gaza tIVi. - - A. N. Birnbaum: Gesang und Musik bei den „Zaddikim" in Polen (V). — Federstriche. — An die hebräischen Lehrer. NACHRICHTEN °S l—-J/^s—)) Die Sabbatfrage in Rußland Wie wir bereits vorausgesagt haben, fühlten sich manche Kreise russischer Juden von den letzten verschärften Maßregeln, die das russische Ministeriuni in beziig auf die Sonntagsruhe ergriffen hat, in ihren wirtschaftlichen Interessen ernstlich bedroht. Aus Romny berichtet man uns, daß sich die jüdische Ortsgemeinde an den Premierminister mit einem Gesuch auf telegraphischem Wege gewandt hat, er möge Aufklärungen hinsichtlich der jüdischen Rechte in dieser Beziehung erteilen. Der Premierminister antwortete, er überlasse es den Ortsbehörden, darüber zu entscheiden, ob es angezeigt ist, für Juden im Hinblick auf ihre religiösen Bedenken*und auf ihre Sonderinteressen gewisse Ausnahmen zu machen. Es ist also gewissermaßen eine prinzipielle Anerkennung der Berechtigung jüdischer Interessen, die durch ihre religiösen Satzungen bedingt sind; nichtsdestoweniger muß diese ministerielle Entscheidung als eine ungünstige betrachtet werden, denn die Tatsache, daß diese Frage dem Gutdünken und vielleicht auch der Willkür der untergeordneten lokalen Organe überlassen wird, ist nicht beruhigend. Weiteres über die Sabbatfrage Einige jüdische Kaufleute, die aus dem kleinen Städtchen Sochatschew (Gouv. Warschau) angekommen sind, teilen uns mit, daß die neuen Restriktionen bezüglich der Sonntagsruhe gegen die Juden daselbst von den Ortsbehörden minder größten Strenge gehandhabt werden. Es ist dies, wie die Kaufleute behaupten, eine Erschütterung der ökonomischen Stellung des jüdischen Handel- und Qewerbestandes. Die jüdische Kaufmannschaft ist ratlos. Juden als Stützen des antisemitischen Kandidaten In Odessa haben sich die jüdischen Helfershelfer der Friedenserneuerer gründlich blamiert. Sie unterstützten nämlich die Kandidatur eines notorischen antisemitischen Hetzers namens Pelikan, der nur dank den vereinten Kräften der Progressiven zu Fall gebracht worden ist. Die „Schul-Gabaim" in der Rolle antisemitischer Wähler werden hoffentlich für die Zukunft den Appetit verlieren, nochmals den Friedenserneuerern auf den Leim zu gehen. Das ist zugleich das Ende des glücklicherweise ganz vereinzelten Falles, daß russische Juden — allerdings ein kleines Häuflein — sich einer der nicht ausgesprochen freiheitlichen Parteien angeschlossen haben. Und das Auftreten dieser jämmerlichen Politiker hat ein Teil der westeuropäischen jüdischen Blätter als erlösende Tat begrüßt! Kirche und Synagoge (Von unserem Warschauer Korrespondenten) In Warschau stehen die Urwahlen vor der Tür. Am 19. d. M. werden die Würfel gefallen sein. Die kämpfenden Parteien rüsten ihre Heere, und die Aufregung wächst mit jeder Stunde. Heute ist auch die katholische Kirche in die Reihen getreten. Der Warschauer Bischof Ruschkiewitsch hat einen Befehl an die Gläubigen erlassen, in dem er auf die Wichtigkeit der Wahlen und auf die Notwendigkeit, die Kandidaten der Nationalen Demokratie zu unterstützen, aufmerksam macht. In sämtlichen katholischen Kirchen Warschaus wurde dieser eigenartige Befehl verlesen und als Text für die Predigten benutzt. Der Weihbischof macht es den Gläubigen zur Pflicht, gute katholische Männer zu wählen. Man kann sich leicht denken, daß die einzelnen Prediger dieses Motiv mit einer größeren Ausführlichkeit und mit einer noch kleineren Dosis von Diplomatie, als es der Bischof tat, breitgetreten haben. Anderseits ist auch die Synagoge in die Schranken getreten, eigentlich nicht die offizielle, fortschrittliche Gemeindesynagoge, odei die konservative „Schul", sondern der Chassidismus in den Per sonen seiner höchsten Vertreter in Polen, der „Wunderrabbis'4 Reh Mosche Mordche in Gora Kalwaria und Reb Awrumele in Sochat schew. Beide haben dem Warschauer „Jüdischen Wahlkomitee' ihre Haskamah (Bestätigung) zuteil werden lassen. (Bekanntlich unterstützt das „Jüdische Wahlkomitee" die Progressive Vereinigung Polens.) So werden also Swientochowski und Krzywicki, der radi kale und der liberale Kandidat für Warschau, von den Wunderrabbi:* protegiert. Freilich sind trotz aller Mühe die liberalen Chancen in Warschai sehr zweifelhaft. Die nationale Agitation kennt keine Grenzen spart keine Mühe und scheut keine Mittel, ihre Gegner zu dis kreditieren. Natürlich spielt dabei das jüdische Motiv die Haupt rolle. Mit der größten Hartnäckigkeit wird die Legende auf rech.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.