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Die Welt · 1907-02-15 · 7 (15.2.1907) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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DIE England Die Jahreskonferenz der English-Zionist-Federation hat im ganzen Lande einen guten Eindruck hinterlassen. Die Zionisten haben neuen Mut, sind gehoben und gekräftigt durch die Tatsache, daß diese Konferenz die Versöhnung alter Gegensätze gebracht hat, und daß nunmehr auch die englische Federation vollkommen frei von allen Differenzen ist, die bisher ein wirksames Arbeiten nur allzuoft störten. In einer am Sonntag den 10. Februar stattgehabten Sitzung des neugewählten Vorstandes der Federation gab Herr Dr. Gas ter diesem allgemeinen Empfinden Ausdruck, indem er sagte: „Mit vereinten Kräften und verdoppelter Stärke wollen wir alle daran mitarbeiten, daß der Zionismus das Licht der Judenheit werde und wollen unent- ELT No. 7 wegt aufrecht halten unsere Hoffnung auf eine schnelle und endgültige Lösung der Judenfrage durch den Zionismus." Der Sitzung lagen eine Reihe von Fragen vor, die zur allgemeinen Zufriedenheit erledigt wurden. Es wurde beschlossen, in kürzester Frist ein Flugblatt herauszugeben und es in allen Gemeinden des Landes zu verbreiten. Am 19. Februar soll die nächste Sitzung des Exekutivkomitees stattfinden. Zur Nachahmung empfohlen Die israelitische Gemeinde in Philipopel hat in ihrem Etat eine Summe von Frcs. 250 als Beitrag der Gemeinde zum Jüdischen Nationalfonds eingesetzt und die Summe dem Nation alfonds schon abgeführt. CEE o o o o o o o 2:sr NACHRICHTEN °??0<5c ooooooooo Palästina-Nachrichten Die jüdischen Arbeiter in Palästina organisieren sich immer kräftiger. So haben sie vor kurzem einen Arbeiterklub in Jaffa eröffnet, wo sie sich allabendlich zum gegenseitigen Gedankenaustausch versammeln. Dort findet man alle bedeutenderen jüdischen und zionistischen Zeitungen und Zeitschriften, in hebräischer, deutscher, jüdischer und russischer Sprache. Es wird weiter projektiert, dort literarische Abende und wissenschaftliche sowie populäre Vorlesungen abzuhalten. In einer der letzten Versammlungen der organisierten und unorganisierten Arbeiter in Jaffa wurde beschlossen, sich zum Zwecke der Errichtung von billigen Wohnungen und Restaurants, von unentgeltlichen Bibliotheken und Lesehallen, von Konsumgenossenschaften etc. für jüdische Arbeiter, in allen palästinensischen Städten und Kolonien zu vereinigen. Außer dem erwähnten Klub wurden bis jetzt gemeinsame Küchen in den Kolonien Rechoboth und Petach- Tikwah eröffnet, die den Arbeitern billiges und gutes Essen verschaffen. Das Odessaer Palästinakomitee hielt unter dem Vorsitz von M. M. Ussischkin eine Sitzung ab, auf der einige Palästinaangelegenheiten erörtert wurden. Zunächst wurde der Vorschlag von Prof. Schatz, betreffend die Eröffnung von Kursen für Steinhauer bei der Schule „Bezalet" erörtert. Prof. Schatz wies hin auf die Wichtigkeit dieses Arbeitszweiges, der sich bis jetzt gänzlich in den Händen der Araber befindet. In Jerusalem allein z. B. bauen Juden jährlich Häuser für eine halbe Million Francs. Die Ausgaben wurden von Prof. Schatz auf 55 Frcs. pro Schüler beziffert (25 Frcs. die Werkzeuge und 40 Frcs. die Kost während 2 3 Monaten der Lehrzeit). Für den Anfang wird die Aufnahme von 50 Schülern projektiert. Das Komitee hat diesen Vorschlag sehr sympathisch aufgenommen und bewilligte die von Prof. Schatz verlangte Subvention von 2500 Frcs. Es wurden nur einige Einzelheiten diskutiert, darunter die Frage, ob man bei der Aufnahme von Schülern den Söhnen der Kolonisten oder neuangekommenen Arbeitern den Vorzug geben soll. Schließlich wurde die Ausarbeitung der Details Prof. Schatz gemeinsam mit dem Bevollmächtigten des Komitees in Palästina, Herrn Dr. Chissin, überwiesen. Weiter wurde die Frage einer Subvention von 1 300 Frcs. für einen bezahlten Sekretär für das neu errichtete „Vereinigte Palästinakomitee" erörtert. Dieses Komitee entstand folgendermaßen: Wie bekannt, hat die Jahreskonferenz in Köln ein Palästinakomitee errichtet das aus den Herren Levontin, Doktor L. Kohan und Dr. Jakobson bestehen sollte. Dieses Komitee erwies sich jedoch infolge anderweitiger Beschäftigungen als unzureichend, und so entstand der Gedanke, eine neue, ähnliche, aber erweiterte Institution einzurichten. In der ersten zu diesem Zwecke einberufenen konstituierenden Versammlung in Jaffa wurde beschlossen, das von der Jahreskonferenz errichtete Komitee beizubehalten, es aber durch Hinzuziehung von Repräsentanten anderer zionistischer Organisationen zu erweitern. Die erwähnte Subvention von 1 300 Frcs. nun wurde für einen Sekretär für dieses Komitee veilangt. Das Odessaer Palästinakomite, welches schon längst den Gedanken hegt, eine permanente Kommission in Palästina zu errichten, welche den Zweck haben soll, an Ort und Stelle Materialien zu sammeln, die zur Entscheidung verschiedener konkreter Probleme der Palästinatätigkeit dienen sollen, nahm nach längeren Debatten folgende Resolution an: „Das Komitee begrüßt den Gedanken der Errichtung einer permanenten Kommission in Palästina aufs wärmste. Es ist ihm aber unklar, welchen Charakter dieses Komitee nach den Gedanken seiner Begründer tragen soll. Seinerseits teilt es den Gedanken seines Vorstehers, Dr. Chissin, daß es am geeignetsten wäre, ein unabhängiges beratendes Kollegium:!:) zu schaffen, an welchem die Vorsteher verschiedener im Lande arbeitender . Korporationen und Institutionen mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten Anteil nehmen sollen. Das Odessaer Palästina-Komitee wird dann seinerseits gerne einen Teil der Ausgaben beisteuern." Vor kurzem wurde in Jaffa von den Herren Trietsch, Weiß, Itin und Vogelsohn ein Kunstatelier eröffnet, wo Holzsachen, angefangen von ganzen Möbel-Einrichtungen bis zu den kleinsten Photographie-Rahinen angefertigt werden sollen. Bis jetzt haben dort 18 Arbeiter Beschäftigung gefunden. Die Begründer des Unternefimens hoffen, mit der Zeit es bedeutend erweitern zu können, wenn ihre Erzeugnisse, was zu erwarten ist, Absatz finden werden. Mau kann dem jungen Unternehmen nur Erfolg wünschen, da es dazu dienen wird, den künstlerischen Geschmack unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu heben und anderseits es jüdischen Arbeitern neue Beschäftigung verschaffen wird. : i Dieses Kollegium ist seither geschaffen worden. Vgl. die Mitteilungen aus Palästina in der Rubrik: „Aus der Bewegung". Neue Pogromgefahren infolge des Wahlkampfes Aus Odessa kommen fortwährend Hiobsposten. Anläßlich der Ermordung des Hauptmanns Sienkewitsch, — es handelte sich um einen politischen Racheakt, mit dem die Juden nichts zu tun hatten, — wurde ein förmlicher Pogrom en miniature in Szene gesetzt. Bei der Beerdigung Sienkewitschs wurden die Juden auf den Straßen Preobraschenskaja, Mataja und Bolschaja, Arnautskaja, Uspienskaja, Troitzkajja, Nieschynskaja, Koblewskaja, Sadowskaja und Torgowaja von einer organisierten schwarzen Bande in der Nähe der Polizeiwache angegriffen und blutig geschlagen. Eine Menge Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, wurden verwundet, furchtbar zugerichtet. In Moldawanka, einem Armenstadtteil, wurde von der Polizei eine Haussuchung en gros veranstaltet, wobei unglücklicherweise Bomben entdeckt worden sind; Bei dieser Gelegenheit hat auch jemand einen Schutzmann erschossen. Daraufhin wurden sämtliche Querstraßen belagert, darunter die Hospitalnaü und Bolgarskaja, die von Juden dicht bevölkert sind. Die Szenen, die sich dort abgespielt haben, sind unbeschreiblich. Auf Grund einer Mutmaßung, daß der Mörder des Schutzmannes sich irgendwo versteckt halte, hatten die Soldaten die Dächer besetzt und von dort aufs geradewohl auf die Straßen geschossen. Aus den Häusern wurden die Einwohner herausgetrieben und die Hausgeräte zerstört. Da man den Mörder nicht finden konnte, wurden inzwischen 16 Juden verhaftet, trotzdem bezüglich ihrer kein Schatten von Verdacht vorhanden ist. Unter den Verhafteten befindet sich eine Familie mit kleinen Kindern. In Jekaterinoslaw fraternisieren die Behörden mit den „Echt- Russen" ganz offen. Der Verband echt-russischer Männer veranstaltete eine Versammlung, bei der sich der berüchtigte Gouverneur Klingenberg beteiligte, wo Hetzreden schlimmster Art gegen die Juden gehalten worden sind. Bekanntlich repräsentierte in der früheren Duma ein halb konservativer, halb antisemitischer Abgeordneter (Sposobny) diese Stadt. Nun gab es damals einen Moment, wo man zur Annahme berechtigt war, daß Ussischkin dort durchdringen Werde. * Als die christliche Bevölkerung, die zum großen Teil unter dem Einflüsse der Schwarzen steht, die Wahrscheinlichkeit einer jüdischen Wahl vor Augen hatte, setzte sie Schreckensgerüchte in Kurs, ein Pogrom sei im Anzüge. Die geängstigten Juden wurden durch die Gerüchte eingeschüchtert und

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