Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 7 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 ^lE^EELT 17 lebt, die froh wären, die Möglichkeit zu haben, sich auf anständige Weise ihr Brot zu erwerben. Wir verlangen darum, daß es in : Zukunft verboten sein soll, daß Ländereien des Nationalfonds von Nichtjuden bebaut werden. Es herrscht ein großer Mangel ah f Schulen, Büchereien und Zeitungen. Auch darin müßte Abhülfe* geleistet werden. Zum Schlüsse wünschen wir, daß dieses Kollegium* das die Versammlung einberufen hat und das sich zusammensetzt aus Vertretern aller Schichten der jüdischen Bevölkerung Palästinas, anerkannt werde, als eine autoritative Körperschaft und gehört werde bei allen Dingen, die den Zionismus in Palästina betreffen." Herr Wolffsohn dankte in seiner Antwort zunächst für die herzliche Begrüßung, die ihm zuteil geworden war und bedauerte, nicht in der Lage zu sein, ausführlich auf die Rede des Herrn Scheinkin zu antworten, weil er gezwungen sei, sich zu schonen: „Ich kann Ihnen nur meine aufrichtige Freude darüber aussprechen, eine so große und würdige Versammlung von Zionisten hier zu sehen. Diejenigen Zionisten, die in Palästina leben, brauchen nicht erst den Schekel zu bezahlen, um zu beweisen, daß sie Zionisten sind. Ich erkenne den großen Wert ihrer Arbeit für die Zukunft unseres Volkes. Die Wünsche, die man hier vorgebracht hat, gehören indessen nichtsdestoweniger in das politische Gebiet, und darum ist für uns vorläufig unmöglich, Ihnen deren Erfüllung zuzusagen. Aber ich kann Ihnen versichern, daß Ihre Wünsche auch die unseren sind. Unser Herzl war genau derselben Ansicht. Das beweisen die mannig fachen Institutionen, die -er hier ins Leben gerufen hat, und die nach seinem Tode in seinem Geiste weitergeführt werden. Wir tun alles, was wir können. Sie aber können mehr tun, als wir, denn Sie leben an Ort und Stelle. Sie müssen mannhaft stolz weiter arbeiten, aber Sie dürfen von uns nichts Unmögliches verlangen. Ebenso wie es unsere Aufgabe ist, zu versuchen, die Erlaubnis zur freien Einwanderung der Juden in Palästina zu erlangen, ebenso müssen Sie an der Erreichung dieses Zieles mitarbeiten, indem Sie beweisen, daß Sie treue und nützliche Untertanen dieses Landes sind... Es ist gewiß sehr gut, den Kindern hebräischen Unterricht zu geben, aber die Kenntnis der arabischen Sprache ist auch notwendig, denn sie setzt uns in den Stand, in gutem Einvernehmen mit unseren Nachbarn zu leben. Bei meinem Aufenthalte in Südafrika habe ich wiederum gesehen, wie weitverbreitet und wie mächtig der Zionismus dort ist, und ich habe mir dabei gedacht, wie blühend unsere Bewegung sein könnte, wenn Rußland frei wäre, Sie können sie blühend machen, wenn Sie sich ihrer Verantwortlichkeit mehr bewußt werden. Palästina wird einmal unsere Heimstätte werden, und Sie dürfen daran nicht verzweifeln. Sie müssen sich bewußt sein, daß die Augen aller Ihrer Brüder in den Ländern des Golus auf Sie gerichtet sind. Ich hoffe Sie wieder zu sehen und danke Ihnen nochmals für den guten und schönen Empfang, den Sie mir bereitet haben. * * * Zur Zeit der Anwesenheit des Herrn Wolffsohn wurde in Jaffa ein Palästinensisch-Zionistisches Kollegium gebildet, das aus folgenden Herren besteht: Scheinkin und Dr. Leo Kohan, Mitglieder des A.C., Dr.Chissin, Vertreter des „Odessaer Komitees", Ing. Disenhof für die Verwaltung des Nationalfonds, Swerdloff für die Arbeiter, Eis er mann für die Handwerker, Sochowolsky für die Geschäftstreibenden, Kritschewski für die Lehrer, Dr. Joffe und Metmann für die Angelegenheit des Bildungs- und Erziehungsweseris. Das Kollegium wandte sich an Herrn Wolffsohn mit dem Ersuchen, das A. C. möge es als offizielle Körperschaft anerkennen und sich verpflichten, in allen Palästina betreffenden Angelegenheiten das Kollegiuni zu Rate zu ziehen. Deutschland Hamburg. Herr Julius Hollander aus Altona veranstaltete am 30. Januar die erste zionistische Versammlung in Christiania. Er sprach unter lebhaftem Beifall in einstündiger Rede über das Thema: „Der Zionismus als Lösung der Judenfrage". Der Erfolg war ein recht befriedigender; trotz geringer Besucherzahl wurden nach angeregter Diskussion 33 Schekelzahler gewonnen. Herr Hollander setzte ein Komitee zur Gründung einer Ortsgruppe ein, ur beabsichtigt, demnächst auch in Schweden in einer Reihe von Städten zionistische Vorträge zu halten. Das Hanseatische Verbandsbureau in Hamburg hat sich im Einverständnis mit dem A.-C.-Mitglied Herrn Dr. Frankel-Kopenhagen bereit erklärt, bei der Agitation und Organisierung neuer Ortsgruppen in den skandinavischen Ländern soviel als möglich mitzuwirken. — Der christliche ^hilozionist Herr Generalkonsul Paul Ed. Nölting, der schon wiederholt unserer Ortsgruppe ansehnliche Zuwendungen gemacht hat, zeichnete Mk. 880.— (11 Dunatn Land) für den „Pflanzungsverein Palästina". Die Ortsgruppe ehrte ihn, indem sie auf seinen Namen 10 Ölbäume pflanzen ließ. Hamburg. In der Zionistischen Ortsgruppe von Hamburg- Altona sprach Herr Dr. Bloede-Nürnberg über „Die Juden als Rasse". Der Redner führte etwa das Folgende aus: Ohne den Standpunkt der orthodoxen Rassentheorethiker zu teilen, die in der Rasse den höchsten Gattungsbegriff annehmen, muß man in der Rasse doch mehr als nur ein Einteilungsprinzip sehen; man muß sie als eine dauernde, sich erhaltende und entwickelnde Lebenseinheit auffassen. Die Juden hielt man zunächst für reine, unvermischte Semiten, wie das heute noch Beduinen und Araber sind. Man lernte indes bald genug die sogenannten exotischen Juden kennen, wie die Kala Israel in Cochin, schwarze Juden, die sich von der Umgebung fast gar nicht unterscheiden, die chinesischen Juden in Kai-fung-fu mit langen Zöpfen und durchaus chinesischer Physiognomie, die Zafy-Jbrahim an der Ostküste Madagaskars, von der Urbevölkerung nicht zu unterscheiden, die Marambu, die an der Bangoküste Afrikas entdeckt wurden und negerhaften Typus haben, und endlich die Bergjuden des Kaukasus. Jüdische Physiognomien entdekte man nun überall, es gibt kaum ein Volt, in dem man nicht Nachkommen der verlorenen 10 Stämme zu sehen vermeinte, in den Japanern so gut, wie in den Rothäuten Amerikas. So glaubte man denn die Juden in drei Gruppen einteilen zu müssen: 1. die spanischen, um das Mittelmeer herum wohnenden, echte Semiten, 2. die aschkenasischen, Westeuropa bewohnenden, mit der Umgebung stark vermischte Semiten, und 3. die russischen Juden, keine Semiten, sondern Nachkommen der hiej wohnenden mongolischen und slawischen Stämme. Der Redner kommt nach weiteren Erörterungen zu dem Schluß, daß die Juden inbezug auf Schädelform, Haar und Augenfarbe ganz wesentlich von den Semiten abweichen. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Ursache die Vermischung mit nicht semitischen Völkern gewesen ist. Es ist daher nicht gerechtfertigt, die Juden zu den reinen Semiten zu zahlen. Semitisch ist nur die hebräische Sprache. Die Ausführungen des Redners fanden bei den zahlreich erschienenen Hörern lebhaften Beifall. - Zentralbureau des jüdischen Natibnalfonds in Wien Aufstellung der vom 1. Juli 1906 bis inkl. 31. Dezember 1906 zugunsten des jüdischen Nationalfonds empfangenen Beträge, _nach Ländern geordnet:_ Land Nat.- : R h Marken! Buch i £ i £ Spenden £ Insgesamt £ Zum Vergleich: Eingang vom 1. 7. 1905 bis 30. 6, 1906 (12 Monate) £ Rußland .... 271.13. 7 386.13.10 402, 0. 0 1060. 7. 5 3991.11. 2 England .... 24.15. 6161. 3. 4 95.17. 8 281.16. 6 361.11.— Canada .... — i 42. 3. 3 0. 5. 3 42. 8. 6 22.18.11 Südafrika . . . —;523. 1. 5 55.14. 1 578.15. 6 1724. 9.— Österr.-Ungarn . 73.1 1. 7 53.16. 7 886. 1. 5 1013. 9. 7 1817. 5. 5 Nord-Amerika . 792. 9. 7 251.16. 6 504.17. 7 1549. 3. 8 913.16. 1 Deutschland . . 38. 5.11168. 2.11 326.18. 9 533. 7. 7 903. 2. 3 Rumänien . . . — 1251.17.10 4. 8. 9 256. 6. 7 248.13. 8 3 19. 2 — 37. 4. 2 41. 3. 4 106. 8. 8 Bulgarien . . . — 9.17.11 9.17.11 176.19.11 Süd-Amerika . . 11. 0. 7 63.16. 1 74.16. 8 34. 3. 9 Frankreich . . . 1.19. 5 2. 0.11 4. 0. 4 57. 6. 5 Italien..... 15.18. I 15.18. 1 37. 7. Palästina . . . 3.18. 3 16.17. 4 20.15. 7 43. 3. 6 Holland .... 9.17. 2 8.13. 8 268. 7. 5 286.18. 3 150. 6. 2 Belgien .... 19.16.11 22.18. 8 42.15. 7 109.19. 3 Dänemark und Schweden . . 0. 8. 6 I. 4. 0 1.12. 6 26.15.— Serbien .... — — — 10. 5. b Ägypten .... 1. 5. 4 13.17. 5 15. 2. 9 --10. 5 Spanien .... - 1. 3. 4 Türkei..... 0.14. 2 8.13. 3 9. 7. 5 ö. 6. 5 Australien . . . 2. 0. 0 10.12. 6 3.10. 0 16. 2. 6 .__ China..... 0.12. 6: — — 0.12. 6 -- Summa . . Hierzu Zinsen und Pacht .... Total . . 1236.11. 3" 1877.18. 0 2710. 8. 9 5854.18. 9 570.12. 2 «425.10.11 10741. 2.10 NB. In dieser Aufstellung sind blof3 jene Beträge aufgenommen, welche bis 31. Dezember 1906 bei der Bank effektiv eingegangen sind. — Trotz des leider wieder bedeutend zurückgegangenen Einlaufes aus Rußland, weist das Totalergebnis des 'Halbjahres ein plus auf, und zwar durch die bedeutend gehobenen Einlaufe aus Amerika und durch den stetigen Zuwachs aus England, Österreich - Ungarn, Deutschland, Holland usw.