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Die Welt · 1907-02-22 · 8 (22.2.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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14 DIE^KI ELT Voraussicht nach, wie es in Rußland geschah, werden einige unserer Führer als unerschrockene und einzig berufene Vertreter jüdischer Volksinteressen in das nächste Parlament gelangen. Der Kampf innerhalb des Judentums* das heißt, um eine aufrechte nationälbewüßte und sozialfortschrittliche Kultusrepräsentanz ist von uns überall mit Nachdruck und Würde geführt worden; dieser Kampf hat sich insbesondere in Wien zu einer imponierenden Heerschau über die unaufhaltsam wachsende Zahl unserer Anhänger gestaltet und weiten Kreisen des Judentums neues Interesse für jüdische Fragen eingeflößt. Indem der Zionismus sich so den Kämpfen und Sorgen des täglichen Lebens nicht entzieht, weil ihm nichts Jüdisches fremd ist, läßt er die Förderung seiner Hauptaufgabe, der Bildung eines jüdischen Volkszentrums in Palästina keinen Augenblick außer acht, sondern die Arbeit hierfür wird** immer ausgedehnter und erfolgreicher. Auch dem Skeptischsten wird nun klar, daß durch eine mit modernen Mitteln und Methoden arbeitende, planmäßige, großzügige, auf dem Volkswillen sich aufbauende und dem Volksempfinden Rechnung tragende Wirtschafts- und Sozialpolitik, wie sie durch die zionistische Organisation jetzt in Palästina betrieben wird, in verhältnismäßig kurzer Zeit ganz andere Erfolge erzielt werden als durch das bisherige, viele Millionen fruchtlos verschwendende System der Philanthropie. Die Aktionen unserer Palästinakommission sind planmäßig darauf gerichtet, Grund lind Boden in Palästina, solange er noch zu mäßigen Preisen erhältlich ist, in jüdische Hände zu bringen (Palästinapflanzungsvereinj, neben der Förderung der bestehenden jüdischen Kolonien (Bildung von Kreditgenossenschaften, Lehrfarm, landwirtschaftliche Versuchsstation) große leistungsfähige Plantagenunternehmungen ins Leben zu rufen (Agrikulturgesellschaft), Kunstgewerbe und Hausindustrie zu entwickeln (Bezalel), das Land industriell zu erschließen (Industriesyndikat), wobei unsere Palästinabank mit dem immer weiter sich ausdehnenden Netz ihrer Filialen alle diese Aktionen auf das nachhaltigste stützt und fördert. Mit der Entwicklung der genannten Unternehmungen werden einer beständig steigenden Zahl von in Palästina ansässigen und dahin zuströmenden Juden Erwerbsmöglichkeiten geschaffen, wobei das neugegründete Informationsbureau, in Jaffa durch seine beratende Tätigkeit bemüht ist, die Art und Stärke der Einwanderung nach Möglichkeit mit den im Lande herrschenden Verhältnissen in Einklang zu bringen. Diese kraftvolle Betätigung auf allen Gebieten jüdischen Lebens hat sich als die wirksamste Propaganda für die zionistische Idee erwiesen. Der "Vorwurf der Utopie ist fast gänzlich verstummt, und täglich strömen der zionistischen Organisation neue Anhänger zu. Allein in unserem Distrikt haben sich von 1905 bis 1906 die Schekeleingänge um 50 ",-o gehoben. In immer weitere jüdische Kreise dringt die Erkenntnis, daß es außerhalb des Zionismus kein Judentum gibt. Es gibt zwar viel „Jüdisches": jüdische Philanthropie, jüdische Religiosität, jüdische Wissenschaft etc., aber es gibt nur eine große Synthese des Judentums: den Zionismus. Der Zionismus ist die politische, soziale und kulturelle Renaissance des jüdischen Volkes. Er ist die Liebe zur jüdischen Freiheit. Er ist das Heimgefühl für den jüdischen Boden. Er ist der Stolz auf unsere Geschichte. Der Zionismus ist die ideale Forderung an jeden Stammesgenossen, die sittliche Pflicht eines jeden Juden. Wer Jude sein will, hat sich zum Baseler Programm zu bekennen und die neue jüdische Volkssteuer, den Schekel, zu entrichten! Mit Zionsgruß: Das Innerösterreichische Distriktskomitee, IX., Türkenstraße 9: Dr. Isidor Marguli es, Obmann. Emil Stein, Schriftführer. Adolf Böhm. Dr. Paul Weisengrün. Heinrich Leder er. Max Markus. Leo van Young. Dr. Leopold Meisel. Erklärung der jüdisch-nationalen Verbindungen Wiens. Anläßlich des Stiftungsfestes einer deutsch-liberalen Studentenverbindung haben an der Wiener Universität Demonstrationen stattgefunden, welche nebst anderen damit im Zusammenhange stehenden Vorfällen die unterzeichneten Verbindungen zur Feststellung ihrer prinzipiellen Haltung gegenüber den deutsch-liberalen Verbindungen veranlassen: Die paar deutsch-liberalen Korporationen bestehen zu fast 95 0« aus Mitgliedern, die entweder ungetaufte Juden sind oder den dort herrschenden und forcierten Traditionen mutwilligster Taufen gefolgt sind. Es ist selbstverständlich nicht Sache der unterzeichneten Korporationen, irgend wem ein politisches oder nationales Bekenntnis vorzuschreiben, und es könnte ihnen von diesem Gesichtspunkte aus gleichgültig sein, ob diese Herren alljährlich, wie bisher, einige NO. 8 indifferente jüdische Akademiker anlocken, um sie systematisch dem Judentum zu entfremden und ihnen ein erlogenes Deutschsein zu suggerieren. Nicht gleichgültig aber ist es uns, wenri diese sogenannten „deutsch-freisinnigen" Studenten den jüdischen Namen, welchen zu Ansehen zu bringen die Unterzeichneten mit allen Kräften und nicht, ganz ohne Erfolg bemüht waren, dadurch entehren, daß sie den deutschen Ariern ihre Anhängerschaft und unwillkommene Gefolgschaft trotz aller moralischen Fußtritte (Ehrlosigkeitserklärung gegen Juden und Judenstämmlingö, prinzipielle Ausschließung von allen Aktionen und Kundgebungen der deutsch-arischen Studentenschaft u. dergl.) immerfort aufdrängen. Bezeichnend für diese würdelose Stellung sind zahlreiche Erklärungen von Deutschnationalen über die ethische Minderwertigkeit und politische Charakterlosigkeit des deutsch-jüdischen Standpunktes gegenüber dem jüdisch-nationalen. Gleichgültig ist es ferner nicht, wenn deutsch-liberale Korporationen den Mut der Lächerlichkeit aufbringen und jüdisch-nationalen Verbindungen Satisfaktion umit der famosen Begründung verweigern, daß „sie ihre deutschen Klingen mit ihnen nicht kreuzen, weil sie deutsche Art und Sitte an der alma mater verunglimpfen". Jeder Unbeteiligte wird zugeben müssen, daß der Kampf, der unserseits Juden gegenüber am liebsten vermieden wird, unter solchen Umständen notwendig, nützlich und unausbleiblich ist. Wir haben den Kampf um das Ansehen und die Ehre der jüdischen Studentenschaft, um die Ehre unseres Volkes gegen numerisch weit überlegene Gegner unter den schwierigsten Verhältnissen nicht gescheut und werden gewiß auch einen Weg gegen Juden, welche als solche eine würdevolle und selbstbewußte Haltung Schritt für Schritt vermissen lassen, zu finden wissen. Wir werden ihn zähe, rücksichtslos bis zur letzten Konsequenz verfolgen. Dies diene zur Aufklärung der jüdischen Öffentlichkeit und speziell der jüdischen Jugend, die durch tendenziöse Berichte und leere Äußerlichkeiten irregeführt werden könnten. Die jüdisch-akademischen Verbindungen: „Ivria", „Kadimah", „Maccabäa", „Unitas" in Wien. Norddeutscher Gruppenverbandstag in Hannover. Am 3. März d. J., vormittags 11 Uhr, findet in Bremen, Hotel Levy, Bahnhofstraße, der diesjährige Norddeutsche Gruppenverbandstag statt. ■ Wir laden, unter Hinweis auf die eridstehende Tagesordnung, alle Gesinnungsgenossen, Damen und Herren, welche im Distrikt ihren Wohnsitz haben, dazu ein, und dürfen uns wohl der Hoffnung hingeben, zu den wichtigen und interessanten Verhandlungen einen recht zahlreichen Besuch erwarten zu dürfen. Tagesordnung: 1. Referat über die allgemeine Lage des Zionismus. 2. Agitation und Propaganda im Distrikt. 3. Organisation. 4. Neuorganisation der Nationalfonds-Kommission. 5. Verschiedenes. Nachmittags 2, Uhr zwangloses gemeinschaftliches Mittagessen, Die Namen cler Referenten werden in nächster Nummer bekannt gegeben. ' * Anmeldungen zur Teilnahme bitten wir möglichst b'aki an Herrn J. Schnelling, Hannover, Herschelstraße 2, zu richten. Mit Zionsgruß! Ludwig Meyer, J. S c h n e l Ii n g, Schriftführer. Geschäftsführer. t Mitteilung des „Deutschen Bureaus des Jüdischen Nationalfonds, Abteilung für Propaganda44, Breslau VI, Königsplatz 3b. 1. Wir bitten alle diejenigen Ortsgruppen, welche bereit sind gelegentlich des Purimfestes eine Sammlung für den Nationalfond^ zu veranstalten, uns davon umgehend Mitteilung zu machen, damii wir ihnen rechtzeitig die sich dazu besonders eignenden Sammei bogen zugehen lassen können. 2. Diejenigen Ortsgruppen, die zu Purim ein Fest veranstalten, werden gebeten, die Billetts, Programme, Purimzeitungen u.dgl. zu gunsten des Nationalfonds mit 5 Pfg. pro Exemplar (durch Beklebe;; mit einer Nationalfondsmarke) zu besteuern,

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