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Die Welt · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 8 DIE^ELT 13 kauft, der Palästinaverein gewinnt Mitglieder, der Öelbaumfonds wird gut bedacht, die eigens zum Zwecke der Unterstützung des „Bezalel" gegründeten Bezalelvereine sammeln eifrig Geld für dessen Zwecke und bereiten den Boden für die spätere Aufnahme der Erzeugnisse der Jerusalemer Kunstschule vor. Und erfreulicherweise stehen da die proletarischen Kreise der „PoaleZion" mit in erster Reihe. Und daß der Nationalfonds nicht vernachlässigt wird, das beweist die von Ihnen in der letzten Nummer veröffentlichte Tabelle, aus der hervorgeht, daß in Amerika im letzten Halbjahr fast £ 650 mehr für den Nationalfonds gesammelt wrorden sind, als im ganzen Jahre 1906, so daß Amerika bei weitem an der Spitze aller für den Nationalfonds sammelnder Länder steht. Aber auch die anderen Länder sind nicht müßig. Süd-Afrika hat laut Ausweis in wenigen Wochen über £ 2000 für das palästinensische Waisenhaus aufgebracht, in England entfaltet der neugegründete Palestinian-Club eine neue systematische Tätigkeit, und in Österreich ist sogar ein Kolonisationsverein zustande gekommen, der seine Mitglieder aus den Kreisen der bisher verstocktesten Assimilation holt und Bestrebungen in Hinsicht auf Palästina verfolgt, denen jeder Zionist nur Gedeihen wünschen kann. In Deutschland aber ist es still. Hier etwas, da eine Kleinigkeit, im großen ganzen aber wenig, bitter wenig. Nichts von einem elementaren Palästinazug, nichts von einem besonderen Erfolg der Sammlungen. Und wenn jetzt die Palästinaschekel, für deren Einführung mit so viel Feuer und Eifer gekämpft wurde, ausgegeben werden, so bin ich der Meinung, daß der stille Weg durch Briefe an die Ortsgruppen nicht der richtige ist. Nun kann man durchaus nicht sagen, daß den Ortsgruppen, daß den Zionisten in Deutschland selbst diese Lauheit und Mäßigung sympathisch ist. Aber der Geist, der über den Wassern schwebt, will offenbar nicht so recht, dem Zentralkomitee der deutschen Bewegung liegt das Eintreten für die praktische Palästinaarbeit offenbar nicht so sehr am Herzen, wie vielen deutschen Zionisten. Nicht, als ob man die Palästinabegeisterung nicht wolle — davon kann ja keine Rede sein — aber man ist sich der Bedeutung der Platfonn des Praktischen in unserer Bewegung und der tatsächlichen gegenwärtigen Stimmung der Organisation scheinbar nicht bewußt oder hat ein falsches Bild von ihr. Die Vorsteher des deutschen Zionismus sind offenbar noch in dem Glauben befangen, daß das vorsichtige Abwägen nach beiden Seiten (und unter der zweiten meine ich natürlich die Anhänger des Nur-Diplomatischen), das zunächst nach dem 7. Kongreß insbesondere in Deutschland vielleicht am Platze schien, auch heute noch geboten sei. Man hat nicht bemerkt, daß inzwischen die Entwicklung über die Bedenken hinweggeschritten ist und vom Zionismus überall verlangt, daß er Palästinazionismus im vollen Sinne des Wortes sei, wenn er überhaupt sein will. Und es scheint mir, als ob sich die ungünstigen Folgen dieser zaghaften Politik bereits deutlich bemerkbar machen. Überall, wo die Palästinabewegung so mächtig eingesetzt hat, sehen wir, daß der Zionismus einen großen Aufschwung erlebt hat. In Amerika wächst der Zionismus mehr und mehr zn einem der ersten Faktoren Jes jüdischen Lebens aus, in Kanada, England, Süd-Afrika entstehen fortwährend neue zionistische Gruppen, und in Rußland hat -ich derZionismus um das Palästinaprogramm trotz derschlimmen Zeiten fruchtbar konsolidieren können. Und in Deutschland? Der deutsche Zionismus geht seinen altgewohnten, sehr langsamen Gang. Jährlich 2 oder 3 Neugründungen, die Sammlungen für den Nationalfonds vermehren sich um die obligaten 5"'.», es wird nicht weniger* aber es wird auch nicht viel mehr. Und doch ist die deutsche jüdische Bevölkerung vielleicht noch die einzige, auf die das so oft falsch gebrauchte Wort von der jüdischen Wohlhabenheit mit einigem Schimmer von Recht angewandt, werden könnte, und doch sind unter den deutschen Zionisten durchaus nicht die Ärmsten der Armen. Es ist allerdings nicht zu verkennen, daß an dem Aufschwung in Rußland und Österreich nicht zum wenigsten die kühne Energie Anteil hat, mit der sich die Zionisten dieser beiden Länder dem innerpolitischen Kampf zugewendet haben. Und auch in den englischsprechenden Ländern wäre das Wachstum der zionistischen Bewegung sicher nicht in dem Maße erfolgt, wenn die Zionisten dort sich nicht so eingehend mit der politischen Vertretung der jüdischen Interessen befaßt hätten und befaßten, als es geschieht. Es kann meines Erachtens keinem Zweifel unterliegen, daß die deutschen Zionisten im Interesse der so arg bedrohten deutschen Judenheit, im Interesse aber auch des Fortschrittes des Zionismus in Deutschland auch nichts besseres tun könnten, als — wie ihnen in letzter Zeit mehrfach geraten wurde — bald und nachdrücklich die Führung der deutschen Juden im politischen Kampfe zu übernehmen, den die deutsche Judenheit wird ausfechten müssen, wenn sie nicht von der Reaktion zu Boden gedrückt werden will. Aber die deutschen Zionisten, die so sehr kunktatorisch sind und in deren Kreise so wenig von dem sprühenden Feuer des Elementar- Wagemutigen wahrzunehmen ist, das heute nicht mehr nur Alleineigentum der östlichen Zionisten ist, das wir mit Freude und Stolz entdecken auch in vielen Äußerungen des neuen anglo-amerikanischen Zionismus, die deutschen Zionisten scheinen nichts mehr als das Wort von der deutsch-jüdischen Partei zu scheuen. Sie warten lieber, bis die Ereignisse, die stärker sein werden als der stärkste Wille des Assimilationsjudentums, dieses gezwungen haben wird, sich auch in der innerdeutschen Politik auf eigene, auf jüdische Füße zu stellen. Aber wenn sie schon diesen „politischen" Zionismus als unzionistisch oder inopportun nicht annehmen wollen — den Palästinazionismus im Sinne der gegenwärtigen direkten Einwirkung auf das Land — sollten wir deutschen Zionisten nicht so vernachlässigen. Es genügt nicht, eine mustergültige Organisation zu haben, Zirkulare und Broschüren zu verschicken, Schekel zu sammeln und Delegiertentage zu veranstalten. Die Masse verlangt Begeisterung, verlangt ein Ideal, dessen Elemente zum Teil schon jetzt sich verwirklichen lassen. Überall in der Welt hat sich die Wirkung der Palästinaagitation bewährt. Sind die deutschen Juden denn wirklich aus anderem Holze? Oder sollte die Schuld etwa nur an den maßgebenden Faktoren, dem Zentralkomitee, liegen, das den außerordentlich großen Reiz und starken agitatorischen und — nota bene tatsächlichen —- Wert der Palästinaarbeit nicht würdigen kann, oder nicht zu würdigen - wagt? Hochachtungsvoll mit Zionsgruß Stnd. phil. A. W. o o o o o o o o o o o o o Jl AUS DER BEWEGUNG (f ' jjOOOOOOO ~~=^\ o o o o o o Das innerösterreichische Distriktskomitee des Verbandes Zion uit die Schekelsammlung pro 1907 für die Zeit vom 15. bis 'S. Februar festgesetzt und nachstehenden Aufruf erlassen: Gesinnungsgenossen! Die Schekelzahlung als Bekenntnis zum zionistischen Programm ird dieses Jahr gewiß mit erhöhtem Stolz geleistet werden. Denn ■;icht nur die Zahl der Anhänger, auch das Gewicht und Ansehen or zionistischen Bewegung ist gerade in letzter Zeit mächtig geachsen. Neuerlich hat es sich gezeigt, daß der Zionismus, indem;' unausgesetzt daran arbeitet, dem jüdischen Volk eine bessere ■'ukunft zu schaffen, zugleich die einzige jüdische Bewegung ist, eiche den an das Judentum herantretenden Problemen des Tages gewachsen ist und eine wirklich fruchtbare Gegenwartsarbeit zu isten vermag, und so wird der zionistischen Bewegung fast unbestritten die Führung in allen das Judentum bewegenden Fragen Verlassen. Dies ist niemals so deutlich hervorgetreten, wie anläßlich der für die Zukunft der Juden so wichtigen politischen Umwälzungen welche sich jetzt in Österreich vollziehen. Die zionistische Organisation in Österreich beschäftigt sich als solche nicht mit Fragen der inneren Politik, ist keine politische österreichische Partei. Als aber die Wahlreform für die Juden in Österreich zu einer Existenzfrage wurde, als es sich zeigte daß das neue Wahlsystem je nach seiner Gestaltung entweder die Juden gänzlich aus dem Parlamente verdrängen oder aber umgekehrt gerade ein Mittel sein konnte, ihnen dauernd eine wirksame und unabhängige und achtunggebietende parlamentarische Vertretung zu sichern, da waren es die Zionisten und nur diese allein, welche die Situation erfaßten und beherrschten. In hunderten zionistischen Versammlungen, in zionistischen Massenpetitionen und Massentelegrammen kam das Verlangen nach einer entsprechenden jüdischen Minoritätsvertretung stürmisch zum Ausdruck, und als wenigstens die Schaffung einiger überwiegend jüdischer Wahlkreise durchgesetzt worden war, wurde durch die Zionisten eine jüdischpolitische Partei, die „Jüdische Nationalpartei in Österreich", geschaffen, ein jüdisch - österreichisches Programm entworfen, die Vorbereitung für die nächste Wahlkampagne getroffen, und aller

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