Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 7 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 [ELT No. 7 o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o Palästina Am 9. Januar kamen Herr und Frau Wolffsohn in Jaffa an. Zu Ehren der Gäste gab der Direktor der Anglo Palestine Company Herr D. Levoniin am folgenden Abend eine Teegesellschaft, an der eine Anzahl der hervorragendsten Zionisten aus Jaffa und Jerusalem teilnahmen. Herr und Frau Wolffsohn, die bei ihrem Eintritt in die schön dekorierten Räume sehr herzlich empfangen wurden, nahmen Platz an einem mit prächtigen Früchten und herrlichen Erzeugnissen der palästinensischen Flora reicfi geschmückten Tische, worauf sofort Herr, Sc hei nk in, der Vorsitzende des Informationsbureaus, das Wort nahm zu einer Rede, die er am Anfang in hebräischer und fortfahrend in jüdischer Sprache hielt. Er führte etwa folgendes aus: Obwohl er das Prinzip der Subordination, der Unterwerfung des einzelnen einfachen Zionisten unter die Ordre unseres freiwillig gewählten Aktionskomitees hochhalte, wonach er kein Recht besitze, in dessen politischen Wirkungskreis sich einzumischen, halte er es für die Pflicht der Vertreter der palästinensischen Zionisten, daß der jetzt hier weilende Präsident des A. C. auf die konkreten Bedürfnisse und Erfordernisse der palästinensischen Kolonisation hingewiesen werde. Nachdem er selbst auf einige der dringendsten Forderungen verwiesen hatte, — es den nachfolgenden Vertretern einzelner Institutionen und Organisationen überlassend, ihre Anliegen an das A. C. selbst vorzutragen — schloß er mit dem Wunsche, daß der geehrte Gast sich selbst dauernd mit Palästina verbinden möge, indem er in dem herrlichen Lande ein schönes Stück Boden für sich erwerbe. Hierauf sprach der Direktor des jüdischen Jaffaer Gymnasiums von den kulturellen Bedürfnissen der palästinensischen Bevölkerung und verlangte hierfür Interesse und Unterstützung durch das A.-C. Ein junger Redner, der Vertreter des „Poale Zion", wies auf die jüdische Immigration als die Basis unserer kolonisatorischen Tätigkeit hin. Unser Aktionskomitee müßte sich bemühen, die bestehenden Beschränkungen für die Einwanderung russischer und rumänischer Juden nach Palästina zu beseitigen. Es ist zwar wahr, daß das rote Papier des Jaffaer Hafens, das zum Austausch gegen den Paß dem Immigranten eingehändigt wird, de facto eine unbeschränkte Reihe von Jahren gilt. Aber abgesehen von dem in moralischer Hinsicht unangenehmen Bewußtsein der Unsicherheit, liegt es nicht in unserem Interesse, die provinzielle Administration und die arabische Bevölkerung daran zu gewöhnen, uns als Ausländer zu betrachten. Die Interessen des jüdischen Arbeiters in Palästina, der als tatsächlicher Träger der realen Arbeit hier zu betrachten ist, erfreuen sich nicht der erforderlichen Aufmerksamkeit seitens des Aktionskomitees. Die jüdischen Arbeiter führen einen leider nicht beachteten, schweren Kampf, voll Entbehrungen, für die Eroberung des Arbeitsmarktes und der Arbeitsgelegenheit in unsem Kolonien, wo vorläufig noch die Arbeit des Arabers vorherrscht. Der einzelne Kolonist hat noch nicht die Abhängigkeit seiner persönlichen Interessen vom Gedeihen unserer jüdischen Kolonisationssache einzusehen und zu würdigen gelernt. Aber von unsem nationalen Einrichtungen können wir dieses Verständnis verlangen. Und doch arbeiten oft Nichtjuden auf dem Boden, der dem Nationalfonds und andern unserer Institutionen gehört. Das Aktionskomitee müßte ein für alle Male als Regel aufstellen, solche schädlichen Vorkommnisse nicht zu dulden. Die folgenden Redner waren die Vertreter der „Allgemeinen" Zionisten und der Arbeiterorganisation „Hapoel Hazoir". Der letztere wies auf die Tatsache hin, daß ein bedeutender Teil der palästinensischen Juden immer mehr zum Bewußtsein erwacht und sich immer mehr organisiert. Ihrer Stimme müsse in Sachen der Palästinaarbeit immer mehr Rechnung getragen werden. Es wäre vielleicht zweckmäßig, die ganze Palästinatätigkeit in einem hier errichteten Institute unter der Kontrolle unserer zentralen zionistischen Organe zu konzentrieren. Abgesehen von den durch einen der Vorredner angeführten Hindernissen bei der Ankunft im Land, gibt es Schwierigkeiten beim Landankauf. Diese Schwierigkeiten sind zu umgehen, aber für jeden Neuling kostet das Zeit und Geld. Der „Oscher", der dem Gesetze nach eigentlich eine sehr ziemlich mäßige Steuer bildet, (10°o der Ernte, bei einer Mißernte fällt er ganz weg), erscheint in seiner praktischen Anwendung als eines der stärksten Hindernisse der Kolonisation. Indessen könnte man für alle jüdischen Kolonien den Oscher pachten, indem man von der Regierung die Ausscheidung der jüdischen Kolonien in eine besondere administrative Gruppe erstrebt. Für alle solche Schritte wäre es sehr nützlich, in Konstantinopel eine besondere Institution zu besitzen. In der letzten Zeit gab es viele Momente, während welcher die Regierung eine solche Einrichtung sehr günstig betrachtet hätte. Der Redner der Allgemeinen Zionisten, Herr Golbi tz, hob in einer inhaltsreichen Rede die Bedeutung einer Agrarbank hervor. Er sagte etwa folgendes: Viele derjenigen, welche durch die Wellen der Emigration an das palästinensische Ufer geworfen worden sind, wollten sich hier ansiedeln. Aber für die meisten Leute mit kleinen Mitteln (zwei- bis dreitausend Rubel) war der Landankauf, der Erwerb des Inventars und einer Wohnung sowie das Abwarten der Ernte eine Unmöglichkeit. Infolgedessen waren viele dieser nützlichen Elemente gezwungen,, das Land zu verlassen. Auf diese Weise hat das jüdische Palästina Summen verloren, die vielfach dasjenige Vermögen übersteigen, das die ganze zionistische Organisation besitzt. Und die Tatsache, daß wir in nötigen Fällen kein Land besitzen, bewirkt, daß alles, was wir für die ökonomische Entwicklung des Landes tun, uns verloren geht und dazu dient, andere zu bereichern. Wer von den Freunden der jüdischen Kolonisation Palästinas bedauert z. B. nicht die Tatsache, daß der größte Teil vom Karmel sich in den Händen von Nichtjuden befindet. Wenn Palästina sich entwickeln wird, wird die in der Nähe vom Karmel gelegene Stadt Chaifa zu einem bedeutenden Hafen anwachsen, und wer wird davon mehr profitieren, als die in der Nähe befindlichen Gutsbesitzer? Eine Agrarbank also, die die notwendigen Mittel für diejenigen, die sich in Palästina ansiedeln wollen, schaffen wird, ist als eine unumgängliche Bedingung für unsere weiteren kolonisatorischen Fortschritte in Palästina anzusehen und das A. C. müßte der Einrichtung dieses Institutes seine volle Aufmerksamkeit zuwenden. * Am 13. veranstalteten die verschiedenen zionistischen Vereine in den Räumen der Share Zion-Bibliothek eine Versammlung, in der eine Deputation gewählt wurde, mit dem Auftrage, Herrn Wolffsohn die verschiedenen dringenden Wünsche der palästinensischen Zionisten und Juden vorzutragen. Diese Deputation veranstaltete eine Massenversammlung, die sehr gut besucht war, und an der auch Herr Wolffsohn teilnahm. Der Sprecher der Versammlung war Herr Scheinkin, Mitglied der A. C, der in seiner Rede zunächst der aufrichtigen Genugtuung Ausdruck gab, daß der Führer der Zionisten die weite Reise nicht gescheut habe, um sich selbst von den Zuständen im Lande der Zionisten zu überzeugen. Des weiteren führte er dann aus, daß diese Versammlung, an der die berufenen Vertreter aller Stände teilnähmen, wohl befugt sei, als Mittler zwischen der palästinensischer jüdischen Bevölkerung und dem Präsidenten des A. C. zu gelten „Wir wollen diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne es unseren Brüdern draußen in der Welt wiederum nachdrücklich ins Gedächtnis zu rufen, daß im Lande unserer Väter viele gute Zionister und Juden wohnen, die, nicht nur bereit sind, für unser Volk zu sterben, sondern deren glühender Wunsch es ist, hier für unser Volk leben und arbeiten zu können. Darum aber ist es unsere Pflicht unseren geehrten Präsidenten darauf aufmerksam zu machen, dal' wir gezwungen sind, die Erfüllung einer Reihe von Wünschen zi verlangen, die keinen politischen Charakter tragen und durchzuführei sind auch ohne politische Mittel. Zunächst wünschen wir, daß du Ein Wanderung von Juden nach Palästina ebensowenig einer Be schränkung unterworfen werde, als die der türkischen Untertanen Sodann müßte das System des „Oscher", der Steuerabgabe, da: in seiner gegenwärtigen Gestalt zu einer der drückendsten Plager der jüdischen Bevölkerung geworden ist, geändert werden. Dk Errichtung einer Agrarbank gehört zu den dringendsten Bedürf nissen der jüdischen Bevölkerung, damit die Einwanderer, die zwa Geld genug besitzen, um Land zu kaufen, aber nicht in der Lagt sind, das Kapital aufzubringen,, das zur Bewirtschaftung des Landenötig ist, dieses Kapital gegen Verpfändung ihres Landbesitze: erhalten können und die Möglichkeit haben, es zu guten Bedingungen zu amortisieren. Wir Zionisten müssen überall vorangehen in der Aufschließung des Landes. Darum ist es Pflicht der reichen Zionisten einen Teil ihres Kapitals hier anzulegen. Wenn dies nicht bak; geschieht, werden wir zu spät kommen. Ein großes Unrecht ist es daß Land, das von den Mitteln des Nationalfonds gekauft worden ist, von Arabern bearbeitet wird, wir müssen uns dessen schämen wenn wir in Betracht ziehen, daß hier eine Menge jüdischer Arbeite